Ich fange einfach mal wieder an: Meine Top-8-„Playlist“

(Dieser Eintrag nennt viele Musikstücke. Ich traue mich aus juristischen Gründen nicht, sie zu verlinken, aber eine entsprechende Suche kann ja jeder selbst starten, nicht wahr?)

Wie fange ich nach einer weiteren, viel zu langen Blogpause wieder mit dem Bloggen an? Schreibe ich einen langen Eintrag darüber, wieso ich wieder einmal so lange Pause gemacht habe, obwohl ich auf die privaten Gründe dafür eigentlich gar nicht wirklich eingehen will? Besser nicht. Verspreche ich, dass alles in nächster Zeit wieder besser wird, dass ich zum Beispiel natürlich eine aktuelle Ausgabe meiner Tabelle der besten deutschen Fußballvereine online stellen werde, und dass ich auch wieder weiter an meinem Fantasy-Fortsetzungsroman „Die Anstalt von Arkheim“ schreiben werde? Hiermit geschehen! – aber mit einem Eintrag zu beginnen, in dem letztlich nur steht, dass es bald weitergeht, das ist doof. Am besten fange ich einfach irgendwie wieder an? Ja, ich fange einfach mal irgendwie an!

Auf Twitter – Ihr wisst doch, dass Ihr mich da finden könnt, nicht wahr? – habe ich irgendwann einmal eine Diskussion darüber mitbekommen, welche Playlist mit acht Songs aus einer Auswahl von drei verschiedenen die beste sei, und auch wenn ich nicht so wirklich verstanden habe, was in jenem Fall die Selektionskriterien gewesen sind (Backstreet Boys und Justin Timberlake – echt jetzt?), ließ mich diese Idee aus irgendeinem Grund nicht mehr los. Wenn ich eine persönliche Playlist erstellen müsste, die sich auf die unglaublich geringe Anzahl von ACHT Liedern beschränkt – was befände sich darauf?

Eines ist klar: Jeder einzelne Song darauf ist großartig. Nicht nur das: Jede Menge weitere großartige Songs müssten außen vor bleiben! ACHT, das ist dermaßen wenig; da gelangt man in einen Bereich, in dem man mit Qualitätskriterien allein nicht mehr argumentieren kann. Anstatt eine differenzierte Skala allein für Superlative zu erstellen, besinnt man sich doch besser auf den persönlichen Aspekt dieser Auswahl. Deswegen frage ich mich nicht, welche acht großartigen Songs möglicherweise warum auch immer objektiv die großartigsten sein könnten, sondern stattdessen, welche acht großartigen Songs für mich persönlich am beeindruckendsten sind – und das ist schwierig genug!

Bei einer so kurzen Playlist ist es auch selbst verständlich, dass sich kein Interpret mehrfach darauf befinden darf. Daher geht mein Selektionsprozess ein wenig in die Richtung, meine acht beliebtesten Interpreten zu finden, und von denen jeweils einen Song auszuwählen – aber so ganz stimmt das auch nicht: Manche Künstler haben ein großes Oeuvre mit guten bis sehr guten Songs geschaffen, ohne dass sich darunter ein wirklich herausragender befindet. Diese Künstler schätze ich insgesamt deutlich höher, als solche, die nur einen absoluten Geniestreich produziert haben, mich aber ansonsten nicht übermäßig beeindruckt haben (ein solcher Fall hat es jedoch in meine Playlist geschafft!) Auch die Band, die mein absolutes Lieblingsalbum herausgebracht hat (allerdings ansonsten praktisch nichts) ist nicht vertreten, weil die einzelnen Songs aus diesem Kontext herausgelöst zwar immer noch sehr gut sind, aber eben nicht ganz so großartig. Auch wenn es da große Überschneidungen gäbe: Meine Lieblingssongs, meine Lieblingsalben und meine Lieblingskünstler – das wären unterschiedliche Listen.

