Batman, der Rezension erster Teil

Es ist schon über zehn Jahre her, da lebte ich für kurze Zeit im Studentenwohnheim in Berlin-Wannsee, und ein Mitbewohner des Hauses lieh mir die deutsche Version der „Watchmen“ aus. Ich war damals völliger Laie auf dem Gebiet der Comics – Verzeihung, der Graphic Novels! Meine private Sammlung bestand aus Asterix, Tim und Struppi, sowie Inspektor Canardo. Amerikanische Produktionen hatte ich zuletzt wohl zu meiner Grundschulzeit gelesen, Superman-Heftchen und so.

Kein Wunder, dass ich vollauf begeistert war! Vielleicht nehme ich mir ja eines Tages Zeit für eine ausführlichere Rezension, aber so viel soll hier gesagt sein: „Watchmen“ sind meiner Meinung nach die beste Graphic Novel überhaupt (gesunder Menschenverstand wird Euch sagen, dass ich natürlich nur Vergleiche zu anderen von mir gelesenen Werken ziehen kann)!

Einige Jahre später arbeitete ich in einem Spieleladen, und wir teilten uns die Räumlichkeiten mit einem Comic-Shop. Da kam ich eines Tages auf die Idee, meinen Kollegen von den Comics nach den „Watchmen“ (natürlich in Englisch) zu fragen. Als Antwort lachte er mich kurz aus: „Keine Chance!“ Ich wandte mich bereits bedrückt wieder zum Gehen, als er halblaut ergänzte „Außer als Tradeback, natürlich“. Ich fragte nach, was das bedeutete und erhielt zur Antwort: Alle Teile gebunden in einer Gesamtausgabe.

Damals wurde mir in aller Deutlichkeit vor Augen geführt, wie wenig ich doch die Denkweise von Comicfans nachvollziehen konnte. Natürlich war mir eine gebundene Gesamtausgabe sogar lieber als die einzelnen Heftchen, selbst wenn die noch erhältlich gewesen wären! Ich war eben kein Sammler.

Mein Chef hingegen sammelte Comics, und er machte manchmal Witze darüber, dass er von jedem Comic-Heft eigentlich zwei Exemplare bräuchte: Eines zum Lesen, und eines, das eingeschweißt in den Safe kam. Plus ein weiteres für jedes „Variant Cover“, natürlich.

Durch die unmittelbare Nähe zu diesem Comic-Shop kam ich so langsam auch wieder in Kontakt zu amerikanischen Comics. Als Kind war ich ein Fan von „Roter Blitz“ gewesen (was für eine dämliche Übersetzung von „Flash“, als ob „Blitz“ nicht genügt hätte), und hatte ein gewisses Interesse für einige andere exotische Superhelden wie Green Arrow oder Aquaman entwickelt. (Marvel-Helden wie „Die Spinne“ sah ich nicht als exotisch, sondern schlicht als albern an, woran sich bis heute nichts geändert hat!) Superman fand ich damals schon doof, auch wenn mich zu Grundschulzeiten vermutlich weniger seine völlig fehlende Persönlichkeit gestört hatte, als der Umstand, dass er schlicht ALLES konnte – wie langweilig! Selbst damals war mir schon aufgefallen, welche irrsinnigen Verrenkungen die Erfinder von Superman-Geschichten sich einfallen lassen mussten, um überhaupt Herausforderungen für ihn zu finden, ohne seine Einzigartigkeit in Mitleidenschaft zu ziehen. (Heute finden sich diese Herausforderungen, weil er Mitglied eines galaxisgroßen Zoos aus Superhelden und Superschurken ist. Gähn.)

