Paris Hilton Superstar

So, nun sitzt Paris also seit ein paar Tagen im Gefängnis, und überall im Netz schießen gefälschte Tagebücher hervor, die teilweise sogar recht lustig sind, aber beinahe durchgehend vor allem eines: gehässig.

Nicht wahr, wir sind doch alle froh, dass die dumme Schlampe endlich mal das kriegt, was sie verdient, oder?

An dieser Stelle frage ich mich etwas, was wir uns alle viel zu selten fragen (auch wenn ich mir zumindest alle Mühe gebe) – wieso eigentlich?

Okay, ich kann Paris Hilton also nicht ausstehen. Bei allen Vorbehalten, die man gegenüber den Informationen, welche durch die Medien zu uns durchsickern, haben sollte, kann man trotzdem ohne vernünfitgen Zweifel dafür folgende Gründe ausmachen:

Sie ist arrogant.

Sie ist zickig.

Und sie ist dumm.

Sogar SEHR dumm. Mit solch einem Urteil aus zweiter Hand muss man zwar besonders vorsichtig sein, aber in diesem Fall liegen Mitschriften aus Gerichtsprotokollen vor, die von ihrer unglaublichen Unbedarftheit und Ignoranz eindeutig Zeugnis ablegen.

Gut, sie ist arrogant, zickig und dumm. Sind das Gründe, sie zu hassen? Ich kenne auch privat ein paar arrogante, zickige und dumme Personen. Ich hasse sie deswegen nicht; ich bemühe mich, mit ihnen möglichst wenig zu tun zu haben.

Da verbirgt sich vielleicht der erste Erklärungsansatz: Paris ist allgegenwärtig! Kaum ein Tag vergeht, ohne dass auf der Begrüßungsseite eines E-Mailprogramms, auf der Titelseite einer Zeitung oder auf dem Bildschirm des U-Bahnfernsehens eine Meldung über sie zu lesen wäre. Selbst in den Pornoabteilungen der Videotheken begegnet man ihr ja bekanntlich. Ja, das nervt! Aber kann sie etwas dafür?

Nein, kann sie nicht. Sie mag sich zwar immer wieder und besonders peinlich für die Medien inszenieren, aber sie hat nie eine andere Wahl gehabt. Als Erbin eines Milliardenvermögens stürzte sich die Presse praktisch von Geburt an auf sie. Damit musste sie umgehen. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen würde, wenn ich permanent Gegenstand des öffentlichen Interesses wäre. Ich glaube zwar nicht, dass ich mich auch nur ansatzweise so albern aufführen würde, aber um ehrlich zu sein, ich kann mir diese Situation auch nicht wirklich vorstellen. Und außerdem, das wollen wir ja nicht vergessen, ist Paris sehr, sehr dumm. Ob sie etwas DAFÜR kann, vermag ich nicht zu beurteilen, aber dass sie von dem ganzen Rummel um ihre Person überfordert ist, und sich deswegen dafür entschieden hat, ihn extra anzuheizen und zu genießen, kann ich ihr nicht vorwerfen.

Wirklich SCHULD daran sind letztlich wieder einmal… wir. Wir, die wir die Newsmeldungen über sie immer wieder anklicken. Die in Foren endlos darüber diskutieren, was Paris denn nun schon wieder alles angestellt hat. Die sie zur ständigen, und ehrlich gesagt sehr billigen Zielscheibe unseres Humors machen (der „Witz“ einer amnerikanischen Komikerin über Paris‘ Gefängnisaufenthalt, der zuletzt durchs Fernsehen geisterte, war ein absoluter Tiefpunkt nicht nur an Geschmack und Takt, was mich weniger stören würde, sondern vor allem an Originalität und, nun, WITZ).

Ach ja, und die wir Blog-Einträge über sie verfassen, das sollte ich auch erwähnen. Ich will meine Mitschuld ja nicht abstreiten! Andererseits behaupte ich, dass es in diesem Eintrag hier letztlich gar nicht in erster Linie um Paris geht… Nun, weiter im Text.

Für ihre ständige Pressepräsenz kann ich ihr also nicht wirklich einen Vorwurf machen. Was habe ich noch gegen sie? Ach ja richtig, sie ist unsagbar reich! Moment mal, Sozialneid ist keine vernünftige Rechtfertigung für persönlichen Hass. Was regt mich also so auf?

