Nicht der FC Bayern schwächt gezielt die Konkurrenz – es ist umgekehrt!

Es ist natürlich menschlich, dass jemandem, der Erfolg hat, immer Neid und Hass entgegen schlägt. Ab und zu sollte man aber auch einmal Dinge richtig stellen:

Was den Bayern übel genommen wird ist nicht, dass sie etwas anderes tun als ihre Konkurrenz, sondern dass sie es BESSER machen. Jeder Verein kauft nach seinen Möglichkeiten Spieler von Rivalen ein – der Transfer von Reus zu Dortmund ist da nur ein einzelnes Beispiel. Irgendwo habe ich einmal eine sehr schöne Transferkette gelesen, die – wenn ich mich recht erinnere – von St. Pauli über den SC Freiburg und Mönchengladbach nach Dortmund und schließlich zu den Bayern führte. Jeweils der finanzkräftigere Verein wilderte bei dem finanzschwächeren, und dieses Schema setzt sich mit Sicherheit auch noch mehrere Ligen weiter nach unten fort. Das ist die Realität des Profifußballs – mehr noch: Das IST schlicht professioneller Fußball. Wenn Fußball ein Beruf ist, dann verhalten sich Vereine wie Arbeitgeber und Spieler wie Arbeitnehmer. So einfach ist das.

Die Bayern allerdings befinden sich in Deutschland an der Spitze der Nahrungskette (und sind auch weltweit nicht mehr weit davon entfernt) und stehen deswegen immer wieder mit ihren Aktivitäten im Fokus. Objektiv gesehen gibt es jedoch an ihrer Stellung nichts, aber auch gar nichts zu kritisieren! Die Bayern arbeiten allzeit wirtschaftlich grundsolide (ganz im Gegensatz zum Beispiel zum aktuellen Sympathieträger Nummer eins Dortmund vor nur wenigen Jahren noch), fördern Jugend- und Breitensport (auch im Frauenbereich und in anderen Sportarten), unterstützen andere Klubs in Not und machen Benefiz. Natürlich muss man sie dafür nicht heiligsprechen, aber zu schimpfen gibt es bei ihnen eher weniger als bei anderen Klubs. Sie sind eben erfolgreich bei dem was sie tun, und was alle anderen ebenfalls tun oder versuchen. Das ist alles.

Es ist auch albern, Spielern wie Götze oder Lewandowski vorzuwerfen, dass sie zu den Bayern wollen. Selbst WENN es nur das Geld wäre – wie heuchlerisch ist es denn bitteschön, Arbeitnehmern vorzuwerfen, dass sie sich die bestbezahlte Anstellung suchen? Und was kann man daran kritisieren, wenn ein Spieler einfach nur Abwechslung sucht, oder eine neue Herausforderung? Ein Wechsel von Dortmund zu Bayern bedeutet übrigens nicht nur eine höhere Chance, Titel zu gewinnen, sondern auch eine stärkere Konkurrenzsituation: Götze und Lewandowski haben beide bei Dortmund einen Stammplatz sicher. Bei Bayern wird / würde das absolut nicht so sein. Ist diese sportliche Herausforderung allein nicht bereits ein absolut ausreichender und akzeptabler Wechselgrund? Schließlich kommt noch dazu, dass das Umfeld bei den Bayern – insbesondere die medizinische Abteilung – topprofessionell ist. Auch das ist ein völlig akzeptabler Grund. Weiterhin sind die Bayern dafür bekannt, Spieler in privaten Krisen zu unterstützen und auch über ihr Karriereende als Spieler hinaus an den Verein zu binden. Sie sind schlicht und einfach ein erstklassiger Arbeitgeber! Und doch müssen Spieler sich effektiv immer entschuldigen, wenn sie zum großen Feindbild Bayern wechseln oder wechseln wollen. Götze musste zum Beispiel herausstellen, dass er in Bayern geboren wurde und in FCB-Bettwäsche geschlafen habe…

Viel schwerwiegender sind allerdings die Vorwürfe an die Bayern, dass sie die Konkurrenz gezielt schwächen, indem sie ihnen Spieler wegschnappen, die dann bei ihnen gar nicht spielen! Aber auch das ist bei genauem Hinsehen Unsinn. Zunächst einmal: Wo sonst sollen die Bayern denn potenzielle neue Spieler finden, wenn nicht bei ihren stärksten Konkurrenten? Auch der SC Freiburg holt sich seine Neuzugänge nicht aus der Regionalliga. Als stärkster deutscher Verein sind die Bayern logischerweise nur an den besten Spielern interessiert, und die spielen tendenziell logischerweise häufig bei ihren stärksten Konkurrenten.

Es ist ja auch keineswegs so, dass die Bayern sich nicht auch außerhalb der Liga umsähen – Martinez, Robben, Ribery und Shaqiri sind nur einige Beispiele dafür. Auch aus der eigenen Jugend haben sie zahlreiche Spieler (Lahm, Schweinsteiger, Badstuber, Müller…) im Kader. Und bevor jetzt jemand darauf hinweist, dass auch die Bayern-Jugendmannschaften Spieler anwerben: Ja, das tun sie – wiederum ebenso wie alle anderen Vereine! Junge Spieler lassen sich auch lieber beim VfB Stuttgart ausbilden als bei der TuS Diddelshausen, und am allerliebsten logischerweise beim FC Bayern. Auch hier ergibt sich die Struktur zwingend aus den Gegebenheiten der Jugendförderung (die zu Recht für den jüngsten Aufschwung des deutschen Fußballs verantwortlich gemacht wird), und in dieser Struktur sitzen eben wiederum die Bayern an der Stelle, an der alle anderen Vereine auch gerne säßen.

Holen die Bayern nun aber Spieler, die sie gar nicht brauchen, nur um sie der Konkurrenz wegzunehmen? Diese ganze Idee erscheint mir im Kontext einer Kosten-/Nutzenrechnung bereits widersinnig. Vor allem jedoch gibt es objektiv überhaupt keine Anzeichen dafür, dass dies so ist! Haben die Bayern Spieler im Kader, die wenige Einsätze bekommen? Ja, natürlich, das haben sie. So wie andere Vereine auch. Gibt es teure Neuzugänge, denen es dann nicht gelingt sich durchzusetzen? Ja, die gibt es (im letzten Jahr übrigens nicht, aber generell gewiss) – ebenso wie bei anderen Vereinen auch. Bei anderen Vereinen allerdings schwingt in der Berichterstattung tendenziell eher Mitleid mit, wenn sich eine teure Investition als Fehleinkauf erweist – nur den Bayern wird eine böswillige Absicht unterstellt! Jeder Verein muss sich kontinuierlich bemühen, seinen Kader zu verstärken. Dabei wird bewusst auch in Spieler investiert, die nur eine Chance erhalten sich durchzusetzen, bei denen man aber nicht fest damit rechnet; und dabei wird auch in die Breite des Kaders investiert. Das machen die Bayern; das machen alle anderen.