Am coolsten allerdings war zweifelsohne Batman. Nicht nur, dass die düsteren Töne seiner Geschichten mich ansprachen (glücklicherweise bin ich noch nicht so alt, dass ich mit der knallbunten „Batman-hält-die-Welt-in-Atem“-Epoche aufgewachsen wäre): Batman ist ein Mensch. Klar, seine Werte in Geschicklichkeit und Intelligenz sprengen die D&D-Skala, und viele seiner technischen Gimmicks halten einer eingehenden wissenschaftlichen Prüfung bestimmt nicht stand, aber trotz alledem ist er kein Mutant, kein Außerirdischer und kein Magier. Er ist – im Rahmen fiktiver, zur spannenden Unterhaltung gedachter Geschichten – authentisch. Daher sind auch die meisten Stories, die sich in meinem guten halben Meter Batman-Regal befinden, gut erzählt und in sich stimmig, mit Figuren, die „echt“ wirken und Handlungen, die überzeugen.

Dummerweise hat Batman aber das gleiche Problem wie alle fiktiven Figuren, deren Popularität über Generationen anhält: Er wird zu alt! Wenn Onkel Dagobert in den Fünfzigern darüber sprach, wie er beim Goldrausch in Klondike seine erste Million gemacht hatte, nun gut, dann kam das gerade noch so hin. Heute müssen die Schreiber sich etwas anderes einfallen lassen.

Bei Disney-Comics ist Kontinuität kein Kriterium. Bei Graphic Novels, die ja Comics für Erwachsene sein sollen, schon viel eher! Deswegen hat DC sein Superhelden-Universum immer mal wieder aufgeräumt. Den dafür nötigen hanebüchenen Storylines mit verschiedenen Erden und verschmelzenden Realitäten habe ich nie zu folgen versucht, aber zumindest ist mir klar, dass die verschiedenen Erzählungen über Batman nicht alle in den selben Hintergrund einzuordnen sind, und dass deswegen die Lebensläufe der Figuren, aber auch ihre Persönlichkeiten von Geschichte zu Geschichte stark voneinander abweichen können.

Ein Umbruch, der wohl in den Siebzigern stattgefunden hat, ist allerdings höchst bedeutsam: An die Stelle des cartoonhaft albernen „dynamischen Duos“ Batman und Robin, das sich mit dummen Sprüchen gegenseitig zu überbieten suchte, ist eine dunkle, von den Dämonen seiner Vergangenheit geplagte Gestalt getreten, ein einsamer Rächer, dem es nicht gelingt, selbst zu den Menschen, die ihm am nächsten stehen (wie eben zum Beispiel Robin), eine wirklich freundschaftliche, von Vertrauen geprägte Beziehung aufzubauen. Das ist der Batman, den ich kenne, und dessen Geschichten ich zu schätzen gelernt habe.

Nichstdestotrotz gibt es auch noch diesen anderen Batman, jenen stets gutgelaunten Helden, der immer einen coolen Spruch auf den Lippen hat. Ich kann diesen Witzbold nicht ausstehen, aber mir ist bewusst, dass er einen großen Anteil an der Popularität der Kunstfigur Batman besitzt, und dass ein Regisseur, der diese Figur verfilmen möchte, daher durchaus Grund hat, Aspekte des bunteren, fröhlicheren Batmans darin einfließen zu lassen.

Diese Gedanken wollte ich vorschicken, bevor ich mich einer ausführlichen Rezension der Batman-Filme zuwende: Einmal, dass ich die Faszination des Phänomens Superhelden-Comics, wie sie hauptsächlich in den USA besteht, so nicht nachvollziehen kann, da ich auf ganz andere Dinge Wert lege als viele „typische“ Sammler. Zum Zweiten, dass fehlende Kontinuität im Batman-Universum der Normalfall ist, so dass man von Filmemachern kaum erwarten kann, hier mehr zu leisten, als die Comiczeichner und -texter. Schließlich, dass der düstere, charakterlich komplexe Batman, wie er sich in den letzten dreißig Jahren entwickelt hat, nicht die einzige legitime Form dieser Figur ist.

So, und jetzt teile ich diesen immer länger werdenden Eintrag hier einfach auf – die eigentliche Rezension folgt dann bald!

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Published in: on Juni 18, 2007 at 12:43 am  Schreibe einen Kommentar  
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