Warum mache ich einen Blogeintrag aus meiner Antwort an Nick? Nun, einmal weil diese Antwort ein wenig lang für einen Kommentar wird (obwohl… wer mich kennt, weiß dass ich auch schon SEHR lange Kommentare verfasst habe).. Dann, weil ich es für möglich halte, dass sie auch ein paar andere Leser interessiert, die sie ansonsten nicht bemerkten. (Wer kein Interesse daran hat, ist hiermit gewarnt und kann diesen Eintrag ignorieren.) Schließlich, um noch einmal zu bekräftigen, dass ich an ehrlicher Kritik aufrichtig interessiert bin und mich auch intensiv damit auseinandersetze (wenn auch nicht jedes Mal in Form einer so ausführlichen Antwort)!
Wer nicht weiß, wovon die Rede ist, sollte HIER nachsehen!
„Die Ortsnamen wie „Heimat“, „Funken Hoffnung“, „Mond“ usw empfand ich beim Lesen immer wieder als störend und holprig zu lesen. Und „Neustadt“ klingt auch sehr komisch, weil wir in Deutschland auch so viele Orte habe die so heißen.“
Nun, wie nicht anders zu erwarten war, benutze ich diese deutschen Namen absichtlich. Neustadt ist der zentrale Ort in meiner Welt, und alle meine Texte spiegeln die Gedankenwelt seiner Bewohner wider. Für sie sind diese Namen VERTRAUT. Würde ich stattdessen Fantasienamen benutzen, die Stadt „Neozitta“ nennen etc… erleichtert das vielleicht dem Leser, sich darunter etwas Fremdartiges vorzustellen – aber für Neustädter SIND diese Orte und Namen nicht fremd! Wir sprechen von unserer Erde als „Erde“, nicht als „Terra“. Wir nennen die Hauptstadt Polens Warschau und nicht Warszawa und sprechen Paris nicht „Pahrie“ aus. Ebenso benutzen Neustädter für Orte und Dinge, die ihnen vertraut sind, Begriffe, die ihnen vertraut klingen. Ich übersetze das Neuländische mit Deutsch; und deswegen benutze ich auch deutsche Bezeichnungen für Orte, die in Neustadt mit neuländischen Namen bezeichnet werden.
Fremdländische Namen gibt es dann, wenn sie auch für Neustädter Ohren fremd klingen. Lijco oder Tai-Mang sind Beispiele, aber auch elbische Namen wie Margas oder Caleron.
Schließlich hat das Neuländische, welches eine von Zwergen (die eine äußerst rational denkende Rasse sind) entworfene Kunstsprache ist, eine Tendenz zu möglichst simplen und treffenden Bezeichnungen. „Neustadt“ und „Neuland“ sind exemplarisch dafür: Eine neu erbaute Stadt in einem neu besiedelten Land konnte gar nicht anders heißen!
In einigen Fällen hingegen werden Euphemismen benutzt. „Fest zur Begegnung der Völker“ ist mit Sicherheit eine Wortschöpfung der Halblinge für jene Veranstaltung, welche der Volksmund respektlos, aber letztlich treffender als „Schlampenball“ bezeichnet. „Funke Hoffnung“ ist zwar eine Übersetzung aus dem Elbischen (bereits nach dem Lesen der ersten beiden Geschichten sollte klar geworden sein, dass Neustädter für gewöhnlich das Elbische vermeiden), aber die Elben haben diesen Ort nicht ohne Grund so genannt (vielleicht werde ich bereits in der nächsten Geschichte darauf zu sprechen kommen; das kann ich noch nicht sagen).
Worauf es hinausläuft: Ich benutze diese Wörter ganz bewusst, um denjenigen Lesern, die Spaß haben, sich in ihre mögliche Entstehungsgeschichte hineinzudenken, mehr Tiefe zu bieten. Fantasienamen könnten das nur eingeschränkt leisten (und sind außerdem, ironischerweise, eher ein Beweis von MANGELNDER Fantasie eines Autors!) Ich lehne das Elbische teilweise bewusst an das Lateinische an, um dort einen ähnlichen Effekt wenigstens in abgeschwächter Form zu nutzen (siehe „Solitas“), aber auch, um die Herkunft von Bezeichnungen wie „Kilometer“ zu erklären (die Wissenschaftssprache auf Heimat ist Elbisch, so wie in unserer Welt die Gelehrtensprache lange Latein war).
