Ein paar rasche Gedanken zum Fall Roman Neustädter

Eigentlich wollte/sollte/müsste ich ja über andere Dinge bloggen, aber die Alternative ist ja nicht, diesen kurzen Eintrag zu verfassen oder einen längeren zu einem anderen Thema, sondern diesen Kurzeintrag oder gar nichts, und ich hatte mir doch vorgenommen, lieber etwas öfter zwischendurch zu schreiben!

Letztes Jahr, nachdem Thomas Müller für viele überraschend eine fantastische WM gespielt hatte (für mich nicht ganz so überraschend, da er mir schon in der Champions League als unglaublich talentiert aufgefallen war), las ich eine Meldung, dass der FC Bayern seinen bestehenden Vertrag aufgestockt hatte. Es ging dabei nicht um eine Verlängerung (oder zumindest nicht nur, ganz sicher weiß ich es nicht mehr) – der Spieler war in jedem Fall bereits langfristig  gebunden – sondern schlicht darum, dass er deutlich mehr Geld bekam als vorher. (Ich  glaube, auch bei Holger Badstuber ist etwas Ähnliches geschehen.) Nun, Thomas Müller besaß bereits einen gültigen Vertrag, und da ihm dieser ausgestellt worden war, als er noch in der zweiten Mannschaft des FC Bayern bei den Amateuren kickte und ihn fast niemand kannte, kann man wohl davon ausgehen, dass er nicht besonders hoch dotiert gewesen war. War es nun großzügig vom FC Bayern, dass sie diesen Vertrag nachkorrigiert haben? War es schlicht „fair“, weil sie einsahen, dass sie diesen Spieler unter Wert verpflichtet hatten? …oder war es vielleicht einfach nur KLUG?

Der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach hat im Interview bezüglich der Personalie Roman Neustädter gesagt: „Mit dem Angebot, das wir ihm gemacht haben, hätte sich sein Gehalt vervielfacht. Aber er hat uns mitgeteilt, dass er es nicht annehmen wird“ – hmm… Der Vertrag dieses Spielers lief also aus, und er ist dem Verein also wichtig genug, ihm ein „Vielfaches“ seines jetzigen Gehalts zu zahlen. Kann man daraus nicht schließen, dass er in den letzten Jahren unter seinem Wert bezahlt wurde? Sicher, er besaß einen gültigen Vertrag zu diesen Konditionen; und man darf wohl davon ausgehen, dass er diesen auch klaglos und sogar engagiert erfüllt hat, denn ansonsten würde der Verein ihn ja wohl nicht halten wollen. Nur – hat sich das jetzt für Gladbach ausgezahlt, einen offensichtlich sehr starken Spieler zum Schnäppchenpreis zu beschäftigen?

Dass die Borussia einen Reus nicht halten kann, klar – dafür kann man ihnen keinen Vorwurf machen. Wenn sie jetzt aber den Abgang von Roman Neustädter bedauern, dann sollten sie sich schon fragen, ob sie in solchen Fällen nicht vom FC Bayern lernen sollten, wie man seinen Leistungsträgern rechtzeitig die entsprechende Wertschätzung entgegenbringt. Auch (überall sonst) in der freien Wirtschaft ist es üblich, Top-Angestellten Gehaltserhöhungen und Boni anzubieten, bevor sich die Frage überhaupt stellt, ob diese den Arbeitgeber wechseln würden. Jetzt mal ehrlich – wie würde das auf Euch wirken, wenn Euch jemand plötzlich für die selbe Arbeit, die Ihr bisher gemacht habt, „ein Vielfaches“ der bisherigen Entlohnung anbietet, weil Euer Vertrag ausläuft? Für mich sieht das so aus, als hätte sich der Verein hier wenig vorausschauend, knauserig und provinziell verhalten und erhielte nun die Quittung dafür.

