Ich kann eigentlich keine Gedichte schreiben. Ja, ich habe es schon getan – im Schnitt jedes Dutzend Jahre eines. Aber ich weiß nicht, wie es geht.
Manchmal, da sind plötzlich Wörter in meinem Kopf, und ich schreibe sie auf. Aus wenigen Zeilen entsteht ein Gedicht. Manchmal. Ich kann mich nicht einfach hinsetzen und ein Gedicht verfassen. Nicht einmal ein schlechtes – jedenfalls keines, das ich selbst als Gedicht bezeichnen würde. Aneinanderreihungen von Wörtern und Assoziationen machen kein Gedicht. Reime oder Alliterationen noch weniger. Damit ein Gedicht ein Gedicht ist, muss es sich wie ein Gedicht anfühlen, wenn es durch meinen Geist gleitet.
Das gelingt mir selten. Das gelingt anderen nie – jedenfalls nicht bei mir. Deswegen kommentiere ich keine Gedichte. Ich glaube, das wahre Gedicht sind die Gedanken, sind die Gefühle, die ich hatte, als ich es aufschrieb, nicht die Worte selbst – diese bewahren nur die Erinnerung daran und lassen sie in mir nachhallen. An die Gefühle anderer Menschen kann ich mich nicht erinnern. Ich kann keine Gedichte SCHREIBEN – ich kann sie nur fühlen, und dieses Gefühl ist selten.
Vielleicht ist das besser so.