Mein Twitter-Experiment

Nachdem ich nun etwas über drei Wochen versuchsweise getwittert habe, habe ich mich entschlossen, dabei zu bleiben.

Twitter ist einerseits eine furchtbar eingeschränkte Kommunikationsplattform – 140 Zeichen sind WIRKLICH wenig (ein typischer Pischner-Satz ist bereits länger!), und die Benutzerfreudlichkeit lässt in vielen Punkten auch zu wünschen übrig. Trotzdem ermöglicht Twitter einem verschiedene Dinge, die man nicht in vergleichbarer Form auf andere Art tun könnte, und einige dieser Dinge möchte ich damit auch tun. Andere hingegen werde ich tunlichst unterlassen.

Zu den Dingen, die ich unterlassen werde, gehört selbstverständlich Werbespam, auch wenn diese Form der Twitternutzung offensichtlich weit verbreitet ist – ich habe bestimmt schon ein Dutzend “Follower” geblockt, deren Tweets hauptsächlich aus Links zu obskuren Finanzdienstleistungen oder ähnlich vertrauenseinflößenden Produkten bestehen.

Ich habe auch nicht vor, die “Follow”-Funktion zur allgemeinen Vernetzung zu benutzen: Ich klicke meine Timeline an, um sie zu lesen. Tatsächlich folge ich sogar nur Twitterern, deren Tweets ich so interessant finde, dass ich sie auch wirklich direkt in dieser Timeline lesen will, oder bei denen ich die Möglichkeit zulassen will (und auch halbwegs realistisch erwarten kann), dass sie mir eine Direct Message schicken, was ja ansonsten nicht geht. Die meisten Twitterer, deren Tweets ich effektiv “folge” – darunter alle meine Follower – organisiere ich stattdessen lieber in thematisch kategorisierte Listen, damit es nicht zu unübersichtlich wird. Umgekehrt blockiere ich selbst “Follower”, bei denen ich keinen Grund habe anzunehmen, dass sie meine Tweets tatsächlich lesen – eine vierstellige Anzahl gefolgter Accounts und eigene Tweets, die sich thematisch mit meinen nicht überschneiden, sind da recht sichere Anzeichen. (Das ist auch der Grund, warum ich immer noch knapp 20 Follower habe anstatt ungefähr die dreifache Anzahl.)

Tweets, mit denen ich Euch ebenfalls weitestgehend verschonen werde, sind diejenigen von der klassischen “What do you do right now?”-Sorte – Ihr wisst schon: “Guten Morgen. Seid Ihr auch so müde?”; “Ich war gerade kacken. Das musste jetzt aber sein!”; “Der Bus hat schon wieder Verspätung – immerhin gibt mir das Zeit für einen weiteren Tweet.” usw. Die Schnittmenge zwischen Tweets dieser Art, die nicht völlig belanglos sind und solchen, die nicht zu privat sind (ich habe weiterhin nicht vor, mein Privatleben umfassend im Internet auszubreiten), ist verschwindend klein, also kneife ich mir das. Klar, wenn man eine superinteressante prominente Person ist, macht das auch vergleichsweise inhaltsarme Tweets etwas interessanter – aber das bin ich nicht, und mein Interesse an uninteressanten Tweets für mich interessanter Personen geht auch schon spürbar zurück. (Jessica Alba zum Beispiel ist eine wunderschöne Frau, aber ihre Tweets sind dermaßen langweilig, dass ich sie rasch wieder aus meiner “Stars”-Liste heraus genommen habe, während zum Beispiel Alyssa Milano oder Jennette McCurdy gelegentlich tatsächlich interessante Dinge twittern!)

Ich will Twitter auch nicht als Chatroom benutzen – da gibt es nicht nur weitaus bessere Alternativen, ich mag auch allgemein keine Chats. Kurze Diskussionen können zwar auch per Tweets ausgetragen werden, aber ich halte mich da an die Regel, nur etwas zu posten, wenn ich es a) für einigermaßen allgemein interessant halte (ansonsten schreibe ich unter Umständen einem meiner Follower eine Direct Message) und b) der Ansicht bin, in ein oder zwei Tweets auch etwas Substanzielles dazu sagen zu können.

Wofür will ich Twitter nun aber vornehmlich benutzen?

