Ligen liegen mir nicht

Die Stichprobe ist immer noch verhältnismäßig klein, da ich Magic Online weit seltener nutze als früher, aber trotzdem kristallisiert sich immer deutlicher ein Bild heraus: Seit ich in Ligen statt in Pods drafte, bin ich spürbar weniger erfolgreich. Mein Limited Rating hat seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr die 1800 überschritten und ist damit im Schnitt 50-100 Punkte niedriger als früher. Auch eine vorübergehende kurze Hochphase zuletzt hat dies nicht ändern können. Außerdem bin ich mir einigermaßen sicher, dass ich in Ligen häufiger 1-2 als 3-0 spiele (2-1 ist weiterhin mein häufigstes Ergebnis, jedoch mit geringerem Vorsprung als früher). Das ist auch neu! Gründe, warum dies nicht zwingend an meiner fortschreitenden Senilität liegt, sondern vielmehr an der Struktur von Draftligen an sich, habe ich hier schon einmal zusammengefasst (ab dem dritten Absatz – der Artikel ist auf Englisch).

Trotzdem „gewinne“ ich immer noch ab und zu eine Liga und folge weiterhin der Tradition, die siegreichen Decks zu veröffentlichen. Dies hier zum Beispiel:

Vier Miasmic Mummy einerseits und Angel of Sanctions, der 5 bis 6 Mana verlangt andererseits erwiesen sich als genau so problematisch, wie diese Kombination aussieht, aber trotzdem waren diese Karten Schlüssel zu meinen Siegen – die Mumien waren für den Gegner immer unangenehmer als für mich, und der Engel kam fast immer noch rechtzeitig (und überhaupt sehr häufig), um das Spiel noch zu drehen. Die Partien waren allerdings zumeist furchtbar knapp, und mein Erfolg beruhte diesmal auf einer sehr wahrnehmbaren großen Portion Glück, auch wenn ich meiner Ansicht nach in den knappen Spielsituationen gute Entscheidungen getroffen habe.

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Published in: on Juni 23, 2017 at 10:56 pm  Comments (3)  
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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Zusätzlich zu den Punkten aus deinen früherem Artikel, wurde in einem Reddit-Thread kürzlich ein weiterer Grund aufgeführt, warum Draft-Ligen nicht das gelbe vom Ei sind: Es gibt (oder soll zumindest geben) Gruppen von jeweils 5-8 Personen, die gemeinsam einen Draftpod stürmen und sich dann via Instant Messenger absprechen, wer welche Farben draftet, so dass sich jeder das richtige zuschiebt. Und mit ihren getunten Decks kann dann jeder für sich viel leichter ein 3-0 einfahren (man läuft sich den Ligen ja nicht so leicht über den Weg).

    Der Thread war das Geständnis eines Spielers, der dies mit Freunden praktiziert. Ich weiß natürlich nicht wieviele andere das machen und ob das bei der hohen Spieleranzahl von MTGO überhaupt statistisch relevant ist, aber als ich den Thread gelesen hab, musste ich gleich an deine Berichte denken.

  2. Hab den zugehörigen Reddit-Thread gefunden: https://www.reddit.com/r/magicTCG/comments/6hjf20/do_not_draft_on_magic_online_you_are_being/

    (Wie gesagt, weiß nicht wieviel davon künstliche Aufregung ist, aber es gab mir zu denken)

    • (Diesen Kommentar musste ich erst freischalten, weil er ein Link enthielt.)

      Danke dafür! Ich hatte davon noch nichts gehört, aber mir gibt es ebenfalls zu denken. Ich weiß auch nicht so recht, was ich davon halten soll…

      Einerseits ist das tatsächlich ziemlich viel Aufwand für relativ wenig Ertrag. Die Theorie, dass sich der Poster das Ganze einfach nur ausgedacht hat, um die Community zu trollen und/oder weil er sauer ist, dass er in Draftligen nicht so gut abschneidet, wie er gerne würde, hat durchaus etwas für sich. Menschen tun so etwas.

      Andererseits gilt das auch für die Möglichkeit, dass er die Wahrheit sagt: Menschen tun so was, auch wenn es sich finanziell für die Mühe eigentlich nicht wirklich lohnt. Die von ihm angesprochene Methode erscheint durchdacht und abhängig von der jeweiligen Frequenz, mit der Drafts starten, auch plausibel. „Nachts, wenn wenig los ist“ muss man bei einem globalen Spiel natürlich relativieren, es ergibt aber durchaus Sinn, weil zwischen Mitteleuropa und Ostasien doch ziemlich viele benachbarte Zeitzonen eher wenige Spieler aufbieten dürften und die lokalen Stoßzeiten vermutlich überall am späten Nachmittag und Abend liegen.

      Das Schlimmste daran ist jedoch, dass man es gar nicht so perfekt organisieren muss, um Vorteile aus dieser Herangehensweise zu ziehen! Eine Gruppe von Spielern, die über irgendeinen Chat miteinander vernetzt sind, kann ja einfach auf gut Glück gleichzeitig in eine Liga eintreten, und diejenigen, die am selben Drafttisch landen, sprechen sich ab. Dieser Informationsvorsprung gibt einen nennenswerten Vorteil (abgeschwächt übrigens auch den Nichtbeteiligten am Tisch, auf Grund klarerer Signale), und der Umstand, dass die Spieler einander in den Matches später ausweichen können, vergrößert diesen noch einmal deutlich.

      Eine solche „mal-sehen-ob’s-klappt“-Collusion ist vermutlich um Größenordnungen häufiger als das organisierte, systematische Cheating, welches der Poster beschreibt, egal, wie häufig dieses nun wiederum tatsächlich ist und ob es überhaupt existiert. Und dieser Effekt wäre auch bei einem vergleichsweise kleinen Spieleranteil, der sich dieser Methoden bedient, schon spürbar, da Spieler in Ligen ja auf Grund ihrer Scores gegeneinander gepaart werden. Der statistische Effekt wäre also, dass die Gesamtgewinnwahrscheinlichkeit der ehrlichen Spieler nur ein bisschen absinkt; die Anzahl der mit 3-0 abgeschlossenen Ligen jedoch schon einigermaßen deutlich.

      Dies wäre tatsächlich genau der Effekt, den ich beobachte! Und natürlich schlägt er sich finanziell noch einmal verstärkt nieder, weil der Payout in den Ligen ja sehr kopflastig ist – der EV hängt nicht wirklich mit der Gesamtgewinnrate zusammen, sondern hauptsächlich mit dem Anteil der 3-0-Ergebnisse. Da muss nicht spektakulär viel wegbrechen, damit sich das nennenswert auswirkt.


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