Die besten deutschen Fußballvereine

Eines von den zahlreichen unwichtigen Dingen, die mich gedanklich beschäftigen, ist das Fehlen einer aussagekräftigen Rangliste der deutschen Fußballvereine. Irgendwie scheine ich immer nur die Wahl zwischen zwei Extremen zu haben: Da ist einerseits die Momentaufnahme der jüngsten Saison. Die ist mir VIEL zu kurzfristig, weil Vereinsleistungen natürlich ebenso wie individuelle Leistungen temporären Schwankungen unterliegen. Sich nur auf die aktuellen Ergebnisse zu beziehen, führt dann zu so unsinnigen Kommentaren wie „Wenn Manuel Neuer zum besten deutschen Verein wollte, hätte er zu Borussia Dortmund wechseln müssen“, oder auch zu der Anmerkung eines offensichtlich Permanenz-herausgeforderten Posters zu meiner damaligen Bundesliga-Vorhersage, dass doch in Wirklichkeit Schalke Abstiegskandidat Nummer Eins sei.

Das andere Extrem ist die ewige Bundesligatabelle. So interessant diese auch ist, so wenig spiegelt sie doch die Realität wieder, da sie die ferne Vergangenheit viel zu stark betont. Die Erfolge von Borussia Mönchengladbach in den Siebzigern haben einfach nichts mit der heutigen Stärke dieses Klubs zu tun, und selbstverständlich ist es unsinnig, später in die Spitze des deutschen Fußballs eingedrungene Vereine wie Bayer Leverkusen einen Rückstand von über einem Jahrzehnt wettmachen zu lassen.

Was tut man also als tabellenbegeisterter Fußballzuschauer (das Wort „Fan“ vermeide ich lieber weiterhin)? Richtig – man bastelt sich seine eigene Rangliste! Das habe ich getan.

Ich bin von folgenden Voraussetzungen ausgegangen: Maßgeblich für diese Rangliste sollen ausschließlich Ligaergebnisse sein, keine Ergebnisse aus dem Pokal oder aus internationalen Wettbewerben, die zu schwierig in sinnvoller Weise mit den Ligaergebnissen zu verrechnen wären, und deren Aussagekraft auch zweifelhaft ist, da K.O.-Systeme kurzfristige Leistungsschwankungen oder simple Zufälligkeiten enorm überbewerten, und da unterschiedliche internationale Gegner kaum miteinander vergleichbare Bezugspunkte darstellen. Von mir aus darf man meine Rangliste auch gerne als Liste der in der Liga erfolgreichsten Vereine lesen – gerade bei einer mittelfristigen Betrachtung gehe ich davon aus, dass eine solche Liste die tatsächliche sportliche Leistungsfähigkeit der Vereine am besten wiedergibt.

Weiterhin soll mein Betrachtungszeitraum 10 Jahre (also 10 Saisons) umfassen, wobei ich diese Saisons gewichten will: Aktuellere Ergebnisse sagen natürlich tendenziell mehr über die Stärke eines Vereins aus als weiter zurück liegende. Trotzdem hilft der längere Betrachtungszeitraum, kurzfristige Schwankungen abzufedern. Daher lege ich meiner Rangliste die in den jeweiligen Bundesliga-Saisons erzielten Punkte zu Grunde, multipliziere diese jedoch mit einem zeitabhängigen Faktor: Dieser ist 1 für die jüngste beendete Saison, 0,9 für die davor, 0,8 für die zwei Jahre zurück liegende und so fort bis zu 0,1 für die älteste Saison des Betrachtungszeitraums.

Schließlich nehme ich nur Vereine, die im Betrachtungszeitraum mindestens eine Saison in der Bundesliga gespielt haben, in  meine Rangliste auf, lasse aber auch deren Zweitligaergebnisse einfließen, da es nicht vernünftig ist zu postulieren, dass eine Zweitligasaison keine Punkte verdient. Um dem Leistungsunterschied zwischen erster und zweiter Liga gerecht zu werden, halbiere ich jedoch erzielte Zweitligapunkte. Das kommt übrigens erstaunlich gut hin, wenn man eine auf diese Weise modifizierte Zweitligatabelle unten an die Bundesligatabelle anheftet: Tatsächlich befinden sich die Aufsteiger der zweiten und die Absteiger der ersten Liga auf diese Weise punktemäßig im selben Bereich! Drittligaergebnisse hingegen ignoriere ich ohne schlechtes Gewissen – ein Abstieg in die Zweite Bundesliga kann (fast) jedem Verein einmal passieren, aber wer noch eine Liga tiefer rutscht, hat für dieses Jahr keine Punkte verdient!

