Der Witz von dem Papagei, der Kohlen bestellte

Der geht nämlich so:

Ein alter Seebär liegt im Sterben. Auf seinem Totenbett lässt er den Pfarrer zu sich rufen und röchelt ihm (in einem von Husten und Spucken unterbrochenem, von Seemans-Slang garnierten Plattdeutsch, das ich hier nicht wiederzugeben versuchen will) zu:

„Vater, Ihr wisst, dass ich nie ein gottesfürchtiger Mann war, und der Teufel soll meine Seele holen, wenn ich jetzt im Angesicht des Todes aus Feigheit Buße tue oder um Gottes Gnade winsele. Wenn Gott diesen armen Sünder haben will, dann soll er ihn nehmen, wie er ist; wenn nicht, dann wird er sich auch von einem Lippenbekenntnis nicht umstimmen lassen. Aber Ihr, Vater, Ihr seid ein guter Mann, das weiß ich, und Ihr werdet einem sterbenden Seebären seinen letzten Wunsch nicht abschlagen.“

„Wenn es in meiner Macht steht, mein Sohn, dann werde ich Deinen Wunsch erfüllen“, antwortet der Pfarrer.

„Vater, ich habe einen alten Papagei. Ich habe ihn als junger Matrose von den Molukken mitgebracht und ihn das Sprechen gelehrt, und er ist der einzige Freund, den ich in der ganzen Welt noch habe. Er ist ein eigenwilliges Tier, und er kann einem manchmal sehr auf die Nerven gehen, aber ich wünsche mir trotzdem, dass er jemanden hat, der sich um ihn sorgt. Würdet Ihr das für mich tun, Vater?“

„Aber natürlich, mein Sohn, das verspreche ich Dir.“

„Danke, Vater“, stößt der alte Mann hervor und verscheidet.

Seines Versprechen eingedenk nimmt der Pfarrer also den Papagei mit zu sich nach Hause. Dessen Wortschatz ist nicht unbedingt gottgefällig, aber der Pfarrer weiß, dass es sich bei dem Vogel um eine simple Kreatur Gottes handelt, die sich nicht bewusst ist, welche Obszönitäten sie von sich gibt, und ist deswegen nachsichtig mit ihm, auch wenn er manchmal den Verdacht hat, dass das Tier in seiner Gegenwart besonders viel flucht, um ihn zu provozieren.

Eines Abends jedoch kommt der Pfarrer nach einem langen Tag nach Hause und findet die ganze Küche voll mit Kohlen vor, daneben liegt eine Rechnung eines Kohlenhändlers über tausend Mark. Er wundert sich natürlich sehr und ruft bei dem Mann an um nachzufragen, was das soll. Der sagt, der Pfarrer habe doch telefonisch bei ihm für tausend Mark Kohlen bestellt! Etwas ratlos steht der Pfarrer da, bis ihm die Kratzspuren am Telefonhörer auffallen, die wohl von Vogelklauen stammen…

„Du böser Vogel Du, hast Du etwa Kohlen bestellt?“, fragt er das Tier.

„Für tausend Mark Kohlen zum Pfarrer! Für tausend Mark Kohlen zum Pfarrer!“, krächzt der Papagei. Der Pfarrer schüttelt seufzend den Kopf und erklärt dem Kohlenhändler, dass es sich um ein Missverständnis handele und dieser die Kohlen leider wieder abholen müsse. Dann droht er dem Papagei mit dem Finger:

„Mach das nicht noch einmal, Du!“

Der Kohlenhändler holt die Kohle ab, verlangt vom Pfarrer aber 50 Mark für An- und Ablieferung, die dieser auch bezahlt.

Ein paar Tage später kommt der Pfarrer wieder abends nach Hause und findet seine Küche voller Kohlen vor, diesmal mit der Rechnung eines anderen Kohlenhändlers.

„Für tausend Mark Kohlen zum Pfarrer! Für tausend Mark Kohlen zum Pfarrer!“, krächzt das Tier triumphierend.

Wütend wählt der Pfarrer die Nummer des Händlers und macht die Bestellung rückgängig. Dann redet er dem Papagei energisch ins Gewissen: „Das ist sehr, sehr böse, was Du getan hast, und Du wirst es nicht wieder tun – hast Du verstanden?“

Der Händler kommt und holt seine Kohle wieder ab, und wieder muss der Pfarrer fünfzig Mark zahlen. „Nun“, sagt er sich, „wenigstens wissen die beiden Kohlehändler am Ort jetzt Bescheid.“

Wieder ein paar Tage später jedoch findet er des Abends erneut einen Riesenhaufen Kohlen in seiner Küche vor, diesmal von einem Hamburger Händler, der zusätzlich einhundert Mark Lieferkosten berechnet hat. Diesmal kostet es ihn erheblich mehr Zeit, Geld und Mühe die Lieferung rückgängig zu machen. Als schließlich die Kohlen auch diesmal endlich aus seiner Küche verschwunden sind, verliert der Pfarrer seine christliche Geduld, und er schreit den Papagei an: „Jetzt habe ich aber endgültig genug, Du Satansbraten! Wenn Du noch einmal Kohlen bestellst, nagele ich Dich an die Wand, verstanden?“

Der Papagei sieht ihn verstört unter seinem Flügel hindurch an, und der Pfarrer bereut seine zornigen Worte sofort, aber er sagt sich: „Nun, wenn die Drohung hilft, das arme Tier zurück auf den rechten Weg zu führen, dann soll es gut sein.“

Wochenlang ist der Papagei besonders brav, flucht kaum und schreit auch nicht so viel wie sonst. Eines Abends jedoch öffnet der Pfarrer die Tür, und ein Schwall Kohle quillt ihm entgegen. Seine ganze Wohnung ist voller Kohle, und auf dem Küchentisch findet er die Rechnungen von mehreren Hamburger Kohlenhändlern, über insgesamt mehr als zehntausend Mark.