Dass diese Benennungen beim Lesen einer einzelnen Geschichte ein wenig irritieren können, sehe ich ein, Langfristig jedoch glaube ich daran, dass meine Welt mehr Tiefe und Glaubwürdigkeit erlangt, wenn die Orte darin nicht QWERTZUIOPÜ heißen.
„„Ätherfestung der Elben zwischen Heimat und Mond“.
Obwohl ich plainswalking Geschichten kenne und mir auch so etwas wie einen Äther vorstellen kann war dieser Satz beim ersten mal lesen sehr verwirrend und wo sich diese Festung nun befindet ganz und gar nicht klar. Ich habe unter Anderem vermutet, dass Heimat und Mond die Bezeichnungen für verschiedene Länder auf einem Planeten sind und die Festung an der Grenze liegt.
Nun nach dem ich den Text komplett ein zweites mal gelesen habe ist mir klar das der Äther wohl mehr der Weltraum ist… wirklich verwirrend diese Bezeichnungen.“
Hm. Hier habe ich wohl den Fehler gemacht, zu sehr von mir auf andere zu schließen – als langjähriger Rollenspieler und Liebhaber phantastischer Literatur bin ich davon ausgegangen, dass die meisten (gebildeten, sonst würden sie meine Geschichten wohl eh nicht lesen) Leser mit dem Konzept des Äthers vertraut sind: Bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts gingen Wissenschaftler davon aus, dass das Universum von einer äußerst feinen Substanz, eben dem Äther, durchzogen sein müsste, da sie sich nicht vorstellen konnten, wie sich Lichtwellen ohne ein Medium, in welchem diese Wellen geschlagen werden, ausbreiten könnten. Diese Ideen haben phantastische Autoren der letzten Jahrzehnte immer wieder aufgegriffen, um alternative Realitäten zu beschreiben, und ich hatte eher gefürchtet, dass mir die Übernahme dieses Konzeptes als zu abgegriffen vorgeworfen werden würde. Ätherraumschiffe sind eigentlich ein fester Bestandteil der „Weird Science“…
Nun gut, aber das ist kein Problem. Als Jugendlicher habe ich Hunderte Science-Fiction-Romane gelesen und bin dort auch ständig mit Konzepten vertraut gemacht worden, die sich mir erst nach und nach beim genauen Lesen dieser Bücher erschlossen. Das gehört dazu.
Den Weltraum bezeichnen Neustädter übrigens als das „Nichts“. Ich denke, wenn man Verorkung aufmerksam liest, werden diese Zusammenhänge auch klar, so wie sie Nick dann auch klar geworden sind. Heutzutage wird es bereits als Makel eines Textes angesehen, wenn man ihn sorgfältig oder gar ein zweites Mal lesen muss, um ihn vollständig zu verstehen, aber dieser Entwicklung werde ich nicht folgen. Ich habe nicht den Anspruch, „Faust“ oder „Ulysses“ zu verfassen, aber ich setze durchaus voraus, dass ein Leser sich für meine Texte ein wenig Zeit nimmt und sich in sie hineindenkt. Als Gegenleistung dafür bemühe ich mich, auch genügend Dinge von Interesse darin unterzubringen, die sich auf diese Art finden lassen!
„„Er hatte andere Welten besucht: Im Ätherjäger war er mit seiner Erzieherin Tauriel in den Farnwäldern der Drachenwelt Dame gelandet, auf dem luft- und wasserarmen Mann, unter dessen Oberfläche die Brut nistete, auf den Splittern, in denen die Zwerge nach dem wertvollen Splittermetall, sowie nach seltenen Kristallen schürften, und in den Schwebewäldern von Mond, der Heimat der Gnome.“
Mein Gehirn hat hier so Sachen wie Drachen-Dame, Wassermann, Drachenwelt Damen mit wasserarmen Männern und andere Sachen gelesen. Den Satz habe ich auch nach 3 mal lesen nicht verstanden und erst heute beim zweiten mal lesen, der ganzen Geschichte, ist mir klar was gemeint ist.
