Kurzmeinungen

Ich habe immer noch furchtbar viel, was ich hier gerne schreiben wollte, aber wenn ich so lange warte, bis ich die Zeit für entsprechend lange Blogeinträge finde, bleibt mein Blog vielleicht noch Wochen verwaist. Daher werde ich stattdessen einfach ein paar kürzere Statements abgeben (hm, das habe ich jetzt mal probiert, und dieses Denglish tut meinen Augen gar nicht mehr so weh – Gewöhnung?)

Ein paar Nachrichten auf Spiegel Online habe ich mir als Lesezeichen markiert, weil ich mir Gedanken dazu gemacht habe. Da ist zum Beispiel:

Gericht verpflichtet Web-Forum zur Vorab-Zensur

Das ist es, was ich mit dem Verlust der Meinungsfreiheit meine! Forenbetreiber zu verpflichten, Beiträge vor der Veröffentlichung zu lesen und einer quasigerichtlichen Überprüfung zu unterziehen, das ist nichts anderes als ein faktisches Verbot, Foren zu betreiben! Jedem vernünftig denkenden Menschen sollte klar sein, dass so ein Vorab-Ausleseprozess nicht funktionieren KANN.

Beinahe noch schlimmer allerdings ist, welche Form der Meinungsäußerung Firmen (oder auch Privatpersonen) bereits verbieten lassen können. Im Prinzip läuft es ja bereits darauf hinaus, dass man Kritik an Geschäftsmethoden überhaupt nicht mehr äußern darf, weil Kritik als solches ja impliziert, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte, und diese Unterstellung ja bereits geschäftsschädigend ist! Gerade jene Quiz-Shows, die hier thematisiert werden, laufen nun einmal in einer Art und Weise ab, dass der Verdacht, hier würde manipuliert, höchst nahe liegt. Aber wehe, man sagt das laut! Wenn in der Türkei wieder einmal ein Kritiker wegen „Beleidigung des Türkentums“ verurteilt wird, dann schreien wir zu Recht auf, weil hier Meinungsfreiheit mit einem Totschlagargument und Gummiparagrafen verhindert wird: Wer sagt, dass etwas nicht in Ordnung ist mit der Türkei, würdigt sie herab. Dabei gehen wir unterdessen mit Kritik an Firmen praktisch genau so um – „Beleidigung des Kapitalismus“, oder wie?

Dann dies hier:

Junge Gewalttäter werden selten bestraft

Nicht, dass wir es nicht schon vorher wussten, aber so ein „Bericht einer bundesweiten Arbeitsgruppe zur inneren Sicherheit“ gibt diesem Wissen doch einen etwas offizielleren Anstrich. Ich bin immer wieder perplex, wie sehr Gewalttaten doch in unserer Welt als Kavaliersdelikt durchgehen! Wir sprechen hier nicht von harmlosen Grundschulprügeleien, sondern von Attacken, deren Opfer lange Krankenhausaufenthalte erleiden müssen und möglicherweise ihr Leben lang an den Folgeschäden zu tragen haben. Ich kann nicht verstehen, wieso hier so viel Rücksicht auf die Entwicklung der armen, desorientierten Jugendlichen genommen wird, die maximal mit Jugendstrafen, häufig auch auf Bewährung, wenn überhaupt, davon kommen. Schwere Körperverletzung, Totschlag und Raub – das sind Straftaten, deren Unrechtmäßigkeit man Kindern auch schon vor ihrem zwanzigsten Lebensjahr vermitteln können sollte! Und ganz ehrlich: Wenn eine Bande Jugendlicher einen Mitmenschen ersticht oder zum Krüppel tritt, dann ist mir SCHEISSEGAL, ob eine Gefängnisstrafe deren junges, zartes Leben vielleicht aus der Bahn werfen kann! Was ist mit dem Leben, das diese Jugendlichen bereits aus der Bahn geworfen oder sogar beendet haben? Wer sich so gegenüber anderen Menschen verhält, der grenzt sich aus der friedlichen Gemeinschaft aus, und ich sehe überhaupt nicht ein, dass der Versuch einer Re-Integration in diese Gemeinschaft Vorrang vor deren Schutz vor einem Gewalttäter haben sollte. Re-Integration sollte eine Maßnahme für Menschen sein, die geläutert sind, und von denen keine weitere Gefahr ausgeht, nicht eine Verfahrensweise, bei der man wider besseren Wissens Gewalttätern mit dem Zeigefinger droht und hofft, dass sie darauf hin ihr Leben ändern.

Zu unmoralisch für die USA?

Das lasse ich einfach mal kommentarlos hier stehen.

