Die besten deutschen Fußballvereine, Ausgabe 2013

Seufz.

Ich wollte ja eigentlich mit diesem Eintrag warten, bis feststeht, welche Teams nächstes Jahr in der 1. und 2. Bundesliga spielen. Aber irgendwie ist das Ende der Saison heutzutage nicht mehr das, was es einmal war. Letztes Jahr gab es diese Querelen um das Relegationsspiel zwischen Hertha und Düsseldorf. Da war es wenigstens abzusehen, dass Hertha mit seinem Einspruch kein Land sehen würde. Dieses Jahr steht noch ein Schiedsspruch bezüglich der Lizenzerteilung an den MSV Duisburg aus, und ich kann als Außenstehender nicht beurteilen, wie diese Angelegenheit ausgeht – einerseits haben die Verantwortlichen des MSV offensichtlich Mist gebaut, aber andererseits erscheint das Fehlverhalten des Vereins gering und korrigierbar genug, dass es schwierig vorstellbar ist, diesen Traditionsverein deswegen in die 3. Liga (oder noch tiefer?) zu schicken. (Nachtrag: Offenbar doch nicht, also habe ich die Korrektur vorgenommen.)

Wie auch immer, länger will ich nicht mehr warten. Deswegen habe ich für mein jährliches Update der Tabelle mit den besten deutschen Fußballvereinen erst einmal angenommen, dass diejenige Mannschaft, die sich sportlich qualifiziert hat, in der 2. Liga verbleibt, und nicht der SV Sandhausen, der seine Zweitligauntauglichkeit in diesem Jahr nachdrücklich dokumentiert hat. Wenn die Sache anders ausgeht, muss ich halt nachbessern. (Hiermit geschehen.)

Wieso ist das eigentlich überhaupt wichtig, könntet Ihr Euch fragen, wenn Ihr die letzten beiden Tabellen bei mir schon gesehen habt? Es war doch keines dieser beiden Teams in dem letzten 10 Jahren der 1. Bundesliga zugehörig?

Stimmt. Allerdings bin ich zu dem Schluss gekommen, dass mein Auswahlkriterium und der Aufbau meiner Tabelle noch nicht völlig schlüssig waren. Aus der 1. Liga heraus gefallene Teams erhalten schließlich weiterhin (halbierte) Punkte für ihre Zweitligasaisons. Warum also mache ich es mir nicht einfach (und dabei ein wenig mehr Arbeit) und führe schlicht diejenigen Mannschaften auf, die in der Folgesaison in der 1. oder 2. Liga spielen werden? Der Gedanke hierbei ist, dass ein Verein, der in die Drittklassigkeit (oder noch tiefer) abrutscht, in einer Aufführung der besten deutschen Vereine nichts zu suchen hat, während ein konstant der 2. Liga zugehöriger Klub durchaus eine gewisse Bedeutung besitzt. Steigt ein solcher Verein (wie zuletzt Augsburg oder Fürth) dann auf, erhält er ja auch „wie aus dem Nichts“ seine Zweitligapunkte. Dieser Bruch war mir zu grob, deswegen siedle ich ihn jetzt eine Liga tiefer an.

Meine aktualisierten Erstellungsregeln für diese Tabelle sind also folgende:

1. Es werden genau die Mannschaften berücksichtigt, welche im nächsten Jahr in der 1. oder 2. Bundesliga spielen werden.

2. Für jedes Jahr innerhalb der letzten 10 Jahre, in dem eine dieser Mannschaften in einer dieser beiden Ligen gespielt hat, erhält sie die Punktzahl, die sie dort erreicht hat. Diese wird halbiert, falls der Verein in der 2. Liga war.

3. Weiterhin wird die Punktzahl jedes Jahres zur Gewichtung mit einem Faktor multipliziert, der davon abhängig ist, wie lange diese Saison zurückliegt. Bei der gerade beendeten Saison ist dieser Faktor 1 (der Verein erhält die volle Punktzahl, 100%); für jede frühere Saison verringert er sich um 0,1. Dadurch ist die älteste in die Berechnung eingehende Saison diejenige, die vor 10 Jahren geendet hat, gewichtet mit 10%.

(Ein Tipp, um die Punktestände einzuordnen: Ein Verein, der (hypothetisch) zehn Jahre in Folge in der 1. Bundesliga jeweils exakt 40 Punkte holt – die allgemein anerkannte Schwelle, welche den Verbleib in der Liga garantiert – erhält dadurch 220 Punkte.)