Eine Sache gibt es allerdings, die machen nicht die Bayern, die macht nur ihre Konkurrenz, und sie stellt tatsächlich eine gezielte Schwächung dar: Das ist das Veto gegen einen Wechsel zum FC Bayern. Erinnert sich noch jemand daran, wie Bayern vor zwei Jahren gerne Arturo Vidal gehabt hätte, und Leverkusen stellte sich quer? Vidal dürfe ja gerne gehen – aber eben nicht zu den Bayern. Gewechselt ist er dann zu Juventus Turin.

Und aktuell ist da der Fall Robert Lewandowski. Der darf durchaus auch gehen, wenn Dortmund ein hinreichend gutes Angebot vorgelegt wird – aber eben nicht zu den Bayern. Ist das ein faires Wettbewerbsverhalten, gerade auch dem Spieler gegenüber? Hier geht es wirklich nur GEGEN die Bayern.

Dass Lewandowski noch ein Jahr Vertrag hat (ebenso wie Vidal damals) ist natürlich richtig, aber die Realität im Profifußball ist doch, dass ein Verein mit einem Spieler entweder ein Jahr vor Ablauf von dessen aktuellem Vertrag verlängert, oder ihn rasch noch verkauft. Dass abwanderungswillige Spieler noch für ein letztes Jahr bei ihrem Klub bleiben, ist eindeutig die Ausnahme, nicht die Regel. Da ist es heuchlerisch, wenn ein Verein mit erhobenem moralischen Zeigefinger auf die Einhaltung des Vertrags pocht – es ist ja auch keineswegs andersherum so, dass Spieler, für die ein Klub keine Perspektive mehr sieht, von diesem fair behandelt würden: Das sieht man aktuell gerade an den Hamburgern Profis Berg, Tesche und Kacar, die vom Mannschaftstraining ausgeschlossen wurden, damit sie sich vor Ablauf ihres Vertrages nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. (In einem anderen Berufsumfeld würde man das als Schikane oder Mobbing bezeichnen…)

Letztlich ist es also so, dass Dortmund heute, so wie Leverkusen vor zwei Jahren, einem seiner Spieler gezielt den Wechsel zum Konkurrenten FC Bayern verbietet. DAS ist unfair; DAS ist die gezielte Schwächung eines Konkurrenten im Gegensatz zu den allgemein üblichen Maßnahmen zur Stärkung der eigenen Position. Für diese geradezu eingeschnappte Sturheit jedoch gibt es Applaus und Respektbezeugungen.

Nun, die Bayern haben sich diese Unfairness und diesen Hass ihnen gegenüber mühsam erarbeitet, und sie werden auch mit dem Kindergartengehabe ihrer Konkurrenz klarkommen. Einen besonderen Anreiz, bei ihrer Transferpolitik überdurchschnittlich hohe Anstandsstandards einzuhalten, werden sie dadurch allerdings wohl auch nicht verspüren.

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8 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Sehr guter Artikel! Ich schätze, dass das Hauptproblem folgendes ist:
    Wechselt ein Spieler den Verein (im Beispiel von Dortmund zu Bayern), so wird der Klub selbst geschwächt und der andere entsprechend verstärkt. Diesen Effekt gibt es nunmal bei jedem Wechsel. Da der FC Bayern durch seinen durchschlagenden Erfolg den Eindruck erweckt, als brauche er keinen zusätzlichen Weltklassemann, drängt sich die Ansicht auf, dass sich eine Verpflichtung Lewandowskis lediglich auf den Aspekt einer Schwächung eines ernsten Konkurrenten zurückführen ließe, da eine Verstärkung hierdurch nicht unbedingt eintreten würde. Bei genauerer Betrachtung ist das natürlich Unsinn, da der FC Bayern Ersatz für Gomez und Pizarro braucht. Trotzdem war es klug von der Borussia, denn gleich zwei Topverpflichtungen um Götze und Lewandowski adäquat zu ersetzen wären wohl doch etwas viel gewesen. Aber wir werden ja sehen, wie sich das alles entwickelt.

  2. Tut mir leid Andi, aber das ist meiner Meinung nach dein bisher mit Abstand schlechtester Kommentar zu Fußball den ich gelesen habe. Allzusehr scheint deine Beziehung zum FC Bayern durch als das man die Argumente als objektiv richtig betrachten könnte, obwohl einige das natürlich sind.

    Ich gehe mal auf einige Punkte ein:
    > Transfergeschicke
    Natürlich stimmt das, die Bayern orientieren sich eben an den Topspielern, logischerweise sind das genau die Spieler, welche einen Konkurrenten erst stark werden lassen, der Eindruck, dass diese „Emporkömmlinge unten gehalten“ werden sollen ist dabei unvermeidlich. Wie du richtig anmerkst, wären die Bayern schon lange nicht mehr erfolgreich wenn dies der einzige Grund wäre, allerdings schließt du kategorisch aus, dass die gezielte Schwächung der anderen Teil der Überlegungen ist, was offensichtlich genauso falsch ist. Wie bereits empoloz schrieb, bedingt eine Stärkung des eigenen Vereins gleichzeitig eine Schwächung des abgebenden Vereins und der FC Bayern wäre nicht so erfolgreich wenn er diesen Aspekt in seinen Transfers vernachlässigen würde. Der Grund weshalb Dortmund zwei Jahre lang vor den Bayern stand war doch auch, dass die Bayern um ein Jahr verschlafen hatten was für eine starke Mannschaft sich da bildet. Hätte man früher reagiert wäre Hummels evtl. zurück gekommen, vielleicht hätte man sogar Sven Bender verpflichten können (beides Spieler an denen man vor Dante und Martinez Interesser hatte und wenn es bei Sven auch nur sein Zwillingsbruder gewesen wäre) und Dortmund wäre nie Meister geworden. Hier auch die Parallele: Zuerst hat Bayern sich nach den Wunschspielern bei den direkten Konkurrenten umgesehen. Erst als diese nicht zu bekommen waren, hat man den „Suchradius“ erweitert.
    Trotzdem um es klar zu machen, ich werfe das den Bayern auf keinen Fall vor! Das ist bestmögliche Optimierung ohne die es die Bayern überhaupt nicht so weit gebracht hätten. Aber zu behaupten es wäre kein Faktor ist schlichtweg falsch.

