Die besten deutschen Fußballvereine, Ausgabe 2015

Es dauert leider doch noch etwas länger, bis ich mich Ein Platz für Andi wieder mit einer gewissen Regelmäßigkeit zuwende, aber dieses jährliche Feature darf ich natürlich nicht ausfallen lassen!

Die Tabelle des letzten Jahres findet Ihr hier. Meine Erläuterungen zum Aufbau dieser Tabelle habe ich zuletzt noch ein Jahr früher dargelegt.

Fußballtabelle 2015

(Hier findet Ihr eine xls-Datei mit den einzelnen Daten.)

Bayern bleibt natürlich weiterhin eine Klasse für sich und baut einerseits seine absolute Punktzahl aus (weil frühere, schwächere Jahre weniger ins Gewicht fallen) und vergrößert andererseits noch stärker seinen Vorsprung auf den Zweitplatzierten Dortmund, welcher die schwächste Bundesligasaison unter Klopp gespielt hat (aber nicht schlechter als in den drei Jahren, bevor dieser das Ruder übernahm). Hier dürfen wir wohl erwarten, dass Dortmund sich rasch wieder erholt – ich habe zwar das (durch keinerlei Fachkenntnisse belegbare) Gefühl, dass Tuchel überschätzt wird, aber für einen Champions-League-Rang sollte es bei einem „normalen“ Saisonverlauf alle Mal reichen!

Leverkusen und Schalke auf den Folgeplätzen spiegeln noch recht genau den Status Quo wieder, aber Wolfsburg naht mit Riesenschritten, und wenn Schalke sein Chaos-Gebaren und den damit verbundenen Abwärtstrend nicht rasch in den Griff bekommt, ist eine Wachablösung hier nicht allzu fern zu erwarten.

Mönchengladbach hat einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht, teils aus eigener Kraft, aber nicht zuletzt hauptsächlich deswegen, weil die Traditionsvereine Stuttgart, Bremen und Hamburg im maßgeblichen Zehnjahreszeitraum von internationaler Klasse zu akuten Abstiegsanwärtern mutiert sind und sich dementsprechend in dieser Tabelle hier im freien Fall befinden. Der HSV, welcher sich zum zweiten Mal in Folge nur über die Relegation retten konnte, ermöglichte es damit sogar Mainz, in die Top Ten vorzustoßen – Mainz! Aber meine Tabelle lügt nicht und ist mit dem Ziel maximaler Objektivität konstruiert: Mainz gehört unterdessen zu den zehn stärksten Fußballvereinen in Deutschland. Das sagt zwar mehr über die Schwäche der großen Traditionsvereine aus, ist aber nun einmal Fakt.

Ansonsten befinden sich noch Hannover und Frankfurt oberhalb der 220-Punte-Marke, welche man als Untergrenze für solide Dauergäste im Oberhaus interpretieren kann, da dies die Punktzahl ist, welche ein Verein mit zehn 40-Punkte-Saisons in Folge erreichen würde (40 Punkte gelten allgemein als das hinreichende Ziel für den Klassenerhalt). Hoffenheim befindet sich nur deswegen knapp dahinter, weil sie in dieser Dekade immer noch ein Emporkömmling sind, doch da sie sich zuletzt stabilisiert haben und deshalb vermutlich in absehbarer Zeit nicht wieder absteigen werden, gebührt ihnen wohl bereits nächstes Jahr ein Platz unter den Etablierten – bei allem Traditionschauvinismus müssen acht Jahre Erstligazugehörigkeit dafür einfach genügen.

Hertha, Köln, Nürnberg und Kaiserslautern sind große Traditionsvereine, welche jedoch im bewerteten Zeitraum zu lange in der Fahrstuhlzone zwischen erster und zweiter Liga festhingen oder -hängen. So ungern ich es insbesondere für den Hauptstadtklub konstatiere: Der Wiederabstieg ist sowohl für Hertha, als auch für Köln zur Zeit immer noch ein wahrscheinlicheres Szenario als eine Rückkehr in die obere Bundesligahälfte; und Nürnberg und Lautern befinden sich in großer Gefahr, langfristig im Unterhaus kleben zu bleiben.

Zwischendrin finden wir mit Augsburg und Freiburg zwei nach meinem Gefühl ähnlich aufgestellte Klubs mit gegenläufigen Tendenzen: Während Augsburg seine starke letztjährige Saison nicht nur bestätigen, sondern sogar noch übertreffen konnte, ist Freiburg im sechsten Erstligajahr schließlich die Puste ausgegangen. Ich muss mir immer wieder vor Augen halten, dass dieser Verein sechzehn der letzten zweiundzwanzig Jahre erstklassig war – für mich ist Freiburg immer noch ein Zweitligist, der sich ungewöhnlich lange über seine Verhältnisse durchschummeln konnte.

