Warum es bei den Bayern nicht läuft

Gelle, das wollt Ihr doch auch wissen? Ob Beckenbauer, Hoeneß, Rummenigge oder Heynckes – sie alle fragen sich das, und deswegen ist es doch gut, dass ich Euch jetzt die Erklärung liefern kann!

DASS es nicht läuft ist unzweifelhaft. Sicher, immer wieder zwischendurch spielt der FC Bayern tollen Fußball, beherrscht “normale” Bundesligateams nach Belieben oder bezwingt auch Topteams wie Manchester City, und es ist ja auch noch nicht sooo lange her, dass sie nur um einen Sieg am Triple gescheitert sind. Aber andererseits haben sie auch viel zu oft viel zu viel Mühe mit designierten Zweitligamannschaften wie Augsburg oder Freiburg, verlieren ausgerechnet die Spiele gegen ihre Topkonkurrenten in der Liga (Dortmund, Mönchengladbach) mit beunruhigender Konstanz und scheiden im europäischen Wettbewerb trotz spielerischer Überlegenheit immer mal wieder unnötig aus (wobei ich hoffe, dass die Niederlage gegen Basel noch zu kitten ist, aber es sieht nicht gut aus). Ein echtes europäisches Spitzenteam müsste einfach in der Liga weitaus konstantere Ergebnisse einfahren und müsste ganz allgemein auch gegen taktisch diszipliniertere Teams zuverlässiger Tore schießen und gewinnen.

Das Problem der Bayern liegt nicht in der Abwehr. Sicher, ein weiterer hochkarätiger Innenverteidiger wäre eine große Hilfe (es ist ja kein Zufall, dass es so hartnäckige Gerüchte um einen Wechsel von Dante zum FCB gibt), aber wenn man es objektiv betrachtet, ist die Abwehr der Bayern insgesamt schon sehr sattelfest – zwar erhalten sie immer wieder auch einige Gegentore, aber das gilt auch für andere Spitzenteams! Der Unterschied ist aber, dass diese Spitzenteams dann eben entsprechend mehr Tore schießen. Beim FC Bayern ist es hingegen so, dass diejenigen Partien, in denen sie ihre Gegentore kassieren, zu häufig dieselben sind, in denen sie keine oder zu wenige ihrer (insgesamt durchaus zahlreichen) eigenen Tore erzielen. Die Bayern geraten zu oft in eine Spieldynamik, in der sie erfolglos anrennen, während ihre Gegner aus wenigen Chancen die entscheidenden Tore machen. Im Einzelfall ist das häufig schlicht Pech, aber in der Summe ist das ein taktisches Problem.

Das ist meiner Ansicht nach die Hauptschwäche des Spiels des FCB: Sie sind taktisch zu unflexibel. Nun kann man das natürlich auf den Trainer schieben, und das wurde von den Verantwortlichen bei van Gaal auch gemacht und wird vermutlich auch bald bei Heynckes der Fall sein (die Presse ist bereits so weit), aber meiner Ansicht nach greift dieser Vorfwurf zu kurz: Was beim FC Bayern nicht stimmt, ist das Gesamtkonzept!

Ich halte es für möglich, dass ich gerade als Fußballlaie in der Lage bin, den Wald trotz der ganzen Bäume darin zu sehen. Schon seit Jahren wundere ich mich immer und immer wieder, wie unglaublich klein der Kader ist, mit dem die Bayern in drei Wettbewerben bestehen wollen! Natürlich plädiere ich nicht für den Magathschen Ansatz, jeweils dreißig bis vierzig Spieler gleichzeitig unter Vertrag zu halten (und alle halbe Jahre ein Dutzend davon auszutauschen), aber die Bayern verfügen zur Zeit gerade einmal über 20 Feldspieler (es waren auch bereits noch weniger) – und das, obwohl sie sich einige bekannt besonders verletzungs- und krisenanfällige Stars wie Ribery und Robben leisten und darunter auch einige Spieler sind, die offensichtlich nicht mit dem Ziel geholt wurden, sie an die erste Elf heran zu führen (Usami, Petersen) oder bei denen sich längst herausgestellt hat, dass sie den hohen Anforderungen eines europäischen Spitzenklubs nicht Genüge tun können (Breno, Pranjic)! Das ist nicht nur dann höchst problematisch, wenn einige Spieler gleichzeitig verletzt sind, sondern auch schwierig, weil zu wenige Alternativen bestehen, wenn einzelne Spieler sich in einem vorübergehenden Formtief befinden. Vor allem aber sind damit auch die Möglichkeiten des Trainers, sein Team speziell auf bestimmte Gegner einzustellen, enorm limitiert!