    > Götze und Lewandowski
    Bei Götze wurde den Bayern ja vor allem vorgeworfen, nicht mal eine popelige Nachricht ala „übrigens wir ziehen demnächst die Ausstiegsklausel bei Götze“ geschrieben zu haben. Ob das jetzt beim ziehen einer AK normalfall ist oder schlicht schlechter Stil kann ich nicht beurteilen. Angeblich hat der BVB das bei Reus ja ähnlich behandelt.
    Danach stellst du Gründe für einen Wechsel zu den Bayern vor, viele nachvollziehbar, aber bei manchen verrennst du dich auch: Die medizinische Abteilung „topprofessionell“? Sicher, aber das ist sie bei anderen auch, ob sie besser ist, können wir von außen sicher nicht beurteilen. Spieler in privaten Kreisen: Gegenbeispiele: Deichsler, Breno. Bei beiden hat man offenbar nicht bemerkt, welche immensen psychischen Probleme die beiden haben. Trotzdem: Auch hier können wir die Unterstützung die ein Spieler vom Verein und den Mitspielern erhält nicht bewerten.

    Trotzdem stimmt das hier natürlich auch:
    > Sie sind schlicht und einfach ein erstklassiger Arbeitgeber!
    Allerdings mit Betonung auf „ein“ es kann durchaus sein, dass ein anderer Verein ein „besserer“ Arbeitgeber ist. Wie gesagt aus der Ferne nicht beurteilbar.

    > Götze musste zum Beispiel herausstellen…
    Götze hatte halt vorher unter großem Trara seinen Vertrag verlängert „Echte Liebe bis 2016“ nur um dann Monate später die ausgehandelte AK zu ziehen. Schlechter Stil, sonst nichts.

    > Wechsel zu den Bayern untersagen
    Hier kippt dein Eintrag meiner Meinung nach, zuviel „Fan“ zu wenig Objektivität.
    Erstens: Die Bayern legen genauso ihr Veto gegen Wechsel zu anderen Vereinen ein, wenn sie den Wechsel nicht wollen, z.B. Ribery zu Real vor ein paar Jahren.

    Zweitens „Freigaben“: Einen Wechsel zu untersagen und keine Freigabe zu erteilen ist das gute und grundsätzliche Vorrecht jedes Vereins, sonst bräuchte man ja keine Verträge schließen. Umgekehrt darf ein Spieler ebenfalls bis zum letzten Tag des Vertrags auf seinem Gehalt bestehen, selbst wenn er nur murks kickt und halbmotiviert mittrainiert.

    Drittens „letztes Vertragsjahr“: Bloß weil es „üblich“ ist, dass Spieler ein Jahr vor ihrem Vertragsende entweder verlängern oder wechseln ist das noch lange nicht die „richtige“ Vorgehensweise. Die übliche Vorgehensweise ergibt sich ausschließlich aus einer Betrachtung des Vereins, welche Vorgehensweise am besten ist. Das ist meistens der Verkauf, aber eben nicht zwingend. Hier kann ich also deine Argumentation mal überhaupt nicht nachvollziehen. Hinter einer nicht gegebene Freigabe können außerdem auch andere Gedankengänge stehen als „gegen Bayern“ zu sein. Gerade Lewandowski verdient vergleichsweise wenig. Ohne Freigabe wird die Aussicht beim BVB zu verlängern attraktiver, oder die Bayern suchen sich nach einem anderen Spieler um und Lewandowski bleibt doch. Die Bayern wollten auch Lars Bender, dadurch dass er keine Freigabe bekam wurde statt dessen Martinez verpflichtet und Bender wird auf Jahre nicht mehr von den Bayern umworben. Letztendlich ist es für Dortmund eben attraktiver Lewandowski ein Jahr zu behalten (nochmal: einen der besten Stürmer der Welt für ein lächerlich geringes Gehalt) als ihn für 25(?) Millionen an die Bayern zu verkaufen.

    Viertens „Gegner schwächen“: Hier greifen bei dem abgebenden Verein die gleichen Überlegungen wie bei dem Käufer. Während die Bayern bei der Wahl zwischen zwei gleichguten Spielern sich lieber für den von der Bundesligakonkurrenz entscheiden und evtl. dafür etwas mehr ausgeben, entscheidet sich der abgebende Verein eben auch dafür den Spieler lieber ins Ausland zu verkaufen. Und KEIN Verein sagt „nicht zum FC Bayern“ sondern „nicht zur nationalen Konkurrenz“ (wieso das oft der FC Bayern ist hast du ja schon dargelegt). Deshalb stimmt auch die Aussage „nur gegen Bayern“ natürlich nicht. Eintracht Frankfurt hatte z.B. beim Verkauf von Andreas Möller nach Turin vertraglich ausschließen lassen, dass er innerhalb der nächsten drei Jahre zurück in die Bundesliga wechselt (ist er dann doch, anscheinend war es juristisch nicht wasserdicht, die Absicht war trotzdem die gleiche).

    Fünftens „Fair gegenüber dem Spieler“: Ist es denn „fair“ von Lewandowski der vom BVB vom Chancentod zum Topspieler entwickelt wurde den Verein vor Vertragsende verlassen zu wollen? Ist es „fair“ gewesen von Neuer bereits Jahre vor dem Vertragsende mit den Bayern über einen Wechsel einig zu sein und dann die Verhandlungsposition des Vereins bzgl. Ablöse zu minimieren in dem er sagt „nur zum FCB, nicht zu ManU“ obwohl er jahrelang von diesem Verein ausgebildet wurde? Ich glaube mit „fair“ braucht man überhaupt nicht anfangen zu diskutieren. Wie heißt es so schön: „Man bekommt nicht was man verdient, sondern was man verhandelt“

    > Spieler ausbooten (Beispiel: Hamburg)
    Spieler grundlos vom Mannschaftstraining ausschließen finde ich auch unter aller Sau. Wenn man sie bei der ersten Mannschaft nicht dabei haben will (was seine berechtigten Gründe haben kann), sollte man ihnen wenigstens die Möglichkeit geben bei der zweiten Mannschaft mitzutrainieren. Trotzdem muss man auch hier sagen: Die Spieler haben weiterhin den Anspruch auf ihr volles Gehalt und bekommen das auch bezahlt. Zudem könnten Spieler ja auch auf Teile ihres Gehalts verzichten und statt dessen eine Vertragsklausel einbauen lassen, der ihnen zusichert den Verein ohne Ablöse verlassen zu dürfen, falls sie nicht mehr Teil des ersten Teams sind. Was ich aber eher vermute ist, dass einige Spieler nicht bereit sind von ihrem üppigen Gehalt auf etwas zu verzichten und zu einem „kleineren“ Verein zu wechseln. Für die Sichtweise Fußballmillionäre als arme Opfer des Vereins hinzustellen habe ich eher weniger Verständnis.

