Ein neuer Vorsatz bezüglich Twitter und meiner Blogs

Ich bin weiter auf der Suche nach der richtigen Linie im Umgang mit sozialen Medien im Internet. Obwohl ich mich bewusst beschränke, finde ich es immer noch anstrengend zu entscheiden, wo, wie sehr und in welcher Weise ich aktiv sein möchte. Mir fehlt immer noch ein Mittelding zwischen Blog und Twitter – ein Ort, an dem ich sinnvoll etwas posten kann, was länger als 140 Zeichen ist, aber nicht lang genug, um einen eigenständigen Blogeintrag zu rechtfertigen. Hat die 140-Zeichen-Beschränkung vom technischen Standpunkt aus denn nicht sowieso ausgedient? Klar ist eine Längenbegrenzung von Tweets immer noch sinnvoll, um den Charakter von Kurznachrichten zu bewahren. Als Twitter-Nutzer möchte man nicht minutenlang mit dem Lesen eines Tweets beschäftigt sein. Leider klafft so allerdings eine Lücke zu den ca. 140 Wörtern, ab denen ungefähr ein legitimer Blogeintrag beginnt. Ebenso wie bei Twitter hat man auch als Blogleser eine Erwartungshaltung, wenn man einen neuen Eintrag anklickt und fühlt sich verarscht, wenn man dort dann nur zwei oder drei Sätze liest. Und dann, bei aller Würdigung des Arguments, dass sich kurz zu fassen eine Kunst ist, reichen 140 Zeichen auch für legitime Kurznachrichten oder Meinungsäußerungen oft schlicht nicht aus! Ich bin ja wirklich nicht der einzige Twitterer, der sich angewöhnt hat, längere Mitteilungen auf mehrere Tweets zu verteilen. Auf Twitter entstehen manchmal eben auch Diskussionen oder die Notwendigkeit, eine Angelegenheit etwas ausführlicher dar- oder klarzustellen. Das kann natürlich nicht der Sinn der Sache sein Schließlich verführt die allgegenwärtige Kürze von Tweets viele Twitterer dazu, den belanglosesten Mist zu tweeten – es sind ja letztlich nur zwei oder drei Sekunden Lesezeit pro Tweet, da muss man sich nicht fragen, ob ein Text es tatsächlich wert ist, eingestellt zu werden – man macht es einfach.

Idealerweise würde sämtliche Kommunikation natürlich über das selbe (den Datenschutz achtende, kostenlose, werbefreie, intuitiv bedienbare) soziale Medium ablaufen. Texte müssten jedoch in verschiedene Kategorien einteilbar sein (die auch von Lesern entsprechend aufgerufen werden können):

1. Kurze persönliche Updates, bis maximal 100 Wörter. Hier würden sich dann Dinge finden, die wirklich nur (wenn überhaupt) persönliche Bekannte des Posters interessieren, so wie „Bin am Hauptbahnhof Kleinkreuzdorf“, „Was für ein Scheißtag! Und Werder verliert auch schon wieder!“ oder „Mhm… selbst gemachte Spaghetti!“ Dieses Format ist auch für semiprivate Diskussionen geeignet. Ich gehe davon aus, dass die meisten User diese Kategorie für den Großteil der Poster, denen sie folgen, ausblenden würden. Für den persönlichen Bekanntenkreis, oder wenn man wirklich alles wissen will, was Justin Bieber tagsüber so macht, ist sie jedoch interessant.

2. Kurznachrichten, bis ca. 200 Wörter. Hier fänden sich die meisten inhaltlich relevanten Tweets wieder (ohne die Notwendigkeit unleserlicher Abkürzungen und halsbrecherischer Zusammenstreichungen). Sie sind ebenfalls für tatsächliche kurze Nachrichten (egal, ob persönlicher oder allgemeiner Natur) oder Kurzzusammenfassungen längerer Einträge geeignet, sowie für ausführliche Klarstellungen oder Begründungen eines Standpunktes. Da ihre Lesezeit immer noch im Sekundenbereich liegt, würde ich erwarten, dass User diese Kategorie standardmäßig für alle Personen, denen sie folgen (im Sinn von tatsächlich lesen, was sie posten, nicht einfach nur anklicken und hoffen, dass sie zurückklicken, um die eigene Followerzahl zu erhöhen) eingeblendet lassen.

3. Blogeinträge, ohne Obergrenze. Hier fällt alles hinein, was zu lang für die beiden anderen Kategorien ist – dies ist Artikellänge. User, welche zwar bereit wären, einer Person zu folgen, sich jedoch nicht die Zeit nehmen wollen, regelmäßig deren Blog zu besuchen, würden diese Kategorie entsprechend ausblenden (es wäre jedoch sinnvoll, wenn es trotzdem zumindest eine Update-Liste mit den Titeln der Einträge im Blickfeld gäbe). Wer einen entsprechenden Eintrag aufruft, darf erwarten, dass ihm eine Lesezeit in der Größenordnung von Minuten bevorsteht.