Ich kann verstehen, dass du keine fantasie- oder englischen Namen benutzen willst und es macht auch Sinn, dass die Himmelskörper Dame und Mann (warum nicht Herr?) heißen.“
„Dame “ ist die Welt, auf der die Drachen, die Götter der Menschen, residieren, deswegen die respektvollere Bezeichnung. „Mann“, von dem die verhasste und gefürchtete Brut stammt, hat sich diesen Respekt nicht verdient (und außerdem werden seine beiden Begleiter seine „Hoden“ genannt, wozu „Herr“ nicht so recht passen würde!)
„Es würde das Lesen des Textes aber ungemein erleichtern, wenn du Fantasienamen benutzen würdest oder du benutzt lateinische oder griechische Bezeichnungen. Denn es macht genau so Sinn, das die Namen der Himmelskörper noch aus einer der Ursprachen der Menschen erhalten geblieben sind. Du könntest dann auch einfach ein Glossar erstellen, denn es handelt sich ja um ein ganzes Universum, was du gerade kreierst. Es würde sich zB. anbieten „romgische“ Namen zu verwenden, als Überbleibsel altländischer Kultur. Das Problem ist, dass du Worte als Ortsnamen benutzt, die eine klare Assoziation beim Leser hervorrufen, weil sie schon eine Bedeutung besitzen, und ein Weltbild (deiner Welt) erzeugen, was dieser Welt nicht entspricht. So kommt es auch zu weiteren Missverständnissen. Es ist leichter sich die Bedeutung eines neuen Wortes zu erschließen als zu lernen, dass ein Wort was man schon kennt jetzt eine neue zusätzliche Bedeutung hat.“
Ja, ein Glossar wäre eine gute Idee… Ich habe bislang keines erstellt, weil ich es ein wenig blöd fand, erst ein Glossar dieser Welt zu erstellen und dann erst Geschichten zu veröffentlichen, die in dieser Welt spielen. Wie ich bereits erklärte, haben diese Orte aber zum größten Teil neuländische Namen erhalten, die teilweise auf älteren Bezeichnungen beruhen mögen. „Dame“ zum Bespiel wäre eine mögliche Übertragung von „Venus“ ins Deutsche… („Schönheit“ wäre eine andere Möglichkeit, aber dann ginge der Gegensatz zu „Mann“ – von „Mars“ – verloren.) Genau das, was Nick aufgefallen ist, war vollauf beabsichtigt und hat seine Wurzeln in der Geschichte Neulands!
Das Lesen zu erleichtern ist prinzipiell ein lobenswertes Unterfangen, aber machmal lohnt es sich, den Leser dazu zu bringen, sich intensiver mit einem Text auseinanderzusetzen.
„Du benutzt *** um die Rückblende abzuschließen, macht es nicht Sinn sie auch am Anfang einer Rückblende zu setzen?“
Hm, das ist etwas, worauf ich vielleich nicht genügend geachtet habe: Ich benutze diese Sternchen (die eigentlich zentriert sein sollten, aber das ist eine lästige Arbeit, für die ich bislang zu faul war) einfach, um meine Texte in Abschnitte zu gliedern, eine Art kleinere Kapitel. Natürlich enden diese Abschnitte oft gleichzeitig mit einer Rückblende; das kann Verwirrung stiften. Ein Übergang aus der Gegenwart in eine Rückblende verlangt nicht immer einen neuen Abschnitt, das Ende einer Rückblende hingegen eigentlich immer. Allerdings habe ich die Sternchen auch sehr häufig an Stellen gesetzt, die nichts mit einer Rückblende zu tun haben, daher hoffe ich, dass die Verwirrung sich hier in Grenzen hält.
„„Die Wache wechselte zum letzten Mal auf dieser Reise. Keiner der unter Deck hastenden Matrosen wechselte ein Wort mit ihm oder warf ihm auch nur einen Blick zu.“
Dopplung von „wechselte“ gewollt?“
Eindeutig NEIN – das wird geändert!
