Meine erste Ixalan Draft-Trophäe

Ich finde Ixalan-Draft bislang furchtbar! Man sollte meinen, dass meine erste Trophäe (immerhin im dritten Versuch) mich positiver gestimmt hätte, aber… nicht wirklich. Generell fühle ich mich nach einem Sieg natürlich besser als nach einer Niederlage, aber die Spiele sind immer noch eine Quälerei.

Wenn ich nicht doch noch irgendwie mit dem Land der Piraten und Dinosaurier warm werde, kann es sein, dass ich relativ früh damit aufhören werde, dieses Set zu draften, also zeige ich Euch diesmal zusätzlich zu meinem Siegerdeck auch die beiden Decks, mit denen ich krachend gescheitert bin, und schreibe zu allen ein bisschen etwas.

Dies hier war mein erster Versuch gewesen:

 

 

(Ich sehe gerade, dass meine weißen Sideboard-Karten nicht im Bild sind – ich achte meistens darauf, aber Magic Online besitzt die lästige Angewohnheit, einem das Sideboard umzusortieren, wenn man mehrere Länder auf einmal ins Deck steckt, und das habe ich diesmal nicht gemerkt, bevor ich den Screenshot machte. Die drei Karten sind Sunrise Seeker, Kinjalli’s Caller und Demystify.)

Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Deck das beste war, was ich aus den mir vorliegenden Boostern machen konnte, und es sieht auch eigentlich gar nicht allzu übel aus. Ich habe damit dann zwei mal 0:2 verloren und einmal mit Ach und Krach 2:1 gegen ein wirklich beschissenes Deck gewonnen (dreifarbig, trotzdem erschreckend niedrige Kartenqualität, kein erkennbarer Fokus…) Diese Fast-Niederlage hat mich beinahe noch mehr frustriert als die beiden verlorenen Matches, denn da hatten meine Gegner wenigstens ordentliche Decks.

Schiefgegangen ist einfach alles, was schiefgehen konnte: Unspielbare Anfangshände erforderten zahlreiche Mulligans; meine sechs 2-Drops versteckten sich zunächst immer, während meine Gegner zuverlässig auskurvten; und wenn ich mich dann doch noch mit Mühe stabilisierte, zog ich nur noch Länder und irgendwann dann diese 2-Drops, die ich zu Beginn des Spiels gebraucht hätte, und die jetzt nicht mehr genug machten. Oh, und ab und zu lag da halt auch eine Bombe auf der anderen Seite des Tischs, und mein prinzipiell durchaus vorhandenes Removal dafür zeigte sich nicht.

Ach ja, und Pirate’s Cutlass war höchst untermittelprächtig. Nur für den Fall, dass Ihr diesen wie Ben Stark für einen starken Firstpick haltet: Das ist er nicht annähernd.

Mein Versuch Nummer zwei:

 

 

Dieser Draft war ein Albtraum. Ich startete mit Sanctum Seeker und sah dann erst einmal kein gutes Schwarz mehr. Unfriendly Fire war sonst die einzige wirklich bemerkenswerte Karte aus dem ersten Durchgang, dessen Booster erschreckend schwach waren. Die einzige Farbe, die offen zu sein schien, war Grün, aber nur die Merfolk-Schiene, nicht die Dinosaurier, während gleichzeitig in Blau überhaupt nichts kam. Mein Firstpick im zweiten Durchgang war dann Pious Interdiction mangels irgendeiner auch nur halbwegs sinnvollen Alternative, aber ansonsten hatte Weiß gar nichts zu bieten, weder Dinosaurier noch Vampire. Stattdessen kam wieder etwas mehr Schwarz. Golgari ist jetzt nicht gerade eine besonders erstrebenswerte Farbkombination im Ixalan-Draft, aber es bietet einem zumindest ein paar Explore-Synergien, die ich dann auch aufzuschnappen versuchte. Auch deswegen schlich sich dann Weiß endgültig in mein Deck, und ich draftete daher gezwungenermaßen Multicolor-Grün, ohne jedoch wirklich überzeugende Payoffs dafür zu erhalten – es war mehr Notwehr als alles andere, denn die Kartenqualität in den Boostern blieb miserabel (ich habe diesen ganzen Müll in meinem Sideboard ja nicht aus Überzeugung genommen!)

