Das Zeitalter der ungewinnbaren Kriege

(Die Motivation für diesen Eintrag entstand, nachdem ich einen Kommentar zu jenem Beitrag hier verfasst hatte.)

Ziel der israelischen Invasion im Gaza-Streifen ist es offiziell, den Raketenbeschuss von dort aus zu unterbinden. Kann das gelingen?

Natürlich kann das nicht gelingen. Sicherlich können die Israelis eine vorüber gehende Pause erzwingen (alleine durch ihre Präsenz) und die Infrastrukturen der Hamas zerstören, so dass diese sich wieder neu aufbauen müssen… was sie dann auch wieder tun werden, und nach dieser Pause geht das Ganze dann wieder von vorne los. Das ist jedem, der darüber nachdenkt, klar – auch den Israelis selbstverständlich! Die Behauptung, dass sie in Gaza seien, um ein Ende des Beschusses zu erreichen, ist eine innenpolitisch (in diesem Jahr ist Wahlkampf) und außenpolitisch (die bestmögliche Rechtfertigung für diesen Einsatz) motivierte Lüge.

Worum es Israel geht (und dafür muss man wirklich nur 2 und 2 zusammen zählen) ist natürlich, die Regierung der Hamas zu beenden! Und zu diesem Zweck greifen sie einerseits natürlich die Struktur der Hamas an, aber vor allem bestrafen sie die Bevölkerung dafür, diese Partei gewählt zu haben! Ja, dieser Krieg ist ein Krieg gegen die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen – aber nicht mit dem Ziel, Zivilisten zu töten (was im Gegenteil für Israel ein höchst unwillkommener Aspekt dieses Krieges ist, da tote Zivilisten im Krieg nun einmal die schlechtestmögliche Presse sind), sondern mit dem Ziel, den Palästinensern zu zeigen, dass es ihnen unter einer Hamas-Regierung schlechter geht als unter einer Fatah-Regierung.

Bevor jemand diese Zeilen als Verurteilung Israels auffasst: Israel hat verdammt gute Gründe für diesen Krieg! Tatsache ist, dass die Hamas Israel unversöhnlich gegenüber steht, dessen Existenzrecht aberkennt und zu Terroranschlägen und militanten Aktionen gegen Israel aufruft und diese auch unterstützt. Es ist ein wenig viel von einem Staat verlangt, dies widerspruchslos hinzunehmen! Und was die Opfer unter der Zivilbevölkerung angeht, die werden von der Hamas nicht nur in Kauf genommen; sie sind GEWOLLT. Wer seine Kämpfer in Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern versteckt und Raketen aus Wohngebieten heraus abfeuert, der legt es natürlich auf zivile Opfer an, sobald sich Israel militärisch wehrt, und hofft auf den aus Mitleid geborenen Verurteilungsreflex in der Weltöffentlichkeit. (Und das funktioniert ja auch jedes Mal wunderbar.)

Wisst Ihr, wo man auch hinliest: Jeder scheint eine klare Meinung davon zu haben, wer in diesem Krieg „der Böse“ ist – entweder das böse Israel, welches einen Krieg gegen die palästinensische Zivilbevölkerung führt, oder die bösen Terroristen, die Israel mit ihrem Vorgehen keine andere Wahl gelassen haben. Ich finde es bemerkenswert, wie einfach es sich die Leute doch machen! In schwarz-weiß ist die Welt eben angenehmer zu interpretieren.

Ich wünschte, es gäbe hier (oder irgendwo in der Welt) ein solches schwarz-weiß. Für mich hängt die moralische Bewertung der israelischen Militäraktion davon ab, ob ihre Initiatoren nach eingehender Analyse ehrlich davon überzeugt sind, dass sie mit diesem Krieg die Hamas aus der Regierungsverantwortung verjagen und mit der darauf folgenden Palästinenserregierung wieder einen Friedensprozess, welcher diese Bezeichnung verdient, beginnen können – und das kann ich nicht ansatzweise beurteilen. Ja, die Hamas ist an diesem Krieg schuld, denn sie hat ihn gewollt und gepredigt, und sie hat Israel mit dem andauernden Raketenbeschuss unter Zugzwang gesetzt. Nichtsdestotrotz ist das kein Freibrief für israelische Militäraktionen! Ist Israels Antwort angemessen und sinnvoll? Darüber streiten sich die Nahost- und Militärexperten, aber das hindert die Welt nicht daran, für sich hier eine einfache Antwort zu finden.

