Und Abpfiff

Das war’s also mit dieser EM (und wie froh meine Freundin darüber ist!)

Vize-Europameister, das ist natürlich immer noch ein ansehnlicher Erfolg, aber das Finale selbst muss für alle, die diese deutsche Mannschaft stärker reden wollten, als sie wirklich war, äußerst ernüchternd gewesen sein.

Deutschland war nicht ganz so gut wie gegen Portugal, und nicht ganz so schwach wie gegen die Türkei – aber wie ich ja schon geschrieben habe, war da für mich nie ein so gewaltiger Unterschied, wie es überall hieß. Spanien hingegen war einfach deutlich besser, genau so, wie es der Verlauf des Turniers vermuten ließ – ein verdienter Europameister! Wenn sie Deutschland ebenso wie Russland mit 3:0 nach Hause geschickt hätten, hätten diese sich auch nicht beklagen können, aber der Pfosten, ein diesmal mit einigen Glanztaten (aber auch wieder mit einigen Unsicherheiten) aufwartender Jens Lehmann, sowie ein gewisser Schlendrian bei der Chancenauswertung der Spanier haben einem im Verlauf vollständig einseitigen Spiel zumindest über das knappe Ergebnis den Anschein von Spannung gegeben.

Tatsächlich hatte Deutschland im gesamten Spiel nur eine halbe Torchance (den Schuss von Ballack) und spielte über weite Strecken überhaupt nicht mit. Wieder reihte sich Fehlpass an Fehlpass, aber diesmal fehlten eben auch die genialen Momente, sowie das unverschämt großzügig bemessene Quentchen Glück, welche gegen Portugal und die Türkei noch vorhanden gewesen waren.

Das Finale beendete eine Serie von Spielen bei dieser EM, in der jeweils die schwächere Mannschaft gewonnen hatte: Schweiz-Türkei, Tschechien-Türkei, Deutschland-Portugal, Kroatien-Türkei, Deutschland-Türkei. Mentale Stärke und Kampfeswille können natürlich einiges bewirken, aber wenn der Gegner eine ganze Klasse besser ist, wie es hier bei Spanien der Fall war, dann hilft das auch nichts mehr.

Im Resummee sind „wir“ also zwar nicht die beste Mannschaft Europas, aber mit einer Platzierung vor Italien, Frankreich, Portugal, den Niederlanden und natürlich England können wir schon sehr zufrieden sein! Spielerisch allerdings passte das Ganze wieder einmal nicht wirklich zusammen – dass Löw sich gezwungen sah, mitten im Turnier das System zu wecheln (und wozu hatte er dann eigentlich diese ganzen Stürmer dabei?), reiht sich da ein. Ein bisschen wurden in mir Erinnerungen an die WM 2002 wach, nur dass wir diesmal im Finale nicht gut gespielt haben und unser Torwart nicht so überragend war. Kampf und Glück, das scheinen weiterhin die primären deutschen Fußballtugenden zu sein.

Nun ja. Der Ausnahmezustand EM ist damit also beendet (nein, ich stelle mich nicht in die Fanmeile!) Es wird wieder Zeit, sich um andere Dinge als um Fußball zu kümmern. Ach – wäre eine Welt nicht schön, in der ein Fußballspiel WIRKLICH die wichtigste Nachricht des Tages wäre?

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Published in: on Juni 30, 2008 at 12:39 am  Schreibe einen Kommentar  
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