Was befindet sich denn nun auf meiner Liste? Nein, fangen wir besser erst einmal damit an, was sich NICHT darauf befindet!

a) „E-Musik“

Natürlich sind zum Beispiel die ersten Sätze von Beethovens Mondscheinsonate oder Schicksalssinfonie großartig, ebenso wie einige Stücke aus Tschaikowskis Nussknackersuite oder Edvard Griegs Peer Gynt, Wagners Ritt der Walküren, Chopins Nocturne Nummer zwei in E-Moll, Liszts Ungarische Rhapsodie Nummer Neun, Mozarts Requiem, Ravels Bolero… Ich habe mich jedoch entschieden, dass die Inklusion „klassischer“ Musik dem Geist einer „Playlist“ widerspräche.

Das gilt entsprechend auch für Filmmusik-Scores, was mehrere phantastische Kandidaten von Henry Mancini (besonders den Baby Elephant Walk), zum Beispiel aber auch aus dem bahnbrechenden Soundtrack von On Your Majesty’s Secret Service, aus Conan the Barbarian, Bram Stoker’s Dracula, Batman Begins oder sogar Harry Potter (was immer man sonst von Büchern und Filmen halten mag, die Musik ist phänomenal!) ausschließt. Hier wäre eine eigene Liste sinnvoll (und kaum weniger schwierig zusammenzustellen…)

b) „Ältere“ Popmusik

Das hier ist keine bewusste Entscheidung, aber wenn zwischen großartigen Musikstücken die persönliche Beziehung dazu den Ausschlag gibt, dann haben es Stücke vor den 80ern einfach schwerer. Dazu kommt noch, dass diejenigen Aspekte, die ich an Popmusik besonders schätze (die Integration stimmiger Klangbilder mit Melodie und Rhythmus) früher einfach noch nicht wirklich in perfekter Ausführung vorhanden waren. Tolle Songs gab es natürlich trotzdem schon: Da ist an der Schwelle von der „E-“ zu „U-Musik“ zum Beispiel das großartige Summertime aus Gershwin’s Porgy & Bess, Wonderful World von Louis Armstrong, Mr. Sandman von den Chordettes, Dream a Little Dream of me in der Version von den Mamas & Papas…

Und dann kamen die Beatles: Die meisten ihrer ganz großen Hits sind nicht gerade die höchste musikalische Kunst, aber einzelne Juwelen wie Eleanor Rigby, While my Guitar Gently Weeps oder das ebenso wunderschöne wie völlig schräge If I Fell sind es, und auch Come together ragt heraus. Die Rolling Stones sind ein typischer Fall von durchgehend gutem Niveau, aber keinem absoluten Spitzensong – meine Favoriten sind wohl Play with Fire, Sympathy for the Devil und Paint it Black, aber da fehlt immer ein ganz kleines bisschen zum absoluten Genius. Der heißeste Song der Sechziger war aber natürlich Light my Fire von den Doors!

In den Siebzigern gelang dann auch die Integration dichter Klangbilder in starke Lieder immer besser, so zum Beispiel bei Child in Time von Deep Purple, Kashmir von Led Zeppelin, The Wall von Pink Floyd oder Solsbury Hill von Peter Gabriel. Auch generell weniger ambitionierte Künstler produzierten klasse Songs, so wie Queen (obwohl ihr meiner Ansicht nach bestes Stück dieser Epoche, Another One Bites the Dust, strenggenommen bereits in die 80er gehört), Abba (ich will Voulez-Vous einmal herausheben), oder unerwarteterweise Sweet mit Love is like Oxygen. So richtig vollständig kann ich mich allerdings gedanklich und emotional erst in der Musik der 80er auflösen…

