Die besten deutschen Fußballvereine, Ausgabe 2019

Wenn es auch sonst wieder etwas stiller auf Ein Platz für Andi geworden ist, so will ich doch diesen traditionellen jährlichen Eintrag nicht missen!

Falls Ihr meine Tabelle noch nicht kennt oder wieder vergessen habt, wie sie zustande kommt, könnt Ihr dies in diesem Eintrag nachlesen. Von der Tabelle des letzten Jahres könnt Ihr Euch zu allen früheren Tabellen durchklicken.

Und so sieht es dieses Jahr aus:

Hier findet Ihr die xls-Datei mit den einzelnen Daten.

(Ein paar Hinweise zur Einordnung der Zahlenwerte: 110 Punkte erreicht ein Verein als solider Zweitligist über zehn Jahre, 220 als solider Erstligist. 330 Punkte entsprechen einer Ausbeute von 60 Punkten in jeder Erstligasaison und sind daher ein Zeichen für eine unbestreitbare Spitzenmannschaft. Naja, und was über 440 Punkte bedeuten, sollte jedem klar sein!)

Zur Tabelle selbst muss ich nicht viel sagen, denke ich: Bayern bleibt uneinholbar vorne, Dortmund festigt seinen klaren Platz zwei ebenso wie Leverkusen Platz drei, Gladbach zieht an Schalke vorbei, und Bremen erobert einen einstelligen Platz zurück, während andere Traditionsvereine wie Stuttgart oder der HSV ihr Guthaben aus früheren Jahren verspielt haben. Leipzig eilt weiterhin mit Riesenschritten voran, und den 1. FC Kaiserslautern wird man in dieser Tabelle wohl weiterhin auf absehbare Zeit vergebens suchen…

Wo ich hier schon einmal etwas zum Thema Fußball tippe, haue ich doch rasch noch ein paar halbgare Kommentare heraus: Paderborn und Union sind beide Aufsteiger von des HSV’s (und in Unions Fall, auch Stuttgarts) Gnaden. Keiner dieser Vereine hat eine aufstiegsreife Leistung erbracht, aber irgendjemanden musste es halt treffen.

Im Fall Stuttgart darf man sich auch wieder einmal fragen, ob einem Vereinsvorstand erneut die Geduld gefehlt hat. Ja, Tayfun Korkut – unter dem der VfB letztes Jahr hervorragende Ergebnisse eingespielt hat – begann diese Saison mit einer kleinen Krise. Aber ist in einer solchen Situation dieser Automatismus, panisch den Trainer zu wechseln, wirklich eine Hilfe? Im Rückblick bin ich mir sehr sicher, dass er es auch nicht schlechter gemacht hätte; und sehr wahrscheinlich besser – die Unruhe, welche der Wechsel in das Team brachte, hat vermutlich alles nur noch schlimmer gemacht.

Ein anderer Trainerwechsel, der mich sehr irritiert hat, war der bei Bayer Leverkusen. Okay, ich besitze nicht genügend Fachverstand um zu beurteilen, inwieweit Heiko Herrlich die Mannschaft sportlich nicht genügend weiterentwickelt haben könnte, was ja die offizielle Begründung für seine Entlassung gewesen ist. Was ich hingegen sehen kann ist, dass Leverkusen unter ihm teilweise sehr stark und teilweise sehr schwach (anders formuliert: unkonstant) gespielt hat, jedoch trotzdem zur Saisonhalbzeit noch in allen drei Wettbewerben gut dabei war, wobei in der Bundesliga sich die Euro League in Reichweite befand und die Champions League bei einer Leistungssteigerung auch durchaus noch möglich erschiin – und eine solche Leistingssteigerung hatte Leverkusen gerade in den letzten Partien mit Herrlich gezeigt.

Dann kam Bosz, und unter ihm schied Leverkusen zunächst einmal in beiden Pokalen kläglich gegen Außenseiter aus, was irgendwie nirgends so richtig thematisiert wurde. In der Bundesliga hingegen spielte Bayer trotz nunmehr fehlender Mehrfachbelastung weiterhin durchwachsen und stand ein paar Monaten in der Tabelle exakt da, wo Herrlich seinem Nachfolger das Team übergeben hatte. Erst im Endspurt gelang es dem Verein schließlich, sich zu stabilisieren und exakt am letzten Spieltag schließlich den entscheidenden Sprung auf den letzten Champions-League-Platz zu machen.

War das jetzt das Zeichen jener ersehnten sportlichen Weiterentwicklung, welche Bosz zuzuschreiben war, und die unter Herrlich nicht möglich gewesen wäre; und war dies zur Winterpause bereits abzusehen gewesen? Ich bin da skeptisch. Darauf, dass Bosz jetzt seinen Vertrag bei Bayer erfüllen darf, möchte ich jedenfalls auch nicht allzu viel Geld setzen.

