Hour of Devastation Draft – meine Abschlussbilanz

Seit meinem vorigen Eintrag sind noch einmal drei Trophäen hinzugekommen. Die dazugehörigen Decks will ich Euch, meiner Chronistenpflicht folgend, rasch präsentieren:

 

 

Grün war offensichtlich offen für mich, und grüne Kreaturen sind gut, insbesondere wenn sie Hexproof haben. Was ursprünglich als Golgari-Deck angedacht war, entwickelte sich im Verlauf des Drafts zu massivem Grün mit zwei Splashes. Manaeffiziente dicke Viecher plus Removal ist vielleicht die älteste Draftstrategie, seit die Umgebungen einem mehr abfordern, als nur genügend Playables einzusammeln.

 

 

Eine niedrige Kurve, viel Evasion und einige Tempokarten. Dieses Rezept ist im Limited auch nicht neu. In diesem Format gaben ihm die Synergien mit Exert noch einmal ein bisschen extra Schärfe. Bemerkenswert an diesem Deck ist, wie puristisch es ausgefallen ist, ohne ein einziges Removal. Ein völliger Gegenentwurf zum vorigen Deck.

 

 

Hier haben wir es schließlich im Wesentlichen mit einer Selesnya-Version des vorigen Ansatzes zu tun, die sich noch stärker auf Exert-Synergien fokussiert – offensichtlich waren die vier (!) Dauntless Aven das Herzstück dieses Decks. Dusk / Dawn befand sich völlig richtigerweise im Sideboard, was eine Menge über dieses Format aussagt. Dazu komme ich gleich:

Über Amonkhet und Hour of Devastation Draft ist bis zuletzt auch und gerade von Topspielern jede Menge Blödsinn geschrieben worden. Das Erstere war nie wirklich so schnell gewesen, wie es jetzt wohl in die Geschichte eingehen wird; und das Letztere keineswegs so langsam. Es ist unglaublich, wie angesichts der unbestreitbaren Existenz ultraaggressiver Decks in Amonkhet übersehen wurde, wie gering deren tatsächlicher Anteil am Metagame doch war; und wie durchaus schlagbar sie waren, wenn man ihre Existenz nicht ignorierte! Der Hype entsprach einfach nicht der Realität, was man anhand der publizierten Decklisten von Grand Prixs und Pro Tours auch belegen kann.

Mit Hour of Devastation hat sich dieser Trend dann ins Gegenteil verkehrt. Sicher, die Umgebung wurde spürbar langsamer, und jetzt betraten auch die umständlichen mehrfarbigen Decks die Bühne, denen zuvor die entscheidende Runde Zeit sich zu sortieren gefehlt hatte. Aber auch hier galt: Das war nur ein Aspekt dieses Formats. Tatsächlich hatte ich keineswegs das Gefühl, dass es weniger aggressive Decks gab – warum auch, wenn diese doch die logische Antwort auf die beliebten bunten Konstruktionen darstellten? Natürlich fehlte nun die extreme Ausprägung mit zahlreichen 1-Drops und Cartouches, die in Amonkhet so viel Eindruck hinterlassen hatte, aber dafür war nun in jeder Zweifarbkombination ein stringenter aggressiver Ansatz möglich. Die Strategie, die angesichts des Zuwachses an Lategame-Decks quantitativ am meisten einbüßte, war keineswegs Aggro, sondern Midrange, welches in Amonkhet faktisch an Stelle von Aggro dominiert hatte (wenn auch mit offensiver Tendenz). Tatsächlich begegnete man wohl sogar noch öfter als zuvor Decks mit insgesamt niedriger Kurve, was auch der Grund ist, warum Dusk / Dawn so erschreckend oft nutzlos war.

Ein Phänomen, welches mir zu denken gibt, ist dass auch nachweislich äußerst erfolgreiche Spieler wie Martin Juza und Dustin Stern nachweislich völligen Blödsinn von sich gegeben (und wohl auch selbst geglaubt) haben, wie „Schwarz ist unspielbar“ oder „Unquenchable Thirst ist schlecht und gehört selbst in einem Deck mit zahlreichen Deserts ins Sideboard“. Es scheint zuletzt ein Trend zu sein, dass eine subjektive, verzerrte Sichtweise auf eine Draftumgebung sich durch die Fokussierung auf eine spezielle Herangehensweise ausgleichen lässt.

Was meine private Draftbilanz angeht, will ich sie einmal „durchwachsen“ nennen. Bei meinen insgesamt 72 Drafts mit Hour of Devastation habe ich 18 Trophäen gewonnen, also in exakt jedem vierten Draft – das ist noch okay, aber auch nicht wirklich beeindruckend. Insgesamt ist meine Gewinnrate jedoch einfach nur schlecht – 63,89% sind es am Ende geworden, was wirklich deutlich im unteren Bereich meiner Ansprüche liegt.