c) Die meiste „neuere“ Popmusik

…und danach halt auch nicht mehr! Sicher kann es an meinen Hörgewohnheiten liegen, aber diese Synthese aus Klang und Drive, die ich so sehr schätze, die ging mit dem Ende der 80er irgendwie verloren. Es gibt zwar immer wieder mitreißende Stücke wie Defeated von Anastacia, oder Geniestreiche wie Somebody That I Used to Know von Gotye, von Björk bin ich nahezu durchgehend begeistert (zu meinen Lieblingsstücken zählen Army of Love und It’s oh so Quiet), The Prodigy hat mich mit Firestarter, Breathe und Smack my Bitch up überzeugt – aber innerlich eins werden mit einem Song, das gelingt mir bei diesen Künstlern mit wenige Ausnahmen nicht mehr, wenn auch bei einigen neueren Songs von solchen, die schon seit den 80ern oder länger aktiv sind. Vielleicht ist das nur eine persönliche Altersfrage… aber andererseits HAT die Musik sich ja auch tatsächlich geändert.

d) Jede Menge gutes Zeug aus den 80ern

ACHT Stücke, das ist einfach unglaublich wenig, und dieser Cut ist mir entsprechend schwer gefallen – aber andererseits war das ja auch der Sinn der Sache! Frankie Goes to Hollywood mit The Power of Love (hauchdünn vor Rage Hard und Relax) sind wohl am knappsten gescheitert, ansonsten waren Smalltown Boy von Bronski Beat, Sweet Dreams von den Eurythmics, Infected von The The, sowie Vienna und Dancing with Tears in my Eyes von Ultravox ebenfalls verdammt nah dran, ebenso wie mindestens drei Songs von George Michael (Careless Whispers, A Different Corner, Sex)!

Mein absolutes Lieblingsalbum ist übrigens A Secret Wish von Propaganda, und das beste Stück darauf vermutlich Dr. Mabuse, aber das hat halt nicht ganz gereicht. Es gibt mehrere weitere Künstler, die es verdient hätten, auf einer persönlichen Best-of-Liste von mir geführt zu werden, weil sie einfach so viele gute Sachen gemacht haben, aber es nicht geschafft haben, ein Stück zu produzieren, welches auch unter herausragenden Stücken noch herausragt: Michael Jackson natürlich (mit Billy Jean als meinem Favorit), Madonna (Like a Prayer, oder Dear Jessie, oder Hanky Panky, oder Music… völlig unterschiedliche Stücke, und alle genial!), Yello (Oh Yeah… oder Lost again?), The Cure (Lullaby, Close to me, The Love Cats) Sting (We’ll be together) Duran Duran (Wild Boys), Billy Idol (Flesh for Fantasy), A-ha (Crying in the Rain), Alphaville (Forever Young)… ich muss hier einfach irgendwo aufhören zu tippen.

e) Andere Stücke von Künstlern, die es geschafft haben

Nur ein Song von Depeche Mode? Was ist mit Master and Servant, Shake the Disease, Stripped, Enjoy the Silence, It’s no Good, Dream on, The Darkest Star, Wrong… und immer noch mehr?
Nur einer von Prince? Kein Little Red Beret, When Doves Cry, Kiss, Alphabet Street, U Got the Look, My Name is Prince, Musicology etc…?
Nur einer von David Bowie? Aber… Fame? Heroes? Ashes to Ashes? Let’s Dance? Glass Spider? I Have not been to Oxford Town? Bring me the Disco King?

Mit jedem Einzelnen dieser drei Interpreten hätte ich alleine eine Top 8 Playlist erstellen könne, ohne irgendeinen Qualitätsverlust beklagen zu müssen – und selbst dann hätte ich bestimmt immer noch die Beschränkung auf acht bejammert? Auch weitere Künstler auf meiner Liste haben sich selbst große Konkurrenz gemacht. Da musste ich mich entscheiden und habe im Zweifelsfall unter ihren allerbesten Stücken den besonderen, nicht den typischen, den Vorzug gegeben, auch wenn es natürlich gerade ihre typischen Stücke sind, deretwegen ich sie so schätze!

