Mein Abschied von Magic – diesmal endgültig endgültig (?)

Mein letzter Blogeintrag zum Them Magic: The Gathering ist nun länger als zehn Monate her, und das ist eine halbe Ewigkeit; vor allem, da ich in der Zwischenzeit durchaus ab und zu gebloggt habe (wenngleich auch viel seltener, als ich es mir vorgenommen hatte) – nur eben nicht mehr über Magic.

Es fühlt sich für mich unterdessen tatsächlich so an, als wenn ich mich von diesem Hobby, welches mich über beinahe ein Vierteljahrhundert langt beschäftigt hat, für das ich insgesamt bestimmt eine fünfstellige Eurosumme ausgegeben habe, und zu dem ich vermutlich an verschiedenen Stellen im Internet eine siebenstellige Anzahl von Wörtern getippt habe, endgültig abwenden würde. Ich bin selbst überrascht! Magic ist immer noch ein herausragend gutes Spiel, aber die Mühe, die ich in dieses Spiel hinein investieren muss, um es von seinem widerwärtigen Verkaufs- und Marketingkonzept zu lösen und es in eine Form zu bringen, mit der ich auch wirklich Spaß daran habe es zu spielen, ist mir nun doch einfach zu viel geworden.

Daran ist einerseits der Hersteller dieses Spiels – Wizards of the Coast – schuld, aber entscheidender ist, dass ich nicht mehr bereit bin, mir die nötige Zeit zu nehmen, mich mit Magic zu befassen. Mir war schon immer das Paradox bewusst gewesen, dass Magic mein zweitliebstes Hobby war, welches jedoch den Löwenanteil meiner freien Zeit verschlang – es besaß eben immer diese besondere Anziehungskraft. Diese Kraft reicht nun aber einfach nicht mehr aus. Ich würde diese Tatsache gerne an einem besonderen Ereignis festmachen: Zum Beispiel an der Entwicklung des abscheulichen Magic Arena, bei dem WotC seine Ressourcen, die nie ausgereicht hatten, um Magic Online zu einem einigermaßen angenehm spielbaren und fehlerfreien Programm zu machen, jetzt dahinein steckt, Karten zu animieren, zum Blinken zu bringen und Geräusche machen zu lassen. Oder an der völlig misslungenen Ixalan-Draftumgebung, die mir die Freude am Online-Draften vermieste (ich glaube, das Finale des Drafts, über dessen Gewinn ich hier gebloggt hatte, war meine letzte Partie Magic seither). Oder an der unübersichtlichen Flut neuer Produkte für spezielle Zielgruppen, die nach geeigneten Karten für Limited-Umgebungen zu durchforsten immer mehr Zeit frisst. Oder an der effektiven Einführung einer noch höheren Seltenheitsstufe als Mythic Rare mit den Buy-A-Box-Promos.

Die Wahrheit ist jedoch, dass alle diese Dinge mich zwar in meiner Entscheidung mich von Magic abzuwenden bestätigen, sie aber nicht ausgelöst haben. Auch in meinem Privatleben gab es kein korrelierendes einschneidendes Ereignis. Tatsächlich ist es so, dass mein Abschied von Magic einen graduellen Vorgang darstellt, der sich bereits über beinahe zwei Jahrzehnte hinzieht, und der sich zu seinem Ende hin dann plötzlich in einer Weise beschleunigte, die ich nicht hatte kommen sehen; der mich aber letztlich ohne besonderen äußeren Anschub und ohne Durchbrechen einer wahrnehmbaren Schwelle in einen Bereich führte, in der meine Faszination für Magic nicht mehr den Zeitaufwand rechtfertigte, der nötig ist, damit ich an diesem Spiel Freude habe. „Not with a bang, but with a whimper.“

Ich neige sehr stark dazu, einschneidende Veränderungen an markanten Ereignissen festzumachen, deswegen irritiert es mich sehr, dass dies hier nicht möglich ist, aber es ist eben, wie es ist: Ich habe einfach keine Lust mehr auf Magic! Ich beschäftige mich nicht mehr mit meinem Limited Card Pool (aus dem ich auch schon seit Jahren keine Draftumgebungen mehr gebaut habe); ich drafte nicht mehr auf Magic Online (obwohl ich immer noch genügend Booster und Tickets auf meinem Account haben müsste, um Dutzende Drafts selbst dann zu finanzieren, wenn ich kaum etwas dabei gewinnen sollte); und ich besuche nicht mehr täglich ein halbes Dutzend Magic-Seiten im Internet – diese Gewohnheit starb als Letztes, weil sie eben eine Gewohnheit war, aber irgendwann fiel mir eben auf, dass diese Gewohnheit zu einer bloßen Routine verkommen war, die ich unsinnigerweise als eine Art Pflicht empfand. Ich bin auf Twitter dem größten Teil an Magic-Spielern entfolgt, denen ich schließlich nur folgte, weil sie eben Magic-Spieler waren. Ich bin sogar so weit, dass ich nicht einmal mehr systematisch nach Spoilern für neue Sets suche, weder im Vorfeld, noch wenn diese Sets dann offiziell bekannt sind.

Ich bin schlicht nicht mehr süchtig! Ich kann mich sogar kurzzeitig wieder mit Magic befassen (z.B. mit auf Twitter gespoilerten neuen Karten), ohne dass ich erneut den altbekannten Drang verspüre, meine Beschäftigung mit diesem Hobby wiederzubeleben. Selbst der Gedanke, meine Restkartensammlung (deren Wert sich immer noch im vierstelligen Eurobereich befinden sollte) zu veräußern, schreckt mich nicht mehr – ich habe diese Dinger bereits seit über einem Jahr nicht mehr angefasst! Vernünftigerweise werde ich hier nichts überstürzen, denn es besteht keine Notwendigkeit dazu, und ich weiß ja aus Erfahrung, dass ich eine solche Entscheidung dann später doch bereuen kann; aber so leicht, wie es mir jetzt fallen würde, mich von meinen Karten zu trennen, fiel es mir vorher noch nie.

Nun ist es also Zeit (was auch bedeutet, ich habe jetzt dafür viel mehr Zeit), mich wieder intensiver mit meinem liebsten Hobby zu befassen – dem Erzählspiel – und wenn es mir gelingt, mich einigermaßen am Riemen zu reißen, werde ich zu diesem Thema auf Ein Platz für Andi in Zukunft auch recht häufig bloggen, bis hin zu dem Punkt, in dem Ein Platz für Andi sich zu einem primären Erzählspiel-Blog wandelt. So ist es jedenfalls angedacht, aber ob meine Motiviation auch langfristig dazu ausreicht, wird sich halt zeigen müssen.

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Published in: on August 6, 2018 at 5:55 pm  Schreibe einen Kommentar  
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