Die besten deutschen Fußballvereine, Ausgabe 2014

So, die Bundesligasaison ist beendet, das Pokalfinale wurde gespielt, und auch die Relegationsspiele sind durch – Zeit für eine neue Tabelle der besten deutschen Fußballvereine! (Hier findet Ihr die Version des letzten Jahres und meine Erläuterungen, wie diese Tabellen zustande kommen.)

1. Bayern München – 422,4
2. Borussia Dortmund – 355,3
3. Bayer Leverkusen – 322
4. FC Schalke 04 – 321,2
5. VfL Wolfsburg – 269,3
6. VfB Stuttgart – 263,7
7. Werder Bremen – 257,1
8. Hannover 96 – 247,6
9. Hamburger SV – 246
10. Borussia Mönchengladbach – 242,4
11. 1. FSV Mainz 05 – 240,25
12. Hertha BSC – 218
13. Eintracht Frankfurt – 217,65
14. SC Freiburg – 210,1
15. 1. FC Nürnberg – 205,1
16. 1899 Hoffenheim – 199,5
17. 1. FC Köln – 183,65
18. FC Augsburg – 178,85
19. 1. FC Kaiserslautern – 163,35
20. SpVgg Greuther Fürth – 152,15
21. VfL Bochum – 147,45
22. Karlsruher SC – 138,35
23. 1860 München – 132,95
24. FC St. Pauli – 128,05
25. SC Paderborn 07 – 120,35
26. Fortuna Düsseldorf – 113,05
27. FSV Frankfurt – 93
28. Erzgebirge Aue – 91,25
29. 1. FC Union Berlin – 91,15
30. Eintracht Braunschweig – 80,9
31. FC Ingolstadt 04 – 76,4
32. VfR Aalen – 42,7
33. SV Sandhausen – 33,7
34. 1. FC Heidenheim – 0
35. RB Leipzig – 0
36. SV Darmstadt 98 – 0

(Hier gibt es eine xls.Datei mit den einzelnen Daten.)

Was ist also im Vergleich zum letzten Mal passiert? Ich will diesmal vom unteren Ende beginnen: Gleich drei Vereine fangen mit ihrem Aufstieg in die 2. Liga „von Null“ an – Heidenheim und RB Leipzig haben sich noch nie in dieser Spielklasse befunden, und bei Darmstadt ist es schon wieder ewig her. Auf jeden Fall Leipzig besitzt natürlich die Voraussetzungen auch langfristig weiter von sich reden zu machen. Für die deutsche Fußballszene kann ein erfolgreicher Verein aus dieser Region eigentlich nur gut sein! Die Hoffenheim-artigen Anfeindungen, die RB erfährt, sind auch nicht wirklich durchdacht – es ist doch eher schlechter als besser, wenn ein Sponsor sich dauerhaft engagiert, als wenn ein Verein ständig wechselnde Sponsoren hat? Urteilt nach dem, was der Verein TUT, und das sieht bisher sehr gut aus!

Sandhausen und Aalen sind immer noch ziemliche Neulinge, die auch noch keinen durchschlagenden Erfolg in der zweiten Liga gehabt haben, wie so mancher andere Verein: Hoffenheim, Düsseldorf, Braunschweig und Paderborn belegen ja, dass nicht jeder Klub sich erst ein Jahrzehnt in der Zweiten Liga akklimatisieren muss, bis ihm ein Aufstieg ganz nach oben gelingt, auch wenn die Luft dort häufig erst einmal ein wenig zu dünn wird.

Ingolstadt hat sich unterdessen wohl in der zweiten Liga etabliert, besitzt aber eher wenige realistische Perspektiven für einen weiteren Aufstieg. Das ist bei Braunschweig anders, für welches dieser vielleicht noch ein wenig zu früh kam, bei dem man aber davon ausgehen kann, dass es den Blick erneut eher nach oben als nach unten richten darf. Union wiederum befindet sich irgendwo dazwischen: Ambitionierter als Ingolstadt, aber vermutlich noch nicht ganz reif für den nächsten Schritt.

Aue hat auf den hinteren dreizehn Plätzen die längste Zweitligazugehörigkeit zu bieten, aber eben auch keine übermäßig guten Ergebnisse und kein Jahr der Erstligazugehörigkeit. Der FSV ist etwas kürzer dabei und dafür ein wenig erfolgreicher, führt aber nur das Feld der auch aus Zweitligasicht grauen Mäuse (Braunschweig ausgenommen) an.

