Kleines Pressespiegelchen

Selbst Schuld, wenn man Nachrichten liest, ich weiß… Drei Dinge sind mir aber aufgefallen, auf die ich Euch hinweisen will (alle Info stammt von Spiegel Online):

In diesem Artikel hier wird folgende Einschätzung eines Sprechers der Gewerkschaft Transnet wiedergegeben: Zudem werde bereits unter Fahrdienstleitern, Stellwerkern oder Wagenmeistern diskutiert, ob sie in Zukunft nicht ähnlich wie die Lokführer einen separaten Tarifabschluss anstreben sollten.

Genau das habe ich befürchtet
– jede Berufsgruppe kocht ihr eigenes Süppchen! Natürlich muss dann mit all diesen Gruppen einzeln verhandelt werden, und sie rufen alle einzeln Streiks aus… Bitte nicht nachgeben, Deutsche Bahn!

Henryk M. Broder schreibt in seiner Kolumne interessanterweise sehr ähnliche Gedanken nieder, wie ich zuletzt. Einige Auszüge:

Es gibt eine Regel bei Diskussionen über aktuelle Themen, die sich jeder Teilnehmer merken sollte: Wer zuerst Hitler, Nazis, Drittes Reich sagt, hat die Arschkarte gezogen. So einer ist entweder NS-Sympathisant oder – noch schlimmer – er missachtet das 11. Gebot: Du sollst nicht vergleichen!

Die Nazis waren Aliens, die Deutschland zwölf Jahre lang besetzt hielten, bestenfalls eine hässliche Verwandtschaft, unter deren schlechten Manieren man selber immer noch leiden muss.

so dürfe man den „Holocaust“ nicht verharmlosen. Es geht nämlich nicht darum, den nächsten zu verhindern, sondern den letzten in Erinnerung zu behalten.

Johannes Gross hat es so formuliert: „Je länger das Dritte Reich zurückliegt, umso mehr nimmt der Widerstand gegen Hitler und die Seinen zu.“

Das sind viele Formulierungen, in denen ich mich wiederfinde! Der eigentlichen Aussage seines Artikels jedoch, mit der er den Rauswurf von Eva Herman aus der Kernerschen Sendung kritisiert, möchte ich mich nicht anschließen – jedenfalls nicht, ohne die Sendung gesehen zu haben.

Eine weitere Meldung von Interesse versteckt sich im Sportteil: Ein iranisch-stämmiger deutscher Jugendnationalspieler will nicht gegen Israel antreten. Ja, das ist natürlich ein Skandal, und wenn die Bild-Zeitung die Aussagen des Jungen korrekt wiedergegeben hat (oder Freitag der Dreizehnte auf einen Vollmond fällt, was wohl genau so wahrscheinlich ist), dass er auf Grund seiner politischen Ansichten nicht spielen wolle, selbstverständlich ein Grund, ihn aus der deutschen Nationalmannschaft auszuschließen!

Nur… unterdessen dreht sich die Diskussion darum, dass der Spieler persönliche Gründe angegeben habe, namentlich, dass er im Falle eines Einsatzes Repressalien für seine im Iran lebenden engen Verwandten fürchtet! Und trotzdem wird ihm von allen Seiten gesagt, er solle sich „wie ein Deutscher “ entscheiden… Wie verlogen ist das denn? Wenn der junge Mann tatsächlich spielt, und sein Bruder fliegt einen Tag später aus seinem iranischen Team, wird von einigen wütenden Fanatikern zusammen geschlagen, oder unter irgendeinem Vorwand verhaftet und ins Gefängnis verfrachtet – ist dann der Moment gekommen, an dem die selben Stimmen dann Betroffenheit heucheln, vielleicht noch gepaart mit einem „Wenn wir das geahnt hätten“?

Wieso wird eigentlich einem 21-jährigen Fußballspieler eine solche Entscheidung aufgebürdet? Seit der Islamischen Revolution von 1979 lehnt es die Regierung in Teheran ab, Israel anzuerkennen, und verbietet seinen Staatsbürgern die Einreise sowie jeden sportlichen Wettkampf mit Israel. Das – und die Tatsache, dass iranische Sportler und Mannschaften trotzdem noch an internationalen Wettkämpfen teilnehmen dürfen – ist doch wohl der eigentliche Skandal! Hier versagt die Sportpolitik auf der ganzen Linie: Anstatt Druck auf diejenigen auszuüben, welche diese Situation geschaffen haben, sanktioniert sie einzelne Sportler, die sich diesem Dilemma ausgesetzt sehen! Einem Menschen Vorwürfe zu machen, weil er aus Angst um seine Familie ein Fußballspiel absagen will – wie heuchlerisch ist das denn bitteschön?