    > Neid und Hass, Unfairness
    Neid ja den haben sich die Bayern hart erarbeitet. Aber Hass hat im Fußball nichts zu suchen und die „Fans“ welche Hass auf sowas popeliges wie einen Fußballverein empfinden kann man sowieso in jeder vernünftigen Diskussion außen vor lassen. Die hohen „Anstandsstandards bei Transfers“ gab es bei den Bayern wohl nie und wird es auch nie geben, dafür ist wahrscheinlich auch kein Platz im internationalen Profifußball (mal abgesehen davon, dass man erstmal festlegen müsste was diese Standards überhaupt sein sollen). Dann sollten die Verantwortlichen aber bitteschön auch nicht so tun als seien sie Gralhüter der fußballerischen Ethik.

    > Schlussfolgerung „Wechsel zu FC Bayern verbieten“
    Wie gesagt, die Schlussfolgerung ist für einen Bayern-Fan nachvollziehbar der sich ärgert, dass man dem anderen Kind im Sandkasten das Lieblingsspielzeug nicht abluchsen konnte, aus objektiven Gesichtspunkten jedoch haltlos. Die Schlussfolgerung ist, dass jeder Verein gezwungen ist bei auslaufenden Verträgen eine Abschätzung zu machen, welches das beste Verhalten für den eigenen Verein ist und die nationale Konkurrenzsituation dabei durchaus eine Rolle spielt. Dabei schwingt das Pendel in beide Richtungen (Transfer forcieren um die Schwächung „mitzunehmen“ und Transfer blockieren um die Stärkung abzublocken). Weder das eine noch das andere ist unfair, unethisch oder sonst irgendwas. Deine Aussage ist letztendlich nichts anderes als „wenn die Bayern einen Spieler wollen soll doch jeder bitteschön eine Freigabe erteilen, weil…“
    Übrigens stimmt es auch nicht, dass alle Vereine Beifall bekommen wenn sie versuchen einen Spieler zu halten. Manchester City wollte z.B. Boateng auch nicht abgeben, da schrieben alle Medien sinngemäß: „Mensch, die Bayern und Boateng sind sich doch einig, Manchester City soll sich mal nicht so haben!“ Und als weiteres Beispiel möchte ich an Michael Ballack und dessen Wechsel von den Bayern weg erinnern (der letzte Wechsel eines Spielers der von den Bayern weg wollte, obwohl die Bayern ihn halten wollten). Offenbar hat Ballack auch keine Freigabe bekommen und ist nach Ablauf seines Vertrags gewechselt und wie Ballack dann jahrelang von Uli Hoeneß niedergemacht wurde, was für einen schlechten Charakter er doch hätte.

  3. Das ist ja eine lange Antwort! Ich will versuchen, meine Erwiderung darauf wiederum nicht ganz so lang werden zu lassen (Nachtrag: daran bin ich gescheitert):

    Transferpolitik – Du interpretierst hier wieder eine gezielte Schwächung hinein, ohne die Kriterien, nach denen Wunschspieler ausgesucht wurden, zu kennen. Wenn der FCB Hummels und einen Bender haben wollte, und diese in der Prioritätenliste vor Dante & Martinez standen (was ich nicht beurteilen kann – Dante zum Beispiel war zu diesem Zeitpunkt doch einfach noch nicht so weit wie ein Jahr später, oder?), dann kann dies doch schlicht und einfach daran liegen, dass es sich um jüngere und deutsche Sieler ahndelt – wieso Ersteres im Zwefelsfall ein Plus ist, sollte offensichtlich sein, und deutsche Spieler sind (abgesehen von eventuellen sprachlichen und Eingewöhnungsfragen) allein deswegen schon von Vorteil, weil sie sich zusammen mit den Bayern-Nationalspielern auch beim DFB weiter einspielen können. Martinez schließlich war ein absoluter finanzieller Kraftakt, und die Bereitschaft der Bayern, diesen zu wagen, was vermutlich auch nicht schon die Jahre zuvor gegeben (abgesehen davon, dass eine Zeitlang van Gaal ausdrücklich den kleinen Kader mit Stammplatzgarantien propagiert und sich entsprechend gegen eine offensive Transferpolitik gestemmt hat). Such zuerst in der Bundesliga umzusehen, bevor man ins Ausland schaut, dafür gibt es tausend gute Gründe; da muss man keine gezielte Schwächung eines Konkurrenten vermuten. Und gerade Götze und Lewandowski sind nach den Kriterien Qualität und Spielstil doch weltweit nahezu alternativlos – okay, statt Götze käme wohl Messi in Frage (haha)…

    Gerade die Fälle Deisler & Breno sind Beispiele dafür, dass der FCB seine Spieler eben NICHT einfach fallen lässt (und Breitner und Gerd Müller sind Beispiele dafür, wie ehemalige Größen, deren Leben später nicht den optimalen Verlauf nahm, aufgefangen wurden). Wie auch immer, ich habe ja nirgends behauptet, die bayern seien der bestmögliche Arbeitgeber (was ich sicherlich nicht beurteilen kann), lediglich ein erstklassiger. Diese Beurteilung nehmen aber eben die Spieler vor.

    Inwieweit Götze die Vertragsverlängerung unter das Motto „echte Liebe“ gestellt hat, und inwieweit dies der Verein und die Presse gemacht haben, ist noch die Frage. In jedem Fall hatte sein Vertrag ein klippklare Ausstiegsklausel! Da kann man also nicht behaupten, er hätte den Verein irgendwie hintergangen; die Möglichkeit eines Wechsels stand darin schwarz auf weiß zu lesen. Dortmund wollte eben lieber einen Götze mit Ausstiegsklausel als keinen Götze (oder möglicherweise lieber als einen teureren Götze?), und den haben sie bekommen.

    Den angedachten Wechsel von Ribery zu Real kann man nicht vergleichen, denke ich, denn Ribery WOLLTE ja gar nicht wirklich von Bayern weg! Er hat immer wieder betont, wie wohl er sich dort fühlt, und dass er sich vorstellen kann, dort seine Karriere zu beenden (was seine Vertragsabschlüsse ja auch bezeugen), und auch er ist einer der Spieler, zu dem der FCB in einer privaten Krise gestanden hat, obwohl diese sich auch auf seine sportlichen Lesitungen ausgewirkt hat. Dieses „Machtwort“ war also eher als eine Ansage an Real zu verstehen: „Wir brauchen kein Geld.“ Götze, Lewandowski oder Vidal damals WOLLTEN weg. Lewandowski hat schon lange unmissverständlich gesagt,d ass dies sein letztes Jahr bei Dortmund sein werde – da gibt es also keine realistische Hoffnung, ihn doch noch länger zu binden. Klar, wenn das GINGE, wäre die Situation eine andere, aber Lewa will und wird den BVB spätestens nächstes Jahr verlassen, undd das weiß der Verein auch.