„„Viele zogen es vor, in ihre Heimatländer zurückzukehren und diese ohne fremdrassige Einmischung wieder aufzubauen, ein Prozess, der durch zahlreiche wieder aufflammende Streitigkeiten miteinander viele Rückschläge erlitt.“
nicht untereinander?“
„miteinander“ ist ebenso richtig, aber „untereinander“ liest sich tatsächlich besser – wird geändert!
„„Er hatte im Traum mit zweiköpfigen Trollen gerungen“
Boah er muss ja stark sein wenn er im Traum Trolle besiegen kann…
Wenn ich im etwas im Traum kann übertrage ich das auch immer gleich auf die Wirklichkeit.
Das Wort sorgt hier wieder für Verwirrung.“
Glaube ich. Aufmerksames Lesen wird aber auch hier klarmachen, dass der „Traum“ ein Ort ist, den man bereisen kann.
Und ja, er IST stark, genau das soll diese Passage auch zeigen!
„„Sein elbischer Vater war auf einer Reise durch den Traum gestorben, als er drei Jahre alt gewesen war.“
Würde hier Haupt- und Nebensatz umdrehen, klingt sonst als ob der Vater mit drei Jahren gestorben ist.“
Hier widerspreche ich einmal – in diesem Kontext ist das einfach nicht missverständlich!
„„Spitzengeschwindigkeit von beinahe dreitausend Kilometern am Tag.“
Ist es den Zwergen oder auch Elben noch nicht gelungen Uhren zu bauen? Wie lang ist ein Tag? 14 16 oder 18 Stunden? Den technisch anscheinend sehr begabten Zwergen wird doch sicher etwas besseres eingefallen sein als Geschwindigkeiten in „Kilometer am Tag“ zu messen.
Begriffe wie „Heimat“, „Funken Hoffnung“, „Mond“ dann aber wieder „Tai-Mang“ oder „Romgor“ und dann „Kilometer“ nagen an der Authentizität. Auch wenn du das alles logisch begründen kannst wirkt es für mich nicht stimmig.“
Ah, da ist es ja wieder, das Problem von Subtilität vs. mangelnder oberflächlicher Stimmigkeit! Diese beiden Prinzipien sind nun einmal unvereinbar – Subtilität bedeutet, dass das Nachdenken über kleine, scheinbare Unstimmigkeiten Informationen zu Tage fördert. Warum „Tai-Mang“ in den fernen Reisländern keine neustädtische Bezeichnung hat, sollte nachvollziehbar sein. „Romgor“ ist einfach ein für die Geschichte von Heimat viel zu bekannter Ort, um von einer neuländischen Wortneuschöpfung abgelöst zu werden. (Außerdem müsste eine Übersetzung „Reichsmitte“ oder so ähnlich lauten, was in Neustadt einfach keinen Sinn ergäbe). „Kilometer“ ist wissenschaftliche Sprache. Neustadt ist eine von Zwergen und Elben errichtete Stadt, in der die Menschen mit vielen solchen wissenschaftlichen Fremdwörtern vertraut sind (in Romgor oder Wordorf würde man garantiert von „Meilen“ sprechen). Und natürlich können die Zwerge Uhren bauen und tun es auch. Wieso messen sie die Geschwindigkeit also nicht in Stundenkilometern, sondern in Kilometern am Tag?
Das war als so ein kleines Bonbon für diejenigen Leser gedacht, die erst wie Nick über diese scheinbare Unstimmigkeit stolpern, sich dann aber fragen, WARUM sie besteht! Vielleicht können sie es erraten, vielleicht bleibt es aber auch im Hinterkopf, bis sie beim Lesen einer späteren Geschichte darauf stoßen… Zwerge sind in der Welt von „Menschheitsdämmerung“ die Planer, die rational denken und alles durchorganisieren. Sie bauen Häuser und Straßen, sie errichten die Verwaltung (alleine in „Verorkung“ werden bereits die Hafenbehörde, die Handelsbehörde und die Sterbebehörde erwähnt): Sie planen langfristig. (Selbstverständlich sind sie auch für das Bankwesen verantwortlich!) Kurzzeitige Spitzengeschwindigkeiten interessieren sie nicht (die sind viel interessanter für die abenteuerlustigen jungen Gnome!) Sie wollen nicht wissen, wie weit die Bahn in einer Stunde fährt, sondern welche Strecke sie an einem Tag zurücklegt, denn sie wird beinahe den ganzen Tag über im Einsatz sein. Diese Bezeichnung ist also ein kleines Guckloch in die Zwergenpsychologie!
