Andi sieht fern

Ja, ich habe hier eine ganze Weile nichts mehr geschrieben. Und wisst Ihr was: Ich habe es nicht einmal gemerkt! Ich hatte halt jede Menge andere Sachen im Kopf…

Irgendwie kommt mir zur Zeit immer etwas dazwischen, wenn ich wieder einen etwas längeren Eintrag verfassen will, also versuche ich es in nächster Zeit erst einmal wieder mit ein paar Kurzeinträgen.

Heute zum Thema TV:

Zuletzt habe ich am frühen Nachmittag gelegentlich den Fernseher nebenher laufen lassen. Meistens blieb ich beim Duchschalten an irgendwelchen Gerichtssendungen hängen. Und wisst Ihr was: Die gefallen mir! Natürlich muss man sich klar machen, dass diese Verhandlungen zu höchstens 10 Prozent Dokumentaton und zum Rest Fiktion sind. Hey, Verhandlungen, die in absehbarer Zeit nicht nur zu Ende gehen, sondern bei denen sogar die Wahrheit gefunden wird? Richter, die intelligent, aufmerksam und gutmütig sind und sich für die Belange der Menschen, über die sie urteilen, tatsächlich interessieren? Jajaja, schon klar, das ist nicht realistisch – aber das sind Krimis von Agatha Christie auch nicht, und die gefallen mir ebenfalls! Nicht, dass diese Sendungen in punkto Ausgeklügeltheit mit den Krimis jener Lady auch nur verglichen werden dürften, aber sie zeigen gut ausgedachte, authentische (und für die Bedürfnisse der Sendung nur leicht überzogen dargestellte) Charaktere und durchaus denkbare (wenn auch wiederum für die Sendung verdichtete und etwas überspitzte) Handlungsabläufe. Selbst die Schauspieler finde ich überzeugender als in einer typischen deutschen Fernsehserie (es gibt mir übrigens zu denken, dass sie exakt so glaubhaft agieren, wie die typischen Talkshowgäste, die sich mit ihrem klischeehaften Verhalten lächerlich machen!) Als Rollenspielleiter finde ich hier jede Menge höchst brauchbare Anregungen.

Außerdem habe ich zufällig neulich „Krügers Woche“ gesehen und muss sagen, das ist eine wirklich gute Comedy-Serie mit angenehmem satirischen Einschlag und herrlicher politischer Unkorrektheit! Wer hätte gedacht, dass Mike Krüger tatsächlich lustig sein könnte? Überhaupt verbinde ich Pro 7 immer mehr mit gutem deutschen Humor (ein Begriff, der ja immer noch den Klang eines Oxymorons besitzt) – immerhin ist auch Switch bei diesem Sender ansässig, und die Märchenstunde! (Und die Simpsons laufen da ebenfalls! Natürlich ist das aber kein deutscher Humor.) Allerdings auch Hans-Werner Olm…Ich fürchte, der Typ ist genau das, was man sich im Ausland unter den vergeblichen Versuchen der Deutschen, witzig zu sein, vorstellt: Laut, dumm und peinlich und selbst in seinen besten Momenten maximal halb so witzig wie ein billiges Furzkissen. Naja, wo Licht ist…

Die penetrante Werbung verleidet mir allerdings den Fernsehspaß. Ich bin nicht der Typ, der einfach immer hin- und herzappt und Sendungen bruchstückweise sieht; ich will vom Anfang bis zum Ende dabei sein, ohne etwas zu verpassen! Wenn man nebenher andere Dinge tut (Hausarbeit, Karten Sortieren etc…), ist daher Ton Abschalten nicht die beste Idee, und so oft, wie heutzutage Werbeeinblendungen stattfinden, muss ich nicht aufs Klo (und auch nicht so lange). Meistens fliehe ich dann zu meinem weit entfernten Computer und gondele eher sinnfrei im Netz herum (um Blogeinträge zu verfassen, reichen da Zeit und Konzentration leider nicht), während ich mit einem Ohr hinhöre, ob der Werbeblock sich seinem Ende nähert. Das verbrät aber zu viel Zeit, die ich produktiver nutzen sollte.

Im Endeffekt bekomme ich immer noch viel zu viel Werbung mit. Sind wir Menschen wirklich so dumm, dass wir auf diese Reklame tatsächlich anspringen? Offensichtlich sind wir es.

Ein Spot übrigens ist mir positiv aufgefallen – nicht, weil ich ihn witzig oder erfreulich fände, oder weil er mich vom beworbenen Produkt überzeugt hätte, sondern weil er in gewisser Weise ungeschminkt ehrlich ist:

„Du Mama… Wenn Papa tot ist, kaufe ich mir ein Pony!“

(Ihr kennt ihn bestimmt.) Hey – was sonst bedeutet eine Lebensversicherung denn?

Nur ein toter Vater ist ein guter Vater, nicht wahr?

Veröffentlicht in: Allgemeines on September 4, 2007 at 1:10 Kommentare (13)
Tags: , , , ,

13 Kommentare Leave a comment.

  1. Simpsons und kein deutscher Humor? Geh doch mal auf die englische(!) Wikipedia-Seite und such dort nach Schadenfreude. :P

  2. Hm, Gerichtssendungen sind überhaupt nicht mein Fall. Aber da du es erwähnt hast, ist mir auch gerade wieder was eingefallen. Ein alter Schulfreund von mir kannte eine „Schauspielerin“ davon. Ich glaube, die Personen die da mitspielen, sind tatsächlich aus dem Leben gegriffen und haben keine wirkliche (hobby-)Schauspielschule hinter sich.

    Thema Pro7: Für mich der beste Fernsehsender derzeit.

