Empfehlung: Ripple Dot Zero

Es ist wieder einmal an der Zeit, Euch ein paar coole Spiele aus dem Internet vorzustellen. (Zuletzt habe ich dies hier getan.) Euch ist ja vermutlich aufgefallen, dass meine meisten Empfehlungen in die Kategorie „Knobelspiele“ einzuordnen sind. Ohne, dass ich das jetzt nachprüfe, vermute ich einmal, dass auf Platz zwei – mit gebührendem Abstand – das gute alte „Jump’n‘ Run“-Genre zu finden ist (wobei einige der coolsten Spiele in beide Kategorien gleichzeitig passen könnten).

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob meine Präferenzen hier typisch sind: Spiele, bei denen die Herausforderung darin besteht, möglichst exakt zu springen – natürlich unter Zeitdruck – sagen mir gar nicht zu. Ein mittlerer Schwierigkeitsgrad kann mich noch reizen, aber zu hohe Ansprüche an mein Koordinationsvermögen frustrieren mich nur. Tatsächlich habe ich festgestellt, dass sogar wirklich einfache Spiele dieses Genres mir Spaß machen können – da ist einfach eine Freude an der virtuellen Bewegung in zwei Dimensionen! Ein Aspekt, der jedoch immer vorhanden sein muss, ist das Element der Entdeckung: Regionen, in die ich mich erst vorarbeiten muss; Wege, die zuerst unpassierbar sind, und später passierbar werden; kleine Rätsel, die gelöst werden müssen; Geheimnisse, die erforscht werden können.

Wenn mir so ein Spiel gefällt, ist es immer mein Ziel, alles zu entdecken, was es zu entdecken gibt! Das muss auch möglich sein – wenn ich durch eine falsche (oder auch richtige) Entscheidung etwas unwiederbringlich verpasse, nimmt mir diese Enttäuschung die Freude. Oft unterscheiden sich die Herausforderung, das vorgegebene Spielziel zu erreichen, und die Herausforderung, alles zu entdecken, erheblich voneinander, so dass ich ein Spiel sozusagen in zwei verschiedenen Modi zocke.

Das Spiel, welches ich in diesem Beitrag präsentiere, Ripple Dot Zero, hat ein wirklich einfach zu erreichendes Spielziel. Wenn man sich einigermaßen vorsieht und nichts anderes im Sinn hat, als das Ende zu erreichen, kann man eigentlich gar nicht endgültig sterben (man beginnt mit – ich glaube – zwei Extraleben, und kann noch zahlreiche weitere finden), und selbst wenn man das tut, braucht man nicht ganz von vorne anzufangen… aber man verpasst auch Vieles von dem, was den eigentlichen Spaß ausmacht! Ich habe auf YouTube ein Video von jemandem entdeckt, der binnen einer Stunde alles von vorne bis hinten in einem Stück durchspielte (und sich dabei nicht einmal besonders geschickt anstellte) – grausig war das, ein ständiges hektisches nach rechts Rennen, bei welchem ein großer Teil der liebevoll ausgefeilten Vielfalt des Spiels überhaupt nicht entdeckt werden konnte. Macht diesen Fehler nicht!

Andererseits müsst Ihr Euch auch keine Sorgen machen, dass Ihr etwas unwiederbringlich verpasst, da Ihr alle Level immer wieder aufsuchen könnt (bei den Bonusleveln funktioniert das jedoch etwas anders – dazu später Näheres). Ihr könnt Euch daher beim Spielen unterschiedliche Ziele setzen, auf die ich weiter unten ausführlich eingehen werde.

Worum geht es denn eigentlich bei Ripple Dot Zero? Nun, man spielt einen mutierten, verdammt toughen Pinguin mit einem Schwert, welcher offenbar Versuchsobjekt – ein so genannter Ripple – eines gigantischen Konzerns ist, und der sich seinen Weg hinaus aus dessen nur noch teilweise funktionierenden und von Monstern und Robotern überlaufenen Anlagen sucht. Über dieses bewusst gewählte Klischee sollte man gar nicht erst weiter nachdenken, sondern einfach das coole Setting genießen, welches mit seinem Retroflair vergleichbare Spiele der 90er wie Sonic the Hedgehog in Erinnerung ruft… eine Ära, die ich übrigens größtenteils verpasst habe… Nichtsdestotrotz fühle ich mich in solch einer liebevoll ausgestalteten, cartoonartigen Grafik viel eher zu Hause als in den immer perfekter gestalteten Kriegsszenarien des 21. Jahrhunderts, und auch die typischen Bewegungen in 2D haben für mich viel mehr von einem Spiel, als die übliche moderne 3D-Egoshooter-Perspektive!