    Oh, und wenn Lewandowski „für ein lächerlich geringes Gehalt“ bei Dortmund spielt, dann wirft das auch kein gutes Licht auf den Verein – wenn man seine Spieler nämlich fair behandelt und ihnen ein attraktiver Arbeitgeber sein will, dann KANN man ihre Verträge leistungsbezogen auch schon früher aufstocken/verlängern, weißt Du? (So wie es bayern zum Beispiel bei Thomas Müller gemacht hat, noch lange vor Ablauf von dessen aktuellem Vertrag). Wer seine Spieler binden will, der vermeidet solche Situationen, in denen man sie so lange wie möglich unter Wert bezahlt – und wer solche Bezahlsituationen einkalkuliert (wie es nach Deiner Aussage bei lewa der Fall ist), der zwingt seine Spieler doch gerade dazu, Ausstiegsklauseln einzufordern! Wenn Dortmund in Zukunft versuchen will, Spieler sowohl unterzubezahlen, als auch, ihnen Ausstiegsklauseln zu verweigern – viel Glück bei der Suche nach Profis auf europäischem Topniveau!

    Dass es üblich ist, Spieler ein Jahr vor Vertragsende abzugeben oder mt ihnen zu verlängern ist ja keine sinnentleerte Tradition, sondern hat gute Gründe – Vereine wollen ihren Kader längerfristig planen, und Spieler ihre Zukunft. Weiterhin gibt es das Risiko, dass ein Spieler zumindest unterbewusst schlechtere Leistungen abruft, wenn er eigentlich woanders sein will, und ebenso, dass das Team ihn nicht mehr 100%ig akzeptiert. Ganz besonders gilt das dann, wenn ein Verein ihn aus reinen Kosten-/Nutzenerwägungen noch ein Jahr unter Marktwert bezahlt, wie Du es dem BVB im Fall Lewandowski unterstellst. Ein gegen seinen Willen ein letztes Jahr im Verein gehaltener Spieler ist die Entsprechung einer „lame duck“. Auch ist es ja nun wirklich kein Geheimnis, dass längere Spielerverträge sich in Reaktion auf das Bosman-Urteil entwickelt haben, um Vereinen so doch noch die Möglichkeit einer Ablösesumme zu geben. Ich behaupte ja nicht, dass ein verein nicht im Recht ist, der auf Vertragserfüllung pocht; ich halte lediglich fest,
    dass ein Spieler die aus guten Gründen übliche Vorgehensweise erwarten und seine Schlüsse daraus ziehen darf, wenn von ihr abgewichen wird. Ich will auch die HSV-Profis nicht als „arme Opfer“ hinstellen; ich wollte lediglich veranschaulichen, wie wenig die Dauer eines Vertragsabschlusses auch von Vereinsseite eine verbindliche Absichtserklärung der Dauer der Zusammenarbeit bedeutet.

    Dass die deutsche Presse den Wechsel eines deutschen Spielers zu einem deutschen Verein von einem englischen anders bewertet als einen ligainternen Wechsel – klar, die schreiben halt, was die Leute lesen wollen.

    Den Fall Ballack habe ich nicht mehr so gut in Erinnerung. Wenn ich aber Wikipedia trauen darf (…ja, ich weiß…), dann lief die Sache ein wenig anders: ERST hat Ballack – bei nicht immer überzeugenden Leistungen – mit einem Wechsel kokettiert, OHNE KONKRET MIT EINEM ANDEREN VEREIN EINIG GEWESEN ZU SEIN. DANN hat er ein Angebot von den Bayern erhalten, hat dieses nicht angenommen, sich weiter umgesehen und sich DANN für Chelsea entscheiden. Das ist ja wohl etwas ganz anderes! Hier hat 1. Bayern ein Jahr vor Vertragsende einen neuen Vertrag vorgelegt. 2. Hat Ballack nichts Definitives gesagt, weder hü noch hott – er hat verhandelt. 3. Gab es KEINEN Verein, der ein Jahr vor Vertragsende gesagt hat „wir sind und mit dem Spieler einig; hier ist eine angemessene Ablösesumme“!

    Das ist nicht der Fall, dass ein Spieler konkret weg will und könnte, und der Verein es ihm verwehrt; es ist der Fall eines Spielers, der alle Register zieht, um im Poker mit einer Vielzahl von Interessenten das bestmögliche Angebot zu erhalten. Klar, das ist sein gutes Recht, aber hier liegt eben NICHT die gezielte Verweigerung von Seiten der Bayern vor. Was Kommentare bezüglich Ballacks Charakter angeht – die kann ich nicht beurteilen. Dass Hoeness selbst nicht gerade ein leuchtendes menschliches Vorbild ist, ist ja offenbar. Andererseits wurde er in Vertragsverhandlungen eigentlich immer eher als fair und offen beschreiben. Und Ballacks öffentliches Auftreten, auch gerade bei seinem Abschied vom DFB… nun ja, schließt zumindest nicht aus, dass er tatsächlich erhebliche Charaktermängel hat. Der entscheidende Punkt ist aber, dass dies kein Fall einer verweigerten Freigabe von Vereinsseite ist.

    Ich bin übrigens gleichmäßig Bayern- und Dortmund-Anhänger – stell Dir mal vor! Eine rosarote (rot-weiße) Bayernbrille musst Du mir hier also nicht unterstellen. Ich spreche hier nur das Phänomen an, dass ein Verein, der weiß, dass ein Spieler ihn in spätestens einem Jahr sicher verlassen wird, diesem gezielt den Wechsel zu einem bestimmten Konkurrenten verbietet (was nicht das Gleiche ist, wie um die Weiterbeschäftigung eines Spielers zu verhandeln – Lars Bender hat gewiss nie gesagt, dass er von Leverkusen WEG will; er hätte sich nur gefreut, wenn es mit Bayern geklappt hätte). Das machen halt andere Vereine (Dortmund, Leverkusen – Deine Beispiel mit Frankfurt und Möller ist ja Asbach uralt, das war ja noch vor Bosman!); das machen die Bayern (bislang) nicht. Vielleicht liegt das schlicht daran, dass sie nicht in diese Situation kommen, weil ein Spieler, den sie wirklich halten wollen, eh nur zu einem internationalen Spitzenverein wechseln würde. Vielleicht legen sie aber auch einfach keinen Wert auf Spieler, die in Gedanken nicht bei Bayern sind (deswegen ja die Kritik an Ballack, der immer nur jein gesagt hat) – ich gluabe mich zu erinnern, dass Hoeness in mindestens einem fall, als ein Spieler wechseln wollte, gesagt hat, wenn das so sei, dann müsse man eben eine Lösung finden; es habe keinen Sinn, einen Spieler gegens einen Willen zu beschäftigen. Wie auch immer: Die einzige erkennbare Asymmetrie im Transferverhalten von Bundesligamannschaften spricht im Zweifel FÜR die Bayern, und das ist (im Wortsinn) bemerkenswert!