Dieser kleine Kader ist slebstverständlich kein Versehen. Dahinter steckt eine Philosophie: Qualität statt Quantität, um mit im Vergleich zu spanischen oder englischen Topteams immer noch bescheidenen finanziellen Möglichkeiten mithalten zu können, sowie Bindung von Weltklassespielern wie Ribery oder Robben mit Hilfe einer effektiven Stammplatzgarantie. Van Gaal hatte es in einem Interview einmal deutlich gesagt: Robben ist und bleibt deswegen bei Bayern, weil er weiß, dass er da auch spielt.

Aber genau diese Philosophie ist letztlich das Problem! Die Bayern wollten zu rasch zu viel, versuchten mit einem Kader mit 12, 13 Topspielern auf das Niveau zu gelangen, welches andere europäische Spitzenmannschaften mit 17-18 Topspielern halten. Vermutlich ist dafür das Geld einfach nicht vorhanden, und vermutlich ist der schlankere Kader und die effektive Einsatzgarantie für ihre Stars die einzige Möglichkeit gewesen, diese Qualität überhaupt zu erreichen, aber letztlich hat sich dieser Weg als Sackgasse erwiesen. Dortmund macht mit Klopp zur Zeit vor, wie ein in der Spitze nicht ganz so spektakulär besetztes Team unter einem Trainer, der dieses Team taktisch perfekt einstellt und mit einem Kader, welcher auch ausgeglichen genug besetzt ist, um echte Alternative zu bieten, zumindest auf Liganiveau sehr konstant spielt, und wie aus einer solchen Mannschaft heraus auch Topspieler entstehen. Dieses Element fehlt den Bayern. Ribery und Robben sind fantastische Spieler, aber sie sind auch “One-trick-ponies”, sind taktisch unflexibel und zwingen somit auch dem Rest der Mannschaft diese taktische Starrheit auf. Der FCB braucht mehr Spieler in der Art von Thomas Müller, Toni Kroos oder David Alaba, die sich auf verschiedeen Positionen und in verschiedenen taktischen Ausrichtungen einsetzen lassen. Zwar hat gerade der FCB in den letzten Jahren besonders viel rotiert, was den Einsatzbereich seiner Spieler angeht, aber dies waren eher aus der Not geborene Rotationen, weil eben der Kader so klein war, und sie betrafen häufig ausgerechnet denjenigen Bereich, in dem Konstanz und Eingespieltheit am Wichtigsten sind, nämlich die zentrale Defensive.

Es ist schwierig für Bayern, hier die richtige Balance zu finden, um einerseits genügend Klasse und internationale Erfahrung im Kader zu versammeln, damit sie auf europäischer Ebene nicht in der Art scheitern, in der Dortmund dies die letzten beiden Jahre getan hat (obwohl sie größtenteils sehr guten Fußball gespielt haben), aber andererseits in der Breite hinreichend aufgestellt zu sein, um taktisch flexibel zu sein und somit zu verhindern, dass sie immer wieder an eigentlich schwächeren, jedoch perfekt auf sie eingestellten Teams scheitern. Real Madrid oder der FC Barcelona (dessen derzeitige “Krise” in der spanischen Liga nach Bundesligamaßstäben immer noch einen unglaublich konstanten Run darstellt) lösen dieses Problem eben mit viel Geld und der Möglichkeit, auch absolute Topspieler einfach einmal auf der Bank zu lassen. Diese Option bietet sich den FCB vermutlich nicht.