Danach folgen mit Fürth, Karlsruhe, Bochum, Paderborn, St. Pauli, 1860 München und Düsseldorf sieben Vereine, die zwischen gerade eben (Paderborn) und zuletzt so-lange-her-dass-es-kaum-noch-wahr-ist (St. Pauli) Erstligaluft geschnuppert haben und den Eindruck vermitteln (bzw. es teilweise auch ausdrücklich sagen), dass es ihr Anspruch sein müsse, in die oberste deutsche Liga zurückzukehren – womit sie sich eigentlich nur als typische Zweitligaklubs outen…

Ab Düsseldorf bereits beginnt allerdings das untere Tabellenende, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass die dort befindlichen Klubs in den letzten zehn Jahren zu viele (und/oder zu kürzliche) Saisons unterhalb der zweiten Liga verbracht und somit zu wenige Punkte für eine bessere Platzierung in dieser Tabelle erspielt haben. Bemerkenswert ist allerdings, dass gleich zwei dieser Vereine – Ingolstadt und Darmstadt – nächstes Jahr erstklassig sind, und dass auch Braunschweig bereits ein Gastjahr im Oberhaus hinter sich hat. Dazwischen wirken Union Berlin und der FSV Frankfurt geradezu als Außenseiter: Wie kann man sich denn in der zweiten Liga dauerhaft etablieren, obwohl man nie in der ersten gespielt hat? Solch ein Sonderstatus wird mit der Zeit zwangsläufig immer seltener werden… Eine interessante Frage ist, in welche Richtung diese Klubs die zweite Liga irgendwann schließlich verlassen werden. Bei Union sehe ich hier eine leichte Tendenz nach oben, bei Frankfurt hingegen nach unten.

Duisburg und Bielefeld haben aktuell gerade die Sorte Betriebsunfall repariert, welche a860 München wieder einmal haarscharf vermieden hat, nämlich den Absturz nach unten mit nach oben gerichtetem Blick. Im Gegensatz zu Sandhausen und Heidenheim sind sie jedoch prinzipiell Stammgäste in der zweiten Liga, während jene beiden diese Rolle noch bestätigen müssen. Meinem Gefühl nach bewegen sich Sandhausen und Heidenheim letztlich jedoch eine Klasse zu hoch und stellen die beiden Top-Abstiegsanwärter im nächsten Jahr dar (unter der Annahme, dass München 1860 die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit endlich erkennt).

Bei Leipzig schließlich steht ein Abstieg nicht zu befürchten, und auch der Aufstieg ist letztlich keine Frage des ob, sondern nur des wann. Red Bull muss man nicht mögen, aber eine große Stadt, gute Zuschauerresonanz, viel Geld, und ebenfalls viel sportliche Kompetenz – hier ist eindeutig Erstliganiveau vorhanden, und deswegen wird RB Leipzig seinen Weg gehen, welcher in dieser Tabelle hier in zehn Jahren vielleicht bis in die Top 10, auf jeden Fall aber in die Top 20 führen wird.

Dies sind aus meiner Sicht die spannendsten zu beobachtenden Entwicklungen im nächsten Jahr: Ob Dortmund sich von Wolfsburg seinen Status als Bayernjäger Nummer eins zurückerkämpft; ob in Schalke endlich einmal konzeptuell seriös gearbeitet wird; ob der HSV jetzt endgültig auf dem Boden aufgeschlagen ist, und es für ihn langsam wieder aufwärts geht; ob Hertha sich, wie es einem Hauptstadtverein angemessen wäre, in der ersten Liga fest etablieren kann; ob Mainz es ein weiteres Jahr vermeiden kann, den Freiburger Weg zu gehen; ob Leipzig mit Rangnick den Kraftakt Aufstieg sofort bewältigt; und ob sich nächstes Jahr wieder ein Zweitligaklub mit Aufstiegsambitionen in der dritten Liga wiederfindet (und ob es sich dabei um 1860 München handelt, die schon lange um eine solche Radikalkur betteln). Ach ja, und ob Augsburg uns in der Tradition von Freiburg und Mainz im internationalen Geschäft blamiert oder vielleicht tatsächlich genügend Potenzial besitzt, um seinen doch recht glücklich erworbenen Tabellenplatz zu rechtfertigen!

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