„„Viele Menschen mussten nur drei oder vier Sechsstundenschichten in der Woche leisten“
Hier verwendest du Stunden, dann kannst du doch auch bei der Geschwindigkeit km/h benutzen.“
Könnte ich – aber die Zwerge würden es eben nicht tun!
„„Er konnte billigen Wein in ihrem Atem riechen.“
Er kann den Geruch von billigen und teuren Wein an dem Atem des Trinkers unterscheiden? Er muss eine sehr gute Weinschulung genossen haben oder erklärt sich dies durch seine übersinnlichen Fähigkeiten?“
Hm. Hier, das muss ich zugeben, habe ich mich ein wenig auf Hörensagen verlassen. Irgendwo habe ich es her, dass billiger Wein und guter Wein sich in einigen grundlegenden Eigenschaften unterscheiden, dass billiger Wein zum Beispiel schneller Kopfschmerzen und stärkere Kater verursacht, aber eben auch eine stärkere Fahne. Wenn das der Fall sein sollte, wäre ein Solitas (der in seinem Leben gewiss schon mit einigen Betrunkenen zu tun hatte) mit seinen scharfen Sinnen auch in der Lage, das zu erkennen. Wenn nicht… nun, dann hat er eben in seine Wahrnehmung eine naheliegende Schlussfolgerung einfließen lassen, dass sich seine in einfachen Verhältnissen lebende Mutter vermutlich nicht mit teurem Wein betrinkt.
„„Und doch, er zweifelte keine Sekunde daran, dass sie die Wahrheit sprach.“
Warum zweifelt er nicht? Er wurde doch eigentlich so erzogen, dass er Dinge hinterfragen soll um sie zu verstehen. Sie ist merklich alkoholisiert und er für ihn praktisch eine Fremde. Ihr bedingungslos zu glauben widerspricht allem was er gelernt hat. Warum er trotzdem sofort ein so intimes und vertrautes Verhältnis zu ihr hat wird nicht klar.“
Er glaubt ihr, weil er ihr glauben WILL. Nein, sein Verhalten ist nicht gerade eine Sternstunde für einen Solitas. Anstatt kritisch nachzufragen und sich detaillierte Hintergrundinformationen zu verschaffen, handelt er emotional, verfällt in Hektik und Aktionismus. Es ist nicht das einzige Mal in dieser Geschichte, dass er menschliche Schwächen zeigt.
„„An den mittleren Holzpfosten war ein menschliches Mädchen von ungefähr 15 Jahren gefesselt. Zu seinen Füßen brannte ein Feuer.“
Zu ihren Füßen. Achja oben Fussball dann auch mit ß“
DAS Mädchen, SEINE Füße, das stimmt schon. Aber Fußball mit „ß“, das stimmt natürlich auch!
„„Der Sternenhimmel über Neustadt verriet Margas, dass es ungefähr zwei Uhr früh sein musste.“
Die Zeit ist gefühlsmäßig etwas zu schnell vergangen oder es stellt sich die Frage worüber sie noch so lange gesprochen haben. Zwei Uhr, das heißt die Zwerge habe sogar Uhren erfunden, dann könnten sie Geschwindigkeit doch in Meter pro Minute oder Sekunde angeben.“
Können sie, tun sie aber aus oben genannten Gründen nicht. Die wiedergegebene Unterhaltung deckt die vergangene Zeit nicht ab, das stimmt (auch wennn ich nicht festgelegt habe, wann Margas das Gasthaus betrat). Ich weiß allerdings nicht, ob es sinnvoll ist, wenn ein Autor im Text ausdrücklich darauf hinweist, dass er Gespräche exzerpiert und Dialoge aus Gründen der Lesbarkeit und Dramatik geglättet hat. Reale Unterhaltungen sind niemals so stringent und pointiert wie geschriebene (oder gesprochene) Dialoge. Eine reale Unterhaltung über solche Themen hätte sicherlich mehrere Stunden gedauert.
