Ein versehentlicher Anflug von Ehrlichkeit

„Im Laufe des Arbeitslebens verdienen wir schnell einen Millionen-Betrag.“

Vermutlich kennt auch Ihr diesen Satz aus der Fernsehwerbung.

Habt Ihr auch schon einmal darüber nachgedacht?

Gehen wir doch einmal von einem durchschnittlichen Monatseinkommen der deutschen Bevölkerung von 2500€ aus. Das ist vermutlich bereits einigermaßen optimistisch. Oh, und außerdem ist es ein Bruttogehalt. Na schön, dafür sind Zusatzleistungen wie Weihnachtsgeld oder so nicht berücksichtigt, aber an der Größenordnung dürfte das nicht allzu viel ändern.

Dann kommen wir auf 30.000€ Jahresverdienst. Hm. Das ergäbe dann nach etwas über dreiunddreißig Jahren tatsächlich einen Millionenbetrag. Immer noch brutto, natürlich. Und unter der Annahme, dass es keine Phasen der Arbeitslosigkeit oder Arbeitssuche gibt.

Ist das „schnell“? Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie alt ich werden muss, damit mir mehrere Jahrzehnte wie ein kurzer Zeitraum vorkommen. In einer menschlichen Lebensspanne kann ich mir das nicht vorstellen, aber vielleicht macht mich ja doch irgendwann noch ein hübsches Vampirmädchen zu einem der ihren…

Ich denke, um den Begriff „schnell“ auch nur mit viel gutem Willen zu rechtfertigen, darf man maximal ein Jahrzehnt Arbeitsdauer zu Grunde legen. Daraus ergibt sich dann ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 100.000€ und ein monatlicher Durchschnittsverdienst von über 8000€.

Nicht schlecht, ehrlich! Als Chefarzt an der Uni kriegt man das sogar hin! (Immer noch brutto, versteht sich.) Als bloßer Facharzt, Bankdirektor oder Chefpilot muss man dafür hingegen schon deutlich überdurchschnittlich verdienen. Naja, und wenn wir die Top Ten der Branchen mit bestem Verdienst verlassen… Sagen wir es einmal so: 2500€ Durchschnittsverdienst bedeuten, dass eine Menge Menschen sogar noch deutlich weniger verdienen. Altenpfleger zum Beispiel die Hälfte. Tja, die müssen dann halt sechsundsechzig Jahre für diesen Millionenbetrag arbeiten. Dann pflegen sie sich eben gegenseitig, nehme ich an.

Lange Rede, kurzer Sinn: Dieser Werbe-Slogan ist für den Großteil der Bevölkerung schlicht Blödsinn!

…ABER…

Wer sagt denn, dass er sich überhaupt auf diese bezieht? Ich fürchte, ich habe ihn oben ein wenig sinnentstellend gekürzt! In voller Länge (das kann man zum Beispiel hier nachlesen) lautet er nämlich:

„Im Laufe des Arbeitslebens verdienen wir schnell einen Millionen-Betrag. Schützen Sie ihn mit der BerufsunfähigkeitsPolice der AachenMünchener.“

Achtet auf die Pronomen:

WIR verdienen schnell einen Millionenbetrag – helfen SIE uns, ihn zu schützen!

Das ist die tatsächliche Botschaft dieser Versicherung. Und so stimmt es natürlich auch.

Wie erstaunlich ehrlich!

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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. Herrlich,
    meine Frau und ich saßen auf der Couch als wir den Spot das erste mal sahen. Wir haben uns kurz angeguckt und dann lauthals losgelacht. Auch wir können dabei nur zu dem Schluss kommen, dass wir uns bei der entsprechenden Versicherung um einen Arbeitsplatz bewerben sollten. Wir waren uns anfangs gar nicht sicher, ob das überhaupt ernst gemeint war. Scheint aber so.
    Sehr schön geschrieben.


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