Was die Hamas angeht, aber auch die Bevölkerung des Gaza-Streifens, die sich diese Terroristen zur Regierung gewählt haben: Sie haben diesen Krieg gewollt – sie haben sich gegen die gemäßigtere Fatah entscheiden und für die Hamas;  gegen die Versöhnung und für den Hass. Natürlich tragen sie jetzt auch die Verantwortung für die israelische Invasion – Krieg bedeutet eben nicht, dass man immer nur den Gegner angreift!

Aber woher kommt dieser Hass denn nur? Nun, hat die Welt denn wirklich bereits vergessen, dass die Gründung des Staates Israel bedeutete, dass die in diesem Gebiet lebende palästinensische Bevölkerung daraus vertrieben wurde? Die Palästinenser fragten sich nicht zu Unrecht „Wieso müssen wir für den Holocaust bezahlen?“ Die Juden wollten nach den schrecklichen Verbrechen, die im zweiten Weltkrieg (und, in ein wenig kleinerem Maßstab, auch schon in den Jahrhunderten vorher) an ihnen begangen wurden, einen eigenen Staat, und die Welt, die sich (zu Recht) schuldig fühlte, gestand ihnen diesen zu. Die Briten, welche damals Palästina verwalteten, trafen diese Entscheidung im Stil einer Kolonialmacht über die Köpfe der dort lebenden arabischen Bevölkerung hinweg.

Das ist wieder so eine Entscheidung, deren Richtigkeit ich nicht beurteilen will oder kann – wie immer, wenn es gilt, ein Unrecht gegen ein anderes abzuwägen, gibt es keine einfachen Antworten. Tatsache ist aber, dass Israel 1948 gegründet wurde, und das ist nunmehr 60 Jahre her. Was immer damals richtig gewesen sein mag: Das Existenzrecht eines 60 Jahre bestehenden Staates darf man nicht mehr in Frage stellen.

Allerdings macht es Israel der arabischen Welt auch alles andere als einfach, die Tatsache seiner Existenz zu akzeptieren! Die Rechtfertigung seiner Existenz in diesem Gebiet mit religiösen Begründungen ist ein andauernder Affront gegenüber der muslimischen Welt. Orthodoxe Juden und Zionisten sprechen den Palästinensern das Recht ab, dieses Land ihre Heimat zu nennen, weil es den Juden von Gott geschenkt worden sei. (Ironischerweise erkennen die WIRKLICH orthodoxen Juden den Staat Israel nicht an, weil er offensichtlich nicht dem in der Bibel prophezeiten wieder hergestellten Königreich Israel entspricht). Reaktionäre Siedler errichten völkerrechtswidrig mit eben dieser Begründung Siedlungen in den von Israel besetzten Gebieten.

Der besondere Hass der Araber auf die Juden erlischt deswegen nicht, weil er seine Wurzeln in einem religiösen Konflikt besitzt, und für diesen ist Israel kaum weniger verantwortlich als die Palästinenser. Kriegstreiber gibt es auf beiden Seiten (vergesst nicht die Ermordung Rabins durch einen jüdischen Extremisten, welche das Ende des damaligen Friedensprozesses markierte)!  Eine exakte Beurteilung der dortigen Situation von außen erscheint mir unmöglich.

Was ich natürlich beurteilen kann ist, dass die terroristischen Methoden der Hamas falsch und böse sind! Die Trennlinie zwischen Guerillakampf und Terrorismus ist eine hauchdünne, aber hier wird sie eindeutig überschritten. Der größte Vorwurf an die Hamas ist jedoch, dass sie einen Frieden mit Israel kategorisch ausschließt.  Deswegen besitzt Israel prinzipiell das moralische Recht, mit aller Härte gegen diese Organisation vorzugehen. Die konkrete Wahl der Mittel allerdings, die muss man zur Diskussion stellen dürfen.

Ein Hauptmerkmal des Terrorismus ist es, dass man keinen Krieg gegen ihn gewinnen kann. So lange Menschen dazu bereit sind, Attentate zu verüben, so lange wird ihnen dies auch gelingen. Einzelne Anschläge lassen sich mit Vorsicht und Glück verhindern, und Strukturen lassen sich zerschlagen, aber der Terror an sich ist unbesiegbar. Mann kann nur versuchen, ihm seine Grundlage zu entziehen (also die Konflikte, aus denen er sich nährt zu lösen).

Das Problem ist aber, dass der Krieg gegen den Terror, der gegen dessen Strukturen geführt wird, um mittelfristig die Gefahr durch Anschläge zu verringern, langfristig durch Intensivierung der ihm zu Grunde liegenden Konflikte dazu neigt, ihn zu verstärken! Wenn Israels aktuelle Offensive beendet ist, und selbst wenn sie erfolgreich gewesen und die Hamas aus der Regierung des Gaza vertrieben worden sein sollte, dann werden die Ereignisse dieses Krieges den Hass und die Bereitwilligkeit zu Terroranschlägen weiter verstärkt haben, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis neue entsprechende Strukturen entstehen. Nur ein begleitender, erfolgreicher Friedensprozess könnte dieser Entwicklung entgegen wirken.

