Diese Meldung hier gab mir zu denken:
Wie ansteckend sind Selbstmord, Trunksucht und Christentum?
(Der Titel stammt vom Link auf der Spiegel-Hauptseite, nicht von der verlinkten Seite selbst, aber ich fand ihn einfach zu treffend, um ihn zu unterschlagen!)
Dass die Art und Weise, wie Menschen sich gegenseitig beeinflussen, noch weitgehend unverstanden ist, ist ja nichts Neues – wir benutzen schließlich immer wieder ungenügend definierte Begriffe wie „Gruppendynamik“ oder „Massenhalluzination“.
Wenn sich nun aber zeigt, dass die verbindenden Elemente zwischen Menschen, die bei ihnen zu ähnlichen Ansichten oder ähnlichem Verhalten führen, so subtil sein können, dass sie sich jeder Beobachtung außer möglicherweise mit den allergenauesten und umfassendsten Methoden entziehen, dann hat das höchst interessante Konsequenzen!
Einmal wirft sie ein helleres Licht auf gewisse historische Situationen, wie zum (an dieser Stelle alles andere als unerwarteten, ich weiß) Beispiel den merkwürdigen Umstand, dass in Hitlerdeutschland ein Großteil der Bevölkerung Nazis waren, sich aber ein paar Jahre später keiner mehr so recht daran erinnern konnte… Vielleicht ist da doch mehr an diesem Phänomen dran als nur individuelles Verschweigen, Verleugnen und Verdrängen? Wie stark lassen wir uns unbewusst vom Verhalten unserer Mitmenschen tatsächlich beeinflussen, und was bedeutet das für unsere Individualität und unseren freien Willen?
(Und hat es etwa tatsächlich etwas zu bedeuten, wenn ich mich an einem Wahlsonntag nicht aufraffen kann, mein Wahllokal zu besuchen, und sich nachher dann herausstellt, dass die Wahlbeteiligung deutlich geringer ist, als angenommen – bin ich wirklich nur eine einzelne Stimme in einer statistischen Zufälligkeit, oder bin ich Teil eines von mir nicht wahrgenommenen Trends?)
Auf jeden Fall bestärkt mich diese Untersuchung einmal mehr in meiner Ansicht, dass Religionen nichts weniger sind als gemeingefährlich, in der vollständigen Bedeutung dieses Wortes!
Eine Untersuchung, die vormacht, daß man Tendenzen der Persönlichkeitsveränderung auch in Netzwerkzusammenhängen betrachten kann, und dabei die Analogie einer Krankheitsepidemie bemüht, bestärkt Dich in der Ansicht, Religionen seien gemeingefährlich? Ist das etwa so eine Art Test, der zututage fördern soll, was Dir Deine Leser alles als logischen Zusammenhang abnehmen, oder ist mir da irgend etwas entgangen? (Sorry für die leicht polemische Zuspitzung, aber der Zusammenhang, sollte da wirklich einer abzuleiten sein, erschöpft sich doch wohl in einer puren Tautologie und das Fazit hat mit der Untersuchung überhaupt nichts zu schaffen: Der Satz „Wenn sich religiöse Ideen auch auf diese Weise verbreiten und pöse sind, dann sind sie gemeingefährlich.“ hat für mich keinen Mehrwert gegenüber „Wenn Religionen pöse sind, ist ihre Verbreitung gemeingefährlich.“)
Der Unterschied zwischen beiden Sätzen ist Folgender: Wenn die Verbreitung dieser bösen Epidemie subtiler und schwieriger nachzuvollziehen ist, als bislang angenommen, dann ist diese Epidemie natürlich gefährlicher!
Gehst Du da nicht bloß der journalistischen Rhetorik auf den Leim? Es ist ja nicht so, daß bspw. die Suizidstatistik durch die Möglichkeit dieser neuen Betrachtungsweise in die Höhe schnellen würde. Im Gegenteil: Fälle, die bislang vielen unerklärlich waren, werden dadurch langfristig nachvollziehbarer und dadurch auch auf eine gewünschte Tendenz hin manipulierbar. Das macht das jeweilige „Problemfeld“* doch eher ungefährlicher oder nicht? :>
*Diesen modernen Mythos, Religion sei grundsätzlich gefährlich, teile ich nach wie vor nicht. Daher die Gänsefüßchen.
Mir ist schon klar, dass da letztlich erst einmal steht „Hey, wir haben da etwas gefunden, wir können noch nicht genau einschätzen, was es bedeutet, aber es deutet darauf hin, dass…“
Zum drüber Nachdenken reicht mir das aber.