Der Staat ist der bessere Versicherer

Sicher habt Ihr irgendwann bereits das neoliberale Argument für Privatisierungen und gegen Verstaatlichungen gehört, vermutlich zuletzt zur Bankenkrise: Der Staat sei nicht der bessere Unternehmer!

Das mag ja stimmen. Schleierhaft bleibt mir dabei jedoch, wieso er es überhaupt versuchen sollte! Als Ziel des Staates sehe ich nicht Gewinnstreben, sondern das Erfüllen seiner Verpflichtungen. Am konkreten Beispiel: Ich will keine Bahn, die Rekordgewinne einfährt, sondern eine, die zuverlässig funktioniert, und zwar auch in Ausnahmesituationen – selbst wenn das bedeutet, dass sie im Normalbetrieb auf Grund von Überkapazitäten unwirtschaftlich arbeitet. Mir sind auch in Behörden im Zweifelsfall unterbeschäfigte Beamte lieber als überlastete. Ich weiß, dass es für Wirtschaftsbetriebe unökonomisch ist, ungenutzte Ressourcen zu besitzen – finanzielle Reserven, große Lagerbestände, unbeschäftigte Mitarbeiter, überschüssige Produktionsmittel: All dies führt zu mangelnder Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen Betrieben, die ökonomisieren, rationalisieren und reinvestieren. Ich kann jedoch nicht nachvollziehen, dass dieser Grundsatz auf den Staat angewendet wird, den ich in der Verpflichtung sehe, dafür zu sorgen, dass in wichtigen Bereichen Abläufe reibungslos vonstatten gehen, und dass darüberhinaus finanzielle, materielle und personelle Reserven für Krisensituationen vorhanden sind!

Doch wie auch immer: Dieses Argument existiert und wird immer mal wieder in politische Diskussionen eingebracht, und daran musste ich denken, als ich so ganz nebenbei beim Lesen dieses Artikels Folgendes erfuhr:

Versicherer weigern sich, Kernkraftbetreiber gegen die Risiken nuklearer Unfälle zu versichern!

…ist das nicht ein Unding? Ich meine, das zentrale Argument der Atomlobby (und bis vor nicht allzu langer Zeit auch unserer Regierung) war doch immer, dass diese Dinger ABSOLUT SICHER seien! (Dass die Betriebssicherheit nicht der einzige Kritikpunkt ist – Stichwort: Entsorgungsproblematik – soll jetzt nicht das Thema sein.) In diesem Fall müssten Versicherungsgesellschaften sich doch vor Begeisterung, sie zu versichern, gegenseitig über den Haufen rennen – eine Gratiseinnahmequelle, bei der man Beiträge kassiert, obwohl man genau weiß, dass der Schadensfall NIE eintreten wird! Wie dumm und unvernünftig ist denn die Versicherungswirtschaft bitteschön, dass sie diesen nuklearen Goldesel abweist? Ist denn unsere Regierung – die uns ja seit Jahrzehnten die absolute Sicherheit der Kernkraft vorbetet – tatsächlich schlauer als diese Versicherungsprofis?

Aber natürlich kennt ihr die Antwort. Die Versicherer wissen eben ganz genau, was auch jedem mit gesundem Menschenverstand klar ist: Dass Kernkraft eben NICHT sicher ist, und dass der Schadensfall eintreten kann und deswegen auch irgendwann eintreten WIRD! Dieses finanzielle Risiko ist offenbar niemand bereit einzugehen.

Das Katastrophenrisiko hingegen – der Tod und die Verstrahlung von Hunderttausenden Menschen, und die Gefahr, dass Gebiete von Zehntausenden Quadratkilometern generationenlang unbewohnbar gemacht werden – DIESES Risiko ist die Atomwirtschaft natürlich gerne bereit einzugehen!

…ach, verdammt: Heute ist ja der 1. April, da sollte ich doch eigentlich einen Scherz-Artikel veröffentlichen, stimmt’s? Na gut, hier ein ganz kurzer:

Atomkraft ist sicher.

(April, April!)

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