Random Gedanken

Uargh, ein denglischer Titel! Ich benutze ihn aber nicht ohne Grund: Mir ist aufgefallen, dass das Wort „random“, wie ich es in der Magicsubkultur kennen gelernt habe (und das sicherlich auch in anderen Bereichen existiert, so zum Beispiel bei Online-Rollenspielern) in der deutschen Sprache einen Job macht, den kein anderes Wort ausfüllt.

Habt Ihr aufgepasst? „Job“. Dieses englische Wort pendelt in seiner Bedeutung irgendwo zwischen „Tätigkeit“, „Aufgabe“, „Arbeit“ und „Beruf“. Deswegen ist es längst fester Bestandteil der deutschen Sprache: Es besitzt ein Bedeutungsspektrum und dazu gehörige Assoziationen, die es im Deutschen ansonsten einfach nicht gibt.

So ist es auch mit „random“. Klar, es bedeutet „zufällig“, aber in dem Kontext, in dem es benutzt wird, beinhaltet es auch immer eine gewisse Abwertung. Eigentlich hat sich die Bedeutung von „zufällig“ bereits gelöst und driftet über „beliebig“ hin zu „unwichtig“ oder gar „inkompetent“. Ein random Gegner in einem Turnier ist eben einer, der nicht durch besondere Fähigkeiten auffällt. In einer meiner Geschichten habe ich den Erzähler das Wort „random“ benutzen lassen (übrigens ein zarter Hinweis daruf, was ein Mensch, der möglichst wenige soziale Kontakte haben WILL, in seiner Freizeit tun könnte – WOW zocken nämlich!), da kam es der Bedeutung „erfunden“ oder „unwichtig“ am nächsten. „Unwichtig“, ja, das ist irgendwie immer mit dabei – so kommt die Abwertung zu Stande.

Dabei wollte ich eigentlich gar nicht über das Wort „random“ bloggen, sondern über das, was mir gerade durch den Kopf ging – eben meine random thoughts – aber da hatte ich es schon getippt, und anstatt es zu löschen und gegen „zufällige“ auszutauschen, habe ich eben darüber gebloggt. Ganz random.

Was mir eigentlich durch den Kopf ging: Mein Lieblingshobby, Rollenspielen. Dieses Wort hatte nie eine Chance gehabt, von der Allgemeinheit in derjenigen Bedeutung verstanden zu werden, die es für mich primär besitzt – bis in die Achtziger dachten die meisten, die es hörten, an Sex oder Psychologie. Heute denkt fast jeder erst einmal an Computer.

Arme Rollenspiele – niemals für den Mainstream geeignet! Zuerst eine missverstandene Beschäftigung aus der Fantasy-Subkultur (die unterdessen längst im Mainstream angekommen ist – heute Abend sehe ich mir „The Dark Knight“ an), jetzt von Computerspielen verdrängt, die beweisen, dass es den meisten Rollenspielern eben doch nicht um Kreativität und Erzählen ging, sondern um Eskapismus und Machtphantasien. Naja, und dann ist es online einfach eine Million mal einfacher, Mitspieler zu finden, als im RL…

Oh, schaut mal: „RL“, „Real Life“ – noch so ein Begriff, den man einfach aus dem Englischen übernehmen muss, um seiner Bedeutung gerecht zu werden!

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Published in: on August 26, 2008 at 7:06 pm  Schreibe einen Kommentar  
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