Der arme Pfarre verliert vollständig die Beherrschung. „Jetzt habe ich aber genug!“, brüllt er, und blind vor Wut nimmt er sich seinen Werkzeugkasten, holt Hammer und Nägel heraus, greift sich den schreckstarren Vogel und nagelt ihn durch dessen Schwingen tatsächlich an die Wand. Dann begibt er sich zum Telefon, um die Bestellungen rückgängig zu machen.

Der Papagei hängt verängstigt an der Wand und schämt sich. Da erblickt er an der gegenüberliegenden Wand ein Kruzifix und fragt den daran hängenden Jesus leise:

„Hast Du etwa auch Kohlen bestellt?“

Ja, das war jetzt die Pointe. Ehrlich. Wenn Ihr nicht begreift, was daran so witzig ist: Mir geht es genau so! Ich habe diesen Witz als Kind in verschiedenen Witzbüchern gelesen und nie begriffen, worüber ich hier eigentlich lachen sollte. Vielleicht ist er mir gerade deswegen im Gedächtnis haften geblieben.

Weswegen ich heute an diesen schlechten Witz denken musste, und wieso ich ihn Euch erzählt habe, darüber schreibe ich in meinem nächsten Beitrag.

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Published in: on August 6, 2007 at 2:05 pm  Comments (10)  
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10 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Also ihc hba den witz noch nie gelesen/gehört. ich finde ihn schlecht und orgendwie bin ich schon nach dem erstten drittel auf den schluss gekommen.

  2. Um nach den ersten Drittel (also bevor etwas von „an die Wand nageln“ erwähnt wird) auf den Schluss zu kommen, MUSST Du ihn aber schon gekannt haben!

    Wie Du aber, wenn Du bis zum Schluss weitergelesen hast, weßt, finde ich diesen Witz ebenfalls schlecht.

  3. nö, ich aknnte ihn nciht. was soll schon bei nem pfarrer kommenals n Jesus/Kirchenfeindlicher witz.
    erstes dritte war auch nur geschätzt.

    also das genaue ende war mir nicht kalr, aber die richtung schon.

  4. Schon eine Rätselhafte Geschichte dieser Witz. Besonders verwunderlich ist für mich die Intention des Seebären, wie sich der Papagei langsam zu einem selbständig denkendem Wesen wandelt und warum es ausgerechnet Kohlen sind. Interessant ist auch, dass der Pfarrer, die gegen seinen Heiland angewandte Strafe gegen eine „Kreatur Gottes“ richtet. Der Witz kommt mir auch bekannt vor. Liest sich für mich aber mehr wie eine als Witz getarnte Kurzgeschichte.

    Ok der Eindruck entsteht durch deine deinen Stil und deine ausschweifende Erzählweise.
    Andere Leute fassen sich da wesentlich kürzer:

    „Herr Huber ersteht einen „Gebrauchten-Papagei“, was Herr Huber nicht weiß, der Papagei Lora hat ein ausgefallenes Hobby – er bestellt gerne telefonisch Kohlen.
    Als Herr Huber am nächsten Tag von der Arbeit kommt, liegt in seinem Vorgarten ein riesen Haufen Kohlen.
    Auf Rückfragen erklärt im der Händler das die Bestellung telefonisch durch einen gewissen Herrn Lora getätigt wurde.
    „Warst du das Lora?“, der Papagei nickt schuldbewusst.
    „Lass das in Zunkunft bleiben, sonst nagel ich dich an die Wand“, droht Herr Huber dem Papagei.
    Am nächsten Tag wieder Kohlen, wieder Ermahnungen und wieder Beteuerung von Lora sich zu bessern.
    Als am nächsten Tag wieder Kohlen im Garten liegen packt sich Herr Huber seinen Papagei und nagelt ihn an die Wand.
    Als der Papagei da so hing und sich umsah bemerkt er neben sich ein Kruzefix mit einem kleinen Kerl daran.
    „Na Kumpel, auch Kohlen bestellt?““

  5. Naja, weißt Du, Nick, auch wenn ich selbst der Ansicht bin, dass der Witz schlecht ist, kann ich mir doch trotzdem Mühe geben, ihn wenigstens so unterhaltsam wie möglich zu erzählen? Außerdem muss es wohl auch irgendjemand geben, der ihn witzig findet, sonst hätte er damals nicht in diesen Witzbüchern gestanden.

    Und schließlich ist das exakte „Gewand“ des Witzes mit dem Pastor etc… der eigentliche Grund, warum ich ihn erzählt habe… dazu aber (hoffentlich) morgen mehr!

  6. Einige von uns hoffen immer noch. ;>

  7. (Seufz) Es kommt, versprochen! Nur ohne festen Termin, leider…

  8. Boah und dafür Zeit meines Leens geopfert.

  9. Du hast nicht im Ernst vier Stunden lang F5 gedrückt? ^^

  10. Der ist ja lang… und es dauert auch seine zeit bis er lustig wirt… haha


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