„Also wie man sich den Ätherjäger den dazugehörenden Äther und den Traum vorstellen soll fehlt in der Geschichte und sorgt bei mir für viel Verwirrung.“
Das stimmt, das wird nur kurz angerissen und weckt hoffentlich Neugierde! ALLE Erklärungen konnte ich aber in einer Geschichte wirklich nicht unterbringen.
„„Die Rechnung von beinahe 50 Neuländer Talern für Hartmann und ihn übernahm er und rundete den Betrag großzügig auf.“
Wie viel hat er denn nun gezahlt? 50? dann kann es ja nicht großzügig sein, denn die Rechnung beträgt ja schon beinahe 50. Oder besitzen Menschen dieser Welt 12 Finger und darum rundet er direkt auf 60 ?“
Eine Rechnung von zum Beispiel 49,50 auf 52 oder auch 55 Euro aufzurunden ist ein mir absolut vertrauter Begriff. „Aufrunden“ hat beim Geben von Trinkgeld nicht seine streng mathematische Bedeutung.
„Immerhin besteht ja eine Halbe-Halbe-Chance, dass das Kind eines Menschen und eines Neumenschen ein Neumensch ist.“
Also die Biologie verhält sich in deiner Welt doch recht komisch, du spricht ja auch von Rassen, also ist es um so komischer, dass entweder Mensch oder Neumensch entsteht und kein Mischling.“
Ja, so verhält sich die Biologie dort, zumindest was die Rassen der Menschen und Neumenschen anbetrifft. Um diese wichtige Information dem Leser zu vermitteln, habe ich es beschrieben. In der irdischen Biologie gibt es so etwas in manchen Fällen übrigens auch, glaube ich. Jedenfalls gibt es auf Heimat keine „Halborks“ oder „Viertel…“, äh „Halbhalblinge“, und wenn, dann sind es seltene Missgeburten.
„Also wie man als Mensch zu einem Ork werden kann ist mir nicht klar. Für mich klingt das mehr so wie eine Ehrenbürgerschaft, ein „Ehrenork“. Und was haben bitte die Orks davon Menschen als ihre anzuerkennen?“
Für Orks ist es einfach: Ork ist, wer wie ein Ork lebt. Oberflächliche Äußerlichkeiten zählen für sie nicht. Sie fragen nicht danach, was sie „davon haben“, genau so wenig, wie sie bei einem geborenen Ork danach fragen würden.
„Wenn deine Sprache bildlicher, wortmalender wäre und du mehr Sinneseindrücke deiner Figuren beschreiben würdest, würde es der ganzen Welt mehr Leben einhauchen. Deine Sprache ist zwar nicht absolut nüchtern und kurz aber sehr faktisch, fast mathematisch. Das ist aber ein sehr persönlicher Eindruck.“
Gerade deswegen ist es ein sehr wichtiger Eindruck! Ich bemühe mich, sehr präzise zu formulieren. Ich achte auch bewusst darauf, Sinneseindrücke zu schildern, aber letztlich werde ich hier immer weniger als andere Autoren bieten, weil ich selbst die Welt eher abstrakt wahrnehme. Ich bin leider Gottes kein guter Beobachter, deswegen werden meine Beschreibungen nie in erster Linie bildhaft sein. Mein Augenmerk liegt mehr auf Zusammenhängen, Gedankengängen und Emotionen. Ich versuche aber, Bildhaftigkeit nicht völlig aus den Augen zu verlieren.
„Insgesamt muss ich sagen, dass mir die Geschichte aber gut gefallen hat auch, wenn das vielleicht nicht so klingt. Es ist eine schöne Parabel auf Abgründe dieser, unserer Welt und ich freue mich was das betrifft schon auf die nächsten Teile der Menschheitsdämmerung.