Zum Nachrechnen und Details ansehen hänge ich Euch wieder eine Xxls-Datei an. Hier seht Ihr nun die fertige Tabelle:

1. Bayern München 404,6
2. Borussia Dortmund 342,1
3. Bayer Leverkusen 318,1
4. FC Schalke 04 315,2
5. VfB Stuttgart 286,1
6. Werder Bremen 273,9
7. Hamburger SV 269,9
8. VfL Wolfsburg 255,2
9. Hannover 96 249,5
10. Borussia Mönchengladbach 226,3
11. FSV Mainz 05 226,1
12. Eintracht Frankfurt 219,9
13. Hertha BSC 219,6
14. 1. FC Nürnberg 217,65
15. SC Freiburg 208,65
16. 1. FC Köln 181,5
17. 1899 Hoffenheim 179,7
18. 1. FC Kaiserslautern 167,8
19. VfL Bochum 161,45
20. SpVgg Greuther Fürth 148,85
21. FC Augsburg 146,8
22. Energie Cottbus 145,9
23. Karlsruher SC 140
(MSV Duisburg 137,05)
24. TSV 1860 München 133,7
25. FC St. Pauli 119,9
26. SC Paderborn 07 104,95
27. Fortuna Düsseldorf 99,75
28. Arminia Bielefeld 96,45
29. Erzgebirge Aue 88,35
30. FSV Frankfurt 82,65
31. 1. FC Union Berlin 79,95
32. Eintracht Braunschweig 64,8
33. FC Ingolstadt 04 61,75
34. Dynamo Dresden 49,8
35. VfR Aalen 23
36. SV Sandhausen 13

Was hat sich in diesem Jahr also getan? Nun, der FC Bayern hat seinen auch vorher schon gewaltigen Vorsprung auf Dortmund noch einmal ausgebaut – wen wundert es nach dieser Saison! – obwohl auch der BVB ein ordentliches Stück zugelegt hat. Leverkusen und Schalke haben getauscht, so dass die obersten vier Vereine der jüngsten Bundesligatabelle auch bei mir in dieser Reihenfolge die ersten vier Plätze belegen (normalerweise ist das keineswegs so). Dies spricht für eine gewisse Stabilisierung der Verhältnisse. Die ehemaligen Größen Stuttgart, Bremen und der HSV bleiben auf den Folgeplätzen, jedoch allesamt mit Punkteeinbußen. Ein Wiedererstarken ist nicht zu verzeichnen; stattdessen profitieren sie lediglich davon, dass es zuletzt im Jahreswechsel immer wieder andere Vereine waren, welche sie hinter sich gelassen hatten. Darunter haben die Teams auf den Plätzen 7-10 – Wolfsburg, Hannover & Gladbach – gewiss das größte Potenzial, scheitern aber daran, es konstant abzurufen. Bemerkenswert ist auch, dass jeder dieser Vereine sich noch innerhalb der letzten 4 Jahre in akuter Abstiegsgefahr befunden hat.

Hinter diesen Top 10 befinden sich dann zahlreiche Vereine, die entweder zuletzt mit unerwartet guten Spielzeiten überrascht haben (Mainz, Nürnberg, Freiburg), oder die mehr oder weniger unerwartet den Gang in die 2. Liga antreten mussten oder gerade noch vermieden haben (Frankfurt, Hertha, Köln, Hoffenheim, Kaiserslautern). Frankfurt hat den Betriebsunfall Abstieg mit einer hervorragenden Saison vergessen lassen, Hertha hat ihn nun bereits zum zweiten Mal in 3 Jahren korrigiert, und Hoffenheim hat wie kürzlich Nürnberg oder Gladbach den Kopf gerade noch aus der Schlinge gezogen, während Köln und Kaiserslautern am Überraschungsaufsteiger dieses Jahres (zuletzt scheint es immer einen zu geben) Eintracht Braunschweig, aber letztlich auch an sich selbst gescheitert sind.

Dahinter zehrt Bochum immer noch von seiner langjährigen Bundesligazugehörigkeit, ist aber unterdessen auch in meiner Zehnjahrestabelle aus den obersten 18 Plätzen herausgerutscht, in Richtung all der anderen Ehemaligen (Cottbus, Duisburg, St. Pauli…) bei denen man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass sie ihre Zweitklassigkeit nicht zu akzeptieren imstande sind und sich immer noch als Erstligisten in einer kleinen Krise betrachten. Unmittelbar hinter Bochum (noch), aber vor den anderen Traditionsgraumäusen findet sich einerseits Fürth, welches sich zwar in der 1. Liga als Eintagsfliege erwiesen hat, aber in der 2. Liga konstant gute Leistungen gezeigt hat, und andererseits Augsburg, dass nun bereits im zweiten Jahr in Folge nach einer katastrophalen Hinrunde noch einmal die Kurve zum Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse gekriegt hat. Ich sehe Augsburg aber auch im nächsten Jahr wieder als einen der heißesten Anwärter auf den Abstieg – das allgemeine Schwächeln der Liga hinter den Topvereinen wird kein Dauerzustand werden.

