Entzugserscheinungen

Ich suche weiterhin alle ein bis zwei Tage das Internetcafe auf. Telefon und Internetzugang wurden am 6. April bei Alice bestellt; zwei bis drei Wochen sollte es dauern. Jetzt flatterte ein Brief herein, der von „Mitte Mai“ spricht – das ist ja nur doppelt bis drei Mal so lange! Auf Nachfrage wurde uns aber mitgeteilt, dass dies lediglich eine automatische Auftragsbestätigung sei und wir damit rechnen könnten, dass es doch erheblich schneller ginge. Schön wär’s ja, aber die Realität gewöhnt einem den Optimismus halt irgendwann ab.

Dafür haben wir mit Überraschung festgestellt, dass wir bereits Kabelfernsehen haben, vermutlich noch aus der „Hinterlassenschaft“ unseres Vormieters. Nun hatte ich jahrelang keinen Fernsehempfang gehabt, da musste ich mich natürlich gleich durch die vielen Kanäle durchklicken… und wurde wieder daran erinnert, warum ich das Fernsehen nie vermisst hatte! TV ist heutzutage ein schlechter Ersatz für einen Internetanschluss gemischt mit einem schlechten Ersatz für einen Besuch in der Videothek. Es sei denn natürlich, man interessiert sich für die zahllosen Talkshows, Realityshows, Dauerwerbesendungen und infantilen, schlecht gezeichneten Cartoons… Nun, das tun ja offensichtlich viele, sonst gäbe es diese Sendungen nicht.

Nur gelegentlich stoße ich auf etwas, was ich mir gern genug ansehe, um sogar die Werbeunterbrechungen zu verschmerzen (auch wenn ich so oft gar nicht aufs Klo gehen kann). Eine Columbo-Folge zum Beispiel – für mich so ziemlich das Beste, was das Fernsehen zu bieten hat! Naja, und die Bundesliga-Berichterstattung tue ich mir dann auch noch ganz gerne an.

Comedy-Sendungen wie „Eine schrecklich nette Familie“, oder intelligente Cartoons wie „Die Simpsons“ schätze ich zwar prinzipiell auch sehr, aber sie rechtfertigen nicht die Werbung, welche ihre Laufzeit zur doppelten Länge aufbläht und mir AUF DEN SACK GEHT. Wie halten andere Leute diese Dauerberieselung mit Propaganda nur aus?

Und dann sind da noch Nachrichten. Man kann über die Tagesschau der ARD sagen, was man will, aber sie hat ein gewaltiges Plus für mich: Ich bin mit ihr aufgewachsen und weiß, dass sie pünktlich und zuverlässig um 20 Uhr kommt. Selbst nach Jahren ohne Fernseher klingelt um kurz vor acht immer wieder mein Unterbewusstsein und erinnert mich daran, dass ich jetzt Nachrichten schauen könnte. Diese Funktion war im Unterschwelligen verblieben, so lange ich Internetzugang auf Bestellung hatte und natürlich Nachrichten online las, aber sie hat sich sofort wieder gemeldet, als ich wieder Kabel statt DSL hatte. Regelmäßigkeit bietet definitiv Vorteile.

Trozdem ertappe ich mich täglich bestimmt ein Dutzend Mal dabei, dass ich das Bedürfnis verspüre, mal eben online zu gehen um dies oder jenes zu tun. Ohne Internet kann man heutzutage nicht leben. Wenn Ihr das lest und die deutsche Entsprechung zu „DUH!“ denkt, dann berücksichtigt bitte, dass ich schon eine ganze Weile zu einer Zeit auf der Welt war, in der es kein Internet gab, und in der man trotzdem leben konnte! Doch heute geht es nicht mehr; man verliert den Anschluss. Unvorstellbar, dass in der Welt etwas passiert und man es nicht innerhalb weniger Stunden ganz nebenbei erfährt. Undenkbar, dass man sich in den Foren, in denen man angemeldet ist, ein paar Tage lang nicht zu Wort meldet und die dortigen Unterhaltungen verpasst.