Ab Düsseldorf gelangen wir dann in die Region derjenigen Klubs, die kürzlich noch Bundesligaluft geschnuppert haben (Düsseldorf, St. Pauli, Karlsruhe, Bochum, Fürth), oder dies zukünftig tun werden (Paderborn)… und von 1860 München, welches irgendwie nicht so recht begreifen mag, dass seine Erstligavergangenheit immer fernere Historie darstellt, aber immerhin trotz erheblicher Unruhen bislang vermeiden konnte, das Schicksal zahlreicher anderer überambitionierter ehemaliger Erstligaklubs zu erleiden, und noch eine weitere Liga (oder mehr als eine) tiefer zu fallen. Fürth und Düsseldorf sehe ich hier durchaus dem erweiterten Kreis der Aufstiegskandidaten im nächsten Jahr zugehörig, während die übrigen Klubs, falls sie sich nicht selbst ein Bein stellen, indem sie zum Beispiel auf Grund unrealistischer Ansprüche ständig den Trainer wechseln, zumindest nicht in allzu schlimme Abstiegsgefahr geraten sollten – abgesehen natürlich von Paderborn, welches ebenso wie Braunschweig letztes Jahr klarer Abstiegskandidat Nummer Eins aus der ersten Liga ist.

Kaiserslautern wiederum ist jetzt bereits zwei Mal in Folge knapp am Wiederaufstieg gescheitert, aber bei diesem Verein glaube ich prinzipiell an die vorhandene Kraft, dies nachzuholen, bevor er sich dauerhaft auf eine Zweitligazugehörigkeit einstellen muss. Nächstes Jahr, mit Nürnberg als vermutlich stärkstem Konkurrenten, muss es nun aber wirklich gelingen!

Vor die Lauterer hat sich dieses Jahr Augsburg geschoben, und sich damit auf Platz 18 meiner Tabelle gewissermaßen für die „wahre“ 1. Liga qualifiziert: Da ja mindestens zwei Vereine jedes Jahr auf- und absteigen müssen, ist eine Momentaufnahme nicht unbedingt fair. Mit dem dritten Jahr Erstligazugehörigkeit – im Gegensatz zum dritten Jahr Zweitligazugehörigkeit von Lautern – hat Augsburg nun aber gezeigt, dass es dauerhaft auf diesem Niveau mithalten kann. Kann es sich zu einem neuen Mainz entwickeln?

Köln hat im zweiten Anlauf den Wiederaufstieg geschafft und besitzt auch das Potenzial, sich wieder in der obersten deutschen Spielklasse zu etablieren, wenn dies auch gewiss kein Selbstläufer werden wird. Hier hat meine „wahre“ Tabelle eine vorübergehende Schwächephase abgefedert; Köln hat die ersten 18 Plätze darin nie verlassen.

Das vor immer noch recht kurzer Zeit aus dem Nichts empor geschossene Hoffenheim schüttelt seine fehlende Vergangenheit natürlich mit jedem Jahr Bundesligazugehörigkeit ein Stückchen weiter ab und klettert entsprechend in dieser Tabelle. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass nächstes Jahr mit dem 1. FC Nürnberg ein weiterer Traditionsverein überholt werden wird, welcher sich weiterhin außerstande zeigt, sein Schicksal als Fahrstuhlmannschaft endgültig abzulegen.

In den oberen 18 Plätzen meiner Tabelle hat sich auch der SC Freiburg schon seit einiger Zeit festgesetzt und weigert sich beharrlich, den jedes Jahr wieder zu erwartenden Gang in die 2. Liga anzutreten. Es fällt mir trotzdem schwer, diesen Klub als dauerhaften Bestandteil der Bundesliga zu akzeptieren, auch wenn er sich, objektiv gesehen, in den letzten 20 Jahren deutlich öfter darin als darunter befunden hat.

Bei Eintracht Frankfurt und Hertha BSC betrachte ich die zwischenzeitlichen Abstiege der letzten Jahre eher als Ausrutscher denn als Anzeichen von Fahrstuhlmannschaften. Durch die jeweiligen sofortigen Wiederaufstiege haben sie ein allzu schlimmes Abrutschen in meiner Tabelle verhindern können, aber den Anschluss zu Klubs mit kontinuierlicher Erstligazugehörigkeit (zu denen zuletzt erstaunlicherweise auch Mainz zählt) haben sie erst einmal ein wenig verloren.

Mainz, das ist ein weiterer Verein, der immer wieder die in ihn gesetzten Erwartungen übertrifft! Sein Punktestand in meiner Tabelle lügt aber nicht: Mainz kratzt völlig zu Recht an den Top 10 der besten deutschen Bundesligavereine, wenn man das auch durchaus zu einem gewissen Teil auf die Schwäche der nur noch knapp vor ihm platzierten Traditionsvereine schieben kann.

