Ihr seid doof – mit Euch spiele ich nicht mehr!

Wenn der Rücktritt Köhlers vom Amt des Bundespräsidenten eines gezeigt hat, dann dieses: Deutschland hat nicht zu wenig, sondern ZU VIEL Respekt vor diesem Amt.

Ein Staatsoberhaupt, das eingeschnappt zurücktritt, weil es kritisiert wurde – was für ein Zeichen wird hier bloß für unsere demokratische Gesellschaft gesetzt? Auch und gerade derjenige, welcher das höchste Staatsamt bekleidet, muss sich für seine Tätigkeit verantworten! Der Gedanke, dass ein Horst Köhler aus welchen Gründen auch immer sakrosankt sein müsste, ist zutiefst undemokratisch.

Majestätsbeleidigung? Herabwürdigung des TürkenDeutschtums? Klassenfeindlicher Aktivismus? Widerworte gegen unseren geliebten Führer? Ketzerei? Wie kam dieser Mensch nur auf die Idee, dass sein Amt ihm Unantastbarkeit verliehe? Vielleicht plant er ja eine Fortsetzung seiner Karriere als Königin im Wunderland – dort kann er dann beleidigt „Ab mit dem Kopf!“ rufen, wenn er sich in Frage gestellt fühlt.

Fort mit Schaden! Und Schluss mit dem unangemessenen Respekt vor Amt und Person, der so viele Kommentatoren davon abhält, dies klar zu sagen: Dass dieser Rücktritt ausschließlich die völlige Uneigung von Köhler beweist, und dass er eine Peinlichkeit darstellt, die dem Ansehen der politischen Kultur in unserem Land weiter schadet.

Über den Inhalt der von ihm als so ungerechtfertigt empfundenen Kritik muss man da gar nicht reden. Lediglich der Gedanke mag einem kommen, dass dieser Rücktritt möglicherweise auch einen etwas einleuchtenderen Grund gehabt haben könnte, zu dem sich Köhler jedoch nicht zu bekennen wagt – nämlich ein schlechtes Gewissen: Manchmal verkriechen sich getroffene Hunde eben auch winselnd in einer Ecke und ziehen den Schwanz ein.

Ja, das Amt des Bundespräsidenten sollte Respekt einfordern können, aber dieser Respekt will verdient sein! Von unserem Staatsoberhaupt dürfen wir Ehrlichkeit, Mut und Standhaftigkeit verlangen. Eine Mimose mit Heiligkeitsfantasien hat dort nichts zu suchen. Horst Köhler hat dieses Amt irreparabel beschädigt. Dafür hat er keinerlei Respekt zu erwarten, sondern Schimpf und Schande.

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8 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Zitat: „Horst Köhler hat dieses Amt irreparabel beschädigt. Dafür hat er keinerlei Respekt zu erwarten, sondern Schimpf und Schande.“

    … und lebenslange Bezüge seines Gehalts als Bundespräsident von jährlich ca. 215.000,-€!
    OHNE seine sonstigen „Nebeneinkünfte“ und völlig steuerfrei, versteht sich. Da muß ’ne alte Frau lange für stricken.
    Vor diesem Hintergrund läßt sich die vermutete „Schimpf und Schande“ doch gleich viel besser ertragen, nicht wahr? In meiner aktiven Zeit bei der Bundeswehr hätte man mich vermutlich wegen Fahnenflucht eingesperrt, wenn ich einfach eigenmächtig meinen Posten verlassen hätte, aber der Bundeshotte, der darf das.

  2. Im Hinterkopf sollten wir aber haben, dass auch andere Gründe Horst Köhler zum Rücktritt bewogen haben könnten. Vielleicht ist der genannte Grund nur ein Vorwand, um hinzuschmeißen. Eventuell ist Horst Köhler auch von wem auch immer zum Rücktritt gedrängt worden. Da wir nicht wissen können, was sich im Hintergrund abgespielt hat, sollten wir vorsichtig sein mit Äußerungen, die besagen, Köhler sei eingeschnappt!

    • Und ein Bundespräsident, der sich von „wem auch immer“ zum Rücktritt Drängen lässt, wäre also besser?

      Tatsache ist: Er hat hingeschmissen. Eine weitere Tatsache ist: Er hat es von heute auf morgen getan, ohne jede Möglichkeit einer geordneten Übergangszeit. Und die wichtigste Tatsache ist: Er hat als Begründung dafür den „mangelnden Respekt“ vor ihm und seinem Amt angegeben.