Ich klicke für gewöhnlich jeden Tag etwa ein Dutzend Seiten durch, das dauert ca. zwei Stunden. Zeit, die ich früher in Fernsehen, Zeitung Lesen und Telefonieren investiert hätte. Im Moment habe ich dieses Pensum auf ein halbes Dutzend Seiten und eine Stunde reduziert – ich sitze auch so schon viel zu lange in diesem verrauchten Internetcafe. Es ist gleichzeitig zu lang und zu kurz.

Ich BRAUCHE mein DSL! Alice soll sich verdammt noch mal beeilen!

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Published in: on April 17, 2007 at 3:26 pm  Comments (9)  
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9 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich möchte das Internet auch nicht mehr missen, wobei ich aber praktisch hineingeboren wurde und die
    Welt ohne eigentlich nicht kenne. Zum Fernsehen: Ich gucke einfach nur noch 3sat und Arte ;-)
    Das hilft und ist fast immer interessant.

  2. Also ich bin da mal wieder gaaanz anderer Auffassung *lol*

    Ich mache eigentlich nie den Fernseher an (außer Dienstags abends), aber wenn, dann suche ich geziehlt nach „Talkshows, Realityshows, Dauerwerbesendungen und infantilen, schlecht gezeichneten Cartoons“. Zum Beispiel diese nächtlichen Sendungen, wo Napoleon und Sabine Christiansen (wahlweise auch ein Eichhörnchen, ein Engelchen und ein Teufelchen…) die eingesendeten SMS vorlesen, dazu ein (zwei,drei) Bier, einen Joint und der Abend ist gerettet, it’s a guaranteed party!. xD

    Ich danke dem Himmel auch für Realityshows und vor allem Talkshows. Wundervoll. Oder DSDS, zugegeben nach der Vorrunde wurde es etwas langweilig, aber die Kandidaten sorgen ja immer wieder für lustige Stories und in der richtigen Gesellschaft kann man auch dazu richtig abfeiern. Die Werbepausen sind bei mir meist dazu da, den Ton abzustellen und sich zwischendurch ein, zwei Songs anzuhören, die wahrscheinlich schon die ganze Sendung über in meinem Oberstübchen rumgedudelt sind. Ich brauche sie, die Werbepausen, sie nerven mich wohl auch weit weniger als andere (Bis auf diese Tassimo Werbung, die war so… ARGH), aber schließlich brauch ich mein Aufreg-Potential auch für weit wichtigeres:
    Wie zur Hölle konnte Hansi Babsi nur ein Kind machen während er doch mit Susi gerade am Üben war. Und mit Melli verlobt, versteht sich. *lol* Ich liebe es (sage ich diesen Satz eigentlich nur, weil ich schon von der McDonalds Werbung manipuliert werde?).

    Ach ja, es stimmt, die einfachen Genüsse sind die letzte Zuflucht komplizierter Menschen.

    Ach, und hast du schon mitbekommen, dass sie auf Pro 7 jetzt statt der Nachrichten um 20 Uhr immer einen Kurzbericht über „Germany’s next Topmodel“ bringen? Ist das nicht herrlich?! xD

  3. Andi, ich teile Deine Ansichten ueber das Fernsehen ohne Einschraenkung, obgleich ich sagen muss, dass gerade diese Quizsendungen, die zu einer Zeit, zu der sonst nichts mehr laeuft, ausgestrahlt werden, kurzfristig sehr unterhaltsam sind. Das liegt aber wahrscheinlich eher an den sich zum Affen machenden Witzfiguren…

    Wegen DVB-T und zweier Bildschirme wird der Fernseher zukuenftig aber nicht einmal mehr angeschaltet; dennoch habe ich das Gefuehl, dass mich die Zeit nach dem geplanten Umzug wegen des noch nicht vorhandenen Internetanschlusses sehr treffen wird. Nicht, weil die Inhalte im Internet derart wichtig sind, sondern eher wegen der einfachen Kommunikation in Bezug auf unpersoenlichere Sachen wie Verabredungen zum Snooker.

    Wie bedient man nochmal das Telephon?