Nichtsdestotrotz hat sich der eingeschlagene Weg als Sackgasse erwiesen! Ich kann nicht beurteilen, ob es für einen Marco Reus, so wie Hoeneß es behauptet hat, tatsächlich den Ausschlag gegeben hat, zu Dortmund statt zu den Bayern zu gehen, weil er sich hier gegen Ribery oder Robben nur schwer hätte durchsetzen können, aber allein die Denkweise, die sich hier offenbart, zeigt den Denkfehler auf: Wenn das Vorhandensein dieser Platzhirsche verhindern kann, dass ein extrem talentierter junger Spieler wie Reus zu den Bayern kommt, dann müssen diese Platzhirsche weg! Sicher ist es wohl nicht möglich, sie eins zu eins zu ersetzen, aber genau darum geht es ja, einzelne Stars stattdessen durch ein funktionierendes und flexibles Kollektiv zu ersetzen!

So begeisternden Fußball die beiden auch spielen, für mich sind “Robbery” die tiefer liegende Ursache der bayrischen Dauerkrise. Jeder Bayern-Trainer muss sich darauf einstellen, wie er diese Weltklassespieler am besten einsetzt – aber eigentlich müssten sich umgekehrt die Spieler darauf einstellen, wie der Trainer sie in sein Gesamtkonzept einbindet! Trainer das FCB haben es deswegen so schwer, weil die Einkaufspolitik des Vereins ihnen ein taktisches Korsett vorgibt. Ribery und Robben sind für mich die heiligen Kühe des Vereins, die geschlachtet werden müssen, um einem Trainer die Möglichkeit wiederzubringen, ein Team nach seinen Vorstellungen zu formen. Natürlich wird ihre individuelle Klasse vermisst werden, aber die Abkürzung führt nun einmal nicht zum Ziel – auch wenn es ihnen schwer fällt, müssen die Bayern die Geduld aufbringen, einem erstklassigen Konzepttrainer die Zeit zu geben, aus jungen, hungrigen und talentierten Spielern ein taktisch flexibles und somit insgesamt stabileres Team zu formen. Jürgen Klopp wird in absehbarer Zeit nicht hierfür zur Verfügung stehen, aber möglicherweise ein Lucien Favre? Ralf Rangnick wäre zwar auch eine gute Wahl, aber hier befürchten die Bayern vermutlich zu sehr, dass sich eine neue van Gaal Dynamik entwickeln könnte. Mit Heynckes haben sie zwar zur Zeit einen erfahrenen Fußballfachmann, der gut mit Stars umgehen kann, aber was sie eigentlich benötigen, ist ein Trainer, der stattdessen – mit Rückendeckung des Vereins! – Stars nach seinen Vorstellungen zurechtstutzt. Wie lange wird es dauern, bis sie zu dieser Einsicht gelangen?

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Veröffentlicht in: on Februar 23, 2012 at 2:07 nachmittags  Kommentare (5)  
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5 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Na, jetzt mal langsam. Die Bayern haben zweimal hintereinander nicht gewonnen – schon rauscht es im Blätterwald. Nach dem Wochenende sieht das dann schon wieder ganz anders aus, Dortmund wird gg. Hannover nämlich nicht gewinnen und Bayern die Schalker abfertigen. So lief das bisher immer und so läuft das auch weiter.
    Zur susbtantiellen Seite: Du weisst, dass ich es mir nicht verkneifen kann, wieder mal auf Gomez hinzuweisen. Dem Mann fehlt für RibRob einfach die mentale Frische. Ich hab gestern nicht viel gesehen, aber in den 5 Minuten am Ende hätte er mit einem Direktpass auf Robben mal einen schnellen Angriff eingeleitet.
    Die Bayern hatten mit RibRob ja auch Erfolg. Damals stand aber Olic in der Mitte und ich verstehe nicht, warum dieser nicht öfter spielt. Von mir aus auch neben/hinter Gomez. Aber ein Arbeiter davorn wäre mal nötig.

