Blog-Lob: Roman Möller Online

Ein paar Monate ist es her, da habe ich meine Blogrolle rückwärts wieder eingestampft, aus dem simplen Grund, dass sie überflüssig war. Vermutlich habe ich das Potenzial von Verlinkungen über so einen Blogroll einfach überschätzt. Dabei hätte ich es besser wissen müssen; ich selbst klicke Blogroll-Links in anderen Blogs eigentlich auch fast nie an. Jedenfalls zeigte mir die WordPress-Statistik, dass über Blogrolls bei mir weder nennenswerte Mengen von Lesern hereinkamen noch hinausgingen.

In meinem Browser hatte ich natürlich noch die Lesezeichen für diese Blogs, und ich schaute auch immer wieder mal hinein. Dabei fand ich aber immer seltener etwas, was mich interessierte, und schließlich begann ich damit, auch diese Lesezeichen nach und nach zu löschen.

Einmal fehlt vielen privaten Bloggern eben doch der lange Atem. Ein paar Wochen oder Monate ist ihr Blog das neue, interessante Spielzeug, dann aber merkt man immer mehr, dass es für sie zur lästigen Pflichtaufgabe geworden ist, und irgendwann erreicht sie dann zwangsläufig die Erkenntnis, dass sie eben NICHT zum Bloggen verpflichtet sind, und dass es nur Sinn hat, ein Blog zu führen, wenn man wirklich Spaß daran hat.

So habe ich zuletzt eine mittelgroße Handvoll privater Blogs, auf die ich aufmerksam geworden war, weil ihre Urheber bei mir kommentiert oder mich verlinkt hatten, sterben sehen. Letztlich hatten diese Blogger eben nicht wirklich etwas zu sagen UND Lust darauf, es zu sagen. Um einige originelle Ansätze und Denkweisen, die man dort finden konnte, ist es zwar schade, aber Anfangsenthusiasmus alleine genügt eben nicht.

Dann sind da die – ich benutze jetzt einmal absichtlich einen natürlich nicht wirklich exakt zutreffenden Begriff – Hausfrauenblogs. Ihre Verfasser sind vielleicht nicht immer Hausfrauen, oder überhaupt Frauen, aber diese Blogs weisen alle gewisse Gemeinsamkeiten auf: Sie sind offensichtlich aus Langeweile und Unterbeschäftigung entstanden und zeichnen sich zwar durch regelmäßige Updates aus, aber auch durch eine ins Auge springende Inhaltsarmut. Zwar ist prinzipiell nichts daran auszusetzen, wenn jemand Einträge darüber schreibt, wie niedlich seine Jüngste mit der Katze gespielt hat, wie viel Angst er vor dem nächsten Zahnarzt-Besuch hat, was er zu Weihnachten für tolle Laubsägearbeiten gemacht hat, oder was er zum Frühstück gegessen und welche Musik er dabei gehört hat – ein Blog ist letztlich aus der Form eines öffentlichen Tagebuchs entstanden, und dementsprechend ist niemand, der eines führt, dazu verpflichtet, seine Leser tatsächlich damit zu unterhalten. (Außerdem können gelegentliche auf Ereignissen in der Privatsphäre fußenden Einträge ja auch durchaus mal unterhaltsam sein.) Nur spricht derjenige damit natürlich auf Dauer auch keine Leser an, die ihn nicht sowieso persönlich kennen.

Und schließlich sind da noch diejenigen Blogger, die es sich einfach machen, die ihren Content gar nicht selbst generieren, sondern mehr oder weniger lustige Videos, die sie im Netz gefunden haben, auf ihre Seite stellen und dazu kaum mehr schreiben als „Haha… schaut Euch das einmal an!“ Teilweise stellen sie auch einfach Musik-Clips auf ihre Seiten (und ich KANN mir eigentlich nicht vorstellen, dass sie damit keine Urheberrechtsverletzungen begehen… ist denn wirklich alles, was man im Netz legal ansehen kann – was übrigens auch im Einzelfall noch nachzufragen wäre – Freiwild dafür, beliebig kopiert zu werden?)

Nun, es ist nicht nur leichter, Videos zu verlinken, als Texte zu verfassen, es ist auch für viele angenehmer, einem Video zu folgen, als einen Text zu lesen, und deswegen gelangt man mit dieser Methode auch rasch und bequem an viele Klicks. Ich kann allerdings nicht erkennen, was das noch mit dem eigentlichen Gedanken eines Blogs, sich selbst anderen mitzuteilen, zu tun hat… Sicherlich kann das gelegentliche Video einmal die eigenen Gedanken illustrieren, aber nur allzu rasch werden die bewegten Bilder zum Selbstzweck. Solche Blogs scheinen zwar eine längere Halbwertszeit zu besitzen, aber ich zumindest verliere rasch das Interesse daran.

