Unser Unglück im Glück

Tschernobyl liegt ja doch ziemlich weit weg. (Für uns Deutsche, meine ich, nicht für die Russen). Und Fukushima, das liegt ja in Japan; das ist am anderen Ende der Welt. (Wieder für uns Deutsche, für die Japaner natürlich nicht.)

Glück gehabt also: Uns bestrifft es wieder einmal nicht, oder zumindest kaum.

Blöd daran ist nur, dass ein Umdenken bei den mit der Atomlobby verbandelten deutschen Politikern wohl erst stattfinden wird, wenn der nächste GAU so nah an Deutschland (oder auch in Deutschland selbst) passiert, dass wir eben KEIN Glück mehr haben. Und gewiss wird man bald wieder lesen können, dass deutsche Atomkraftwerke ja sicher seien!

NICHTS ist sicher. Überall passieren Unfälle, ob bei Zugleitsystemen, mit Flugzeugen oder auf Schiffen; ob in Sägemühlen, im Bergbau oder in Lagerhallen; ob in Krankenhäusern, Altenheimen oder Kindergärten. Die Frage „Sind unsere AKWs sicher?“ ist unsinnig und irreführend, denn natürlich muss die Antwort NEIN! lauten, wie bei allen Dingen. Es gibt keine absolute Sicherheit, nur jene so genannte „trügerische Sicherheit“, in der man sich wiegen kann;  ein subjektives Gefühl.

So lange atomare Katastrophen nur weit genug weg passieren, können wir uns in dieser Sicherheit wiegen (lassen). Es muss eben erst bei uns etwas passieren, damit bei uns endlich etwas passiert.

Dabei geht es natürlich nicht nur um uns. Natürlich bringt es wenig, wenn überall im Rest der Welt Atomkraftwerke stehen, nur in Deutschland nicht. Doch wie auch bereits beim Klimaschutz (der sich perfiderweise auch noch gegen den Atomaustieg ausspielen lässt) gilt: Irgendjemand muss eben den Anfang machen.

Ist es pervers zu denken: „Gut, dass jetzt in Japan dieser Unfall passiert ist, denn dadurch wird Schwarz-Gelb in diesem Wahljahr für ihren Ausstieg aus dem Ausstieg einen Denkzettel verpasst bekommen“? Ja, das ist es wohl.

Noch perverser ist es allerdings zu denken: „Gut, dass zuletzt keine schlimmeren AKW-Störfälle passiert sind; da können wir eine Politik durchsetzen, welche diese Störfalle wieder wahrscheinlicher macht!“, so wie es Schwarz-Gelb zuletzt getan hatte!

Die Skrupellosigkeit, mit der die Politik die mit der Atomkraft verbundenen Risiken eingeht, ist abscheulich. Sie weiß genau, dass sie damit nur so lange durchkommt, wie diese Katastrophen weit genug von Deutschland weg passieren. Ein ähnlicher Störfall in einem unserer Nachbarländer würde genügen, und keine Partei, die sich dem schnellstmöglichen Atomausstieg in den Weg stellt, wäre in Deutschland mehr wählbar.

Unglücklicherweise wird das wohl nicht passieren, so lange wir das Glück haben, von diesen Katastrophen nicht unmittelbar betroffen zu sein.

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Das ist gut, dass bei uns die AKW überprüft werden. Es ist ja auch möglich das bei uns sowas passiert. Hoffentlich endet das alles bald, die armen Menschen in Japan. Viele sind jetzt ohne Dach über den Kopf geblieben und ohne Familie. Irgendwie geht in der ganzen Welt alles runter…

    • Dieser Kommentar irritiert mich. Akismet hat ihn als Spam markiert und wahrscheinlich auch recht damit – die von mir entfernte URL schien mir eindeutig Werbung zu sein. Neu ist allerdings, dass der Inhalt einigermaßen (aber eben auch nur einigermaßen) zum Eintrag passt. Das ist dann wohl die nächste Eskalationsstufe im Krieg Spam vs- Filter: Auf bestimmte Suchbegriffe oder Tags zugeschnittene, zwar zum Thema passende, aber unendlich allgemein gefasste Botschaften.


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