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8 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Stimme dir im Prinzip zu, auf der anderen Seite ist es für Bayern München auch deutlich leichter mehr zu bezahlen. Ganz vergleichbar ist es außerdem nicht, da Neustädter von Gladbach als Profispieler verpflichtet wurde (und demnach auch ein Profigehalt bezogen haben sollte), während Thomas Müller ja noch einen Vertrag als „Amateur“ abgeschlossen hatte.

    Ganz nebenbei, ist Neustädter überhaupt so gut?

    • Naja, wenn sie ihm ein solches Angebot machen, ist er es ja wohl, oder? Ich habe auch gelesen, dass Leverkusen ihn will – und dann, dass Schalke das Rennen um ihn machen soll. Das sind ja zwei ganz gute Adressen (eigentlich die besten neben Bayern und Dortmund).

      Ich habe heute übrigens gerade dies hier in einem Interview mit Robben gelesen: „Wenn ein Vertrag ausläuft wartet der Verein nicht bis zum letzten Vertragsjahr.“

      „Der Verein“ ist hier natürlich wieder der FC Bayern…

      Mönchengladbach hat eben sehr lange gewartet. Einerseits haben sie betont, wie sehr sie für Reus bereit waren, sich nach der Decke zu strecken (obwohl ihnen doch klar sein musste, dass das hoffnungslos war), aber andererseits haben sie halt andere Personalien verschleppt. Ich denke, eine vorausschauende und realistische Personalpolitik hätte darin bestanden, den Weggang von Reus zu akzeptieren und die dadurch frei werdenden Ressourcen dazu zu nutzen, rechtzeitig andere wichtige Spieler an den Verein zu binden.

      Irgendwie ist es immer das gleiche Muster bei diesen Vereinen, die mal gegen den Abstieg kämpfen und dann plötzlich überraschend wieder eine hervorragende Saison spielen: Sei können sich einfach nicht damit abfinden, dass es zunächst einmal ihr Ziel sein muss, sich auf mittlerem Niveau zu konsolidieren. Anstatt von der Champions League mit Reus zu träumen, hätten sie lieber die Gelegenheit nutzen sollen, eine solide Mannschaft aufzubauen. Jetzt droht ihnen das Ganze wieder zwischen den Fingern zu zerrinnen.

  2. Roman Neustädter ist auf jede Fall gut geug, das ihn außer Bayer dem BVB und Schalke jede Mannschaft gerne hätte.

    Fast jeder Verein verlängert ein Jahr vor Vertragsende/ Verhandelt mehr als 1 Jahr vorher, solange hat er das monopol auf verhandlungen.

    Sich für Reus offiziell nach der Decke zu strecken erhöht ein wenig den erlös sendet auf der andere seite auch Zeichen an die anderen Spieler. Völlig normal.

    „Anstatt von der Champions League mit Reus zu träumen, hätten sie lieber die Gelegenheit nutzen sollen, eine solide Mannschaft aufzubauen. Jetzt droht ihnen das Ganze wieder zwischen den Fingern zu zerrinnen.“
    Dieser Absatz macht irgendwie aus keiner Blickrichtung sinn(zumindest zum jetzigen zeitpunkt)

    • arrg. meinte oben: außer bei den genannten (und Leverkusen) spielt er vermutlich automatisch erste elf. er ist ja trotzdem zu schalke gegangen.

    • Die gute, solide Mannschaft, die sie hatten, mit der einstellige Tabellenplatzierungen mit vorsichtigem Blick nach oben möglich waren, die riskieren sie auf diese Weise, das meinte ich.

      Sich für Reus nach der Decke zu strecken, aber gleichzeitig nicht rechtzeitig andere Spieler an den Verein zu binden, sendet genau das falsche Signal: „Außer Reus ist uns niemand wichtig.“ „Nach der Decke strecken“ bedeutet schließlich, ganz konkret, dass dafür an anderer Stelle gespart werden muss!