    Bei der Werbung frage ich mich als auch: Wie sehr lassen wir uns davon beeinflussen? Generell scheint jeder vom Kopf her abzuschalten wenn sie kommt bzw. bekommt sie eben so am Rande mit.

    Ach ja: Die Tochter will übrigens glaub ich gleich einen Ponyhof ;-)
    *schluck* sollte etwa doch mehr Werbung bei mir hängen geblieben sein als ich dachte??

  3. Und ich dachte immer Barbara Salesch wäre deutsche Satire…

    „Ohne Fernsehen kann ich nicht beurteilen, wann ein Tag endet oder anfängt.“ Homer Simpson

  4. Hiermit kann ich es bestätigen: Die Schauspieler in Gerichtssendungen sind ganz normale Menschen und oft gar keine Schauspieler. Das weiß ich weil mein Onkel (Musiker und Bibliothekar) bei einer Gerichtssendung mitgespielt hat. Allerdings in Italien. Aber sehr viel anders wirds in Deutschland wohl nicht sein.

  5. Hm… wieso sind sie dann bessere Schauspieler als „echte“ Schauspieler?

    Klar, die Antwort lautet: Weil sie sich nur selbst spielen müssen. Trotzdem, so ein richig gutes Licht wirft das auf die typischen ARD/ZDF Vorabend-Fuzzies nicht…

  6. Bessere Schauspieler? Also, ich persönlich finde an diesen Richtersendungen ja immer am allerlustigsten, wie auswendig gelernt und aufgesagt das alles bei denen klingt. Man sieht doch auf den ersten Blick, dass das keine gelernten Schauspieler sind… Wie akurat die immer alles aufsagen, herrlich. Wie so’ne Schulaufführung XD
    Die in den Talkshows dagegen müssten größtenteils schon sehr gute Schauspieler sein, wenn sie denn welche wären, weil die das immer alles sehr überzeugend rüberbringen, wenn sie auch oft total dämlich sind (allein deren Aussprache schon, die Fehler in Grammatik und alles, das kann sich kein Mensch ausdenken, und auf Knopfdruck heulen können auch nicht viele). Ich kenn welche, die schonmal in einer Talkshow waren (was für ein Geständnis). Nur die, die immer aus dem Publikum Fragen stellen und so, die sind meistens nicht echt.

    In Sachen Werbung: Die Nivea Werbung ist einfach hinreißend. Diese Lebensversicherungswerbung ist mal richtiger Müll, klar als Witz gemeint aber kein besonders komischer (außer man ist besoffen) und ehrlich is’ der ja nu’ auch nich’, wer schließt schon ‘ne Lebensversicherung ab, wenna so’ne Familie hat.. Aber dass du nix darüber schreibst, dass in letzter Zeit alle damit werben, dass ihr Produkt ja soooo gut für die Umwelt ist, das wundert mich schon ein bisschen.
    Oh, und bei der eBay Werbung sing ich immer mit. „I knoooow you belohohohohong to sohohohomebody nehehehew…“, einfach wunderbar, diese Werbung, sorgt immer für gute Stimmung.

  7. Da muß ich widersprechen. Gerichtsshows sind das Steißbein der Fernsehlandschaft. Unendlich schlecht gespielt dazu. Da ist jede Soap besser besetzt.

  8. Ich muss dazu sagen, dass ich neulich bei Sat1 in eine ähnliche Sendung hineingesehen habe, und die WAR grottenschlecht gespielt – aber die Gerichtssendungen, die ich gesehen hatte, fand ich überzeugend: Menschen sind so. Ehrlich!

  9. Aber sind die Fälle nicht auch viel zu eindimensional dargestellt. Entweder der Angeklagte ist schuldig oder ein Überraschungszeuge kann dem Druck nicht mehr standhalten und gesteht!?

  10. Sicher wird da an Komplexität zu Gunsten von Stringenz gespart – REALISTISCH ist das Ganze nicht, aber die Plots sind immer interessant!

  11. Magst du recht haben … das Gerichtsverhandlungen nicht nur aus Raub und Fahrerflucht besteht, das ist sicherlich richtig. Wobei Gerichtsshows sicher auch ein Stück Voyerismus bedienen (sie NBK-Thread) … nur klagen sie diesen nicht an, sondern machen damit Quote!

  12. Ich weiß nicht – wenn Du hier von Voyeurismus sprichst, dann musst Du diesen Begriff eigentlich auf jede Form von Unterhaltung, in der Geschichten erzählt werden, anwenden – verliert er dann nicht seine Bedeutung?

    Ich denke, dass Voyeurismus auf Fiktion nicht anzuwenden ist (habe ich bei NBK auch nicht getan – es ging mir nicht um die Lust am Zusehen, sondern darum WAS man sich ansieht). Voyeurismus ist die Lust daran, reale Menschen zu beobachten und in deren Privatsphäre einzudringen. Ich würde diesen Begriff auch nicht per se negativ belegen, denn auch Exhibitionismus (Zeigefreudigkeit) ist bei Menschen ja durchaus verbreitet, und wenn sich diese Neigungen zusammenfinden, muss das nichts Schlechtes sein.

  13. Völlig richtig!
    Jeder Künstler, jeder Autor, jeder Dichter und jeder Betreiber einer Website, einer Homepage oder eines Weblobs ist ein Exhibitionist, also ein Aussteller.
    Ich, Du, er, sie, es, wir alle, die das hier lesen können.
    In wie weit das krankhaft ist, dürfte sehr schwer zu beurteilen sein, denn es ist ein Grundzug des menschlichen Wesens.
    Die Voyeure sind IMMER die anderen. *lach*

    Exhibitionistische Grüße vom Mino. *huch*


Leave a Comment