Spontane Assoziationen die ich mir beim lesen aufgeschrieben habe sind: Sozialismus, Sozialstaat, Hartz IV , Wohlstandsgesellschaft, Schaffenskrise, Sinnlosigkeit des Seins, Individualismus, Selbsterfüllung, der ewige Zweite, Identität, das Böse.“
Ich wüsste noch ein Dutzend oder so mehr… Tolkien hat in seinem Vorwort zum Herrn der Ringe etwas sehr Wichtiges übder den Unterschied zwischen Allegorismus und Anwendbarkeit geschrieben. Wenn ich meine eigene Geschichte interpretieren müsste (wogegen ich mich allerdings entschieden verwahre!), dann könnte ich mehrere völlig unterschiedliche Ansätze bieten, die aber letztlich alle ihre Wurzeln in einer grundlegenden Wahrheit haben: Die Absurdität der menschlichen Seele.
So, die Nachkorrektur an „Verorkung“ ist durchgeführt! Auch in Elbenruf habe ich beim einundzwanzigsten Mal Durchlesen noch zahlreiche Fehler entdeckt, die mir die ersten zwanzig Male nicht aufgefallen sind… Es hat schon seine Gründe, dass man seine Texte immer noch einmal jemand anderem zum Korrekturlesen geben sollte, man ist einfach betriebsblind!
…oder sind es etwa doch die Tippteufelchen?
Die Bezeichnung der Himmelskörper usw. ist nun nachvollziehbar. „Elbenruf“ liest sich, was das angeht, schon sehr viel besser. Ich denke, dass „Verorkung“ unter der Sonderstellung, eine Einleitung in die „Menschheitsdämmerung“-Welt zu geben, ein wenig leidet. Ich denke der Spagat ist dir nicht ganz geglückt.
„“Romgor” ist einfach ein für die Geschichte von Heimat viel zu bekannter Ort, um von einer neuländischen Wortneuschöpfung abgelöst zu werden.“
Also sind die Bezeichnungen von „Heimat“, „Mond“, „Dame“ und „Mann“ im „Neuländischen“ und „Romgischen“ identisch oder?
„[...] Kurzzeitige Spitzengeschwindigkeiten interessieren sie nicht [...]“
„[...]ließ sich aber weitaus billiger mit präparierter Kohle befeuern und erreichte ohne Zusatzlast die immer noch sehr beeindruckende Spitzengeschwindigkeit von beinahe dreitausend Kilometern am Tag.“
Dann ist das Wort Spitzengeschwindigkeit aber etwas seltsam, wenn es eigentlich nicht im Wortschatz der Zwerge auftaucht. So was wie „Reichweite“ wäre dann doch passender.
Eine Anmerkung zu „Elbenruf“ habe ich auch schon:
„Die Hitze wurde stärker, brannte aber nicht auf ihrer Haut, durchströmte ihren Körper, schien von innen zu kommen, aus ihr heraus. Sie war die Melodie, sie war die Flammen, brannte mit dem Feuer des Lebens, tanzte, tanzte, immer weiter, dachte nicht mehr, sah nicht mehr, hörte nicht mehr, spürte nur noch, fühlte die Hitze des Tanzes… „
Würde hier „[...] , brannte aber nicht auf ihrer Haut, [...]“ streichen, denn es bedarf keiner Erläuterung um zu wissen, dass sie nicht aus Versehen ins Lagerfeuer tritt. Die positiv wirkende Assoziationskette wird durch diese Anmerkung durchbrochen. Es kommt auch zu der unschönen Dopplung des Wortes „brannte“.
Was die Fortpflanzung in deiner Welt betrifft frage ich mich wirklich, wie das funktionieren soll, gerade wenn die Mutter ein „Neumensch“ ist.
Soweit erstmal…
Ich denke, wir stoßen hier in einen Bereich vor, in dem es unmöglich ist, bis ins kleinste Detail so zu formulieren, dass kein Leser mehr Widersprüche findet, da jeder sich beim Lesen etwas andere Gedanken macht. Deswegen erkläre ich nur, was ich mir dabei gedacht habe, ohne zu implizieren, dass dies auch jeder andere genau so hätte wahrnehmen sollen:
Für die Himmelskörper „Mond“, „Dame“ etc… existierten in verschiedenen Sprachen verschiedene Namen. Deswegen erhielten sie neugeschaffene Bezeichnungen auf Neuländisch. „Romgor“ hingegen war ein Eigenname, der auch in anderen menschlichen Sprachen so bekannt war. (Im Romgischen bedeutet er „Reichsmitte“.)