Was besitzen diese drei Themen eigentlich für einen gemeinsamen Nenner? Nun, jedes Mal geht es darum, dass Widerstand nicht dort geleistet wird, wo er wichtig wäre, sondern dort, wo er erfolgversprechend erscheint! So sind wir Menschen eben. Moral verlangen wir immer nur von den anderen.

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16 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. @ vielelicht rauswurf des jugendnationalspielers:
    Was ich noch viel schlimmer finde als das eigentliche Thema ist ja das der zentralrat der JUden sienen rauswurf öffentlich gefordert hat. Die sollen sich um ihre probleme kümmern. und nicht um die von den anderen.
    wobeidas eigentlich wieder zu erwarten war. Die geben zua llem ihre hoch-amtliche meinung im namen aller juden deutschlands ab.
    MAcht vielleicht der Zentralrat der muslime anduaernt irgendeinen aufstand?? Nein, der kümmert sich um seine Probleme.

    Was zum viel schlimmeren Thema führt: Man darf Juden (oder noch schlimmer den zentralrat) in der öffentlichkeit nicht kritisieren, sonst läuft man gefahr als rechtsradikal gebrantmarkt zu werden.
    Das kanns aus der perspektive der Meinungsfreiheit einfahc nicht sein. ich könnte das länger ausführen, aber das ist ein anders Thema, wenn es einen interessiert schreibe ich vielleicht dazuwas.

    @streik: das war klar, jetzt wollen alle anderen auch meh lohn. da sihet man mal wieder: viele sagen:“ is mir wurscht wie’s meinem unternehmen geht, haupsache ich bin in rente, wenn es bankrott geht.“
    Das durch das gewerkschafts system deutschland geschädigt wird, ist den meisten auch wurscht. in patriotischen ländern (USA,…) würde das nie vorkommen.
    ABer patriotismus ist in Deutschland ja verpönt seit der zeit der großpropaganda in eine bestimmte politische richtung (aber das is tseit 06 besser geworden).

    Chickenfood

    P.S: ich brauche dringent nen eigenen blog, aber irgendwie schreibe ich aus eigenantrieb nie was, nur mit anstoß, so wie hier.

  2. Ich sehe bei Dir ein bisschen die Gefahr, dass Du manche Dinge etwas weniger komplex begreifst, als sie sind…

    Deutschland besitzt nun einmal eine Tradition des Antisemitismus, und deswegen (und nicht etwa, weil es zwingend mit ihren dumpf-faschistischen Ideen verknüpft wäre) geben sich zum Beispiel auch unsere Neonazis bewusst antisemitisch. Daher ist es schon zu erwarten und auch angemessen, dass sich der Zentralrat der Juden öfter äußert. Nichtsdestotrotz bin ich ebenfalls der Ansicht, dass diesem Gremium eine moralische Autorität und Unangreifbarkeit zugetsanden wird, die nicht rational zu rechtfertigen ist.

    Naja, und in den USA gibt es auch Gewerkschaften, und wenn ich auch kein Fachmann für wirtschaftspolitische Verhältnisse dort bin, glaube ich doch mitbekommen zu haben, dass ihr Ruf noch erheblich schlechter ist als hier, weil sie tatsächlich in viel stärkerem Maße mit erpresserischen Methoden vorgehen als bei uns (und auch korrupter sind – kaum ein amerikanischer Krimi stellt sie jemals anders als als Teil des organisierten Verbrechens dar).

    Patriotismus jedenfalls begegne ich immer mit größtem Misstrauen, weil ich mich immer frage, worauf genau man da eigentlich stolz ist, und mit welcher Berechtigung, und wie sich das äußert. Ich bin jedenfalls grundsätzlich absolut der Ansicht, dass der Staat für die Menschen da sein sollte, und nicht etwa anders herum!