Ein solches System würde zumindest meinen Bedürfnissen als Leser und Schreiber gerecht. Es existiert aber nun einmal nicht, und ich versuche, diese Bedürfnisse so weit wie möglich mit vorhandenen Mitteln zu befriedigen. Dabei ist Kategorie 3 natürlich nicht das Problem: Blogeinträge poste ich auf meinen Blogs, duh! Kategorie 1 ist ebenfalls kein Problem, da ich diese Art Einträge (weitestgehend zumindest – ich bin halt auch nur ein Mensch!)  vermeide. (Wenn es sie allerdings tatsächlich auf einem Medium, dass ich sowieso schon nutze – also eben NICHT Facebook! – gäbe, könnte ich auch ohne schlechtes Gewissen entsprechenden Zeugs posten, wenn mir danach ist.)

Bleibt Kategorie 2. Ich will meine Blogs nicht mit aus wenigen Sätzen bestehenden Einträgen zuspammen, aber blöderweise hemmt das meinen Schreibfluss enorm, weil ich für ausgewachsene Blogeinträge eben nicht allzu häufig Zeit habe, und weil sich auch nicht jedes Thema wirklich dazu eignet, einen längeren Eintrag zu konstituieren. Bislang habe ich hier zwei unzufriedenstellende Lösungsansätze verfolgt:

1. Ich produziere eine superkurze Reduktion dessen, was ich zu sagen hatte, um es in Tweet-Form zu pressen (ein Beispiel: „Wer ist Hanna: Keine Verschwendung von Lebenszeit, aber auch wirklich kein Muss. Erheblich belangloser, als die Kritiken vermuten ließen“). Hier geht nicht nur einiges von dem verloren, was ich sagen möchte, ich erreiche auch zu wenige Leser (ich muss zugeben, dass ich etwas optimistisch war, was Eure Bereitschaft, mir auf Twitter zu folgen, anging).

2. Ich schreibe eine dieser unübersichtlichen, uneleganten Tweet-Serien, welche die Timeline von Leuten, welche mir folgen, verstopfen. (Das Problem, dass ich damit zu wenige Leute erreiche, ist hier sogar noch ein wenig verstärkt, weil dann auch diejenigen, welche meine Tweets auf meinen Blogs verfolgen, häufiger etwas verpassen.

3. Ich verschiebe das Schreiben auf später, bis ich genug Zeit und Ideen habe, um einen ausführlichen Beitrag zu verfassen. „Später“ bedeutet jedoch in der Praxis zumeist „nie“.

Diese Palette will ich jetzt um einen vierten unzufriedenstellenden Lösungsansatz erweitern:

4. Ich schreibe doch öfter kürzere Blogeinträge, auch auf das Risiko hin, dass sie manche Leser, die von mir einen ausführlichen Artikel erhoffen, enttäuschen, und auch, wenn ich dabei nicht alles ansprechen kann, was ich eigentlich zu diesem Thema gerne sagen würde.

Mal schauen, ob ich diesen Vorsatz umsetzen werde!

Was Twitter angeht, denke ich auch ein wenig um. Ich habe zwar einige Follower – und zwar solche, bei denen ich keinen überzeugenden Grund habe anzunehmen, dass sie meine Tweets nicht auch lesen (ich habe ungefähr die vierfache Anzahl „Follower“, die offensichtlich nur auf sich aufmerksam machen wollten um selbst gefolgt zu werden und/oder Spam zu verbreiten, geblockt) – aber meine Wunschvorstellung, dass diejenigen Leute, welche eines meiner Blogs besuchen, mir auch auf Twitter folgen, so dass ich kürzere Mitteilungen dorthin verlagern kann, hat sich leider nicht erfüllt. Deswegen will ich mich bemühen, wieder mehr Content statt in Tweets auf meinen Blogs zu veröffentlichen.

In dem beinahe halben Jahr, das ich jetzt auf Twitter aktiv bin, hat sich so einiges angesammelt, von dem ich mir wünschte, ich hätte das entsprechende Thema in Form von Blogeinträgen abgehandelt (auch wenn das bereits rein zeitlich unmöglich war). Ich habe jetzt beschlossen, meine Favoriten-Funktion dafür zu nutzen, solche Tweets von mir zu sammeln, damit ich auf entweder auf ihren Inhalt oder sogar auf die Tweets selbst zurückgreifen kann, um Blogeinträge zu verfassen.

Mein Ziel ist also eine gewisse Rückverlagerung von Inhalten von Twitter auf meine Blogs, auch wenn ich weiterhin Twitter fleißig nutzen werde. Oh, und meine Umfrage habe ich nicht vergessen! Da dort jedoch ausschließlich Themen zur Auswahl standen, zu denen ich wirklich, wirklich viel schreiben möchte, dauert es noch eine Weile, bis ich darauf zurückkomme.

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Bist du denn an Feedback zu Tweets interessiert von denen sich deine Follower einen Blogeintrag erwünschen oder hast du eh schon feste Vorstellung davon über welche deiner Tweets du am liebsten schreiben möchtest?

    • Beides!

      Ich habe meine „wichtigsten“ Tweets bereits gesammelt und vorsortiert, aber über Feedback freue ich mich natürlich immer!


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