BEEP-BEEP-BEEP, Teil Drei

So, dann will ich meine kleine Geschichte, deren ersten Teil Ihr hier findet, und deren zweiten Teil hier, beenden:

Mit ein wenig schlechtem Gewissen wählte ich den Polizeinotruf – mit schlechtem Gewissen deswegen, weil dieser nach meinem Verständnis ein NOTRUF ist, und diese Nummer daher für NOTFÄLLE reserviert sein sollte (so wie „Hilfe, da bricht jemand in mein Haus ein!“ etc…). Daher begann ich das Gespräch, nachdem sich nach einiger Wartezeit jemand meldete (da ich über genügend Fantasie verfüge mir vorzustellen, ich befände mich in einer echten Notlage, empfand ich diese Wartezeit als äußerst beunruhigend!) mit den Worten: „Guten Abend, dies hier ist kein wirklicher Notruf, aber ich habe keine andere Nummer gefunden…“ Nachdem mir versichert wurde, dass es gar keine andere Nummer gab, kam ich dann aber gleich zur Sache, um Zeit zu sparen und berichtete von jenem Alarmton, nicht ohne den Hinweis, dass ich ein bloßes Versäumnis vermutete, mir dabei aber nicht sicher sein konnte. Mir wurde zugesagt, dass zwei Beamte sich auf den Weg zu mir machen würden.

Bis diese eintrafen, dauerte es dann über eine halbe Stunde. Ich kann nur hoffen, dass dies bei einer dringlichen Notsituation ein wenig schneller gegangen wäre! Es handelte sich um einen Herrn und eine Dame, die mich irgendwie an eine Mischung aus Niedrig & Kuhnt sowie Toto & Harry erinnerten. (Man sollte wirklich weniger fernsehen.) Sie waren nett und ruhig und nahmen zunächst einmal meine Personalien auf. Dann folgten sie mir zu der bewussten Wohnungstür und vergewisserten sich, ebenso wie ich zuvor, durch Auf- und Abgehen im Treppenhaus, dass der Ton unzweifelhaft hinter ihr hervordrang. Da ich ihnen leider absolut nichts über den/die Mieter jener Wohnung sagen konnte, klingelten sie noch bei ein paar Nachbarn, ohne dass ihnen jemand öffnete. Ach so, außerdem hämmerte der männliche Teil des Teams in bewundernswerter Lautstärke, welche tatsächlich diejenige des Piepens deutlich übertraf (das war nicht einfach!) einige Minuten an die Tür, mit dem zu erwartenden Ergebnis (keinem). Dann fragten sie in der Zentrale nach, wer als Mieter dieser Wohnung gemeldet war, und ob eine Telefonnummer dieses Mieters vorläge. Auch dabei kam nichts Verwertbares heraus, und so forderten die Beamten einen Schlüsseldienst an.

Ich glaube zumindest, dass es sich um einen Schlüsseldienst gehandelt haben muss, aber richtig sicher bin ich mir nicht – möglicherweise war es doch eher die Feuerwehr gewesen? Im Gespräch sagte der Polizist jedenfalls so etwas wie „dieses Piepen geht mir jetzt schon auf den Sack…wahrscheinlich ein Brandmelder…bringt die Axt mit“, und das klingt für mich jetzt eher weniger nach einem professionellen Schlüsseldienst…

Eine Viertelstunde später trafen dann zwei Herren ein, und sie hatten TATSÄCHLICH eine Axt dabei, was ich doch eher als irritierend empfand! Allerdings würde diese nicht zum Einsatz kommen. Tatsächlich drillten sie einen Metallstift in den Schlosszylinder (man verzeihe mir meine fachlich mit Sicherheit äußerst unkorrekte Ausdrucksweise) und zogen diesen dann daran heraus – vielleicht habe ich da ja falsche Vorstellungen, aber ich dachte immer, ein Schlüsseldienst öffnet eine Tür in der Regel, ohne das Schloss dabei zu beschädigen?

Als nunmehr die Tür offen stand, hörte ich zum ersten Mal wie laut dieser Ton WIRKLICH war, wenn er nicht gedämpft wurde, und ich muss sagen: Wäre mir dies von Anfang an klargewesen, hätte ich ohne zu zögern SOFORT die Polizei gerufen, denn dies war ganz eindeutig KEIN Wecker; das war eine ausgewachsene Sirene… oder eben, wie der Polizist richtig erraten hatte, ein Brandmelder. Ich wusste wirklich vorher nicht, wie unglaublich laut diese Dinger sind!

Dieser Brandmelder wurde dann also endlich abgestellt. Einen Brand hatte er übrigens nicht gemeldet. Mir wurde erklärt, dass dieses Modell auch Alarm schlägt, wenn seine Batterien sich zu leeren beginnen… WIE BITTE? Etwas dermaßen Idiotisches übersteigt einfach mein Fassungsvermögen! (Außerdem können die Batterien SO leer noch nicht gewesen sein, wenn sie über sechs Stunden lang einen Sirenenton von sich geben, oder sehe ich das falsch?)