  4. Hi Andi,

    danke für die ausführliche Antwort. Vielleicht bekomme ich es ja kürzer hin. Einschub: Eher nicht, ich habe einige Sachen rausgekürzt, falls du dich wunderst weshalb ich auf Teile deines Kommentars nicht antworte. Nur ein Hinweis: Ich bin Schalke-Anhänger und kein BVB-Fan. Außerdem denke ich auch nicht, dass der BVB im Fall Lewandowski richtig handelt.

    > Transferpolitik
    Du sprichst von einer Interpretation meinerseits. Alles was ich sagte war, dass Schwächung eines nationalen Konkurrenten ein Faktor ist, den man betrachtet wenn man potenzielle Neuzugänge scoutet. Wie du bereits schreibst sind neben den grundsätzlichen Fähigkeiten des Spielers auch Alter, Nationalität, und vieles weitere entscheidend. Wieso sollte gerade der Faktor, dass der Spieler einer Mannschaft angehört die den Bayern jedes Jahr zwei von drei Titeln streitig machen kann kein Faktor sein? Das erscheint mir einfach unlogisch diesen Faktor explizit aus der Gesamtbetrachtung herauszunehmen.

    > Götze VVL
    Ich habe auch nichts dergleichen behauptet oder Bayern in der Situation etwas ankreiden wollen. Es ging hier ja um „Stil“. Meiner Meinung nach hat Götze eben seinen Plan aufgestellt und umgesetzt. Mich würde auch nicht wundern, wenn er vor der Verlängerung schon mit den Bayern verhandelt hätte um zu sehen welche AK problemlos vom FCB gezogen wird um seinen Wechsel sicherzustellen. Aber das ist Spekulation.

    > Ribery zu Real
    Nanana, öffentliche Liebesbekundungen von Spielern zu einem Verein: Oben haben wir Götze, ich kenne als Schalkefan noch Neuer und viele weitere kämen nach kurzer Recherche ebenfalls zu Tage. Darauf sollte man keinen Pfifferling geben (und ich denke das weißt du auch). Ich glaube nicht, dass Real Madrid so ganz ohne mit dem Spieler geredet zu haben eine Anfrage stellt. So läuft das auch heutzutage nicht mehr. Unser Beispiel Lewandowski haben wir ja grade auf dem Tisch: Der BVB hat vom FCB noch nichtmal eine offizielle Anfrage bekommen (und inoffiziell mögen die ja sowieso nicht mehr miteinander reden, wg. Götze).

    > Lewandowski-Gehalt
    Da stimme ich dir 100%ig zu. Die Dortmund-Oberen haben sich halt öffentlich als „Wir-haben-niedrige-Kaderkosten-und-wirtschaften-besser-als-Bayern“-Macher geriert und dementsprechend auch ihr Gehaltsgefüge sehr lange tief gehalten. Die langfristigen Verträge von vor oder während der ersten Meisterschaft haben ihnen dabei enorm geholfen. Ich vermute, dass man Lewandowski einfach nicht früh genug ein besseres Angebot gemacht hat und nun ist er eben in Gedanken schon in München.
    Die Möglichkeit Verträge frühzeitig zu verlängern hat man bei „meinem Verein“ zum Glück auch mittlerweile erkannt, daher ist mir das kein Fremdwort. Aber ich vermute du gingst bei deiner Stichelei von einer Dortmunder Seele aus :)
    Und natürlich hast du Recht, die Lewandowski-Situation ist von Dortmund so eingeplant, wie auch die Vertragssituation vieler anderer Spieler die woanders das Doppelte verdienen könnten und durch „weiche Faktoren“ gehalten werden sollen. Aber gerade hier ist der BVB wieder in der Zwickmühle: Mache ich mein Geldsäckel auf und bezahle „nach Markt“ oder versuche ich mit den gedrückten Gehältern weiterhin junge unbekannte Spieler zu Topstars zu machen (was zwei Jahre lang unglaublich gut funktionierte). Das ist auch Dortmunds Problem: Einen Dzeko könnten sie locker zu Dortmund locken und hätten dann wohl keinen Qualitätsverlust. Nur müssten sie das 4fache an Gehalt zahlen und der restliche Kader will dann natürlich nachziehen. Wie der BVB die Transferperiode gestaltet finde ich daher höchst spannend.

    > Ein Jahr vor Vertragsende
    Kurz: Ich stimme dir zu. ICH würde Lewa auch nicht halten wollen. Aber man muss den BVB-Oberen doch zumindest zugestehen, dass sie die Situation ebenfalls analysiert haben und entschieden haben dass für den BVB ein Wechsel zu den Bayern eben schlechter für den Verein ist (vor allem könnten sie deswegen theoretisch von Aktionären verklagt werden, wenn sie einen offensichtlich schlechten Deal abschließen, oder?).
    Ich denke die Abweichung bei Lewandowski kommt vor allem wegen des Götze-Transfers und hier muss ich den Bayern einen taktischen Fehler unterstellen. So fern die AK von Götze keine enge zeitliche Begrenzung vorsah, hätte man diese auch ziehen können nachdem der Lewandowski-Deal über die Bühne ging. Kann aber sein, dass der Götze-Deal tatsächlich so früh veröffentlicht wurde um die Hoeneß-Schlagzeilen wegzubekommen, das würde auch erklären, weshalb niemand vom FCB mit dem BVB gesprochen hat, weil man es ursprünglich erst nach der Saison vorhatte (natürlich Spekulation)

    > Ballack
    Mein Gedächtnis verlässt mich da auch. Aber im Prinzip ist es doch das gleiche, du begrenzt es auf „der Verein erteilt keine Freigabe“, meiner Meinung nach ist das Thema aber „vom Verein gewollter Spieler wird abgeworben/will woanders hin und setzt es durch“. Der Spieler will weg und sitzt im Endeffekt am längeren Hebel. Ich glaube aber die Abfolge wird schon etwas anders gewesen sein. Zumindest andere konkrete Angebote wird er gehabt haben bevor er das Bayernangebot ausschlägt (ansonsten müsste ich ihm Dummheit und seinen Beratern Unfähigkeit unterstellen).

    > Fanbrille
    Das mit dem Dortmund-Anhänger hätte ich nicht vermutet, aber gut ich versuche es mir vorzustellen (klappt noch nicht ganz). Trotzdem ist die Schlußfolgerung deines Artikels: Jeder Spieler der von den Bayern umworben wird und sich mit dem FCB einig ist soll eine Freigabe des Vereins bekommen!
    Das Verhalten von Leverkusen und Dortmund sehe ich als Folge vorheriger Transfers (Leverkusen: unzählige; Dortmund: Götze) an. Im Gegensatz zu dir sehe ich darin jedoch kein unethisches oder moralisch verwerfliches Verhalten. Statt dessen ist es nunmal das Geschäft und das gute Recht der Vereine auf Verträgen zu bestehen.