Das für mich mit Abstand Wichtigste an Twitter ist die Möglichkeit, mich zu Dingen, die mich gerade gedanklich beschäftigen, KURZ zu äußern (auch wenn 140 Zeichen eigentlich schon wieder ZU kurz sind, aber nun ja). Die Anzahl meiner Blogeinträge, die ich hätte schreiben wollen, jedoch keine Zeit dafür fand, ist Legion! Blogs, welche aus Häufungen von Mini-Blogeinträgen bestehen, empfinde ich als Zumutung, aber ein Thema ausführlich zu behandeln, ist oft nicht möglich (bzw. ich entscheide, dass ich meine Zeit doch lieber sinnvoller verwenden möchte). Twitter gibt mir die Möglichkeit, Euch meine Gedanken rasch und unaufdringlich mitzuteilen, ohne mein eigenes Blog zuzuspammen. Was mir halt immer noch fehlt, ist ein geeignetes Medium für Meinungsäußerungen in der Größenordnung von 141 Zeichen bis ca. 140 Wörtern…

Eine andere, für mich attraktive Nutzungsform ist die Verbreitung von Bonmots, Zitaten oder Aphorismen. Zwar habe ich auf Ein Platz für Andi bereits eine Kategorie für Aphorismen, aber hier lege ich eine sehr hohe Meßlatte für deren Qualität und Zeitlosigkeit an. Tweets hingegen sind schlicht das ideale Medium für mehr oder weniger tiefgründige, geistreiche oder witzige Kurzaussagen, und die unterhaltsamsten Twitterer sind diejenigen, welche von dieser Möglichkeit häufig und niveauvoll Gebrauch machen. Einige der gelungensten Tweets dieser Art (welche außerdem noch das Kriterium der Zeitlosigkeit erfüllen, ansonsten hat es leider keinen Sinn), findet Ihr in meinen Favoriten.

Schließlich ist Twitter ein gutes Medium für Hinweise auf interessante Dinge. Auch hier gilt, dass ich auf Qualität Wert lege und diese Möglichkeit daher nur sporadisch nutze. Wenn ich aber einen Tweet retweete oder ein Link twittere, dürft Ihr auch davon ausgehen, dass sich das Lesen bzw. Anklicken lohnt! Oh, und natürlich werdet Ihr auch über neue Einträge in meinen Blogs auf diese Weise informiert (was hoffentlich nicht in allzu argem Widerspruch zum vorigen Punkt steht) – selbstverständlich nutze ich diesen zusätzlichen Informationskanal dafür.

Falls Ihr Euch übrigens nicht für das Spiel Magic: The Gathering interessiert (womit Ihr Euch unter meinen Followern zur Zeit wohl noch weit in der Minderheit befindet), wird ein Teil meiner Tweets für Euch leider keinen Sinn ergeben. In diesem Fall empfehle ich Euch, meine englischsprachigen Tweets zu ignorieren – zu ca. 98% verpasst Ihr so nichts, und zu ca. 90% filtert Ihr auf diese Weise alles heraus, womit Ihr nichts anfangen könnt.

Ihr seht: Mir zu folgen und meinen Tweet weiter zu empfehlen, lohnt sich! Also, bis bald auf Twitter:

Published in: on Juni 21, 2011 at 4:04 nachmittags  Kommentare (1)  
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Ein KommentarHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich benutze Twitter aus mehreren Gründen. Erstens kann ich damit meine Artikel promoten. Das funktioniert teilweise ganz gut. Zweitens ist es auch ein recht gutes Medium, um schnell an News und Inspirationen für Artikel zu kommen. Ich bin ja bei Suite101.de ständiger Autor im Bereich Horror- und Mysteryfilme und ich bin über Twitter schon auf Themen aufmerksam gemacht worden, die sonst an mir vorbeigezogen wäre. Am Anfang habe ich den Fehler gemacht, nicht ganz so streng bei meinen Followern und dergleich zu sein, weshalb da jetzt relativ viele Leute dabei sind, die so gar nicht zu den Themen passen, nach denen ich eigentlich suche. Muss endlich auch damit anfangen, Listen zu erstellen. Twitter ist außerdem auch ganz gut dazu geeignet, mit anderen Leuten, die von diversen Themen Ahnung haben, in Kontakt zu treten (was oft hilft, wenn man Infos gegenchecken will – ersetzt aber dennoch nicht die Recherche, das ist mir klar). Zumindest im Bereich Horror- und Mysteryfilme scheint das so zu sein. Daher war meine anfängliche Skepsis Twitter gegenüber relativ schnell verflogen.


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