Klischees im Kino und im Kino

Ich erwarte von Filmen ja keineswegs immer Tiefgründigkeit (obwohl sie gewiss nichts schadet) – wichtig ist für mich in erster Linie, dass ich gut unterhalten werde. Deswegen finde ich es auch nicht unbedingt schlimm, wenn der grundlegende Plot eines Films ein altbekanntes Klischee ist, so lange seine Ausgestaltung gelungen ist! Tatsächlich gibt es sogar klassische Plots, bei denen ich beinahe schon darauf vertraue, gut unterhalten zu werden, beispielsweise „Ein mysteriöser Mord verwickelt den Ermittler in ein immer undurchschaubareres Netz von Intrigen“, oder „Ein Hinweis auf einen legendären Schatz taucht auf, aber auch andere Parteien haben davon Wind bekommen“ – ein Filmemacher, der mich bei einer solchen Handlung enttäuscht, versteht sein Handwerk einfach nicht!

Dann sind da Plots, bei denen ich eher misstrauisch bin, weil ich schon zu oft von dieser Sorte Film gelangweilt wurde, die aber prinzipiell durchaus das Potenzial zu guter Unterhaltung bieten, wenn sie gekonnt und liebevoll inszeniert werden: „Eine Frau regt sich erst über ihren arroganten Chef auf, aber dann finden die beiden irgendwie zusammen“ oder „Ein Mann verliert alles und führt einen Rachefeldzug gegen die Verantwortlichen“ sind Beispiele dafür – nur zu oft gerät das Ganze peinlich-kitschig oder primitiv-brutal, aber ab und zu erlebt man auch eine positive Überraschung.

Schließlich jedoch gibt es Plots, bei denen ich zwar nicht absolut ausschließen kann, dass aus ihnen ein akzeptabler Film entstehen könnte, wo ich aber wirklich nicht damit rechne, dass etwas anderes als ein für mich unerträgliches Machwerk dabei herausgekommen ist! Bislang hätte ich als Spitzenreiter in dieser Kategorie das bereits ungeheuer dämliche „Ein als Frau verkleideter Mann gerät in prekäre Situationen, weil andere Männer ihn anmachen“ benannt, aber zuletzt ist mir aufgefallen, dass es tatsächlich noch etwas Unsäglicheres gibt, nämlich „Ein knallharter Kerl muss auf kleine Kinder aufpassen und ist damit völlig überfordert“!

Tja, ich glaube ja, dass solche Filme hauptsächlich von ungenügend emanzipierten Frauen gesehen werden, die aus ihrer Lebenswirklichkeit nur festgelegte Rollenverteilungen zwischen den Geschlechtern kennen und deswegen im Kino solche Juxtapositionen  genießen… Aber das ist bestimmt auch nur ein Klischee – oder? Wie war das gleich nochmal mit Kino als Realitätsflucht?

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Published in: on Juni 20, 2009 at 9:57 pm  Schreibe einen Kommentar  
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