  2. Bayern ist in eine komische Dynamik geraten. Erst läufts nicht und gerade dann ist es auch noch besonders einfach gegen bayern zu spielen, weil sie deswegen noch leichter ausrechenbar werden.(Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh!)
    Robben und Ribery doppeln, Kroos nen mandecker abstellen und wenig Freistöße und Ecken zulassen ist das was im Prinzip immer funktioniert.
    Das taktische Konzept(und die Spielzüge) nach dem Dortmund seine Angriffe vorträgt ist einfacher als bei Bayern, aber der deutlich unterschied ist die geschwindigkeit. Damit geht man ein höheres Risiko, sowohl in den Konter zu laufen als auch fehlpässe zu fabrizieren und neu anfangen zu müssen, man gibt dem Gegner aber nicht di Zeit sich zu ordnen. Wenn der Gegner auf der Höhe ist(wovon dannnach einiger zeit auszugehen ist) ist der Bayernansatz immernoch erfolgversprechender als Dortmunds.

    Im Gegensatz zu z.B. Barcelona ist auch das Gegenpressing relativ schlecht. Deswegen kommt Bayern auch bei den wenigen fehlpässen relativ oft in schwulitäten.
    Und wenn wir bei der taktische variabilität sind, dann ist Lahm auf links ne völlige fehlbesetzung und Rafinia kommt rechts auch selten durch(abstimmung mit Robben, ist Müller drin kommen BEIDE häufiger zum Flanken). Ich mag den ja nicht, aber bei Schalke war der ein geiler Flankengeber(frag Kuranyi)
    Ribery ist der einzige der dauer(/hyer)aktiv ist.
    Kroos wird zu selten angespielt, dabei ist er derjenige ders rausreißen könnte.
    Gomez hängt in der Luft, das ist nicht allein seine Schuld auch wenn er in den letzten spielen sehr lethargisch rüberkam(handlungsschnelligkeit/mögliche Passwege anlaufen).

    Aus taktischer hinsicht war das baselspiel phasenweise grauenhaft(def: abstände/off: abstimmung). Ich ahb vor dem Fernsehr die Augen geschlossen.
    Bayern wurde zwar der offesichtliche Elfmeter verwehrt, das wäre aber auch nur kosmetik gewesen. In der Bringschuld sind sie zu hause beim Unentschieden auch.

    Was die möglichkeit der direkten Einstellugn auf den Gegner angeht bin ich anderer Meinung als Du. Das ist erst schritt 2 und auch das macht nur sinn wenn man in die Position kommt Reargieren zu können. Bayern ist meist Akteur und da kommt es drauf an die besseren Fragen zu stellen(z.B. Geschwindigkeit der Pässe erhöhen)
    /wall of text

  3. So.
    Das war doch mal ein Ansehnliches Spiel heute.
    Schalke hat die ersten 30 min sehr gut mitgespielt war sogar etwas besser(imho), als sie grad wieder im kommen waren kam das 1:0 und danach wurde Schalke völlig untergepflügt.
    Irgendjemand hat seit Donenrstag in München irgendwas richtig gemacht.

    • Ach, die Bayern spielen ja durchaus häufig sehr stark – aber eben nicht konstant genug. Einzelne Spiele können ja noch so großartig sein, aber Fakt ist, dass sie insgesamt zu oft nicht gewinnen. Sie stehen weiterhin in der Tabelle 4 Punkte hinter Dortmund, und sie stehen in der Champions League weiterhin kurz vor dem Aus im Achtelfinale. Dazu haben sie im Halbfinale des DFB-Pokals ein Team zum Gegner, welches sie in dieser Saison schon zwei Mal besiegt hat. Um aus ihrer jetzigen Krise heraus zu kommen, müssen sie schon weit mehr zeigen als nur ein gutes Spiel gegen Schalke.

  4. Wir werden’s am Wochenende und am 19. ja sehen.
    Teee-Ess-Vaahaau!
    ;)


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