Voraussetzung dafür, dass die so entstandene Rangliste nicht „schief“ ist, ist natürlich dass erste und zweite Liga konstant jeweils 18 Teilnehmer haben. Dies ist in meinem Betrachtungszeitraum auch der Fall. (Wer mein Berechnungsprinzip auf länger zurück reichende Zeiträume anwenden will, der muss gegebenenfalls Korrekturfaktoren benutzen.)

Ich habe entsprechende Ranglisten sowohl für das letzte Jahr, als auch für dieses Jahr erstellt, so dass man sehen kann, welche Veränderungen innerhalb eines Jahres passiert sind. Hier sind diese beiden Listen:

Saisons 2000/2001 bis 2009/2010:
1. 386,20 Bayern München
2. 333,70 Werder Bremen
3. 330,00 FC Schalke o4
4. 315,10 VfB Stuttgart
5. 296,80 Bayer Leverkusen
6. 296,40 Hamburger SV
7. 287,20 Borussia Dortmund
8. 270,10 VfL Wolfsburg
9. 254,10 Hertha BSC
10. 219,90 Hannover 96
11. 208,35 Eintracht Frankfurt
12. 203,50 VfL Bochum
13. 195,15 FSV Mainz 05
14. 193,80 Borussia Mönchengladbach
15. 193,05 1. FC Nürnberg
16. 179,06 Arminia Bielefeld
17. 177,30 1. FC Köln
18. 174,45 1. FC Kaiserslautern
19. 171,15 SC Freiburg
20. 165,85 Energie Cottbus
21. 155,10 Karlsruher SC
22. 149,70 Hansa Rostock
23. 148,70 MSV Duisburg
24. 148,45 Alemannia Aachen
25. 142,30 1860 München
26. 115,50 1899 Hoffenheim
27. 82,45 FC St. Pauli
28. 51,25 Spvgg Unterhaching

Saisons 2001/2002 bis 2010/2011:
1. 381,30 Bayern München
2. 314,50 Werder Bremen
3. 310,70 FC Schalke 04
4. 309,80 Bayer Leverkusen
5. 308,00 Borussia Dortmund
6. 301,80 VfB Stuttgart
7. 289,70 Hamburger SV
8. 260,80 VfL Wolfsburg
9. 242,00 Hertha BSC
10. 241,90 Hannover 96
11. 219,90 FSV Mainz 05
12. 206,70 Eintracht Frankfurt
13. 205,15 1. FC Nürnberg
14. 198,55 VfL Bochum
15. 194,00 Borussia Mönchengladbach
16. 188,90 1. FC Köln
17. 184,20 1. FC Kaiserslautern
18. 182,25 SC Freiburg
19. 162,35 Energie Cottbus
20. 155,30 Arminia Bielefeld
21. 148,65 MSV Duisburg
22. 146,70 Karlsruher SC
23. 146,10 Alemannia Aachen
24. 145,80 1899 Hoffenheim
25. 136,45 1860 München
26. 118,55 Hansa Rostock
27. 97,00 FC St. Pauli

(Die Spvgg Unterhaching ist aus dieser Liste heraus gefallen, weil sie zuletzt in der Saison 2000/2001 in der Ersten Bundesliga vertreten war.)

Aus dem Bauch heraus möchte ich sagen: Das passt!

Wer nachvollziehen möchte, wie diese Punktzahlen genau zustandegekommen sind, der kann sich meine entsprechenden Tabellen herunterladen. (Auf ein direktes Einbinden verzichte ich, weil ich bislang immer noch keinen vernünftigen Weg gefunden habe, Tabellen bei WordPress darzustellen.) Hier sind sie:

Fußball-Ranglisten

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12 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich finde die Idee die dieser Tabelle zugrunde liegt richtig gut.