      DAS ist unverzeihlich, selbst wenn der wahre Grund sein sollte, dass eine Gruppe von Terroristen sein Enkelkind entführt hat oder was auchimmer, denn es sendet eine katastrophale Botschaft, eine Forderung nach Autoritätsgläubigkeit und Duckmäsuertum. Hätte er nicht näher bezeichnete private, von mir aus auch gesundheitliche Gründe für seinen Rücktritt angegeben – das wäre etwas anderes. Es wäre immer noch keine Glanztat, aber damit hätte die Republik leben können. Doch das hat er nicht getan. Er hat sich selbst ganz gezielt in die Rolle des beleidigten Unantastbaren manövriert. So darf sich kein Staatsoberhaupt verabschieden.

      • Das was du hier behauptest geht zu weit.
        Köhler hat imho NICHT autoritätsglaubig kein und Duckmäusertum gefordert, er hat sich darüber aufgeregt, das er so behandelt wurde wie ein „aktiver“ Politiker, der zu jedem Zeitpunkt voll im Grabenkampf steckt.
        Einen gewissen Respekt hat er in dieser Rolle verdient und es steht ihm frei es zu verlassen, wenn ihm dieser Verweigert wurde. er ist ja nicht Dirk Niebel, der Typ, von dem man diese Aussagen eigentlich erwarten könnte.

        • Dass es ihm frei steht, sich zurückzuziehen, ist rein rechtlich natürlich eine Tatsache. Moralisch ist es aber einfach völlig unakzeptabel! Welche Qualifkationen dürfen wir denn bitteschön von einer Person, die das höchste deutsche Staatsamt anstrebt, überhaupt noch erwarten? Ist die Bundespräsidentschaft denn so etwas Ähnliches wie ein Ehrenamt in einem Karnevalsverein, das man niederlegt, wenn man keine Lust mehr dazu hat?

          Er ist für das kritisiert worden, was er gesagt und getan hat – für seine Aktivitäten also. Auf diese Kritik muss er in staatsmännischer Art und Weise antworten, souverän, nicht beleidigt und auf Sandplatzniveau. DAS ist seine Pflicht als Bundespräsident. Er hat zu repräsentieren; er soll Vorbild zu sein und die Bevölkerung als solches vertreten.

          Ich habe nicht das geringste Verständnis dafür, dass Herr Köhler mit diesem Amt umgeht wie ein 16-jähriger mit einem Ferienjob, der ihm zu lästig wird, weil sein Chef mit ihm geschimpft hat.

  3. Sehe ich ähnlich wie Franky.
    Ein Kommentar dazu, der mit gefallen hat:
    http://www.sprengsatz.de/?p=3415

    • Dieser Kommentar geht komplett am Kern der Angelegenheit vorbei. Staatsoberhaupt zu sein, ist nicht nur eine Ehre, es ist vor allem eine VERANTWORTUNG. Wenn er sich als Tanzbär sieht, ist es seine Pflicht, gegen diese Rolle zu kämpfen. Und wenn seine Familie ihm wichtiger sein soltle, dann hätte er sich niemals um dieses Amt bewerben dürfen! Wir reden hier nicht von einem Fußballer oder Fernsehstar, bei dem eine solche Entscheidung gegen Karriere und für sein privatleben mit Verständnis oder Sympathie aufgenommen werden könnte. Wir reden von unserem STAATSOBERHAUPT – ein Amt, dem Herr Köhler offenbar selbst keinerlei Respekt entgegenbringt.

  4. Ich muss auch sagen: Mir ist jeder Respekt vor Köhler UND dem Amt des Bundespräsidenten abhanden gekommen…

    Zum einen: Köhler wollte dieses Amt immer politischer gestalten, als es wohl gedacht ist. Er hat gesagt, er will auch „unbequem“ sein. Und jetzt, wo er für seine „unbequemen“ Äußerungen kritisiert wird, beruft er sich auf die „hohe moralische Instanz“, die das Amt sein soll?
    Dann arf er sich auch nicht politisch äußern, sondern muss das Amt als Königinnen empfangender Gesetzesunterschreiber ausführen. Brauchen wir so ein Amt im Staat?
    Und als zusätzliche politische Instanz der Bundespräsident nicht gedacht und nicht geeignet.

    Ich frage mich ernsthaft, wofür dieses Amt noch gut ist…


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