Die Beamten ließen die Wohnung mit einem abgeschalteten Feuermelder, einem kaputten Schloss und einem ausgefüllten Vordruck zurück, und das war das Ende dieser Geschichte. Ich bin sicher, der/die Mieter hat/haben sich unheimlich gefreut, als sie zurückkehrten, aber ganz ehrlich – das ist absolut ihre eigene Schuld gewesen! Wer einen Brandmelder installiert, der muss selbstverständlich auch damit rechnen, dass etwas Derartiges passiert, wenn dieser einen Brand meldet (auch wenn es falscher Alarm ist). Ich habe mir sagen lassen, dass nur die billigen Modelle auf diese Weise funktionieren – tja, da wurde wohl am falschen Ende gespart!

Und die Moral von der Geschicht’ (für mich zumindest): Ein Alarmton bedeutet ALARM und muss als solcher behandelt werden! Wer einen solchen Ton verursacht, der ist für die Folgen auch verantwortlich. Sollte ich wieder einmal einem derartigen Lärm ausgesetzt sein, dann werde ich maximal 5 Minuten warten, ob er von alleine wieder aufhört und dann sofort die Polizei informieren. Hätte dieser Brandmelder nämlich tatsächlich einen Brand gemeldet, dann wäre ich offensichtlich mit meinem Anruf viel, VIEL zu spät dran gewesen! Und jemand anders reagiert ja sowieso nicht, wie die Erfahrung zeigt.


8 Kommentare Leave a comment.

  1. „vielleicht habe ich da ja falsche Vorstellungen, aber ich dachte immer, ein Schlüsseldienst öffnet eine Tür in der Regel, ohne das Schloss dabei zu beschädigen?“

    Schlüsseldienste verdienen ihr Geld in der Regel auch durch Verkauf und Einbau von Schlössern – von daher liegt ein ihrerseits berechtigtes Interesse vor, das Schloss nicht nicht zu beschädigen…

  2. Ach und noch was:
    Ich glaube (!) normalerweise ist der Vermieter für das Installieren und die Wartung von Brandmeldern zuständig (ist zumindest, wenn ich mich richtig erinnere, in Hessen so).
    Dass dürfte Deine Nachbarn wahrscheinlich nicht entschädigen, obwohl vielleicht Regressansprüche möglich sind.

    • Ich kann mir nicht vorstellen, dass das auf so ein kleines, selbst gekauftes, batteriebetriebenes Billigdingens zutrifft. Wenn, dann müsste im Mietvertrag ja etwas davon stehen, dass man selbst keine Brandmelder benutzen darf, und bei mir zumindest steht da nichts. Von einer „Installation“ zu sprechen scheint mir auch ein wenig hochgegriffen – das wird einfach an die Decke gehängt/-klebt und fertig.

  3. Ich hab mir schon gleich zu Beginn der Geschichte gedacht, dass es ein Brandmelder ist, aufgrund des Pieps-Verhaltens. (Immer dreimal dann kurze pause)

    Kenn ihc von daheim, ich bin bei der Feuerwehr und habe auch mehrere Brandmelder. Der Piepston wenn die Batterie zur neige geht verwirrt einem am Anfang wirklich, allerdings waren meine dann doch nicht ganz soo laut, wenn auch schon recht schrill.

    Btw: Bei deiner Studentengeschichte hab ich damit gerechnet dass entweder ein Volltrunkener im Bett lag oder sogar ein toter :P Ka warum ich immer mit dem schlimmsten rechne.

  4. Zu den Telefonnummern: der Notruf ist 112! Ich hab da jetzt auch schon mind. zweimal anrufen müssen und immer hat sich nach ca. 0,5 sec jemand gemeldet. Die 110 ist wirklich nur für die Polizei, wenn es sich um keine dringende Notlage handelt.

    • Tatsächlich! (Wobei die 110 immer noch als Polizei-Notruf aufgeführt wird, wie sie es früher einmal war.) Aber ist es nicht erstaunlich, wie wenig das im allgemeinen Gedächtnis verankert ist? Ich wusste das nicht (bzw. hatte es wieder vergessen), Du bist der erste Kommentator, der mich darauf aufmerksam macht, und selbst die Polizisten haben mich nicht darauf hingewiesen (obwohl ich mich mit den Beamten, als wir auf den „Schlüsseldienst“ warteten, ausführlich über dieses Thema unterhalten hatte!)

  5. Ja das liegt noch daran dass man als Kind immer gelernt hat 110 = Polizei und 112 = Feuerwehr

    Im Grunde ist aber 112 der (wirkliche) Notruf für alles! Hab mir beim durchlesen deines Artikels gar keine Gedanken gemacht wo du nun eigentlich angerufen hast…

  6. So klar scheint das gar nicht aufgeteilt zu sein:

    http://www.bundesrat.de/cln_090/SharedDocs/Drucksachen/2008/0901-1000/967-08,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/967-08.pdf

    Übrigens ist das wohl eher der Normalfall, dass die Leute immer noch 110 wählen:

    http://twitgeridoo.wordpress.com/2009/10/26/meine-erste-schieserei/

    Tja, gut zu wissen: Wer in einer echten Notsituation 112 statt 110 wählt, hat bessere Überlebenschancen… Vielleicht sollten wir dieses Wissen lieber geheimhalten, um einen evolutionären Vorsprung zu ergattern?


Leave a Comment