Oh ja, sie glaubt, sie stünde über dem Gesetz! Sie fährt ohne Führerschein und kommt zu Gerichtsterminen zu spät. Böse, böse Paris! Andererseits… es gibt Millionen Menschen auf der Welt, die sich ähnliche Delikte zuschulden kommen lassen. Möglicherweise sogar in meinem Bekannten- oder Freundeskreis. Hasse ich die deswegen alle persönlich? Wohl kaum.

Außerdem wird sie ja nun dafür bestraft, und zwar nicht via Geldbeutel, sondern auf eine Art und Weise, die sie tatsächlich als Strafe wahrnimmt. Wie, bevorzugte Behandlung? Ja, die kriegt sie, keinen Zweifel! Aber, sind wir doch einmal ehrlich, die ist in amerikanischen Gefängnissen mit Sicherheit kein Einzelfall. Und letztlich kann man ihr ja nun wirklich nicht ankreiden, dass sie das System mit Raffinesse und Hinterlist manipulieren würde! Ihr gesamtes Umfeld sorgt bereits dafür, ihre Familie, ihre Berater, ihre Anwälte. Selbst wenn sie es könnte, wäre es ein wenig viel von ihr verlangt zu sagen, sie wolle keinerlei Privilegien bekommen, oder? Sie ist seit ihrer Geburt gewohnt, bevorzugt behandelt zu werden. Nicht nur arme Menschen können nichts für ihre Lebenssituation.

Damit will ich nicht sagen, dass sie mir Leid täte – im Gegenteil! Nein, ich nehme es mit tiefer Genugtuung, eben bis hin zur Gehässigkeit zur Kenntis, dass sie sich bei ihrem Kurzurlaub als Luxusgefangene tatsächlich unwohl fühlt. Und dieser Gehässigkeit versuche ich gerade, auf die Spur zu kommen.

Neulich wurde im Fernsehen einer von vielen Tausenden Paris-Fans interviewed. Sie imitierte ihr Idol auf dermaßen peinlich bemühte und penetrante Art, dass ich mir wünschte, jemand würde den Kammerjäger rufen. Sie wollte ja soooooooooo gerne so sein wie Paris!

Klar doch. So reich wäre ich auch gerne. (Obwohl, genau genommen bin ich mir da nicht einmal sicher – sagen wir, ich hätte auch gerne keine finanziellen Sorgen. Mehr wäre vielleicht bereits zu viel, um wirklich glücklich zu sein.) Damit ist die Liste von Dingen, um die ich Paris beneide, aber bereits vollständig abgehandelt! Ich will nicht so dumm sein. Ich will nicht einmal so aussehen (die Geschlechterkiste mal außen vorgelassen), denn ehrlich, ich finde Paris häßlich – perfekt gepflegt, sicher, aber abstoßend. Sie hat diesen dauerzickigen Gesichtsausdruck, den ich nicht ausstehen kann.

Ich stelle fest, dass das, was ich an Paris am meisten verabscheue, die Tatsache ist, dass so viele andere dumme Menschen sie bewundern! Einfach nur, weil sie reich ist. (Jemand mit dem Aussehen, dem Intellekt und der Persönlichkeit von Paris, aber ohne ihr Geld wäre in etwa so verlockend wie eine in den Gully gefallene Eiswaffel.) Und damit stört mich letztlich wieder einmal nur der Umstand, dass die Menschheit so unsagbar dumm ist, und daran trägt Paris nicht mehr Mitschuld als jeder andere dumme Mensch.

Denn sie tut niemandem etwas. Sie erklärt keine Kriege. Sie führt keinen Konzern, der unsere Umwelt zerstört, und sie ist keine Managerin, die Tausende Arbeitsplätze wegrationalisiert. Soweit mir bekannt ist, finanziert sie auch nicht den Wahlkampf der Republikaner. Ich habe absolut keinen vernünftigen Grund, sie zu hassen.

