Multimediales

Ich bin darauf angesprochen worden, warum ich nicht mehr „Multimediales“ in mein Blog aufnehme – Bilder, Audiodateien, Filmchen, Flash Games, wasweißich. So etwas würde meine Seite bunter, lebendiger, unterhaltsamer, moderner, professioneller, insgesamt interessanter machen – oder?

Kein Zweifel. Aber. (Es gibt immer ein aber, oder auch mehrere.)

Einmal ist da die technische Barriere. Eine Website zu erstellen, das ist einfach nicht mein Ding. Ich bin nicht zuletzt hier bei WordPress, weil es Anwenderfreundlichkeit mit relativ vielen Optionen verbindet, von denen ich allerdings eine Vielzahl noch gar nicht benutze, teilweise noch nicht einmal verstehe. Um es deutlicher zu formulieren: Ich bin ein Webidiot.

Das andere „Aber“ ist sogar noch wichtiger. Stellt Euch ein Restaurant vor, sagen wir, ein indisches. Es hat gerade eröffnet, und die ersten Gäste finden sich ein. Sie sind insgesamt recht zufrieden, aber trotzdem ist es noch weit davon entfernt, voll besetzt zu sein.

Ein paar Besucher geben dem Koch einen Tipp: „Hey, das indische Essen ist ja ganz lecker, aber so oft haben wir da auch nicht Appetit drauf. Warum nimmst Du nicht Pizza in Deine Speisekarte auf, oder Spaghetti? Die meisten Leute essen lieber italienisch. Dann probieren sie vielleicht auch Deine Curry-Gerichte öfter.“

Der Koch, der sich immer Mühe gegeben hat, möglichst gutes indisches Essen zuzubereiten, überlegt eine Weile und nimmt den Vorschlag dann an. Er hat zwar noch nie italienisch gekocht, aber so schwer kann es ja nicht sein, wenn es so viele Restaurants anbieten, oder?

Er serviert fortan also auch Pizza und Pasta. Sie schmecken, ehrlich gesagt, so lala, weil er keine Erfahrung damit hat. Außerdem hat er weniger Zeit für die Vorbereitung seiner anderen Gerichte und kann weniger Zutaten dafür lagern, also streicht er den indischen Teil seiner Karte ein wenig zusammen.

Dafür hat er bereits bald eine Menge neuer Gäste. Sie kommen, um italienisch zu essen. Vielleicht versuchen sie zwischendurch auch mal eine der indischen Vorspeisen. Die indischen Hauptgerichte werden kaum noch probiert – Nudeln sind billiger, und man weiß, was man bekommt.

Das Restaurant wird jetzt auch bekannter und ist besser gefüllt – allerdings sprechen die Leute nicht mehr von dem „interessanten neuen Inder“, sondern von dem „billigen, aber durchschnittlichen Italiener, der auch so komisches indisches Zeugs anbietet“.

Ein paar Wochen gehen sie dorthin. Die Nudelgerichte werden langsam sogar ein wenig besser, weil der Koch mehr Übung bekommt, aber letztlich merkt man doch, dass sie nicht seine Spezialität sind. Nach und nach besuchen die Leute stattdessen lieber wieder „richtige“ Italiener. Das jetzt italienisch-indische Restaurant hält sich weiter, aber es wird niemals als „der tolle Inder“ zum Geheimtipp.

Klar, worauf ich hinauswill? Ich kann nicht italienisch kochen. (Ich kann übrigens erst recht nicht indisch kochen.) Ich bin nicht gut darin, Fotos zu erstellen, Bilder zu malen (oder mit Photoshop zu basteln), zu singen oder zu deklamieren (ich habe einmal einen Videomitschnitt einer Aufführung der Theater-AG meiner Schule gesehen – Gott, war ich furchtbar!) Was noch wichtiger ist: Es macht mir keinen Spaß!

Verschiedene Menschen haben verschiedene Talente und Interessen. Mein Talent ist das Schreiben, und ihm gilt mein Interesse. Das kann ich gut, und da werde ich mich auch weiter verbessern, weil hier Begabung und Neigung zusammenkommen. Und damit will ich die Besucher meines Blogs auch überzeugen. Nicht mit bunten, bewegten Bildern oder witzigen Plugins, denn da werden andere immer viel Interessanteres zu bieten haben.

Ich will, dass die Besucher meines Blogs kommen, um meine Einträge und meine Geschichten zu lesen. Ja, das bedeutet, dass es länger dauern wird, bis mein Blog bekannt wird. Ja, es bedeutet auch, dass meine Zielgruppe ein vergleichsweise kleines Segment der Internetsurfer bildet, denn Sehen und Hören ist selbstverständlich bequemer als Lesen.

So ist das dann eben. Ich bin Autor, kein Illustrator, Musiker oder Regisseur. Ich konzentriere mich darauf, das was ich kann so gut wie möglich zu machen. Das soll nicht heißen, dass ich meine Seite nicht ein bisschen schicker gestalten würde, wenn ich eines Tages herausfinde, wie das geht. Aber es bedeutet, dass ich sie immer für diejenigen gestalten werde, die sie besuchen, um etwas zu LESEN, nicht für diejenigen, die auf der Suche nach Dingen zum Sehen und Hören sind.

Ich bin wohl altmodisch.

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Published in: on Dezember 29, 2006 at 3:59 pm  Comments (1)  
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  1. Du als Inder sollst auch gar nicht versuchen Italienische Gerichte anzubieten die du nicht beherrschst.
    Aber du könntest Gerichte servieren die eine Mischung zwischen Indischer und Italienischer Küche sind (mit Indischem Schwerpunkt). Dann bist du der „sehr interessante neue Inder“ weil deine Gerichte eine kleine italienische Note haben. Wenn es dir allerdings so gar kein Spaß macht italienisch zu kochen solltest du lieber weiter daran arbeiten dein kleines indisches Restaurant zu einem der indischen top Restaurants zu machen (was du ja auch machst)

    PS: Ich freue mich schon auf die Leute die diesen Blog besuchen um neue Indische Restaurants in ihrer nähe zu finden :-)


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