Wenn Israel jetzt gegen die Hamas vorgeht, dann liegt dieser Aktion eine Zuckerbrot-und-Peitsche-Methode zu Grunde. Der Krieg ist die Peitsche: Seht her, Ihr habt Euch für die Hamas entscheiden, nun tragt die Konsequenzen. Das Zuckerbrot wird problematischer werden.

Ich habe auf Wikipedia ein sehr denkwürdiges Zitat von Jitzchak Rabin gefunden, welches aus einer Rede stammt, die er am Tag seiner Ermordung gehalten hat:

„Gewalt untergräbt das Fundament der israelischen Demokratie. Ich bin 27 Jahre lang Soldat gewesen. Ich habe so lange gekämpft, wie der Frieden keine Chance hatte. Jetzt aber gibt es eine Chance, eine große Chance, und wir müssen sie ergreifen, denen zuliebe, die hier sind, und auch um jener willen, die nicht gekommen sind.“

Ich kann nicht pauschal diejenigen verurteilen, die für ihre Interessen kämpfen. Ich verurteile aber diejenigen, die nicht bereit sind, diesen Kampf zu beenden, die nicht bereit sind, dem Frieden eine Chance zu geben, und die es sowohl auf palästinensischer wie auch auf jüdischer Seite gibt!

Die Zeiten, in denen Kriege einen Sieger haben konnten, sind lange vorbei. Militärische Siege beenden keine Kriege mehr, sie verlagern sie nur auf das Gebiet des Terrorismus. Für Frieden kann man noch kämpfen, aber mit Kampf allein lässt sich kein Frieden mehr erzwingen.

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8 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Warum gibt es Hamas? Warum gibt es Fatah? Warum gibt es Hisbollah usw.?
    Grund dafür ist die völkerrechtswidrige Besatzungspolitik, welche Israel seit 1967 gegenüber den Palästinensern in seiner Nachbarschaft ausübt.
    Im konkreten Fall geht es auch darum, dass sich nicht nur Hamas, sondern auch der israelische Staat nicht an die Bestimmungen der Waffenstillstandsvereinbahrungen gehalten habt. Die ständige Verhängung der totalen Einschnürung Gazas, und zwar zu Land und vom Wasser her, was zu massiven Versorgungsengpässen geführt hat, ist den Raketenabschüssen durchaus vorausgegangen.

    Im übrigen: Der Gazastreifen hat eine Fläche, die etwa so gross ist wie jene des kleinsten deutschen Bundeslandes Bremen. Aber es leben dort zweieinhalb mal so viele Menschen wie in Bremen. Wer derart massiv militärisch operiert, wie Israel es tut, über und gegen ein Gebiet, das zu den dichtestbesiedelten der Welt gehört, nimmt den vielfachen Tod von Menschen in Kauf, um seine Macht zu sichern. Und das ist nun wirklich nicht zum ersten Mal der Fall. Der Blutzoll, den Israel von seinen Nachbarn einfordert, würde meiner Ansicht nach keinem anderen Staat auf der Erde heute einfach so „zugebilligt“.Israel darf das. Darf es das?

    Es ist an der Zeit, dass sich diesbezüglich endlich Grundsätzliches in der Politik des „Westens“ ändert. Es geht überhaupt nicht um den „Staat Israel“, sondern darum, dass jeder Mensch, auch jeder palästinensiche Menschen, im Sinne der Menchenrechtscharta der UNO gleichberechtigt ist. Israels Politik und Israels Besatzungsregime halten sich seit Jahrzehnten nicht an diese Grundlage. Die Existenz Israels ist nicht gefährdert. Hingegen ist jetzt, heute, das Leben tausender Zivilisten in Gaza gefährdet, und zwar durch die Aggressionen der Armee Israels

  2. Die Behauptung, dass Israels Existenz nicht gefährdet sei, ist absolut unhaltbar. Zahlreiche Arabische Organisationen und Staaten haben sich der Vernichtung Israels verschrieben, und Israel war in der kurzen Zeit seines Bestehens Ziel mehrerer Angriffskriege. Nur der ständigen Wachsamkeit und Wehrhaftigkeit Israels ist es zu verdanken, DASS es überhaupt noch existiert.