Nun ist es aber Zeit, endlich zu dieser Liste zu kommen! Die Stücke sind chronologisch aufgeführt – hier auch noch eine Reihenfolge festzulegen, das überfordert mich schlicht.

1. Genesis – Mama (1983)

Dieser Song erschien kurz vor meinem 13. Geburtstag, aber ich habe ihn erst einige Jahre später gehört – 1986, nachdem ich Genesis über das kaum weniger brillante Land of Confusion kennen gelernt hatte, denke ich. Ich war selbstverständlich sofort begeistert und kann überhaupt nicht verstehen, wenn es irgendjemandem anders geht! Musikalisch herausragend, perfekt arrangiert und gesungen, mit einem eindringlichen, verstörenden Text – wie könnte Popmusik noch besser sein? Wer den Song nicht kennt – anhören! Wer ihn kennt und es nicht einsieht, tja – dem kann ich auch nicht mehr helfen…

2. Anne Clark – Our Darkness (1984)

Ich kann Cindy gut verstehen.

Ernsthaft, ich kenne kein anderes Stück, welches dermaßen treibend und getrieben ist, und das es gerade mit seiner besonderen Form der Monotonie schafft, niemals langweilig zu werden! Was ich sonst von Clark kenne, ist durchaus hörbar, aber nicht annähernd vergleichbar.

Our Darkness ist übrigens das älteste Stück dieser Liste, welches ich auch kurz nach seinem Erscheinen schon gehört hatte – vom Kassettenrekorder, aus dem benachbarten Zimmer auf einer Klassenfahrt. Sonst war von dort eher Zeugs auf dem Niveau des Sommerhits des vorigen Jahres zu hören, Vamos a la Playa von Righeira (widerlich!), aber dies hier haute mich sofort um, und ich fragte, was das sei („N. Clarke“, verstand ich als Antwort). Aber wiederum erst 1986, als ich systematisch begann, Plattenläden zu durchforsten, fand ich dieses Lied zufällig auf dem Album Joined up Writing wieder, erinnerte mich daran und kaufte es sofort. Die richtige Entscheidung!

3. Shake the Disease – Depeche Mode (1985)

Seit exakt diesem Lied ist Depeche Mode meine Lieblingsgruppe, und daran wird sich wohl auch nie etwas ändern! Auch People are People und Master and Servant hatten mir bereits sehr gefallen, doch zu jener Zeit war Musik noch nichts, was ich aktiv suchte, um es mir anzueignen. (Das wiederum begann ziemlich genau mit Stripped, nachdem ich das Musikvideo dazu gesehen hatte.) Ab Shake the Disease jedoch war mir zum ersten Mal bewusst, was ich hören WOLLTE – diese Musik klang so eindeutig anders als alles, was ansonsten im Radio oder Fernsehen zu hören war, und schlicht BESSER – wunderschön melodisch ohne jede Trivialität und einfallsreich arrangiert.

Depeche Mode waren klanglich das genaue Gegenteil des von den Beatles einst populär gemachten Merseybeat-Stils (Sänger, Leadgitarre, Rhythmusgitarre, Bassgitarre, Schlagzeug), für den Radiomoderatoren in jener Zeit gerade wieder bis zum geht-nicht-mehr Lobby machten, der sich aber im Großen und Ganzen entsetzlich langweilig anhörte. DMs Musikstil hat sich seit ihrer Gründung in 1980 circa ein halbes Dutzend Mal grundlegend gewandelt, aber ihr Wille, Musik zu produzieren, die einfach toll klingt, ist konstant geblieben. Shake the Disease ist für mich einfach der schönste Popsong aller Zeiten.