  4. Noch ein Versuch…:

    Ich habe gerade einen sehr interessanten Artikel auf (sagt man auf?) einem Blog gefunden. Es geht um den „Arctic highway“ der in Kanada verläuft und zu den gefährlichsten Stecken der Welt gehört. Mehr als 85% dieser 600 Kilometer langen Stecke führen über gefrorenes Eis. Dieser „Highway“ ist die Hauptstrecke für die Trucks einer riesigen Diamantenmine. Außerdem ist diese Stecke nur wenige Monate im Jahr befahrbar. Es sind schon Trucks ins Eis eingebrochen und die Fahrer dabei gestorben. Die durchschnittliche Eisdicke beträgt 125 cm. Ein Fahrt zur Mine hin dauert etwa 20 Stunden.
    Das kommt einem doch bekannt vor oder nicht?

    Link: http://www.fogonazos.blogspot.com/2007/04/arctic-highway.html

    Für mich war es neu, dass es so etwas tatsächlich gibt. Ich hätte das gerne in dieses Kurzgeschichten Forum gepostet. Leider weiß ich nicht mehr wie die Seite heißt und ich frage mich auch wie ich sie jemals gefunden habe o_O. Kann mir jemand den Link geben?

    Die Bilder sehen übrigens absolut beeindruckend aus. Vor Allem diese riesigen Kanister wirken sehr surreal, wie von einem anderen Planeten ;-)

  5. Zu Deinen Schwierigkeiten, Kommentare zu posten: Ich moderiere hier schon, aber nur moderat! WordPress hatte gestern abend 5 Minuten Sendepause wegen Wartungsarbeiten, das habe ich gemerkt, als ich meinen letzten Eintrag korrigierte, und das war ziemlich genau zur selben Zeit wie Dein letzter Kommentar. Daran hat es wohl gelegen. Ich habe Deine „Posten geht nicht!“- und „Posten geht doch!“-Botschaften mal gelöscht, um andere Leser nicht zu verwirren.

    Jenes Forum hast Du ja gefunden, wie es aussieht (zumindest ist da jetzt ein „Nick“-Nick; lesen kann man ja als Nichtmitglied nicht mehr – vermutlich, um Beleidigungs- oder Verleumdungsklagen zu vermeiden).

    Der Blogeintrag ist äußerst interessant und könnte durchaus als Inspiration zu jener Geschichte gedient haben. Andererseits glaube ich mich zu erinnern, dass die Autorin nicht allzu sattelfest im Englischen ist, und ihr Text setzt sich auch an keiner Stelle dem Verdacht aus, sorgfältig recherchiert oder durchdacht worden zu sein, daher kann das Ganze auch ein Zufall sein – eine Insel, die nur in wenigen Monaten des Jahres über eine Eisbrücke zu erreichen ist, ist ja kein allzu ausgefallenes Konzept, und die restlichen Similaritäten ergeben sich daraus.

  6. Ja ich habe tatsächlich das Forum gefunden, inzwischen hat sich die Ernüchterung aber schon breit gemacht… Die Autorin des Textest hatte aber von dem „Arctic highway“ tatsächlich schon mal gehört.
    Besonders originell ist das Konzept nicht aber, dass es so etwas wirklich gibt war für mich dann doch sehr verwunderlich.

  7. Hier gehört es nicht hin, aber mich würde schon interessieren, welche Erfahrungen Du in „jenem“ Forum gemacht hast… Im Forum http://www.schwarzbunte-geschichten.de kannst Du mir eine E-Mail senden, ohne Mitglied zu sein; ich würde mich freuen! (Aus offensichtlichen Gründen stelle ich meine Email-Adresse hier nicht hinein.)

  8. Hmm also im Forum http://www.vampire-society.de kann ich weder einen Zeromanten noch einen Andreas P. oder Andi finden.

  9. Daran habe ich jetzt natürlich nicht gedacht… Ich bin der, der als seine Homepage meine Homepage angibt!

    („Der sprechende Schädel“, falls Du keine Lust hast zu suchen)


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