Von dieser Schwäche ist Gladbach ein wenig ausgenommen: Zwar ein Verein mit großer Tradition, darf man von ihm trotzdem kein dauerhaftes Mitspielen um die internationalen Plätze erwarten, dazu fehlen ihm ein wenig die Rahmenbedingungen. Für den gelegentlichen Ausreißer nach oben sind sie allemal gut – aber leider auch nach unten, wo sie in den letzten Jahren nur ein kleines bisschen mehr Glück gehabt haben als zum Beispiel Nürnberg.

Der HSV ist aus den Top 8 herausgefallen, und für den Drittplatzierten der ewigen Bundesligatabelle ist das natürlich eine riesige Schande! Dieses Jahr haben sie die zweifelhafte Ehre errungen, der schlechteste Nichtabsteiger zu sein, an den ich mich zurückerinnern kann. Wenn dieser Verein weiterhin ohne Augenmaß und Geduld geführt wird, kann das nächstes Jahr aber ganz leicht sogar noch schlimmer kommen…

Dass Hannover den HSV überholt hat, ist jedenfalls ganz gewiss nicht auf deren eigene Stärke zurückzuführen! Hamburg hat halt massiv Punkte aus weiter zurück liegenden, besseren Zeiten verloren und eine unglaublich schlechte Saison gespielt, während die von Hannover nur schwach gewesen ist. Meiner Ansicht nach muss Hannover sogar aufpassen, dass sie nächstes Jahr nicht einen plötzlichen Rückschlag wie Nürnberg erleiden.

Mit Bremen und Stuttgart sind zwei weitere ganz große Vereine (Platz 2 und 4 in der ewigen Bundesligatabelle) deutlich abgestürzt, wenn auch nicht so tief wie der HSV, und sie befinden sich letztlich in der gleichen Situation, wenn auch mit nicht ganz so miserablen aktuellen Bedingungen. Dass es nichts bringt, immer den Trainer für die Versäumnisse des Vorstands verantwortlich zu machen, sollte sich jedenfalls hoffentlich allgemein herumgesprochen haben!

Wolfsburg führt jetzt das Verfolgerfeld hinter den vier Topklubs an, und das ist gewiss nicht nur eine vorübergehende Erscheinung. Es hat eine Wachablösung im deutschen Fußball gegeben: Die Vergangenheit mag Bremen, Hamburg und Stuttgart gehört haben; die Gegenwart und nähere Zukunft zumindest gehört Schalke, Leverkusen und Wolfsburg!

Die kaum unterschiedlichen Punktestände von Schalke und Leverkusen spiegeln auch ganz gut wieder, wie nahe sich diese beiden Klubs hinter den beiden deutschen Spitzenmannschaften augenblicklich sind. Ich kann mir vorstellen, dass Wolfsburg in nächster Zeit zu ihnen aufschließt, aber ansonsten ist der Abstand nach vorne zu groß, während von hinten erst einmal nichts nachkommen dürfte – der Wiederaufbau dauert da entweder ein wenig länger, oder er wird scheitern.

Dortmund ist unterdessen ganz klar die Nummer zwei in Deutschland, und daran wird sich auch nichts ändern! Der BVB hat jetzt gutes Champions-League-Niveau erreicht (etwas, was den Klubs dahinter eindeutig noch fehlt), aber vor ihnen steht halt einer der stärksten Klubs der Welt:

Die Bayern haben ihren unglaublichen Punktestand vom letzten Jahr noch einmal erhöht! Und das, obwohl Pep Guardiola mit dem knappen, unverdienten Sieg im Pokalfinale seine bevorstehende Entlassung nach dieser katastrophalen Saison gerade noch einmal abgewendet hat… oder jedenfalls las sich das in den Medien erschreckenderweise tatsächlich so! Diese vollständig abgehobene Erwartungshaltung sagt andererseits auch alles darüber aus, WIE weit die Bayern allen anderen voraus sind.

Eigentlich wollte ich noch einmal einen Blick zurück auf meine Prognose vom Vorjahr werfen, aber ich habe jetzt genug zu diesem Thema getippt, daher nur eine ganz kurze Zusammenfassung: Mainz und Augsburg habe ich deutlich unterschätzt; Hamburg und Stuttgart deutlich überschätzt; meine restlichen Einschätzungen waren im Rahmen einer angemessenen Fehlertoleranz durchaus vertretbar, und gerade in der Spitzengruppe (und ganz am unteren Tabellenende) war ich ganz, ganz nah an der Wirklichkeit. Ohne einige panische Trainerwechsel, die ich nicht erwartet hatte (Hamburg, Nürnberg), hätte ich vielleicht sogar noch besser gelegen – wer weiß?