Jüdische Interessensverbände fordern Rücktritt von Formel-1-Boss Mosley

Jedes Mal, wenn ich von „jüdischen Interessenverbänden“ oder Ähnlichem lese, richten sich meine Nackenhaare auf. Warum schwingt in solchen Meldungen immer der Unterton „eine höhere moralische Instanz zeigt sich beleidigt“ mit? „Jüdische Interessenverbände“ können sich mit einer gewissen Autorität äußern, wenn es darum geht, antijüdische Tendenzen anzuprangern (die ja tatsächlich leider durchaus gelegentlich in Deutschland und Europa zu erkennen sind). Sie mischen sich allerdings auch immer wieder gerne ein, wenn es um die Politik des Staates Israel geht, mit der ausgesprochenen Gleichsetzung von „kontra Israel“ gleich „antijüdisch“, sowie der unausgesprochenen Gleichsetzung „Israel-Kritiker“ gleich „Nazi“. Darüber hinaus hört man dann auch gelegentlich bei Themen von ihnen, zu denen sie sich mit der selben Betroffenheit äußern können wie der Verband der deutschen Wellensittich-Züchter.

So hier: Auch wenn ich angesichts der Geschmacklosigkeit jener „Nazi-Orgie“ vielleicht die Hände über den Kopf zusammen schlage: Das ist verdammt noch einmal das Privatvergnügen dieses Mannes! Soweit mir bekannt ist (und der Bericht hätte sonst sicherlich darauf hingewiesen), hat er nichts Illegales getan. Der einzige wirkliche Skandal ist hier, dass von jenen privaten Aktivitäten ein Video an die Öffentlichkeit gelangt ist. Außerdem sollen all diejenigen, welche der Meinung sind, dass man Nazi-Uniformen nicht im sexuellen Rollenspiel einsetzen solle, sich einmal fragen, warum es dann angemessener ist, sie zur Belustigung und Unterhaltung in Kinofilmen einzusetzen, wie bei Louis de Funes (setzt die Accents bitte selbst), Indiana Jones und Hunderten weiteren Produktionen. Antijüdische Tendenzen kann man hier jedenfalls beim übelsten Willen nicht erkennen, lediglich (subjektive) Geschmacklosigkeit. Befremden und Verwunderung, meinetwegen auch Ekel darf man gerne zeigen, aber ansonsten gehen die privaten Verirrungen eines Menschen den Rest der Welt, einschließlich jüdischer Interessenverbände und Holocaust-Opfer, einen Scheißdreck an! Klar, wenn er so etwas in der Öffentlichkeit inszenierte, dann dürften zumindest die letzteren sich über mangelnde Sensibilität beklagen, aber das war hier nicht der Fall.

Alex hat totalverweigert

Alexander Hense ist ein Held. So etwas schreibe ich ungern, denn jedes aufs Podest Stellen einer Person geht immer mit der Gefahr einher, dass man irgendwann von ihren Charakterfehlern erfährt, möglicherweise sogar in Frage stellen muss, dass ihre Motivation so ehrlich und ehrenhaft ist, wie man geglaubt hat. Nichtsdestotrotz nehme ich diesen Bericht einfach einmal so, wie er da steht und drücke Alexander hiermit meine Bewunderung aus.

Er hat das getan, was ich mich nicht zu tun getraut habe, obwohl ich zum großen Teil seiner Meinung bin (und auch damals schon war): Er hat totalverweigert. Damit zeigt er unbequemerweise auf, dass diejenigen, die Zivildienst leisten (so wie auch ich es tat), letztlich einen Königsweg gegangen sind. Sie haben sich in einer Weise, die der Staat ihnen zugesteht, arrangiert, haben für sich selbst eine Lösung gefunden, ohne die ihrer Gewissensentscheidung (wenn es denn eine war) zu Grunde liegende Ungerechtigkeit weiter zu bekämpfen. Die Wehrpflicht ist, auch mit ihrer Zivildienst-Option, falsch, und ihre Ausführung ungerecht. Dieser Diskussion geht der Staat aber dadurch aus dem Weg, dass er seine Kritiker mit einer Ersatzlösung abspeist.

Ich bekenne mich schuldig, dass ich aus Angst vor den Konsequenzen den einfachen Weg gewählt habe. Alexander hat dies nicht getan, und deswegen ist er mein Held.

Noch eine Nachbemerkung: „Der anklagenden Staatsanwältin war das zu wenig. Sie legte Berufung ein, weil die Begründung für seine Verweigerungshaltung nicht jugendtypisch sei.“ Wie elegant ist das denn? Jugendliche mit 18 Jahren einzuziehen, und ihnen gleichzeitig das Recht abzusprechen, in diesem Alter bereits über eine Verweigerung entscheiden zu können? Es ist allerdings ein Fakt, dass viele Jugendliche die tatsächlichen Konsequenzen einer Entscheidung für oder gegen den Dienst an der Waffe oder auch für eine Totalverweigerung nicht überblicken. (Aus ähnlichen Gründen erhalten sie auch Jugendstrafen für Gewaltdelikte, nicht wahr?) Das sollte dann aber doch wohl eher ein Grund sein, sie nicht für den Dienst an der Waffe zuzulassen?

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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. Das mit den „jüdischen Interessenverbänden“ hatten wir doch schonmal, oder?

    Bin da total einer meinung. Nur weil Nazis keine interessenverbände haben kann man ja gefahrlos auf sie schimpfen.


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