    > Bayern als großzügiger Spielerversteher
    Dass die Bayern einzelne Spieler aufgrund ihrer komfortablen Situation auch gehen lassen können ist klar, beim FCB geht es nie um den einen Superstar falls jemand gehen möchte. Da fallen solche Aussagen leicht. Allerdings wurde Gomez auch keine Freigabe für eine Liverpool-Leihe gewährt als er unter van Gaal nicht zum Einsatz kam. Klar, der Kader war zu klein. Aber hier sieht man ansatzweise die Situation der Vereine deren (einziger) Topspieler vom größeren Fisch geschluckt wird. Um nochmal auf Ribery zurückzukommen: Keiner von uns weiß was da wirklich an Wechselaktivitäten gelaufen ist, vielleicht ist es so wie von Ribery beschrieben und er wollte nie weg. Vielleicht ist der Wechsel aber tatsächlich nur am Veto des Bayernmanagers gescheitert. Beurteilbar ist das von außen nicht.

  5. Mal sehen, wie lang das hier jetzt wird…

    Bayern und Dortmund sind die beiden Klubs, die mir am sympathischsten sind (teils seit der Kindheit, teils auch durch fußballerische Argumente), deswegen bin ich zur Zeit mit der Entwicklung im Bereich Fußball ja auch sehr zufrieden!

    Konkurrenz schwächen als Faktor: Wenn man hierfür besonders viel Geld ausgeben muss (und die Konkurrenz dieses dementsprechend in die Hand bekommt), erscheint mir das nicht maßgeblich, gerade aus Bayernsicht – wer gerade „der“ Konkurrent war, änderte sich ja alle paar Jahre; da war es immer schon sinnvoller, die eigene Stärke auszubauen. Als Rekordmeister ist die Schwächung eines Ligarivalen im Gegensatz zum Aufbau einer Truppe auf Europaniveau doch wohl auch eher nicht die Zielsetzung, oder?

    Götze: Alle Hinweise sprechen dafür (und Klopp hat das eigentlich auch unzweifelhaft deutlich gemacht), dass diese Meldung von Real lanciert wurde, direkt vor dem Halbfinale (und es ist auch eindeutig Mourinhos Stil, wenn man ehrlich ist). Real wiederum wusste Bescheid, weil Götzes Berater ganz korrekt, sobald der Vertrag mit Bayern perfekt war, diesen Mitbewerber informiert hat.

    Ansonsten denke ich, dass Götze ein durchaus anständiger Junge ist (wie Klopp auch herausgestellt hat), der den BVB – zu einem passenderen Zeitpunkt – einfach deswegen frühzeitig informiert hätte, damit sie ihre Kaderplanung entsprechend früh aktualisieren können.

    Öffentliche Liebesbezeugungen: Wer sagt denn, dass Götze nicht wirklich den BVB mag? (Und Neuer Schalke?) Da gibt es doch gar keinen Grund, das auszuschließen! Worum es geht: Ribery wollte nicht WEG. Vielleicht hat er sich Angebote angehört (warum auch nicht), aber er hat nie gesagt, dass er wechseln will. Das ist doch der wesentliche Unterschied (auch zu Ballack): Es gab eben noch nicht Einigkeit des Spielers mit einem anderen Verein, lediglich Verhandlungen. Im Gegensatz zu Lewandowski hat sich Ribery doch gefreut, dass sein Verein ihn unbedingt halten wollte (und ihm ein entsprechendes neues Angebot vorgelegt hat)! Das beweist doch spätestens der erneute Vertrag, den er gerade unterzeichnet hat.

    Ballack wollte nicht unbedingt irgendwo HIN, er wollte noch nicht einmal unbedingt WEG, er wollte einfach nur das beste Angebot abwarten. Ich denke, er hat das Vertragsangebot von Bayern nur genutzt, um bei anderen Vereinen höhere Angebote einfordern zu können (und ist daher durchaus freiwillig das letzte Jahr geblieben, wenn er auch ständig mit einem Wechsel kokettiert hat, um wiederum das Maximum aus den Bayern herauszukitzeln). Mit anderen Worten, er hat nie ehrlich gesagt was er will, und das hat ihm Hoeness wohl übel genommen. Bei Schweinsteiger zum Beispiel hat sich das (in der Außenwirkung) anders dargestellt: Der scheint gesagt zu haben: „Jungs, ich bin und bleibe ja auch gerne beim FC Bayern, aber ich will auch richtig viel Kohle dafür!“ Dann hat er richtig viel Kohle gekriegt, hat einen neuen Vertrag unterschrieben, und alle waren zufrieden. Die Bayern signalisieren eigentlich immer sehr deutlich, dass sie bereit sind, für Loyalität auch gut zu bezahlen (ja, sie können es sich auch leisten), aber sie wollen dann eben auch im Gegenzug ein klares Bekenntnis.

    Mein Standpunkt ist: Wenn klar ist, dass ein Spieler sich nicht über das nächste Jahr hinaus an einen Verein binden will, dann ist es schlechter Stil, ihm Steine in den Weg zu legen. Ich denke auch, dass Dortmund sich selbst ins Knie schießt, wenn sie bei Lewandowski auf Vertragserfüllung für das letzte Jahr beharren, denn dann haben sie GANZ schlechte Karten, wenn sie in Zukunft Toptalente ohne Ausstiegsklausel an den Verein binden wollen. Spieler (bzw. ihre Berater) sind ja nicht doof. Vielleicht (reine Spekulation, klar) ist das auch mit ein Grund, warum Leverkusens Transfersaison bislang so ein Desaster ist: Der Fall Vidal ist erst zwei Jahre her, und da kann ich mir gut vorstellen, dass so mancher potenzielle Neuzugang sich das zwei Mal überlegt, ob er zu einem Verein wechselt, der ihm in zwei, drei Jahren womöglich den nächsten Karriereschritt gezielt blockiert.

    Die Liverpool-Leihe für Gomez ging natürlich nicht, bei 18 Feldpspielern im Kader (was haben die Bayern sich dabei nur gedacht damals, bei ständiger Dreifachbelastung?) – das war aber auch konsequent: Van Gaal setzte nicht auf Konkurrenzdruck, sondern auf möglichst großes Wohlfühlklima bei den Stars (er hat einmal gesagt, Robben wäre nur deswegen bei den bayern, weil er da eine Stammplatzgarantie hätte). Umgekehrt bedeutete das aber auch, dass die Bayern wirklich keinen wichtigen Spieler mehr abzugeben hatten – und einen zweiten Stürmer braucht man nun mal. Aktuell jedenfalls legen die Bayern Gomez mit Sicherheit auch dann keine Steine mehr in den Weg, wenn Lewandowski doch noch nicht kommt.

