Die Odyssee 2010

Zugegeben, die Website ist sehr nüchtern und fantasielos, mit einer Menge überflüssigem technischen Ballast, aber dafür auch mit einigen grundlegenden Mängeln (zum Beispiel ist es offenbar nicht mehr möglich, meinen Nick aus meinem angezeigten Namen herauszunehmen, obwohl „Andreas Zeromant Pischner“ einfach blöd aussieht). Doch wenn es in Berlin einen Con (eine Con? Ich habe dieses Wort schon mit allen drei Genera verbunden gehört, aber das ist die älteste mir bekannte Form, und die Herleitung von „Konvent“ finde ich im Deutschen schlüssiger als die von „Konvention“) für Rollenspieler gibt, den zu besuchen es sich lohnt, dann ist es wohl dieser hier, denn hier wird ausdrücklich Wert auf Originalität und Kreativität gelegt, und an den angebotenen Runden erkennt man, dass der Schwerpunkt deutlich hin zum Erzählspiel verschoben ist. Weg von den regelfuchsenden Mainstreamsystemen wie DSA oder D&D, hin zum gemeinsamen Erzählen und Experimentieren – das ist genau die Art von Con, die man ins Leben rufen müsste, wenn es sie nicht bereits gäbe.

Fun Fact: ICH habe einst die Odyssee ins Leben gerufen! Das ist jetzt bereits unglaubliche 20 Jahre her, und ich bin mir nicht sicher, ob das irgendeinem der heutigen Veranstalter überhaupt noch bekannt ist, aber vor langer, langer Zeit, als der Verein Nexus e.V. noch blutjung war (und auch noch nicht e.V. – was war das damals für eine unendliche Geschichte gewesen!), gehörte ich seinem Vorstand an und brachte das Projekt „Odyssee“ auf die Agenda unserer Vorstandsversammlung. (Allerdings schlug ich zuerst die Bezeichnung „Exotikon“ vor – ich denke, die Namensänderung war im Nachhinein doch eine ganz gute Idee.)

In den letzten Jahren (wie erschreckend ist es eigentlich, dass ich beinahe auch schreiben könnte „Jahrzehnte“?) habe ich sowohl Nexus als auch die Odyssee ein wenig aus den Augen verloren – einerseits sah ich meine Tätigkeit als Verkäufer in einem Hobbyshop nicht als gut vereinbar mit einem Engagement im Verein an (ich weiß, es gibt viele, die das genau anders herum sehen würden), und zum anderen tendierte ich immer stärker dazu, mit handverlesenen Leuten Erzählspiel zu betreiben – je mehr ich mich den erzählerischen Aspekten dieses Hobbys zuwandte, desto wichtiger wurde mir die persönliche Auswahl meiner Mitspieler. Anstatt über mein Hobby Bekanntschaften zu machen, machte ich lieber meine Bekanntschaften mit meinem Hobby bekannt.

Unterdessen allerdings bemerke ich, dass ich den Kontakt zur heutigen Rollenspielszene beinahe komplett verloren habe. Ich verwirkliche zwar im privaten Kreis meine Vorstellungen, aber ich beginne doch ein wenig das Feedback von anderen aktiven Spielleitern zu vermissen. Auch der Umstand, dass ich nicht mehr in einem Hobbyshop arbeite, und dass sich die Szene allgemein aus dem Hobbyshopbereich zurückgezogen hat (wofür maßgeblich der gravierende Rückgang des kommerziellen Erfolgs von „Paper & Pen“ Rollenspielen erfolgreich ist), führt dazu, das ich wieder Interesse für RSP-Cons zu beginnen entwickle.

(Über meine Gedanken zu der Entwicklung, die das Hobby Rollenspiel durchgemacht hat, habe ich hier schon einmal geschrieben.)

Früher empfand ich es so, dass ich auf Cons zu ca. 50% Leute traf, die Cons deswegen besuchten, weil privat niemand mit ihnen spielen wollte (ja, genau DIESE Freaks), und zu weiteren 40% Leute, die ich (nicht zuletzt auch durch meine Tätigkeit im Verein) auch privat bereits kannte, und mit denen ich also nicht auf Cons spielen musste. Rollenspieler, die ich noch nicht kannte, und die es wert waren, kennengelernt zu werden, stellten eine Minderheit dar, nach der zu suchen recht anstrengend war, und da Wochenenden mit der Zeit eine immer kostbarere Freizeit-Ressource darstellten, gewöhnte ich mir Cons ab.

Heute kann ich hoffen, dass diejenigen Leute, mit denen keiner spielen will, sich mit Online-„Rollenspielen“ befassen (und außerdem gerade von der Grundidee der Odyssee abgeschreckt werden sollten), während die Überschneidungen zwischen denjenigen Personen, mit denen ich privat spiele, und denjenigen, die sich in der Con-Szene engagieren, praktisch kaum noch vorhanden sind. Es gibt für mich also eine Szene (wieder-) zu entdecken, und dafür ist die Odyssee hoffentlich perfekt geeignet!

Falls Ihr, meine geschätzten Leser, ebenfalls aus dem Berliner Raum stammt: Vielleicht schaut Ihr ja auch einmal herein? Ob man in einer Erzählspielrunde Spaß hat, hängt natürlich zu einem großen Teil von den teilnehmenden Personen ab – da muss man sich überraschen lassen (ich erkenne bislang auch nur zwei oder drei Namen überhaupt wieder) – aber die Rahmenbedingungen für faszinierende Unterhaltung sollten auf der Odyssee annähernd optimal sein.

Ich biete übrigens auch eine Runde an. Falls sich jemand fragt, wie das denn eigentlich ist, mit mir Erzählspiel zu betreiben – hier ließe sich die Antwort finden!

Werbeanzeigen
Published in: on Oktober 9, 2010 at 5:02 pm  Comments (2)  
Tags: , , , ,

2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich glaube die Odyssee die Du meinst gegründet zu haben nennt sich Burg-Con, oder?

    Matthias

    • Quatsch! Der Burg-Con ist eine ganz andere Veranstaltung (und auch ein „regulärer“ Con), die schon ein paar Mal stattgefunden hatte, bevor ich auch nur von Nexus gehört hatte.


Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.