Dieses Gefühl eines ehrlichen, unterhaltsamen Videospiels, untermalt von einem ziemlich coolen Soundtrack hat mir Ripple Dot Zero ans Herz wachsen lassen, obwohl es leider einige kleinere Macken hat, welche den insgesamt sehr positiven Gesamteindruck stören:

Einmal funktioniert die selbstdefinierte Tastenbelegung nicht richtig. So sind die Waffenwechsel-Tasten zunächst einmal gar nicht da, wo es das Spiel behauptet (nämlich im Nummernblock), sondern auf den regulären „1“ & „2“ Tasten, und sie lassen sich auch nicht umdefinieren (man kann es versuchen, aber es passiert nix). Weiterhin ist es mir zwar gelungen, die Angriffsfunktion auf die „Space“ Taste zu legen, wo ich sie am liebsten habe, aber dann kann man plötzlich aus unerfindlichen Gründen nicht mehr im Sprung nach links angreifen. Bei einer anderen Belegung (Steuerung links in meinem Fall) tritt dieses Problem wieder nicht mehr auf.

Dann sind da noch eine Menge kleinerer Fehler und Unzulänglichkeiten, die bei einem Gratisspiel jedoch absolut entschuldbar sind. Als wirklich störend erweisen sich jedoch Dinge, welche mit den möglichen Zielsetzungen zusammenhängen, und die ich daher in diesem Kontext ansprechen will – wenn es mir gelingt, Euch die damit zusammen hängenden Frustrationen zu ersparen, sollte Euch Ripple Dot Zero noch mehr Freude bereiten als mir!

Zielsetzungen:

1. Einfach das Ende erreichen. Das ist, wie gesagt, keine besondere Herausforderung, macht aber trotzdem Spaß, weil die Spielwelt cool ist und die Spielfigur sich sehr angenehm bewegen lässt – eine flüssige und intuitive Steuerung ist so ziemlich das Wichtigste bei einem Jump’n Run!

2. Alle Ripples befreien. Dazu muss man jeweils genügend Pickups einsammeln, um in den entsprechenden Bonuslevel teleportiert zu werden (was nicht schwierig ist), und muss dort wiederum unter Zeitdruck erneut eine Minimalanzahl an Pickups einsammeln, bevor man den Ripple befreien kann (was erheblich schwieriger ist, und wofür Ihr mit Sicherheit mehrere Versuche benötigen werdet).

3. Alle versteckten Level finden und durchqueren. Davon gibt es insgesamt vier, die jeweils über alternative Ausgänge in manchen regulären Leveln ansteuerbar werden. Einer davon ermöglicht Euch wiederum einfachen Zugang zu den Bonusleveln, also macht Euch nicht verrückt, indem Ihr die selben regulären Level immer und immer wieder spielt, um einen Ripple zu befreien!

4. In jedem Level 5 Sterne erringen. Hier gibt es leider einen Fehler im Spiel (von den Entwicklern bestätigt): Im Oxygen Plants Area 2 ist dies erst möglich, wenn man bereits alle Ripples befreit und die Belohnung dafür erhalten hat. (Vorher ist es miteinander unvereinbar, genügend Pickups einzusammeln und alle geheimen Orte aufzusuchen.) Wieder gilt: Macht Euch nicht verrückt, indem Ihr es vorher versucht!

5. In allen regulären Leveln, in denen es Pickups gibt, 100% davon einzusammeln. Auch hier möchte ich Euch ein paar Warnungen geben, um Euch Frustration zu ersparen: In Terrarium Area 1 sind nur 99% möglich; und in Terrarium Area 2 nur 81%. Laut den Entwicklern wurden hier wohl Pickups an Stellen vergessen, welche im Zug einer späteren Umgestaltung der Level unerreichbar gemacht wurden (bei Terrarium Area 2 kann man ein solches Gebiet sogar hinter den Ausgängen erkennen). Auch einige wenige der erreichbaren Pickups sind im Ripple Laboratories Area 1, sowie im Terrarium Area 1 hinter graphischen Objekten versteckt (ohne diese kann man nur 99% bzw. 98% schaffen), so dass man sie durch „Wände abklopfen“ suchen muss. Auch das Gadget, welches man zur Belohnung für die Befreiung aller Ripples erhält, hilft nicht, obwohl man damit weiträumige vorher unerreichbare Gebiete erkunden kann, die jedoch nur aus unfertigen Gestaltungsansätzen bestehen, und daher leider wenig von Interesse zu bieten haben (hier wären einige nette „Easter Eggs“ Programmierer-Pflicht gewesen, aber die einzige solche Notiz lässt sich auch ohne jenes Gadget finden).

Ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, ob ich Euch Ripple Dot Zero überhaupt empfehlen sollte, da es leider weder im einen Modus (simpler Erfolg), noch im anderen (alles erkunden) eine wirklich zufriedenstellende Herausforderung bietet – im ersten ist es schlicht zu einfach; im zweiten ist diese auf Grund schludriger Programmiererarbeit nicht sinnvoll zu meistern. Vermutlich stelle ich da aber nur zu große Ansprüche an seine Perfektion, und das wichtigste Kriterium erfüllt das Spiel doch schließlich: Es hat mir einen Riesenspaß bereitet! Ich bin zuversichtlich, dass es Euch genau so gehen wird. Trotzdem ist es schade, dass hier ein gutes Spiel knapp und unnötigerweise daran gescheitert ist, ein sehr gutes Spiel zu sein.

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Published in: on September 3, 2013 at 5:44 pm  Schreibe einen Kommentar  
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