  6. Zum Thema vorzeitige Gehaltserhöhung: Bayern kann es sich auch leisten präventiv Probleme mit Geld tot zu schlagen. (Müller wurde nach der WM das Gehaht von ~1,5 auf 5 mio er annum angehoben)

    Wenn der BVB Lewandowskis derzeitiges geschätzes Gehalt nach der vorherigen Saison auf das Maximalgehalt beim BVB erhöht hätte, dann liegen sie einfach immernoch bei 50% von dem was er wohl bei Bayern verdienen würde. Bei einem Klub auf konsolidierungskurs ist das einfach rausgeschmissenes Geld (und bei den Beratern hätts wohl auch eher nix geholfen…)

    Du hast einfach nicht gecheckt, das jeder andere BuLi Klub „so richtig Kohle auf den Tisch knallen“ kann und immernoch gegen Bayern abstinkt wenn die das wollen.

    Und noch was: Wenn Bayern vor ablauf dieses Monats mit Lewandowskis Beratern verhandelt oder Kontakt hat ist das illegal. Nicht illegitim, sondern illegal, wenn da vor her kein Kontakt zum BVB aufgebaut wurde.
    Real hat bei Ribery vermutlich genau das gemacht: Bei Bayern angefragt und Uli hat sich daraufhin in seiner besten disziplin gezeigt: öffentliches Poltern.[Disclaimer: nach meinen erinnerungen]

    Das man Lewandowski so ungern weggeben will ist ja das es so schwer ist überhaupt(nicht nur bezahlbaren) Ersatz zu finden.

  7. Wieso ich nicht gecheckt haben soll, dass die Bayern mehr Geld zur Verfügung haben als andere deutsche Vereine, leuchtet mir nicht ein – natürlich haben sie das! Das begründet halt ihre Spitzenstellung, aber eben keine Sonderstellung. Sobald die Bayern an einem Spieler nicht interessiert sind, ist ein anderer Klub derjenige, der das meiste bieten kann, und immer so weiter.

    Wenn ein Spieler seinen Marktwert (und damit seine durchsetzbaren Gehaltsforderungen) in einen Bereich steigert, in dem sein aktueller Klub ihn sich nicht mehr leisten kann, dann wird er wechseln. Da gibt es nichts zu jammern; das nutzt jeder Verein nach seinen Möglichkeiten auch für sich aus. Gerade deswegen werden Spieler ja ein Jahr vor Vertragsende abgegeben: Damit ein Verein, der den Marktwert eines Spielers gesteigert hat, dafür auch einen finanziellen Gewinn einstreichen kann. Und genau so steigt ein Verein, der gut wirtschaftet, in der Finanzhierarchie auch auf. Gerade Dortmund hat an der Wertsteigerung von zum Beispiel Kagawa und Sahin auch bereits sehr gut verdient.

    Zum Thema „illegal“ habe ich ein interessantes Link gefunden: http://www.heuking.de/uploads/tx_nplawyer/Transfer-Vortrag-POSEN-Menke-0507-deutsch-PDF.pdf

    Zwei Dinge darin sind mir aufgefallen: Einmal finde ich nur eine zeitliche Beschränkung bezüglich der Kontaktaufnahme zu Spielern, und dies ist „6 Monate vor Beginn einer Wechselperiode“. Es wird auch darauf hingewiesen, dass diese Bedingung auf Grund der bestehenden Bedingungen in Europa IMMER erfüllt ist.

    Das andere ist die Verpflichtung eines Vereins, zuerst den Verein des Spielers, an dem er interessiert ist, schriftlich zu informieren, bevor er Kontakt aufnimmt – unabhängig von irgendwelchen Fristen. (Eine Erlaubnis des Vereins, Verhandlungen aufzunehmen, ist allerdings nicht notwendig.) Hierzu wird festgestellt, dass sich praktisch niemand daran hält, dass Verstöße nicht nachzuweisen sind (der genaue Wortlaut wäre interessant – der SPIELER darf doch Kontakt aufnehmen, richtig?), und dass sie auch nicht wirklich verfolgt werden.

    Das ist logisch, denn offensichtlich funktioniert dieses System so herum einfach nicht! Kein Verein spricht einen anderen Klub an, bevor sie nicht wissen, ob der Spieler überhaupt zu ihnen will; das ist schlicht widersinnig. Da sind die Bayern nicht nur nicht die einzigen; sie wären die einzigen, die das NICHT so machen würden.

    Ein, wenn nicht DER Grund dafür, dass Verstöße gegen diesen weltfremden Passus nicht verfolgt werden, könnte übrigens sein, dass er einer Klage vor einem ordentlichen Gericht nicht standhalten würde! Die EU hat seit Bosman immer wieder festgestellt, dass Fußballprofis Arbeitnehmer sind, und dass dementsprechend das Arbeitsrecht auf ihre Beschäftigungsverhältnisse anzuwenden ist. Einem Arbeitnehmer zu untersagen, sich nach einer für ihn attraktiveren Stelle umzusehen – das geht vermutlich nicht.

  8. Hallo,

    zwei Anmerkungen:

    1. Gerade auf spox.de gefunden: „Die unbekannte Klausel

    Ein Lizenzspieler kann seinen Vertrag bei Vorliegen sportlich triftiger Gründe zum Ende eines Spieljahres kündigen, sofern nicht Gesetz oder Rechtsprechung entgegenstehen. Sportlich triftige Gründe liegen in der Regel dann vor, wenn der Spieler am Ende eines Spieljahres nachweisen kann, dass er nur in höchstens vier Pflichtspielen der Lizenzmannschaft eingesetzt worden ist. Diese Regel tritt nicht in Kraft, wenn z.B. Verletzungen, Spielsperren, Alter des Spielers und Position auf dem Feld (Ersatztorwart) gegen einen Einsatz sprachen. Diese Art von Kündigung kann nur innerhalb von zwei Wochen nach dem letzten Pflichtspiel des Klubs erfolgen.“

    Hier zeigt sich, dass „ausrangierte Fußballprofis“ eben NICHT „Opfer“ des Vereins sind. Spätestens nach einem Jahr kann jeder Profi einfach gehen. Beispiele wie Albert Streit bei Schalke sind und bleiben Fälle von Profis denen ihr aktueller Vertrag wichtiger ist als eine potenzielle Karriere.

    2. Andi hat natürlich vollkommen Recht. Fußballer sind Arbeitnehmern und genießen dementsprechenden Schutz. Etwaige Regeln wann und in welcher Weise ein Fußballer Vertragsgespräche aufnehmen kann sind das Papier nicht wert auf dem sie geschrieben sind. Allenfalls könnte man die noch als „Gentlemen’s Agreement“ auffassen.


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