    P.S.: Wenn Du ein eigenes Blog führen willst, solltest Du an Deiner Aversion gegen korrekte Orthografie kräftig arbeiten!

  3. Danke Andy!
    Den letzten Absatz zu Chickenfoods Kommentar hätte ich auch gerne in ähnlicher Art geschrieben, aber leider bist Du mir zuvorgekommen.
    Es mutet schon ein wenig eigenartig an, daß es in Deutschland eine Gruppe gibt, deren Anhänger die Sprache des Landes, das sie angeblich so sehr lieben, so wenig lieben.
    Trotzdem kann ich ihm – zumindest inhaltlich – weitgehend zustimmen.

    An manchen Tagen hat man das Gefühl, daß in unserem Lande kein Fahrrad mehr umfallen kann, ohne daß der Zentralrat der Juden seinen Senf dazugibt.
    Das sollte uns ein wenig nachdenklich machen über die tatsächliche Medienmacht einer Minderheit, die natürlich ihre Existenzberechtigung in unserer pluralistischen Gesellschaft hat.
    Aus diesem Grunde kann ich nicht nur dem Kommentar von Chickenfood, sondern auch Deinem Artikel gut zustimmen.

    Was hingegen den Jugendnationalspieler betrifft, so gehe ich davon aus, daß es sicher einen Arbeitsvertrag gibt, in dem ganz klar definiert ist, was er zu tun hat und was er verweigern darf.
    Wird dieser Arbeitsvertrag nicht erfüllt, so gibt es keinen Grund, ihn länger aufrecht zu erhalten. Und zwar völlig unabhängig von jeder politischen Diskussion.
    Er kann ja anschließend gerne seine ganz persönliche Einzelgewerkschaft bilden, wenn er das möchte. Oder sich eben einen anderen, vielleicht besser bezahlten Job suchen wie so viele Andere in unserer Gesellschaft.

  4. DAs Problem der Sendung bei Kerner war erstmal eine starke Armut an Argumenten. Es wurde eigentlich von der Anklage gernicht richtig Argumentiert sondern es wurde sich nur entrüstet.

    Leider Fehlen Frau Herrman die intellektuellen Kapazitäten um selber eine Argumentation, die an dieser Stelle bitter nötig gewesen wäre, zusammenzustricken. Gewiss keine leichte Aufgabe, wenn es um den Nationalsozialismus geht lauern überall Stolperfallen.

    Gerne hätte ich die Anklage mal gefragt was denn besser ist, eine allgemeine Dämonisierung oder eine sachliche Argumentation, bei der auch geschichtlich
    weniger bewanderte etwas lernen können.

    Es gab damals auch gute Aspektein diesem System. Wer das nicht erkennt zeigt eigentlich das er diesen Teil der deutschen Geschichte nicht verstanden hat, denn er setzt ein irrationales Verhalten der damaligen deutschen Bevölkerung voraus.

  5. max: Kein Irrationales Verhalten der Bevölkerung während des Nationalsozialismuses? Du bist also der Meinung sie hätten sich rational verhalten? Wirklich?

    Also bei meiner Generation (Geb 73)ist dieses Thema mit sehr starken Gefühlen vorbelastet (wie bei vielen anderen auch), ich musste mir in jedem versuchten Gespräch über diese Zeit von meinen Großeltern das Gegenargument „Es war ja auch nicht alles schlecht, z.B. die Autobahnen“ anhören. Wenn man das schon so manches Mal in Zusammenhang mit dem Massenmord an Juden, Polen, Russen, usw. gehört hat, entwickelt man da ein dünnes Fell (wie sich jemand fühlen mag, der seine Familie in einem KZ verloren hat, wenn diese Argumente kommen, kann ich nicht nachvollziehen).
    Von daher kann mir diese dummdreiste Hermann, die es diesmal mit der Provokation etwas zu weit getrieben hat wirklich gestohlen bleiben (und die immer wieder kehrende „wir müssen mal einen Schlussstrich ziehen“ Debatte auch)

  6. p.s. wenn wir schon den Online Spiegel im Blog lesen. Vielleicht auch mal:

    http://einestages.spiegel.de/page/Home.html

  7. Also einen Schlußstrich wird man zu diesem Thema wohl frühestens dann ziehen können, wenn irgendetwas NOCH schlimmeres passiert, und daß dieser Fall eintritt, das will von uns ganz ganz sicher niemand zu seinen eigenen Lebzeiten erfahren müssen. Bevor dieser Fall eintritt, KANN das Thema mE gar nicht vergessen werden. Das dritte Reich ist für das Bewußtsein der deutschen Öffentlichkeit eine historische Singularität, die Senibilität jedes einzelnen Bürgers der Republik wird genau dafür geschärft, wie sollte es überhaupt möglich sein, das zu vergessen?