    Die Besetzung der arabischen Gebiete 1967 kam zu Stande, nachdem sich sämtliche arabischen Nachbarn gemeinsam auf Israel gestürzt hatten, mit dem Ziel, es auszulöschen. Dass Israel diese Gebiete nun nicht aufgibt, hat mehrere Gründe: Der religiös motivierte Anspruch auf das biblische Israel ist kein akzeptabler Grund. Die Sicherheitsbedenken, nicht in unmittelbarer Nähe zum eigenen Kernland einen unkontrollierten feindlichen Staat haben zu wollen, sind hingegen ein höchst nachvollziehbarer!

    Deine Logik ist übrigens reichlich perfide, Carsten – weil die Hamas ihre Raketenangriffe von dicht besiedelten Gebeiten aus durchführt, darf Israel sich nicht dagegen wehren?

    Die Hamas hat Israel den Krieg erklärt und hat sich dessen Vernichtung in seine Charta geschrieben. Wenn diese terroristische Organisation sich nun feige inmitten eines dicht besiedelten Gebietes versteckt, dann ist SIE es, welche das Leben der Zivilisten gefährdet – nicht Israel!

    Wie ich bereits sagte, ist Kritik an Israels Vorgehen absolut gerechtfertigt. Ihm allerdings genrell sein Recht auf Selbstverteidigung abzusprechen, weil seine Feinde die eigene Zivilbevölkerung als Schutzschilde missbraucht, das ist eine unfassbare Verkehrung der Fakten! Und die israelische Armee als Aggressor darzustellen, wenn sie den Kampf gegen eine Organisation aufnimmt, die ihr den Krieg erklärt hat und Israel fortwährend angreift, das ist nichts weniger als israelfeindlich.

    Nachtrag: Außerdem kann ich einige Deiner Falschbehauptungen und Verdrehungen hier nicht stehen lassen, Carsten: Die Fatah wurde bereits 1954 gegründet und ist mindestens seit 1965 militärisch / terroristisch gegen Israel aktiv. Sie ist also keineswegs als Reaktion auf die Besetzung im Krieg von 1967 entstanden. Die Hamas wiederum hat sich eindeutig und unmissverständlich die Auslöschung des gesamten Staates Israel zum Ziel gesetzt und würde sich mit der Rückgabe der besetzten Gebiete nicht zufrieden geben.

    Dass Israel diese Gebeite völkerrechtswidrig besetzt, ist ein Fakt, und die Berechtigung dieser Besetzung darf bezweifelt werden. Allerdings zu behaupten, dass diese Besetzung die Wurzel des Konfliktes sei, ist eine zumindest naive, wenn nicht sogar propagandistische Verdrehung der Tatsachen!

  3. DEm kann ich nichts mehr hinzufügen. Andi hat in allen Punkten recht. MIr stellt sich allerdings die Frage, was jemand wie carsten mit diesen einseitigen Schuldzuweisungen bezwecken will…

  4. Man darf aber auch nicht vergessen, dass – zumindest habe ich das mehrfach gelesen in den letzten Tagen – Israel anscheinend die Angriffe aus dem Gazastreifen gewollt oder zumindest provoziert hat. So wurden mehrere Angriffe während des Waffenstillstandens, die Bombardierung von Tunneln (Tunnels?) sowie natürlich die Blockade genannt.

  5. Dir ist schon klar, Juzam dass Du gerade Folgendes sagst: Israel hat Aktionen durchgeführt, die den Raketenbeschuss verringern sollten, weil sie wollten, das mehr Raketen abgeschossen werden?

    Außerdem bin ich ja gespannt auf eine schlüssige Begründung, warum es in Israels Interesse liegen soll, beschossen zu werden und eine weitere verlustreiche, kostspielige und seinem internationalen Ansehen abträgliche Invasion durchzuführen!

    Was die Motivation für die Besetzung des Westjordanlandes angeht, so darf man diese kritisch sehen, da sie doch sehr stark mit dem zionistischen Anspruch auf das gesamte Gebiet des biblischen Israel verquickt ist. Aus dem Gazastreifen hingegen hat sich Israel 2005 zurück gezogen, und es hat garantiert nicht die Absicht, ihn wieder dauerhaft zu besetzen.

  6. Ja genau, und das CIA hat das World Trade Center selbst in die Luft gesprengt. Und Kanzler Schröder hat 2002 selbstpersönlich das Hochwasser heraufbeschworen um die Wahl herumzudrehen…

    Überlegt doch mal was Ihr schreibt…

  7. Ich sagte: Israel hat die Hamas provoziert, Raketen zu schießen und damit den Waffenstillstand zu brechen, um dann dort legitimiert einzumarschieren und es denen mal ordentlich zu zeigen.
    Ich habe nicht gesagt, dass das vernüftig oder rational ist und ob es wirklich so ist weiß ich natürlich auch nicht, es könnte ja aber zum Beispiel mit den bald anstehenden Wahlen zu tun haben.
    Ich schätze mal ich habe das bei Telepolis aufgeschnappt: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29466/1.html

  8. Du brauchst nicht doppelt zu posten, Juzam – Kommentare mit einem Link landen immer erst einmal in der Warteschleife zum moderiert Werden.

