Der Unterschied zwischen Streik und Schutzgelderpressung, Fortsetzung

Jetzt ist es bald dreieinhalb Jahre her, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben festgestellt hatte, dass ich bei einem Arbeitskampf Stellung gegen die Streikenden bezog. Nun ist es zum zweiten Mal so weit – und wer hätte es gedacht: Erneut ist es die GDL, die streikt!

Die bestreiken doch tatsächlich in erster Linie den Arbeitgeber, der ihre Forderungen bereits erfüllt hat, nämlich die Deutsche Bahn! Die Begründung ist, dass ein Streik allein gegen die privaten Unternehmen, welche sich bislang weigern, ihren Forderungen nachzugeben, nicht durchschlagskräftig genug sei.

Ja, ein Streik gegen die Deutsche Bahn ist sicherlich ungleich wirkungsmächtiger! Millionen Fahrgäste werden zu spät kommen oder ihr Ziel gar nicht erreichen, und die Wirtschaft wird einen Schaden in Milliardenhöhe erleiden. Wie praktisch also, dass man sich in der Lage sieht, dieses Unternehmen zu bestreiken, obwohl es im aktuellen Arbeitskampf nicht einmal Tarifpartei ist!

Meine Vorstellung von Gewerkschaften ist offensichtlich veraltet: Nach meinem Verständnis besaßen sie die wichtige Aufgabe, eine Rückverteilung der volkswirtschaftlichen Vermögenswerte von den Arbeitgebern zu den Arbeitnehmern durchzusetzen. (Ich spreche von einer „Rückverteilung“, nicht „Umverteilung“, weil Vermögenswerte in einer freien Marktwirtschaft ohne Rückverteilungsmechanismen immer bei den Reichsten akkumulieren.) Die Mini-Gewerkschaft GDL allerdings ist eine Interessengemeinschaft, die ihre finanziellen Ansprüche auf Kosten der Gesamtbevölkerung durchsetzt. Ihre Angehörigen befinden sich in einer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schlüsselposition und nutzen diese rücksichtslos aus, um ihren Arbeitskampf mit einer Macht zu führen, die ihrer Anzahl und gesellschaftlichen Leistung nicht annähernd entspricht.

Tja – schade, dass notorisch unterbezahlte Berufe wie Altenpfleger oder Erzieher nicht über solche Druckmittel verfügen! Aber es geht hier ja schließlich nicht um das Prinzip „Leistung muss sich lohnen“, sondern eher um die Frage, warum der Hund sich die Eier leckt.

(Wer diesen Spruch tatsächlich nicht kennt – die Antwort lautet: Weil er’s kann!)
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Published in: on März 7, 2011 at 10:10 pm  Comments (3)  
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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Hier steht nun die selbe Einsicht, die Du schon einmal hattest und die heute auch in einem Kommentar auf der ersten Seite der Zeit zu lesen war: Lokführer befinden sich in einer gesellschaftlichen Schlüsselposition.
    Nun ziehen sowohl Du als auch die Zeit daraus nur den Schluss, dass aufgrund dieser Positon nicht gestreikt werden darf. Und zwar: _nur_ aufgrund dieser Schlüsselposition.
    Wenn es sich aber um eine gesellschaftliche Schlüsselposition handelt (und offensichtlich tut es das), ist dann nicht die Gesellschaft für eine entsprechende Organisation dieser Position verantwortlich. Und ja, das entsprechende Organisationsinstrument gibt es sogar: Verbeamtung.
    Und Überraschung: es gab eien Zeit, da war die Bahn komplett verbeamtet. Nun kann man sicherlich streiten, ob es angemessen ist, einen Schaffner und einen Lokführer über einen Kamm zu scheren (IMHO ist es das nicht), aber man kann eigentlich nicht darüber streiten, dass durch die Bahn-Privatisierung hier mal wieder ganze Arbeit geleistet wurde. Interssant, das weder Du noch die Zeit sich dazu auslassen.

    • Moment: Einmal geht es nicht nur darum, OB Lokführer streiken dürfen sollten, sondern auch WIE. Ich finde es eben unakzeptabel, dass hier ein Arbeitgeber bestreikt wird, der ihre Forderungen längst erfüllt hat!

      Weiterhin finde ich es problematisch, wenn zu viele Einzelgewerkschaften Arbeitskämpfe führen. Wie viele verschiedene Berufsgruppen sind nötig, damit Züge geregelt fahren? Sollen die alle einzeln (und teilweise durchaus gegen ihre jeweiligen Interessen!) mit ihren Arbeitskämpfen den Zugverkehr lahmlegen dürfen?

      Zum anderen habe ich gewiss nie die Bahn-Privatisierung befürwortet. Ich bin mir sogar nicht einmal ganz sicher, ob ich mich nicht schon ienmal an dieser Stelle dagegen ausgesprochen habe!

      Falls nicht, hier die Kurzform: Ich erwarte von Betrieben mit höchster gesellschaftlicher Bedeutung (Verkehrsbetriebe, Krankenhäuser etc…) nicht, dass sie gewinnorientiert arbeiten, sondern, dass sie reibungslos arbeiten! Logisch, dass eine gewinnorientiert arbeitende Bahn ihren Personalstand nicht an ihren Bedarfsspitzen bemisst und deswegen häufig überlastet ist. Ich habe da lieber eine mit Steuergeldern bezuschusste Bahn, welche die personellen und materiellen Reserven besitzt, auch in Krisensituationen und Stoßzeiten noch zu funktionieren, selbst wenn das bedeutet, dass sie im normalen Betrieb nicht wirtschaftlich effizient arbeitet.

      Oh, und wir müssen nicht darüber streiten, dass ein Lokführer mehr verdienen sollte, als ein Schaffner. Ich verstehe jedoch nicht, warum Gewerkschaften heutzutage nicht mehr in der Lage (oder willens?) sein sollten, die Interessen verschiedneer Gehaltsgruppen gleichzeitig zu vertreten. (Der Grund ist natürlich, dass die GDL z.B. ihre Interessen auf Kosten der Interessen der Angehörigen anderer Gewerkschaften durchzusetzen versucht.)

      • Du gehst bei Deiner Kritik immer noch von einer falschen Voraussetzung aus: Du kritisierst eine Gewerkschaft, die es in einer Gesellschaft mit vernünftiger Geschäftsgrundlage gar nicht geben dürfte.
        Aber diese Geschäftsgrundlage ist uns nicht nur abhanden gekommen, sie wurde inzwischen auch vergessen. Und schon fällt die Unterschicht (da gehören wir beide auch dazu) gegenseitig über sich her.


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