Showtime bei der EM

Aus deutscher Sicht wirkt es beinahe so, als gehe die EM jetzt erst richtig los, mit dem Halbfinale. Ja, wir waren in der „Todesgruppe“, aber irgendwie hat ja niemand so richtig daran gezweifelt, dass wir diese schon überstehen würden, so viel Zuversicht haben Löw und seine Mannschaft im Vorfeld verbreitet. Und dann hat Deutschland schließlich auch alle drei Vorrundenspiele gewonnen – als einziges Team bei dieser EM – es ging einfach nichts schief! Kein Spieler hat sich ernsthaft verletzt, keiner wurde gesperrt, und als Gruppenerster bekamen wir mit Griechenland auch noch den wohl schwächsten möglichen Viertelfinalgegner. Natürlich gewannen wir (wie selbstverständlich sich dieses „wir“ doch in meine Formulierungen einschleicht!) auch diese Partie und stellten dabei auch noch mit 15 Pflichtspielsiegen in Folge einen Weltrekord auf. Während selbst Spanien sich gegen Italien mit einem Unentschieden bescheiden musste, reiht unser Team Sieg an Sieg an Sieg. Und klar sind wir jetzt auch gegen Italien Favorit.

Trotzdem: Italien ist dann doch ein etwas anderes Kaliber als unsere bisherigen Gegner – die erste Nation im diesjährigen Wettbewerb, gegen die unsere Länderspielgesamtbilanz negativ ist, und neben Brasilien das einzige Land, welches öfter als wir Weltmeister geworden ist. Nein, die Italiener sind gewiss keine „Laufkundschaft“. Das kann schiefgehen – wir dürfen zwar optimistisch, sollten uns aber unserer Sache nicht allzu sicher sein. Es scheint in diesem Turnier tatsächlich so zu sein, dass die Italiener sich der Leistung ihrer Gegner anzupassen wissen, obwohl man fairerweise zugeben muss, dass sie gegen England ein deutlich besseres Ergebnis als ein Weiterkommen erst im Elfmeterschießen verdient gehabt hätten.

Etwas anderes finde ich übrigens sehr bemerkenswert: Alle vier Halbfinalisten stammen aus nur zwei der vier Vorrundengruppen – und zwar natürlich aus denen ohne die Gastgeber! Nicht nur, dass Polen und die Ukraine trotz realistisch betrachtet für ihre Verhältnisse gar nicht wirklich so schlechten Leistungen beide schon vor den K.O.-Runden ausgeschieden sind; auch die vier Teams, welche sich in den von ihnen angeführten Gruppen qualifiziert haben, wurden von den Vertretern der beiden starken Gruppen umgehend eliminiert, und trotz der in Zahlen teilweise knappen Ergebnisse waren die Niveauunterschiede in jedem Spiel sehr deutlich wahrnehmbar. Die Verbindung eines Teilnehmerfelds mit nur 16 Mannschaften mit der Doppelausrichtung durch zwei Länder, deren Teams vermutlich aus eigener Kraft nicht einmal die Qualifikation geschafft hätten, führt eben zu solch absurden und unfairen Gruppeneinteilungen. Nun ja – in vier Jahren ist ja erst einmal Frankreich Gastgeber, das als Gruppenkopf wohl nicht völlig deplatziert ist, auch wenn die Equipe Tricolore zuletzt nicht mehr ganz auf allerhöchstem Niveau spielt, beonders da das Teilnehmerfeld auch auf 24 Teams erweitert wird (vielleicht reicht es dann auch für eine sportliche Qualifikation seitens der Polen und Ukrainer?)

Jetzt aber heißt es Daumen drücken gegen Italien, und dann geht es hoffentlich im Finale gegen Spanien! Sicher, es wäre bequem, wenn Portugal seinen Nachbarn für uns aus dem Turnier würfe, und die Portugiesen haben wir ja gerade erst besiegt – aber ganz ehrlich, von Rechts wegen muss der Weg zum Titel für Deutschland einfach über Spanien führen: Der amtierende Europameister, Weltmeister und Weltranglistenerste; das Team, welches die letzten beiden Male für uns Endstation war… ein echter Wachwechsel an der Spitze des Weltfussballs ist billiger nicht zu haben. Sind wir (jaja, wir) unterdessen wirklich besser als die Spanier? Das muss eindeutig geklärt werden, und weder Italien noch Portugal dürfen diesem Showdown in die Quere kommen!