    Mit Heise.de hast Du Dir ja nicht gerade eine als besonders seriös geltende Quelle ausgesucht…

    In jedem Fall ist „denen es einmal ordentlich zeigen“ völliger Blödsinn! Politik mag oft zynisch-pragmatisch geprägt sein, oder auch ideologisch-fanatisch, aber infantil ist sie nicht.

    Der Autor des von Dir verlinkten Artikels steht den Methoden, mit denen Israel im Nahostkonflikt agiert, sehr kritisch gegenüber und überzeichnet seine Standpunkte, um sie zu verdeutlichen. Wenn er zum Beispiel schreibt „die Gazablockade sei eine Art wissenschaftliches Experiment, um herauszufinden, wie weit man eine Bevölkerung aushungern lassen und ihr Leben zur Hölle machen könne, bevor sie dem Druck nachgibt“, dann sollte man das nicht wörtlich verstehen (hoffe ich, sonst wäre der mensch ja nicht zurechnungsgfähig), sondern als sarkastischen Kommentar zu den Fehlern der israelischen Blockadepolitik. Wenn jemand über Magic schreibt „Wizards hat damals Homelands produziert, um auszuprobieren, ob die Magic-Kunden süchtig genug nach diesem Spiel sind, dass sie jeden Mist kaufen“, dann würdest Du das doch auch nicht für bare Münze nehmen – oder?

    Wenn Du diesen Artikel einmal krtisch durchliest, dann sollten Dir Fragen einfallen, die der Autor nicht beantwortet: Zum Beispiel, warum die Hamas auf das Töten ihrer Kämpfer ausgerechnet mit dem ungezielten Raketenbeschuss israelischer Städte reagiert. Oder was das eigentlich für „Kämpfer“ sind, und wofür sie ausgebildet werden. Oder wieso Israel dazu verpflichte sein sollte, die Grenzen zu einer Region offen zu halten, die von einer Regierung beherrscht wird, die ausdrücklich seine Vernichtung anstrebt (während das islamische Bruderland Ägypten sich weigert, die Versorgung des Gazastreifens sicher zu stellen). Oder auf welche Art Israel diese „Kämpfer“ der Hamas eigentlich anders bekämpfen sollte, die sich in Wohngebieten verstecken. Oder was es bedeutet, wenn bei „den demokratischsten Wahlen, die je in der arabischen Welt abgehalten worden waren“ eine Gruppierung an die Macht gelangt, die in ihrer Charta ausdrücklich jede Form des Friedensschlusses mit Israel ablehnt und die Tötung aller Juden weltweit fordert. (Mir ist übrigens neu, dass ein demokratisch gewähltes Verbrecherregime deswegen weniger verbrecherisch ist. Die Weimarer Republik war übrigens auch eine Demokratie, und ihre Wahlen wohl die demokratischsten, die bis dahin jemals auf deutschem Boden abgehalten worden waren.)

    Richtig ist in jedem Fall, dass innenpolitische Überlegungen in der israelischen Politik eine Rolle spielen. Ob man das jetzt so interpretieren will, dass militärische Aktionen nur deswegen durchgeführt wurden, oder ob es nicht vielleicht einfach bedeutet, dass sie eben nur in Zeiten durchgeführt werden konnten, in denen es dafür Rückhalt in der Bevölkerung gab, das ist eine andere Frage.

    Übrigens, dieser Absatz hier ist wirklich köstlich: „Der Zeitpunkt war auch aus einem anderen Blickwinkel sorgfältig ausgewählt worden. Der Krieg begann zwei Tage nach Weihnachten, wenn die amerikanisch und europäisch politischen Verantwortlichen bis über Neujahr in Ferien sind. Die Kalkulation: Selbst wenn jemand gewollt und versucht hätte, den Krieg zu stoppen, keiner würde seine Ferien aufgeben. Dies sicherte dem Krieg noch ein paar Tage ohne Druck von außen.“

    Wenn Du an dieser Stelle nicht gemerkt hast, dass der Autor sich teilweise die Realität so zusammen fabuliert, dass sie zu seinen Ansichten passt… ich weiß nicht, wie er es noch deutlicher machen könnte!


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