Mir geht es darum, dass Leute tatsächlich SCHREIBEN, dass sie es einigermaßen regelmäßig tun, und dass sie etwas Interessantes zu sagen haben, und diese Art von Blogs ist vergleichsweise selten im Netz zu finden, insbesondere, wenn sie sich für länger als nur ein paar Monate etablieren soll. Tatsächlich ist meine ganze, lange Liste von Blogs, in die ich ursprünglich immer wieder hinein gesehen hatte, auf einen einzigen Eintrag zusammen geschmolzen (Blogs, die ich aus privatem Interesse verfolge, nicht eingeschlossen), und das ist für mich Grund genug, folgendes Blog hier einmal lobend zu erwähnen und vorzustellen:

Das Roman Möller Online Blog besteht jetzt über ein Jahr und hat in dieser Zeit häufig und regelmäßig (mit keinen wirklich langen Unterbrechungen) Updates geboten. Roman greift zum größten Teil Themen von allgemeinem Interesse auf und formuliert dazu eigenständige Gedanken mit Aussagekraft, aus denen daher auch immer mal wieder kleine Diskussionen entstehen.

So ungefähr stelle ich mir ein Blog vor, das engagiert betrieben wird und lesenswert ist, ohne auf billige Tricks zur Erhöhung der Klick-Zahl zu setzen, und deswegen schaue ich dort auch immer wieder gerne hinein!

Zum Thema „Videos in Blogs“ habe ich übrigens schon einmal etwas geschrieben: Multimediales

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Published in: Allgemein on Mai 2, 2008 at 12:08 pm  Comments (4)  
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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. He, das habe ich ja jetzt erst gesehen! Vielen Dank für die Wertschätzung!

    Die Sachen die du vor der Erwähnung meines Blogs als negativ aufzählst, sehe ich übrings genauso – diese „Ha!Ha!-Video-Blogger“ kann ich auch nicht ab.

    Und wenn man immer nur einen Text kopiert, macht es auch keinen Spaß – vor allem nicht für den Leser.

    Das ich zu einem Thema selber was formuliere, ist mir sehr wichtig – genauso wie die daraus entstehenden Diskussionen. Es macht mir auch nach einem Jahr immer noch Spaß – ein Ende ist nicht in Sicht! Ich hatte mal ein paar einwöchige Pausen drin, aber das tut dem Blog nur gut, wenn man dann auch Pause macht und sich nicht krampfhaft irgendwas zusammenschustert – ich kann jedem nur raten, bei fehlender Motivation oder keinem für sich selbst interessanten Thema auch wirklich Pause zu machen.

  2. Kleine Ergänzung: für dich sicher auch interessant, wie so ein Beitrag auf deine Leser wirkt. In den letzten 30 Tagen wurde der Link auf meinen Blog von diesem Beitrag 54 mal angeklickt.

  3. Ja, das ist eben ein Riesenunterschied zu einem Blogroll-Eintrag – in der ganzen Zeit, die ich Dich dort stehen hatte, hast Du darüber vermutlich nicht so viele Klicks von meiner Seite bekommen. Deswegen habe ich mir vorgenommen, stattdessen immer mal wieder, wenn ich es für passend halte, direkt in einem Eintrag auf andere Blogs zu verweisen. Die andere Methode bringt es einfach nicht, und so richtig ehrlich war sie auch nicht, denn im Blogroll stehende Blogs habe ich – wenn überhaupt – selbst nur ab und zu angeklickt, weil ich sie dort stehen hatte, und dann nicht zuletzt, um mich zu überzeugen, dass ich nicht unterdessen auf NPD-Propaganda oder Kinderpornos verlinke.

  4. Na ja, so eine Blogroll kann man schon machen – die ist als solches ja als Hinweis auf andere interessante Seiten in der Blogosphäre durchaus anerkannt. Aber sie zieht offensichtlich dann doch nicht soviel Aufmerksamkeit auf sich wie ein eigener Beitrag, für den ich mich nochmals bedanken möchte! ;-)

    In meiner Blogroll sind im Grunde der harte Kern der Bloggerkollegen, bei denen ich Stammleser bin. Dazu kommen dann noch Blogs, die ich im Auge behalten möchte. Bei denen ist dann eine gewisse Fluktuaktion nicht unüblich. Häufig finde ich ein scheinbar interessantes Blog und füge es der Blogroll hinzu, merke dann aber, das ich den Blog nie anklicke. Dann fliegt er eben wieder raus.

    Alles andere ergibt für mich keinen Sinn. Am schlimmsten sind ja diese Linktausch-Blogger. Was soll das? Bei einem nicht kommerziellen Blog (Werbung kommt für mich sowieso nicht in Frage, weil der Spaß dann dem Druck weicht) brauche ich keine Links tauschen oder irgendwelchen Klicks hinterherhecheln.


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