München 60 und St. Pauli kann man eigentlich auch der Bochumer/Duisburger Fraktion zuschlagen – noch mehr Möchtegern-/Ehemalige Bundesligisten, die dem sportlichen oder Zwangsabstieg letztlich näher sind als dem Aufstieg. Karlsruhe und Bielefeld, traditionell auch Mitglieder in diesem Zirkel, haben nach der einen oder anderen Ehrenrunde in der 3. Liga jetzt hoffentlich ein sachlicheres Selbstverständnis. Die Überraschungsaufsteiger von letztem Jahr (Düsseldorf) und diesem Jahr (Braunschweig) stehen in dieser Tabelle ziemlich weit unten, da sie beide relativ rasch den Weg aus der 3. in die 1. Liga gefunden haben. So sehr ich Braunschweig aus nostalgischen Gründen auch mag: Es steht zu erwarten, dass sie im nächsten Jahr die Erfahrung von Fürth und Düsseldorf machen werden.

Paderborn, Aue, der FSV, Union, Ingolstadt und Aalen sind die einzigen Vereine in der Tabelle ohne Erstligavergangenheit, und von ihnen ist auch keiner in den letzten 10 Jahren konstant der 2. Liga zugehörig gewesen (Paderborn ist mit 7 Jahren bei einjähriger Pause am nächsten dran). Dresden war zwar einst Erstligist, aber das ist nicht nur eine Ewigkeit her; der Verein ist auch erst kürzlich aus der 3. Liga zurückgekommen und nur ganz knapp daran vorbeigeschrammt, wieder dorthin zurückgestuft zu werden.

In der nächsten Saison wird es besonders interessant sein zu sehen, ob die großen Traditionsvereine Stuttgart, Bremen & HSV sich wieder berappeln; ob es Mainz endgültig gelingt, sich oberhalb des Bereichs der ewigen Zitterkandidaten und Fahrstuhlmannschaften zu etablieren; ob der Hauptstadtverein Hertha sich erneut im Oberhaus blamiert; und natürlich, ob Köln und Kaiserslautern ihren zweiten Anlauf zum Wiederaufstieg nutzen können, oder ob sich bei ihnen abzuzeichnen beginnt, dass sie den Bochumer Weg gehen.

Advertisements

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Zu diesem Jahr muss man sagen, das es recht eintönig im „Niemansland der Tabelle“ war, weil die „traditionell“ guten Mannschaften under- und die etwas schlechteren overperfomt haben. Daraus folgte das da viele mannschaften eng beieinander waren.

    Braunschweig hat das Potential gut in der BL zu landen, in der Rückrunde gabs verletzungsbedingte Probleme bei den Kreativspielern worunter das Offensivspiel litt. Die gute Pressingbasis sollte auch in der BL funktionieren. Fürth und D.Dorf haben sich aufs tiefe Spiel beschränkt, nur das D.Dorf dabei in der Hinrunde recht glücklich war und Fürth halt nicht.
    Da sehe ich bei Hertha mehr Gefahr die viel auf die Einzelaktionen gebaut haben und deren relative stärke ist in der 1. Liga natürlich geringer ist.

    Wenn Augsburg so weiterspielt, wie in der Rückrunde sind sie ein klarer Kandidat fü die obere Tabellenhälfte, im Gegensatz zu Frankfurt, die ich etwas schwächer einschätze.

  2. Vielen Dank für die Tabelle. Ich habe mir das Spreadsheet mal angesehen und bin mir recht sicher ein deutlich besseres Template entwickeln zu können, welches das komplette kopieren von alten Daten unnötig macht. Falls Interesse besteht würde ich mich an die Arbeit machen.

    • Äh? Ich benutze gar kein „Template“… Aber wenn Du Dir Arbeit machen möchtest, um sie mir zu erleichtern: Gerne!

  3. Ich weiß nicht – ich denke, für Fußballdeutschland außerhalb von Sandhausen war das heute ein schwarzer Tag…


Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s