4. Prince – Gett Off (1993)

Prince lernte ich zuerst über Kiss kennen, aber dann dauerte es auch nicht lange, bis ich alle damaligen Alben von Prince (einschließlich eines viel zu teuer erworbenen Bootlegs des Black Album) besaß, bis er mich schließlich mit dem erstaunlich schwachen The Most Beautiful Girl in the World in einer Phase erwischte, in der ich sowieso begann, mein Geld in der Hauptsache für andere Dinge auszugeben (Rollenspielbücher, bald auch Magic-Karten), und ich ihn eine Zeitlang aus den Ohren verlor (was ein Fehler war, da bereits sein nächstes Album, Come, wieder off-the-scale brillant sein würde).

Seine älteren Sachen – also bis ca. 1993 – hörte ich allerdings immer wieder, und auch aus dieser wahnsinnigen Menge an Supermusik kristallisierten sich mit der Zeit Favoriten heraus, darunter auch das in meine allerengste Wahl gelangte, beim ersten Hören vielleicht eher ein wenig unscheinbare When Doves Cry, welches sich jedoch als großer Geniestreich erwies – „There is no bass“ – in der Tat, und trotzdem, oder gerade deswegen, besitzt dieses Lied einen unvergleichlichen Groove! Wo es in anderen Stücken so richtig (und so richtig gut!) kracht, besitzt dieses Lied stattdessen subtile Klasse.

Trotzdem, letzten Endes konnte ich dem wohl heißesten und wildesten Musikstück aller Zeiten nicht widerstehen – was für eine akustische Orgie, welch ein musikalischer Orgasmus!

5. Rammstein – Heirate mich (1995)

Ja, Neue Deutsche Härte ist aus meiner Sicht die einzige nach den Achtzigern entstandene Stilrichtung, die wirklich einen neuen Sound gebracht hat, wenn ich auch vielleicht dem Triphop-Breakbeat-Spektrum da ein wenig Unrecht tue, welches sich aus den 80ern heraus sehr kontinuierlich entwickelt hat, während Rammstein doch sehr plötzlich über uns herfiel.

Ich habe schon einmal ausführlich darüber geschrieben, warum Rammstein so gut ist, das muss ich nicht wiederholen. Heirate mich ist musikalisch und textlich vermutlich ihr bester Song, auch wenn die Konkurrenz groß ist.

6. THC – Need to Destroy (1996)

So wie fast der gesamte Rest der Welt auch, kam ich mit diesem Lied erst über die Serie Buffy the Vampire Slayer in Kontakt, und das nicht einmal in 1999, als die entsprechende Folge dieser Serie zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, und auch nicht in 2001, als sie in Deutschland zuerst gesendet wurde – denn ich sah zu dieser Zeit gar nicht fern! – sondern erst in 2003, als ich rein zufällig über Freunde mit Buffy in Kontakt geriet und mir sofort die DVDs der vorigen Staffeln auslieh, um die Episoden dieser Show in der richtigen Reihenfolge anzuschauen.

Damals habe ich mich – und Euch! – gefragt, wo diese großartige Musik nur erhältlich wäre, und keine Antwort erhalten… Naja, in dieser Zeit besaß ich halt immer noch diese naive Vorstellung, dass man sich Musik kauft (was ich prinzipiell auch immer noch zu tun bereit bin)…

THC ist eine Band, in deren Sound ich ebenso tief versinken kann, wie in den von Künstlern aus den 80ern – ja, sogar noch tiefer! Für mich stellen sie eine Fortentwicklung der besten Dinge dar, welche die Musik der 80er zu bieten hatte (Ich betrachte TripHop nicht wirklich als bahnbrechendes neues Genre, sondern als eine etwas modernere Umsetzungsform guten Synthpops), und wer die Episode kennt, in welcher dieser Song gespielt wurde und sich diesen Text anhört, dem muss einfach ein Schauer über den Rücken laufen.

THC hat nicht allzu viel veröffentlicht, und nicht alles war annähernd so gut, aber zumindest Dip, Girlflesh und Overfire sind ebenfalls höchst empfehlenswert.