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Published in: on Juni 25, 2012 at 2:03 am  Comments (3)  
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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. 1.

    ;)

    2.In Frankreich sind dann lustige 24 von 53 Teams der UEFA dabe, sich dafür zu qualifiziren ist anspruchsvoll. *hust*

    3.Die Spiele der N11 sind im Moment nicht so berauschend weil die anderen Mannschaften beschlossen haben sich nicht von „uns“ auskontern zu lassen. Müller und Poldi sind beide nicht so stark wenn sie keinen Raum zum reinlaufen haben. Das z.T. sehr stark über Rechts gespielt wird und dann poldi/schürrle nicht ins spiel kommen hat durchaus Systematik(der Linksaußen wrid für ein breiteres Spielfeld geopfert, die rechte Seite geziehlt überladen)

    4.Vor Italien hab ich richtig respekt, vor allem wegen dem Spiel gegen Spanien, das war Taktisch überragend und Deutschland ist nicht so schwer auszrechnen(es lag nicht ausschließlich an özil das man ihn die ersten Spiele kaum gesehn hat).

    5.Damit du dir deine Analysen nicht mehr von SPON oder Kicker holen musst, versuchs doch mal mit den richtigen experten:
    http://spielverlagerung.de/

  2. Ich finde mehr Teilnehmer, ehrlich gesagt, gut! Ich mag es, wenn sich ein Turnier langsam entwickelt. K.O.-Spiele sind vielleicht einzeln betrachtet etwas spannender, aber sie geben zu wenig Zeit, den Weg einzelner Teams zu verfolgen. Wenn es nach mir ginge, gäbe es bei Großveranstaltungen wieder eine zweite Gruppenphase – von mir aus auch eine dritte! (Eine WM mit 64 Teilnehmern – das wäre doch was!) Ich bin aber zugegebenermaßen auch ein Tabellenfan.

    Jedenfalls ist auch bei 24 europäischen Teams kein echtes Kanonenfutter zu erwarten – gut 30 Nationen besitzen genügend Qualität, um sich in einer Endrunde nicht zu blamieren, und man will ja auch, dass erst einmal Favoriten und Mitläufer aufeinander treffen, so dass wirkliche Überraschungen möglich sind, und dass die größten Favoriten, falls sie den Erwartungen gerecht werden und ihre Vorrundengruppen gewinnen, frühestens im Viertelfinale gegeneinander spielen. In den nächsten vier Jahren werden auch noch mehr der jüngeren UEFA-Mitglieder in Ost- und Südosteuropa leistungsmäßig aufschließen, so dass die Aufstockung absolut gerechtfertigt ist – ich würde mal schätzen, dass dann ungefähr 40 europäische Mannschaften ein Leistungsniveau besitzen, mit dem sie sich zum Beispiel in Asien gut für die WM qualifizieren könnten.

    Übrigens habe ich bei dieser EM die allermeisten Spiele selbst gesehen und muss mich daher nicht auf die teilweise wirklich furchtbaren von Dir angesprochenen Analysen verlassen!

    Bei Schürrle störte mich weniger, dass er weniger im Spiel war (eigentlich ging das doch sogar), sondern, dass er immer wieder, und häufig ohne unter Druck zu stehen, den Ball verloren hat, sowie, dass seine Aktionen zu selten etwas erbracht haben. Müller konnte zwar auf Grund der bei dieser EM engeren Räume für die deutsche Mannschaft nicht mehr ganz so brillieren und ist auch zugegebenermaßen nicht in absoluter Höchstform, spielt aber immer noch sehr gute, präzise, überraschende und öffnende Pässe und ist an sehr vielen guten deutschen Angriffen beteiligt, wenn auch nicht mehr so oft als eine der letzten beiden Stationen. Weiterhin fällt mir bei ihm besonders auf, wie häufig er mit seinen zahlreichen Antritten Gegenspieler mitzieht und so Räume für andere Anspielstationen schafft (bei Reus ist mir das auch aufgefallen, und bei Schürrle ein bisschen – bei Podolski allerdings eher weniger), ohne dass er dafür jemals gewürdigt wird. Im gegensatz zu Schürrle ergeben seine Zuspiele fast immer Sinn, und er arbeitet exzellent nach hinten. Mir hat er bisher eigentlich in jedem Spiel besser gefallen als Özil, der einfach zu viele sinnlose Bälle spielt und zu viele Ballverluste hat, ohne dies wirklich mit einer größeren Anzahl genialer Aktionen auszugleichen. Poldi hingegen spielt druckvoll, aber furchtbar eindimensional.