    Dennoch kann ich mich generell des Eindrucks nie erwehren, daß es sich bei der Schar der stets ach-so-Entrüsteten um ein Rudel gutmenschelnder Pawlowscher Hunde handelt, das laut losbellend jeden zu Tode hetzt, der auch nur in einer semantischen Verknüpfung dritten Grades ganz entfernt andeutet, das Nazi-System sei a) begreifbar gewesen, hätte b) irgendwelche positive Aspekte gehabt, wäre c) mit irgendwelchen anderen geschichtlichen oder gar aktuellen Eriegnissen vergleichbar oder sei in sonst einer Weise nicht das ultimative Reich des Bösen™ gewesen, vom Teufel Adolf höchstselbst zum Leben erweckt.

    Dieser Wachreflex ist zwar insofern nützlich, daß sich mit dem stetigen Alarm diese Art der Geschichte auf unserem Landstrich nicht so schnell wiederholen wird (leider aber eben auch nur auf unserem Landstrich, andere Staaten haben mit nationalistischen Überzeugungen auch in der Masse keine Probleme), verhindert aber, daß sich Laien in sinnvoller (d.h. nicht dogmatisch dämonisierender) Weise mit dem Dritten Reich auseinandersetzen können, ohne Gefahr zu laufen, von der Meute zerrissen zu werden, wenn sie nur den kleinsten Mißgriff in der Terminologie tätigen.

    Der Laie hat genau drei Optionen, gefahrlos über die NS-Zeit zu reden:
    – wie das Dogma es befielt
    – gar nicht

    Übrigens war das in der DDR genauso.

  8. zwei statt drei obv. :/

  9. Autobahnen sind Dinge; weder gut noch böse. Natürlich freuen wir uns heute darüber, dass sie damals gebaut wurden.

    Ideologien hingegen können gt oder böse sein. Frau Herman hat das Frauen- und Familienbild der Nazis gelobt, das Teil ihrer Ideologie war. Diese Ideologie ist böse und durchdringt das gesamte Handeln dieser Regierung (wie der Artikel über den Autobahnbau auch zeigt).

    Natürlich kann eine Regierung im Verlauf von 12 Jahtren nicht NUR schlechte Dinge getan haben. Autobahnen, Volkswagen und Radio müssen wir deswegen nicht abschaffen.

    Die Motivation aber, das dahinter stehende politische Programm darf nicht schön geredet werden! Genau das hat Frau Herman aber getan.

  10. Boneshredder: gefahrlos über die Nazi-Zeit reden kann man in Deutschland überall (z.B. auch hier). Nur wer, was, wie sagen kann ohne einen Riesenrummel auszulösen ist beschränkt (auch ohne den Aufbauschwillen der Medien mit einzurechnen).
    Sehr schönes Interview:
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/325/52273/

  11. Da bin ich nicht einmal so sicher. Nach den (paar) Artikeln, die ich bislang dazu gesehen habe, scheint immer noch die Möglichkeit offen, daß Hermann diesen Zusammenhang zwischen Rassen-Ideologie und Rolle der (logischerweise arischen) Familie für die Nazis nicht als solchen bedacht hat. Da mir der genaue Wortlaut nicht vorliegt, kann ich das jedoch leider nicht selbst beurteilen.

    An einer Stelle hatte Herman wohl auch eingeräumt, daß sie mit der Erwähnung der NS-Familienpolitik bewußt auf die Emotionen ihre Zuhörer/Leser abgezielt und nur die Größenordnung der Rückwirkung nicht bedacht hatte. Von daher kann man das auch ein wenig als PR-Dilettantismus belächeln. Daß die Frau aber wirklich die Nazi-Ideologie gutheißt – und sei es nur in Teilen – glaube ich bisher noch nicht, und entsprechend überzogen finde ich auch die Ächtung.