    Allerdings würde ich eher die letzten 5 Jahre betrachten als die letzten 10. Ich dneke das sagt mehr über die heuteige stärke aus.
    (Und beide sagen mehr über abstrakte stärke dieser Vereine aus als die diesjährige bundesligatabelle)

    • Ich denke, letztlich ist das Geschmackssache. Vielleicht auch eine Altersfrage – Jahrzehnte kommen einem mit der Zeit immer kürzer vor…

  2. Ne 10 Jahre ist schon wirklich ok.

    Immerhin geht es hier auch ein wenig um die wirkliche Nummer zwei zu finden und nicht die derzeitige. Andere Ligen haben immer schöne Topduelle nur in Deutshcland gibts kein Real vs Barca oder Inter vs AC ..

    • Nun ja, diese wirklich unheimliche Dominanz zweier Vereine wie in der spanischen Liga ist wohl auch nicht das Gelbe vom Ei. Aber ein echter Rivale würde den Bayern schon gut tun… Diese Tabelle zeigt doch, wie unglaublich nahe beieinander, aber eben auch wie weit vom FCB entfernt die nächstbesten deutschen Vereine sind.

  3. Naja, die Bayern hatte immer wieder starke konkurrenten über gewisse zeiträume hinweg, aber auch abyern war nie so dominant zur Liga, verglichen mit Real oder Barca oder Ac Mailand/Juve früher.

    Früher hießen diese Konkurrenten Nürnberg, Köln, Gladbachn bis auf dieses Jahr die letzten Jahre immer Bremen und Schalke.
    Es gibt ganz wenige Jahre in denen Bayern keine ähnlichs tarke mannschaft als gegner hatte. Aber es hat sich keiner auf lange sicht etablieren können, z.T. aus wirtschaftlichen Difizieten

    5 jahre deswegen, weil die meisten Teams sich im verlaufe von ~5 Jahren bis auf wenige Leistungsträger meist einmal komplett austauschen.
    Mit einem Team von vor 10 Jahren sind die meisten Mannschaften genau garnichts mehr zu tun Ich finde wenn man die stärke der Mannschaft betrachten will, dann sind ~5 Jahre etwa ein evolutionszyklus udn 10 sind schon wieder zu viele. Ich finde das sagt daher mehr über die absolute stärke der Mannschaft aus.
    Und es erlaubt sich „emporkömmlingen“ schneller zu etalieren was objektiv ja auch der Fall ist. (Bsp. Hoffenheim)

    • Hast Du eigentlich jemals erwogen, über Deine Kommentare noch einmal drüber zu lesen, bevor Du sie abschickst?

  4. Die Spieler sind vllt.kürzeren Zyklen unterowrfen, wenn man aber die Vereinsstrukturen betrachtet (Trainer, Präsident etc.) kommen 10 Jahre schon gut hin (wobei es egal ist, ob in 10 Jahren kontinuierlich ein Trainer arbeitet oder in 10 Jahren kontinuierlich Trainer gewechselt werden).
    @Andreas: wenn Du die Punkte durch 5,5 teilst, hat man den Erwartungswert einer Saison. Das wäre intuitiver noch besser erfaßbar – incl. der Abstände zwischen Vereinen. Außerdem wäre mal eine Grafik interessant, in der sich die Entwicklung der Top-Vereine untereinander in den letzten Jahren zeigt. D.h. man fängt die Wertung so zeitig wie möglich (Einführung der 3-Punkte-Regel+10 Jahre) an und sieht dann im Diagramm Tendenzen, wachsende oder sich verringernde Abstände. Für Zahlenfreaks vllt. ganz interessant.

    • Gute Idee, mach mal!

      • Hmm, ich dachte, Du hast nen Excel, wo man das einfach nur noch einhackt -evt. sogar mit Copy-Paste. Nicht?

        • Was ich habe, findest Du als Anhang in meinem Artikel.

  5. „ein Abstieg in die Zweite Bundesliga kann (fast) jedem Verein einmal passieren “

    In Italien könnte man sich das (fast) sparen :)

  6. Ehrlich – mit dieser Emailadresse musst Du Dich nicht wundern, wenn Deine Kommentare im Spam-Filter hängen bleiben…

    Edit: Jetzt muss ich also, selbst wenn ich bei WordPress eingeloggt bin, darauf achten, meine Kommentare nicht versehentlich anonym abzugeben!


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