    Wie ich schon zwitscherte: Ich würde am liebsten Reus auf links (das kann er ja) und Müller auf rechts sehen, gerne mit zahlreichen Rochaden, denn mit zwei Spielern, die gerne direkt spielen und in die Tiefe starten, lässt sich eine Abwehr gleich viel besser aushebeln – wirklich, ich möchte die beiden im Zusammenspiel sehen!

    Ach ja, und ich will eindeutig Gomez statt Klose. Gegen Griechenland hat man gut gesehen, dass er sich zwar brav immer wieder in das Kombinationsspiel eingebracht hat, aber dann auch jedes Mal da fehlte, wo er eigentlich gebraucht wurde, nämlich im Sturmzentrum. Bei drei starken offensiven Mittelfeldspielern plus einem mit nach vorne rückenden Seschser (Schweinsteiger, Khedira, Kross und selbst Gündogan können das alle) und gelegentlich nachrückenden Außenverteidigern (okay, meistens nur Lahm) brauchen wir hauptsächlich eine Anspielstation, einen Abnehmer (und Gomez ist ja auch durchaus in der Lage, noch einmal auf besser postierte Spieler abzulegen, wie er schon mehrfach bewiesen hat). Irgendwie fällt immer unter den Tisch, dass ein Gomez, der inmitten von drei Verteidigern herumsteht und aus dem Spiel gemommen scheint, ZWISCHEN DREI VERTEIDIGERN herumsteht und diese bindet – und sich trotzdem immer mal wieder für eine entscheidende Aktion löst. Ganz ehrlich, ich frage michm inwieweit Gomez sich in der Nationalmannschaft in den letzten Jahren gesteigert hat, und inwieweit nicht vielleicht der Rest des Teams gelernt hat, aus seiner Spielweise mehr Kapital zu schlagen…

  3. Zur Aufstockung: Ich bin da skeptisch, wenn das Leistungsgefälle zu hoch ist, nimmt auch die Zahl der hohen Siege und ÜberlegenesTeam-vs-MauernderUnderdog zu. Sportlich gesehen ist das weniger interessant, ich finde das eigentlich immer schön, dass bei einer EM auch in der Vorrunde schon starke Mannschaften direkt gegeneinander spielen. Wie du richtig sagst löst sich dann wenigstens das Gastgeber=Gruppenkopf-Problem etwas.

    Italien: Mir geht es ebenso, gerade die scheinbar mühelose Umstellung zwischen mehreren Systemen, immer angepasst auf den Gegner gibt mir zu denken. Wenn dann auf der anderen Seite ein simples „Wir ziehen unseren Stiefel durch“ kommt, sehe ich schonmal eine böse Überraschung auf uns zu kommen. Trotzdem muss ich sagen, dass die deutsche Mannschaft dieses mal sicher bessere Chancen hat als z.B. 2006. Daher tippe ich doch auf Deutschland.

    Aufstellung: Die Frage ist ob man mit Podolski wenigstens einen Spieler haben möchte der links auch mit links Flanken kann. mit Lahm als inversem Außenverteidiger und Schürrle musste Griechenland die Außenlinie quasi nicht verteidigen und konnte dies nutzen um in der Mitte nochmal ein paar Meter kompakter zu stehen. Gerade gegen ein taktisches Topteam wie Italien muss man es der Abwehr so schwer wie möglich machen. Ich vermute dass Gomez, Müller und Reus spielen werden. Schürrle war für mich aus den Gründen die Andi genannt hat einfach zu schwach. Spielintelligenz nicht vorhanden, vor dem 1:1 den Ball unnötig verloren, kaum Gefahr.


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