Zwerge wären eher an einer „Betriebshöchstgeschwindigkeit“ interessiert als an einer „Spitzengeschwindigkeit“ (auch wenn sie diesen Begriff natürlich ebenfalls kennen), aber Margas ist ja kein Zwerg. Er übernimmt die physikalische Einheit, die er im Zusammenhang mit Zügen gewohnt ist, so wie wir bei Schiffen Geschwindigkeiten in „Knoten“ angeben, selbst wenn wir teilweise gar keine Vorstellung daven haben, wo diese Bezeichnung herstammt und benutzt sie für einen Vergleich, der seiner Denkweise entspricht.
Brennen: Hitze, die von außen kommt, brennt zunächst auf der Haut. Tarinas Hitzeempfinden kommt aber von innen, aus ihr heraus, obwohl sie eng zwischen den Feuern tanzt. Das wollte ich hier zum Ausdruck bringen. Die Wortdopplung ist hier gewollt (auch wenn es mir durchaus häufig passiert, dass ich ungewollt Dopplungen übersehe, die korrigiere ich dann aber immer stillschweigend aus meinen Texten heraus, sobald sie mir auffallen), weil ich einmal sage, dass nicht das Feuer auf ihrer Haut brannte, und dann, dass SIE brannte.
Biologie: Nun… zunächst einmal ist es eine Fantasy-Welt, und da kann man sich immer bei vielem fragen, wie es funktionieren soll. (Ich glaube, das neustädtische Wärmeleitsystem ist da für Physiker noch erheblich gewöhnungsbedürftiger!) Genetik ist für die allermeisten Menschen kein Gebiet, auf dem sie sich wirklich genau auskennen, und ich zähle mich dazu. Trotzdem eine pseudowissenschaftliche Erklärung: Die Entwicklung des menschlichen Körpers aus seiner DNS heraus ist ein äußerst komplexer Vorgang. Physische Merkmale können mit genau einer Sequenz der DNS in Verbindung gebracht werden, mit dem Zusammenspiel von mehreren, oder sogar in mehreren Phasen immer wieder rückbezüglich auf einzelne Sequenzen, die in verschiedenen Entwicklungsschritten immer wieder an verschiedener Stelle den Vorgang beeinflussen. Ich habe dazu einmal folgenden Vergleich gelesen: Man nehme ein Schachspiel, auf dem man die Figuren nach bestimmten Regeln ziehen darf. WIE man sie ziehen darf, bestimmt die aktuelle Stellung der Figuren. Auf welche Weise die Stellung der Figuren die Regeln beeinflusst… bestimmt die Stellung der Figuren. Auf welche Weise dieses geschieht… und so weiter! Die Figuren sind also gleichzeitig der Gegenstand der Entwicklung, das Regelwerk dazu, das Regelwerk zum Regelwerk etc…
Bei solch unglaublich komplexen Vorgängen genügt eine winzige Veränderung, um das ganze System in eine völlig andere Richtung zu schicken. Wenn nun ein spezielles Neumenschen-Gen entweder aktiviert ist oder nicht, dann löst es diesen komplexen Vorgang, der zur Entwicklung eines Neumenschen führt (Neumenschen sind ja Weiterentwicklungen „normaler“ Menschen) entweder aus oder nicht. Wenn Vater und Mutter Neumenschen derselben Rasse sind, dann wird dieses Gen immer aktiv. Wenn nicht, dann können die dazu nötigen Bedingungen erfüllt sein oder eben auch nicht. Dabei spielt sowohl der Samen des Vaters eine Rolle, als auch die Eizelle der Mutter: Beides sind Einflüsse, welche auf die sich teilenden Zellen wirken.
Ach ja, bei Elben würde diese Erklärung nicht greifen, denn Elben sind ja keine veränderten Menschen, sondern perfekte Versionen! Aber, nun, wie wir unterdessen wissen, funktioniert es bei Elben ja auch nicht so…