Bei naiver Betrachtung korreliert diese Gewinnrate übrigens einigermaßen mit meiner Trophäenrate: Wenn man annimmt, dass ich in jedem Match exakt die selbe Gewinnwahrscheinlichkeit habe, dann gewinne ich im Durchschnitt jeden vierten Draft eine Trophäe, wenn diese bei ziemlich genau 63% liegt. So funktioniert das aber eigentlich nicht – oder hat es zumindest früher nicht, als man noch in Pods draftete. In Ligen hingegen gibt der Pairings-Algorithmus wohl dem Score der beteiligten Spieler nicht mehr besonders hohe Priorität, so dass die Annahme einer generellen Matchwin-Wahrscheinlichkeit zumindest im Nachhinein das eigene Abschneiden gut erklären kann. Wenn ich meine finale Gesamtgewinnrate zugrunde lege, dann ergibt sich folgende Ergebnisverteilung als die wahrscheinlichste:

19 mal 3-0

32 mal 2-1

18 mal 1-2

3 mal 0-3

Wenn ich nun meine tatsächliche Ergebnisverteilung betrachte:

18 mal 3-0

31 mal 2-1

22 mal 1-2

1 mal 0-3

…dann muss ich wohl zu dem Schluss kommen, dass diese angenommene generelle Gewinnwahrscheinlichkeit über eine einigermaßen große Stichprobe mein Abschneiden vermutlich doch ziemlich genau modelliert – es gibt keine allzu deutlichen Abweichungen, welche darauf schließen ließen, dass der Paarungsalgorithmus meine Ergebnisverteilung maßgeblich veränderte. (Am ehesten wäre dies noch bei den 0-3-Ergebnissen der Fall.) Das hatte ich, ehrlich gesagt, nicht erwartet, bevor ich diese Rechnung angestellt hatte!

Ich gewinne also nur noch ca. 64% meiner Matches – ein Wert, an den ich mich ebenfalls bei meinen Amonkhet-Drafts zu erinnern glaube. Natürlich ist die Differenz zu meinem angestrebten Ziel, 2/3 meiner Matches zu gewinnen, noch nicht statistisch allzu relevant, und mein Scheitern lässt sich daher durchaus durch Pech erklären (von dem ich, glaube ich, insgesamt auch überdurchschnittlich viel gehabt habe), aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass es auch in Zukunft nicht wieder allzu viel besser werden wird. Die Dinge haben sich geändert, auch wenn ich nicht exakt den Finger darauf legen kann, in welcher Weise – ob die aktuellen Sets meine ausgewiesenen Stärken weniger belohnen als frühere; ob diese Stärken ein wenig zurückgegangen sind, ohne dass ich es gemerkt habe; oder ob die Ligastruktur Gewinnraten angleicht, weil dadurch Spieler aus Pods mit unterschiedlich starken Decks gegeneinander gepaart werden. Natürlich können es auch mehrere Dinge gleichzeitig sein.

Nun steht ja bald Ixalan an, und ich bin gespannt, wie ich in dieser neuen Draftumgebung abschneiden werde. Mein erster Eindruck ist, dass die Differenz im Power Level zwischen den meisten Commons und den (zugegebenermaßen nicht allzu zahlreichen) besonders starken Uncommons und Bomben-Rares diesmal besonders groß ist, was kein gutes Zeichen wäre. (Und weniger Bomben bedeuten oft auch nur, dass der eine Spieler eine im Deck hat, und der andere nicht, was keine Verbesserung darstellt.)

Wir dürfen auch gespannt sein, wie schnell das Format sein wird. PDV erwartet es offenbar sehr aggressiv, während Nico Bohny eher das Gegenteil glaubt und LSV mal wieder überhaupt keinen Respekt für mäßige 2-Drops und aggressive Tempokarten zeigt. Eine Einschätzung fällt mir diesmal auch ein wenig schwer, weil hier eine Abhängigkeit davon besteht, wie stark synergetische Archetypen sein werden, was ich ebenfalls nicht nicht so recht absehen kann. (Ein weiterer Grund ist auch, dass ich diesmal keine systematische Analyse der Karten des Formats vorgenommen habe. Keine Bezahlung & kaum noch Leser > keine Motivation.)

Zumindest die Intention der Set-Designer ist offensichtlich, dass 1- und 2-Drops eine starke Rolle spielen sollen. Es führt jedoch nicht zwangsläufig zu einem aggressiven Format, wenn früh angegriffen, aber eben auch geblockt werden kann. Das Board in den frühen Runden zu vernachlässigen wird allerdings (wie zuletzt immer) keine gute Option sein, nicht nur, um mit einem aggressiven gegnerischen Start mithalten zu können, sondern auch, weil die meisten Tribal-Synergien (selbst die der Dinosaurier) ihre Stärken am besten entfalten, wenn man früh damit beginnt, Kreaturen auf das Board zu packen.

Am Ende werden wir sehen, welche Karte öfter in Draftdecks anzutreffen sein wird: Ancient Brontodon oder Jungle Delver. Stand jetzt tendiere ich zum Delver, aber dieses Rennen ist noch völlig offen!

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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich denke mit 63,x Prozent kann man schon zufrieden sein. Man kann glaube ich nicht in jedem Format 2/3 schaffen. Ich denke das ist eine gute Leistung – habe bei mir leider nicht Protokoll geführt. Werde aber mit IXL versuchen mehr aufzuschreiben, Archetypen usw.


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