  12. Wortlaut ihres Kommentars an die Bild:
    „Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder und Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die Achtundsechziger abgeschafft wurden. Vieles, was in dieser Zeit hochgehalten wurde, wurde danach abgeschafft. Und dazu gehören Werte, die uns auch vor dem Dritten Reich zusammengehalten haben und uns ja auch das Überleben gesichert haben. Familie nämlich.“

    Auf der Abschussliste des NDRs wird sie übrigens schon vorher gestanden haben (nämlich wegen ihrer Äußerungen zu ihrem letzten Buch). Sie, die das neue deutsche Frauenbild vertreten will, bringt sich durch eine solche Äußerung in Probleme. Überrascht mich nicht. s. http://www.faz.net/s/Rub501F42F1AA064C4CB17DF1C38AC00196/Doc~E55AF3AC91E2044E3A529303AE2F120F1~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  13. Wie man leicht sieht, ist bei diesen Worten an die Beobachtung der „Werte“-Kontinuität Familie etc. keinerlei Reflexion über die Nazi-Ideologie verknüpft. Entsprechend wäre es mE nicht mehr als eine bösartige Unterstellung, Hermann würde diese Ideologie gutheißen.

    Und noch zu Deinem vorigen Kommentar, Björn: Das alles zeigt doch nun gerade wie im Bilderbuch, daß man eben NICHT gefahrlos über die NS-Zeit reden kann. Man muß immer erst einen Disclaimer bringen, oder sonstwie auf der Meta-Ebene klarmachen, daß man sich von der NS-Ideologie distanziert, bevor man darüber redet. Tut man das nicht und man wagt es, einen positiven Aspekt der NS-Zeit zu benennen – wie Beispiel Herman – wird reflexartig unterstellt, man würde mit den Nazis sympathisieren. (Auch unter dem Link zum Schmidt-Interview wird übrigens mehrfach herausgestellt, wie schnell man sich bei diesem Thema den Mund verbrennen kann.)

  14. die angeblich tolle Familienpolitik der Nazis zu loben, ist wie wenn sich ein Leprakranker freut dass er sich keine schuhe mehr kaufen muss, da seine Beine abgefallen sind.
    Die NS-Familienpolitik ist ein Auswuchs der Ideologie, ohne die Ideologie hätte es sie also nicht gegeben. Eva Hermann hat dies entweder nicht begriefen oder in Kauf genommen, in beiden Fällen sollte sie keine Bücher schreiben die anderen Menschen vorschreiben wie sie zu leben haben.

    ach ja, wer immer gesagt hat das sich Geschichte nicht wiederholt war ein Idiot

  15. Bezüglich der Dämonisierung von Hitler und Hermanns Kommentar zur Familienpolitik denke ich ähnlich wie Boneshredderer.
    Alles, was sie, so wie ich es verstanden habe, sagen wollte ist, dass Familie und Mutterschaft wieder besser im Ansehen stehen sollten und gewertschätzt werden sollten. Sie sagt, dass es diese Werte schon vor der Nazi-Zeit gegeben hatten und eben nur von denen mit hochgehalten worden sind. Das ist nichts, was die Nazis erfunden haben, sie haben es zwar für sich und ihre Ideologie mitgenutzt, aber deswegen ist es ja nicht untrennbar mit dieser verbunden. Diese Wertvorstellungen wurden von den Nazis für ihre Zwecke missbraucht, aber deswegen sind sie doch nicht selbst schlecht. Über die Motivation, die dahinter stand, diese Werte hochzuhalten, hat sie gar nichts gesagt! Auch die Familienpolitik der Nazis hat sie als solche nicht gut geheißen, sondern lediglich die grundlegenden Werte, die diese hochgehalten hat (die es, ich sage es noch einmal, schon lange vorher gab und nur von den Nazis missbraucht wurde).

    Hermann hat nirgendwo erwähnt, dass sie meint, nur arische Mütter sollten geachtet werden oder irgendwas anderes, das wirklich mit der Nazi-Ideologie zusammenhängt. Ich glaube auch, sie hat diesen Punkt nur eingebaut, weil er eben Aufsehen erregt und dabei unterschätzt, wie stark die Leute heute noch darauf programmiert sind, alles, was mit dem Nationalsozialismus in Zusammenhang gebracht werden könnte, und sei es auch um drei Ecken, zu dämonisieren.