Fassungslos hingegen haben mich die Diskussionen um Niko Kovac gemacht, die selbst dann noch auf Hochtouren weiterliefen, als sich das Double für den FC Bayern bereits abzeichnete. Ich zähle mal kurz auf:

  • Dies war die erste Saison, in der Kovac Trainer bei den Bayern war.
  • Er hat endlich damit begonnen, den mannschaftlichen Umbruch einzuleiten, an den sich seine Vorgänger nicht herangewagt haben.
  • Er hat – trotz eines Tiefs zum Ende der ersten Halbsaison – die Meisterschaft mit einer Punktezahl gewonnen, die deutlich über dem Durchschnitt für Bundesligameister liegt.
  • Er hat den Pokal gewonnen. Einige Spiele waren knapp, aber insbesondere das Herumreißen der Partie gegen Heidenheim (die gerade Leverkusen aus dem Pokal geworfen hatten!) in Unterzahl spricht eher für als gegen sein Team.
  • Er hat seine Champions-League-Gruppe gewonnen. Gegen Ajax Amsterdam gab es dabei „nur“ zwei Unentschieden… was, wie wir unterdessen wissen, besser ist als die Ergebnisse, welche Real Madrid und Juventus Turin in den Play-Offs gegen diese Mannschaft geholt haben, und ziemlich genau so gut wie diejenigen der Tottenham Hotspurs, welche sich gegen Ajax nur dank der Auswärtstorregelung mit Müh und Not ins Finale gekämpft haben.
  • Er ist in den Play-Offs gegen den FC Liverpool ausgeschieden. Also gegen den späteren Champions-League-Sieger. Das ist nicht einmal für den FC Bayern eine Schande.

Ich frage mich außerdem, inwieweit diese Krise im Herbst des Vorjahres nicht sogar von außen ins Team getragen wurde. Das war gerade die Zeit, als sich die Moral in der deutschen Nationalmannschaft (zu Recht) auf dem Tiefpunkt befand; und das deutsche Nationalteam war damals halt zur Hälfte der FC Bayern (und umgekehrt). Schwer enttäuscht hat mich hier Joachim Löw. Bereits nach der WM hätte ich mir gewünscht, dass er seinen Anteil am Scheitern unserer Mannschaft präziser und ehrlicher benennt: Die Lethargie, mit der er auf die bereits seit mindestens einem halben Jahr schlechten Länderspiele seiner Schützlinge reagiert hat; die taktischen Vorgaben, welche an Stelle einer genügenden Absicherung bei eigenen Angriffen aus der Forderung bestanden, einfach nicht den Ball zu verlieren.

…dochdoch, das hat Löw damals tatsächlich gesagt, als er mit einer entsprechenden Kritik von Mats Hummels konfrontiert wurde! Diese Kritik hat er offenbar nicht annehmen wollen, und ich kann nicht anders als vermuten, dass er sie auch im Hinterkopf gehabt hat, als er im Frühjahr völlig überraschend Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng (gut, bei diesem war es ein klein bisschen weniger überraschend) aus der Nationalmannschaft hinauswarf, wobei er insbesondere bei Hummels und Müller das erste echte, über einige Monate andauernde Leistungstief dieser verdienten Weltklassespieler dazu nutzte, sie nachträglich zu Sündenböcken zu stempeln. Hummels und Müller haben dann in der Rückrunde nachdrücklich bewiesen, dass sie bei einer leistungsgerechten Auswahl selbstverständlich in den Kader gehören, während die weitere Berücksichtigung von Spielern wie Kroos, Reus und Neuer Löws Begründung, einen Umbruch einleiten zu wollen, zweifelhaft erscheinen lässt.

Löw wurde während seiner gesamten Amtszeit bereits nachgesagt, seine Spieler danach auszuwählen, wie loyal sie sich ihm und dem von ihm eingeschlagenen Weg gegenüber zeigten. So lange sein Weg der richtige war, war dies eine seiner Stärken. Nun allerdings, nachdem er sich nicht bereit gezeigt hat, die volle Verantwortung für den Niedergang seines Teams in 2018 zu übernehmen, ist dies eine gefährliche Schwäche geworden.

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Sehr schön, ich mag diese Serie.

    „[…]am letzten Spieltag schließlich den entscheidenden Sprung auf den Champions-League-Qualifikationsplatz zu machen“

    Ich meine Platz 4 ist mittlerweile fest und kein Quali Platz mehr. https://www.5-jahres-wertung.de/APD/Online/5JW.php

    Die ersten vier Länder werden noch mehr begünstigt als früher schon…

  2. Du hast natürlich Recht! Nur in der Euro League gibt es für deutsche Teams noch einen Qualifikationsplatz. Ich lebe da gedanklich halt noch ein wenig in der Vergangenheit… dann korrigiere ich das mal, danke!


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