Neulich war ich mit Katja bei Ikea. Die Filiale am Südkreuz besitzt im Kassenbereich (in dem man eigentlich immer einige Minuten warten muss, bevor man an der Reihe ist) ein an der Wand angebrachtes Drehrad, mit vier voneinander abgetrennten, aber mittels kleiner Durchlässe verbundenen Fächern, in denen sich eine größere Anzahl bunter Kugeln verschiedener Größe befindet.
Theoretisch ist das ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem man durch geschicktes Drehen des Rades die Kugeln nach Größe in die verschiedenen Fächer sortieren soll.
Praktisch ist es eine Beschäftigungstherapie für die unweigerlich von ihren Eltern zu Ikea mitgeschleppten Kleinkinder: Man kann es bewegen, es ist bunt, und es ist LAUT - ein paar Dutzend Holzkugeln, die auf Holzleisten und aufeinander treffen übertönen locker ein Gespräch in normaler Lautstärke.
Bei unserem letzten Besuch war dieses Rad auch wieder in Benutzung, von einem Nicht-mehr-ganz-im-Krabbelalter-Kind (ich bin nicht gut in der Altersschätzung von Kleinkindern - es lief schon eigenständig, aber ein wenig unbeholfen). Dieses produzierte ca. eine Minute lang Lärm und verlor dann das Interesse.
Daraufhin trat ein anderes Kind im ungefähr gleichen Alter, das bislang interessiert zugesehen hatte, an das Rad und begann es ebenfalls zu drehen. Kind Nummer Eins bekam das natürlich mit und kehrte zurück. “MEINES!” rief es und schubste Kind Nummer Zwei kräftig, so dass dieses hinfiel und sofort in Tränen ausbrach. Die Mutter von Kind Nummer Zwei nahm es in den Arm und tröstete es, während Kind Nummer Eins zur Bekräftigung seiner Ansprüche noch einmal am Rad drehte und sich dann wieder umwandte, auf dem Weg zu seinen Eltern, die das Ganze aus der Entfernung ohne Einmischung betrachten.
An diese kleine Begebenheit musste ich denken, als ich folgenden Artikel bei Spiegel Online las: “Wohlfühl-Kuschel-Pädagogik geht Jungs gewaltig auf die Nerven”
Wenn ich Herrn Bergmann richtig verstanden habe, dann vermissen männliche Kinder in ihrer Erlebniswelt die Körperlichkeit, sowie die Möglichkeit, diese bei der Errichtung einer sozialen Hackordnung einzusetzen. Sie brauchen, salopp ausgedrückt, die Möglichkeit sich zu prügeln, um sich durchzusetzen.
Mein spontaner Gedanke war zwar eher gewesen, dass Kind Eins vielmehr einen kräftigen Tritt in die Milchzähne gebraucht hätte. Andererseits kann man ja nicht früh genug damit anfangen, Führungspersönlichkeiten zu selektieren. Kind Eins wird eines Tages gewiss eine hervorragende Führungskraft abgeben.
Zu dem Interview mit Herrn Bergmann allerdings fällt mir noch so mancherlei zu schreiben ein. Das folgt dann in nächster Zeit in einem eigenständigen Beitrag, ich muss jetzt Schluss machen.
Ist alles etwas einfach, in Sachen Erziehung und Folgerichtigkeit…