Nein, ich bin wieder einmal schlicht dem allgegenwärtigen Phänomen ins Netz gegangen, sie zu verabscheuen, weil es fast alle tun! Weil ich mich damit in der sicheren Gesellschaft der absoluten Mehrheit befinde, und wie jeder Mensch fühle ich mich in der Mehrheit wohl – jedenfalls, bis ich mein Gehirn einschalte (eine höchst beunruhigende Angewohnheit von mir). Paris und die Spinner, die sie vergöttern, sind einfach die ideale Zielscheibe für gemeinsame Gehässigkeiten, auf einer Stufe mit Tokio Hotel und Dieter Bohlen.

Nachdem ich das nun eingesehen habe, will ich meinen Haß auf die reiche, dumme Paris Hilton nunmehr ablegen. Ich werde sie niemals mögen, und sie tut mir auch bestimmt nicht Leid, aber ich werde mich auch nicht mehr freuen, wenn bei ihr etwas schiefläuft.

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Published in: on Juni 6, 2007 at 3:13 pm  Comments (7)  
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7 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Also daß selbst DU jetzt noch zu diesem unsäglichen P.H.-Rummel beiträgst, das hätt’s echt nicht gebraucht. ^^

  2. Und jetzt wurde sie also nach drei Tagen Haft aus „medizinischen Gründen“ freigelassen…
    Es gibt da dieses Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeiung (ProphezeiHung für uns Magic-Spieler!): Eigentlich ist das, was mit Paris Hilton passiert, uninteressant und unwichtig. Durch die Tatsache jedoch, dass so viele Leute es als interessant ansehen und wichitg nehmen, WIRD es interessant und wichtig! Nicht die Person P.H., sondern das Phänomen P.H. ist es wert, sich damit zu beschäftigen, denn die Prozesse, welche aus ihr einen Medienstar machen, SIND wichtig und interessant, weil sie die Funktionsweise unserer Gesellschaft beleuchten.

  3. Das will ich mal gelten lassen. ;)

  4. Dass DU es verstanden hast, habe ich auch nicht angezweifelt, Boneshredder!

  5. Na, hoffentlich hab‘ ich mich nicht verlaufen. Grüß‘ Gott Herr Schwarzblut, lange nicht gesehen …
    Ich wollte schon via Guestbook nachfragen, wo denn Dein Blog zu finden wäre.

    Paris Hilton? Dumm? – weiß ich nicht. Intelligenz mißt man mit dem IQ. Da hab‘ ich bisher nix drüber gelesen.

    Ich weiß allerdings, daß sie ihre Pappe wegen 0,8 Promille verloren hat. In Deutschland hätte sie zwei oder drei Pünktchen in St. Flensburg, aber keine 45 Tage Knast. Aber das ist eben AMILAND. Die halten 5% (!) ihrer Einwohner hinter Gitterstäben. Das ist absolut diktaturverdächtig. Frau Hilton (wieso hab‘ ich eigentlich immer die Assoziation Clinton??) unterscheidet sich nur in einem Punkt von den meisten anderen: Sie ist eine WASP und nicht schwarz oder hispanic. Schade, daß über die wirklichen Aufreger nie geredet wird.- Salut doublestone

  6. Verlaufen hast du Dich bestimmt nicht! Ja, Thaur (bzw. Nyx) hat sich schon längere Zeit nicht mehr gemeldet, und ich gebe zu, ich habe mich auch nicht um Kontakt bemüht – zu viele andere Dinge im Kopf.

    Genau das ist ja das Faszinierende an dem Phänomen Paris Hilton: Über sie wird ständig geredet!

    Allerdings hat sie sich schon ein wenig mehr zu Schulden kommen lassen als nur eine leicht alkoholisierte Fahrt: Verstoß gegen Bewährungsauflagen (insbesondere Fahren ohne Führerschein), sowie Nichtwahrnehmung von Gerichtsterminen. Unabhängig davon, was in Amiland ansonsten für absurde Sachen geschehen, erscheint mir da eine kurze Gefängnisstrafe absolut angemessen.

  7. Selbst dann säße sie bei uns nicht im Knast.
    Hier landet man nicht mal im Knast, wenn man seine Schwester durch Kopfschuß hinrichtet, weil sie Ihr eigenes Leben zu leben sucht. (Hatun Sürücü *17.01.82 – +07.02.05) Aber das ist ein anderes Thema …


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