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5 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Schöne Zusammenfassung! Wie versprochen habe ich an einer Version der Tabellenkalkulation gearbeitet die besser geeignet ist, als das XLS was du zur Verfügung stellst. Wie kann ich dir das zukommen lassen?

    Darin habe ich auch einige Diagramme erstellen können, welche allerdings ein paar deiner Aussagen widerlegen:
    a) Die Schwäche der Vereine vor Gladbach und Mainz ermöglicht deren Aufstieg. Das stimmt so nicht ganz, Mainz und Gladbach konnten beide in den letzten 5 Jahren ihren Punktewert kontiuierlich steigern, sie sind also nicht von Schwächephasen der anderen abhängig.
    b) Bremen ist in den letzten Jahren sogar noch stärker abgestürzt als der HSV. Bremen hat in diesem Zeitraum (fast) genauso viele Punkte eingebüßt wie Dortmund dazu gewann!
    c) Es stimmt zwar, dass sich Wolfsburg wohl in der Spitzengruppe etablieren wird. Aus den Daten geht es jedoch noch nicht hervor. Wolfsburg konnte seine Punkte in den letzen fünf Jahren lediglich konstant halten und hat nur Plätze hinzugewonnen, weil andere verloren haben. Auch der Abstand zu Leverkusen und Schalke ist so enorm, dass man diese drei Mannschaften noch nicht gruppieren sollte.

    Zu 2014/15: Man kann ja bereits die Auswirkungen der nächsten Saison berechnen und damit die „Startpositionen“ sehen. Nur die Veränderungen unter den ersten 18 sehe so aus: HSV von 9 auf 10, Hertha von 13 auf 15, FCN von 14 auf 16, Köln von 17 auf 18, Freiburg von 15 auf 13, Hoffenheim von 16 auf 14, Augsburg von 18 auf 17, Gladbach von 10 auf 9

    • Tja, das habe ich dann wohl davon, dass ich nicht immer ganz genau gesagt habe, worauf sich meine Aussagen gerade beziehen!

      a) Die Punkte von Mainz und Gladbach haben diese Vereine ja gerade wegen der Schwäche der traditionell starken Vereine geholt! Mainz zum Beispiel hat gegen den HSV, Werder und Stuttgart in dieser Saison die vollen ACHTZEHN Punkte eingefahren, und Gladbach immerhin noch vierzehn! Das wirkt sich natürlich auch auf ihre Gesamtspunktestände und somit auf die Platzierung in meiner Tabelle aus.

      b) Werder war vor einigen Jahren noch deutlich erfolgreicher als der HSV und hat deswegen mehr Punkte verloren, ja, und ist deswegen tiefer gestürzt, wenn man sich auf die Fallhöhe bezieht. Ich meinte aber lediglich den Punkt, bis zu dem der Fall bislang ging, und der ist beim HSV noch ein gutes Stück tiefer.

      c) Ich sage doch, dass Wolfsburg „das Verfolgerfeld anführt“, nicht wahr? Das Aufschließen kennzeichne ich doch klar als Prognose für die Zukunft.

      Zum Zukommen Lassen – gibt es denn ein Problem damit, das Ganze als Email-Anhang zu versenden?

      • Ok, da habe ich manche Aussagen wohl nicht aufmerksam genug gelesen. Wobei die Sache ja irgendwie immer ein „geben und nehmen“ ist. Ohne, dass jemand einbüßt kann jemand anderes ja auch nicht aufholen. Letztendlich ist es ja auch eindeutig wer Punkte abgeben musste (VfB, SVW, HSV) und wer die „freigewordenen“ Punkte einsammelte (FCB, BVB, BMG, FSV).

        Mit eMail habe ich kein Problem, ich habe deine Adresse bloß nirgends auf dem Blog verlinkt gefunden.

        • Echt jetzt? Dabei ist sie doch von jeder Seite dieses Blogs mit nur einem Klick zu erreichen und steht ganz weit oben in meiner Linkleiste! Oder ist „“Gästebuch, Passwörter & Kontakt“ so uneindeutig?

  2. Peinlich… habe immer nach Impressum gesucht und nicht gefunden. „Gästebuch, Passwörter & Kontakt“ habe ich gekonnt übersehen. Mail ist raus.


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