Am Ende war das Mana erwartungsgemäß etwas wacklig und verlor mir auch ein Spiel, aber eigentlich funktionierte es insgesamt doch ganz gut. Zum Verhängnis wurden mir dann andere Dinge: Trotz fünf Kreaturen mit Explore konnte dieses Deck ganz wunderbar flooden (und Thundering Spineback zeigte sich natürlich nie), und dass ich diesmal sogar ganze sieben 2-Drops auffuhr, hinderte meine Gegner nicht daran, immer ihre in Runde zwei zu spielen, während meine sich fast nie zeigten.

Richtig geärgert hat mich allerdings das zweite Spiel mit diesem Deck: Ich führte mit 1-0 nach einem harten Kampf, in dem ich unter anderem Vona, Butcher of Magan entsorgen musste (was für eine vollständig absurde Karte!), und im zweiten Spiel passierte das Gleiche noch einmal. Ich besaß danach das Momentum und griff mit einer großen Kreatur in den 3/2 Erstschläger meines Gegners (Emissary of Sunrise) an. Dieser blockte und spielte einen Kampftrick, und ich antwortete darauf mit Dark Nourishment auf…

…eine völlig unbeteiligte und nicht allzu relevante Kreatur, die sich mehrere Zentimeter entfernt auf dem Screen befand. Behauptete jedenfalls Magic Online! Diesen supernervigen Bug kenne ich noch von früher, doch zuletzt war er mir längere Zeit nicht mehr untergekommen. Nun aber erhob er wieder sein hässliches Haupt.

Ich verlor somit auf einen Schlag die einzige Kreatur, die in jenen Erstschläger hinein angreifen konnte und das Removal, welches ihn abgeschafft hätte, konnte mit meiner Armee an kleineren Kreaturen jetzt nicht mehr angreifen (was ansonsten noch eine Zeitlang möglich gewesen wäre und für den Sieg gereicht hätte), und zog danach eine Menge Länder, während mein Gegner nach und nach seine Situation mit größeren Kreaturen stabilisierte und schließlich diese Spiel kippte. Im dritten Spiel schließlich hatte ich nicht zum dritten Mal rechtzeitig ein passendes Removal für seine Mythic Rare und verlor.

Als ich dann im folgenden Match erneut zwei Mal nicht wirklich mitspielen konnte, weil es mir nicht gelang, Sprüche und Länder im passenden Verhältnis zu ziehen (wozu sind diese verdammten Explore-Kreaturen eigentlich gut?) hatte ich den Kanal dann voll und droppte zum ersten Mal überhaupt aus einer Draftliga.

Nachdem mein Tilt ein wenig abgeklungen war, versuchte ich es dann heute zum dritten Mal. Dies hier war das Ergebnis:

 

 

Dieses Deck hat mir dann also die Trophäe gewonnen. Dabei waren alle Matches knapp (alle 2-1), wobei ich eines wahrscheinlich (aber nicht ganz sicher) 2-0 gewonnen hätte, wenn nicht schon wieder dieser verdammte Bug aufgetreten wäre – diesmal war Magic Online der Ansicht, ich hätte Sure Strike nicht auf meinen Angreifer, sondern auf den gegnerischen Blocker gespielt.

Viel gibt es zu diesem Deck wohl nicht zu sagen: Legion’s Landing war sehr, sehr gut, was allerdings auch ein wenig an meinen unglaublichen fünf Legion Conquistador lag, welche das Herzstück des Decks bildeten. Sunbird’s Invocation – mein First Pick First Pack – wäre in allen Spielen, in denen ich es nicht zog (also den meisten) sehr gut gewesen. In den beiden anderen war es einmal unnötig, weil mein Gegner sich nicht allzu sehr wehren konnte, wäre aber ansonsten ebenfalls sehr nützlich gewesen. Im anderen Fall war es gegen ein ultraaggressives Deck zu klobig, und ich boardete es heraus.

Zum Format: Es ist mal wieder tempo-orientiert (unterdessen der absolute Normalfall seit vielen Jahren), und es ist ein bisschen schwieriger als sonst, nach einem schnellen gegnerischen Start Tempo zurückzugewinnen, aber es ist keineswegs wirklich schnell. Wenn beide Spieler ihre Kurve ziehen, dann wird viel geblockt oder auf anderem Weg abgetauscht, und man befindet sich dann rasch im Lategame, in dem es schwierig ist, sich vernünftig gegen Flood abzusichern – wenn ein Spieler zwei Länder mehr zieht als der Gegner, dann wird er wahrscheinlich verlieren. Es erinnert mich vom Tempo her an Dragons of Tarkir, wo es ebenfalls wichtig war, dass man sowohl billige frühe als auch teure späte Plays hatte. Dort allerdings waren Kreaturen mit Morph hierbei eine große Hilfe gewesen.