    Was sie eigentlich nur sagen wollte, meiner Ansicht nach: „Respektiert auch das Mutterdasein und tut nicht immer so, als wäre das Leben vorbei, wenn man erstmal anfängt eine Familie zu gründen, und als wären alle Menschen mit mehr als zwei Kindern assozial. Schon seit Urzeiten (lange VOR der Nazi-Zeit) waren Familie und Mutterschaft hoch angesehen, warum heute nicht?“ Der Nazi-Vergleich war nur dazu da, dass das auch jemand hört, sonst beachtet das ja kein Schwein. Ungeschickt von ihr, aber mehr auch nicht.

    Einen gewissen Patriotismus finde ich alledings gar nicht schlimm. Man sagt ja, Patriotismus sei nichts weiter als die Liebe zu dem Essen, das man früher immer bei Mama bekommen hat. Da ist schon was dran. Es ist die ganze Kultur, die Vegetation des Landes, die Mentalität, die einen von so klein auf schon geprägt und sicher auch etwas geformt hat. Es ist fast genauso wie seine Mami lieb zu haben und stolz auf sie zu sein. Klar ist sie nicht perfekt und man hat selbst nichts geleistet indem man aus ihr rausgeschlüpft ist, aber ist das ein Hindernis?
    Allerdings darf man das ja heute hier nicht mehr, daher suchen sich wohl auch alle ein anderes Land (oder eine andere Zeit), das sie lieb haben können, so wird einer zum Indien-Fan, einer ist verrückt nach Japan… So stellvertretender Partiotismus sozusagen, irgendwas in der Art braucht halt scheinbar jeder.

  16. Kann man in der Diskussion nicht vielleicht die gefühlte Dämonisierung der NS-Zeit und Eva Herman trennen? Frau Herman steht mit einem stark konservativen Wertebild (sie will nicht das Mütter etwas mehr Wetschätzung erhalten, sie will, dass Frauen wieder ihre „traditionelle“ Rolle am Herd einnehmen) und setzt sich bewust in Opposition zur 68er Bewegung und der Emanzipation. Sie setzt sich also einerseits dafür ein, dass Frauen wieder nur ihre Rolle als Mutter und Hausfrau einnehmen, andererseits lebt sie diese nicht. Sie versucht sich mit allen anzulegen (wenn sie behauptet Journallisten würden sie nicht verstehen können, weil eh 70 Prozent von ihnen kinderlos sind). Das hat sie so lange getrieben, bis ihre ehemaligen Verbündeten des Springer Verlages sie auf dem Altar der Schlagzeilen geopfert haben. Das macht sie nicht zur Märtyrerin der freien Meinungsäußerung (wie sie jetzt ja schon von den rechten Parteien dargestellt wird).

    Zur Dämonisierung: Anscheinend ist einer der Kritikpunkte, dass man nichts positives über die Zeit sagen könnte ohne vorher zu bekunden, dass man die Nazi-Ideologie grundsätzlich ablehne. Warum soll das schlimm sein? Ist es übertrieben dem Anderen zu signalisieren „Hallo, ich bin kein Durchgeknallter. Wir können us ruhig unterhalten. Ich möchte wirklich nur über einen positiven Aspekt reden und bin mir über den Zusammenhang und die anderen Umstände wohl bewusst“. Jemanden wir mir, nach dessen Erfahrungen auf „Die Autobahnen waren prima“ keine Diskussion möglich ist, weil der Verfechter dieses Statemans sich mit „Davon haben wir nichts gewusst“ zurückzieht und die Verhaftungen und die Arbeitssklaven ignoriert, wäre damit sehr geholfen. Ich wüsste gern ob es sich lohnt zu diskutieren oder ob sich ein Ausschwitz-Leugner hinter der harmlosen Einleitung verbirgt.
    p.s. übrigens mit der Meinung die NS Zeit hätte gute und schlechte Seiten gehbt ist man in Deutschland nicht allein, nach einer Umfrge der Bertelsmann Stiftung Anfang des Jahres sind 40 Prozent der Deutschen dieser Meinung. (Quelle: http://www.morgenpost.de/content/2007/02/12/politik/882586.html)


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