      Beim Erlös gab es auch nichts zu erhöhen – die Ablöse von 17,5 Millionen war ja festgeschrieben.

      Letztlich ist das ein klassicher Fall von dem Spatz in der Hand oder der Taube auf dem Dach. Die Taube war utopisch, und bei dem Versuch, sie zu fangen, haben sie auch noch den Spatz verloren.

      • Das Geld fehlt ja Gladbach nicht weil sie es Reus geboten haben. und Gladbach ist wohl in der lage mit mehr als einem spieler neue verträge auszuhandeln.

        Was hätte Gladbach anderes machen sollen, deiner meinung nach?
        ich seh nichtmal ne theoretische möglichkeit,

        • Aber natürlich fehlt das Geld deswegen! Das bedeutet doch „nach der Decke strecken“ – alle Ressourcen in dieses Projekt stecken, während man an anderer Stelle schmerzhafte Kürzungen vornimmt.

          Was sie hätten machen sollen: Deutlich vor der Winterpause, idealerweise bereits nach dem vermiedenen Abstieg mit den Spielern, welche diese sehr gute Rückrunde gespielt haben, neue Verträge aushandeln und Aufstockungen anbieten. Sicherstellen, dass diejenigen Spieler, die der Verein realistisch halten kann, auch gehalten werden! Sie haben sowohl mit Arango als auch mit Neustädter einfach zu lange gewartet – wie Robben sagt: Man verlängert mit Leistungsträgern nicht ein paar Monate vor Vertragsende, sondern rechtzeitig.

          Neustädter fühlte sich zu Recht nicht hinreichend wertgeschätzt, denke ich. Jetzt besteht Gefahr, dass auch Arango sich neu orientiert. Wenn dann die Neueinkäufe, die der Verein mit dem Reus-Geld tätigt, nicht einschlagen und Gladbach in der nächsten Saison nicht mehr um das internationale Geschäft spielt, drohen noch mehr Leistungträger abzuspringen.

          Unter anderem Hanke und Bobadilla sind nur noch bis 2013 gebunden, was übrigens faktisch bedeutet, dass sie möglicherweise schon in der Sommerpause wechseln. Das ist doch gerade die Krux: Ein Verein, der einen Spieler halten will, verlängert (siehe Robbens Aussage) ein Jahr vor Ablauf seines Vertrags mit ihm. Will man ihn hingegen abgeben, tut man dies nach Möglichkeit schon dann, um eine Ablösesumme zu kassieren (und Gehalt zu sparen).

          In der nächsten Welle sind dann Dante, Herrmann und Camargo, die sich spätestens nach Ende der Saison 2012/13 entscheiden werden, ob sie länger bleiben wollen. Wenn Gladbach in dieser Saison wieder im Mittelfeld herumdümpelt oder gar gegen den Abschied spielt, könnten sie dann weg sein.

          Ich denke eben, dass kein umsichtiger SportdirektorManager in die Situation kommen darf, dass er plötzlich einem Spieler, dessen Vertrag ausläuft, ein „Vielfaches“ seines bisherigen Gehalts zahlen möchte, um ihn zu halten! Damit beweist er nur mangelnden Weitblick und gibt dem Spieler den Eindruck, bislang über den Tisch gezogen worden zu sein.

  3. Und jetzt geht es weiter, angeblich soll Dante auch schon Abwanderungsgedanken haben. Ich stimme hier Andi durchaus zu. Statt spätestens nach dem 10.Spieltag damit zu rechnen, dass Reuss geht und die 17,5 Millionen Ablöse + eingespartes Gehalt bereits in zukünftige Gehaltsverhandlungen miteinzubeziehen hat man versucht Reuss zu halten und konnte somit anderen Spielern keine geeigneten Angebote machen.

    Genau das ist auch der Grund, weshalb ich z.B. Hannover 96 mittelfristig (also 3-5 Jahreszeitraum) vor Gladbach sehe.


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