Spielerisch erinnert mich Ixalan hingegen eher an Uraltsets wie zum Beispiel Mirage – man besitzt einfach wenige spielerische Optionen. Allerdings gab es in Mirage noch keine Mythic Rares, und auch keine absurden Uncommons wie Charging Monstrosaur

Meiner Ansicht nach bietet Ixalan die schlechteste Draftumgebung seit Avacyn Restored, und möglicherweise müsste man sogar noch weiter zurückgehen, denn ich habe gar nicht mehr so genau in Erinnerung, wie sich dieses Set damals gespielt hat – ein schlechter Ruf verselbständigt sich ja gelegentlich. Ich werde es gewiss noch ein paar Mal damit versuchen, aber allzu optimistisch bin ich nicht, dass ich besonders viel Begeisterung dafür entwickeln werde.

 

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Published in: on Oktober 4, 2017 at 12:45 pm  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Momentan gefällt mir das Set immerhin ein klein wenig besser als noch in den ersten drei Tagen. Was jetzt nichts heißen muss, ein wenig besser von „schrecklich“ ist immer noch nicht berauschend. Avacyn Restored habe ich zum Glück nie gedraftet.
    Dadurch, dass das Set noch recht neu ist, macht es immerhin noch ein wenig Spaß im Limited – ich spiele derzeit sogar regelmäßig mittwochs real life drafts und habe dabei sogar Spaß :) Liegt aber vielleicht auch an der sozialen Komponente – jedenfalls waren einige super knappe und interessante Spiele dabei – wenn schon das draften nicht besonders viele Optionen bietet (was natürlich schade ist, drafte ich doch lieber als dass ich spiele). Wenn man sich auf seinen TRibe festgelegt hat, muss man einfach nur noch hoffen, dass gute Karten in den Farben vorbeikommen – weil Farben zu wechseln ist bei der Anzahl an playables nicht gerade eine gute Option – und Synergie ist in Tribal Umgebungen leider Trumpf.

    Neue Formate sind oftmals gar nicht so einfach einzuschätzen – weshalb LSV’s Bewertungen mal wieder zu früh waren. Legion Conquistador ist beispielsweise ab 2+ Kopien in dem Format spielbar und ab 3+ ziemlich gut! Ich hatte meinen Draft gestern mit 4 Stück gewonnen und die Legionen waren dabei stets hervorragend (vor allem als wir beide im Topdeck Modus waren).Außerdem hatte ich viele Vampir Synergien.

    Danke für deine Decklisten. Immer interessant, was andere so bauen. Sure Strike ist eine meiner Lieblingskarten in dem Set. Durch die ganzen Menace Kreaturen oder große Dinosaurier kommt es oft zu doppel oder triple blocks wo der Strike natürlich hervorragend ist.

  2. Neue Formate einzuschätzen ist sicherlich nicht einfach, aber LSV gibt sich ja nicht einmal ernsthaft Mühe – dazu gehört halt ein bisschen mehr, als vorher einmal kurz alle Karten zu überfliegen; und wenn es stimmt, was sie beim LR-Podcast behaupten, tun sie ja nicht einmal das.

    Dass multiple Conquistador gut sein würden, war ansonsten eigentlich abzusehen gewesen. Dieses Format ist randvoll mit Viechern, die mit 2/2ern abtauschen; und in der dritten Runde kann man davon eh nur eines spielen, also ist es auch in Ordnung, wenn dieses dann drei Mana kostet. Man merkt LSV’s Bewertungen generell auch an, dass er zu häufig MTGO Cubes draftet – normale Kreaturen (die keine beeindruckenden Zusatzfähigkeiten haben oder eindeutig undercostet sind) weiß er einfach nicht mehr zu würdigen und unterschätzt sie daher systematisch.

    Ich werfe auch immer gerne einen Blick auf die Decklisten anderer Spieler, besonders natürlich auf die siegreichen. Gerade die Boros-Decks, die Andreas Reling da zuletzt gepostet hat, sehen auch nicht wirklich anders (auch nicht besser) als das Deck aus, mit dem ich haarscharf an einem 0-3 vorbei geschrammt bin. Vielleicht hatte ich ja wirklich nur mal wieder einen schlechten Tag. Allerdings fand ich Ixalan Draft auch schon beim Zusehen schrecklich, und meine eigenen Erfahrungen haben dies dann nur noch einmal bestätigt.

    Kampftricks sind generell in diesem Format auch deswegen recht gut, weil man in den meisten Fällen essenziell nur um Slash of Talons herumspielen muss, um Blowouts zu vermeiden.


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