7. David Bowie – Sunday (2002)

Es war vermutlich von allen meinen harten Entscheidungen die härteste, hier nicht Let’s Dance stehen zu haben. Dieser Song ist UNGLAUBLICH; die absolute Quintessenz der Verbindung aus Rhythmus und Klang, welche die Popmusik der 80er so einzigartig machte; die Synthese aus Partystimmung und Melancholie, welche das Lebensgefühl der schwarzen Szene, wie ich sie kennengelernt habe, prägt, der ich mich eher als jeder anderen Subkultur verbunden fühlen würde, wenn ich mich entscheiden müsste.

Aber Sunday ist – auf völlig andere Art – einfach NOCH ein kleines bisschen besser; das melancholischste Lied überhaupt: Schön, traurig, in seiner Traurigkeit schön und in seiner Schönheit traurig. „Nothing remains…“ Es zieht seinen Trost nicht aus Hoffnung oder Durchhaltewillen, sondern aus der Gewissheit, dass dies das Ende des Wegs ist; aus der Ruhe, die der endgültigen Niederlage folgt. Wo Rammstein die kranken seelischen Abgründe der menschlichen Psyche offenlegt, führt uns Bowie mit Sunday an den innersten, ruhenden Pol unseres Selbst, wo Hoffnung und Verzweiflung keine Bedeutung mehr haben und wir von der Last unseres Ichs befreit loslassen und ins Nichts fallen können.

8. Die Ärzte – Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend) (2007)

Die beste Band der Welt darf natürlich nicht fehlen! Mit deutschsprachigen Künstlern tue ich mich ja eher schwer – es liegt bestimmt daran, dass ich in dieser Sprache die Texte nicht überhören kann… Herbert Grönemeyer (Musik nur, wen sie laut ist), Rio Reiser (Bei Nacht) oder die Fantastischen Vier (Krieger) verbinden in der Regel hörenswerte Texte mit hörenswerter Musik, und Falco (The Sound of Musik) muss ja wohl auch technisch als deutschsprachiger Künstler gelten, aber wirklich herausragend ist da wenig. Aus weniger gut beleumdeten Musikrichtungen kommen gelegentlich durchaus erfreuliche Überraschungen – Udo Jürgens (Ein ehrenwertes Haus), Reinhard May (Narrenschiff)… und kennt Ihr Zigeunerjunge von Alexandra? Solltet Ihr! – , aber so richtig, RICHTIG gut sind eben nur Rammstein – und halt die Ärzte! (Nachtrag: Oomph! (Ich bin Du), sowie Laibach (Das Spiel ist aus) muss ich natürlich auch erwähnen!)

Nun ja, von der Band selbst muss ich vermutlich gar nicht so viele Leute überzeugen – aber wieso gerade dieser Song, den viele nicht einmal kennen werden, weil er keine Single gewesen ist? Wieso nicht Du willst mich küssen, Bitte Bitte, Mach die Augen zu, Manchmal haben Frauen, Rock’n Roll-Übermensch, oder Die Banane? Nun, weil Deine Freundin die Genialität der Ärzte einfach am besten zeigt! Einen Musikstil gleichzeitig zu parodieren und ihn doch ohne jeden Verlust an musikalischer Substanz umzusetzen – das können nur die Ärzte so perfekt! Dazu kommt ein typisch absurd-witziger Ärzte-Text, dessen fehlende Ernsthaftigkeit die Band wie so häufig dadurch betont, dass sie ihn völlig verquer auf die Melodie verteilt – aber wie unglaublich gut passt das denn gerade zu diesem Musikstil?

Immer wieder brechen die Ärzte völlig schamlos aus der dumpfen, ernsthaften Konformität, mit der Punk sonst gegen Dumpfheit, Ernsthaftigkeit und Konformität zu Felde zieht, mit ihren intelligenten Texten und richtig guter Musik aus, und dafür liebe ich sie!

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