Wenn du in einen Abgrund blickst

Ein leichter Nieselregen lässt die schmutzigen Häuserfassaden Friedrichshains noch grauer erscheinen. Auf der Straße unter mir zieht eine Gruppe Jugendlicher vorbei, Goths, in schwarzer Kleidung, mit Bierflaschen in den Händen. Einige von ihnen kenne ich. In der winzigen Parkanlage gegenüber schiebt ein kahlrasierter Typ mit einem Wangenpiercing in der Größe eines Kaffeelöffels seiner Eroberung aus dem Klub den Petticoat-Rock hoch, während sie ihm mit geübten Fingern den Reißverschluss öffnet. Keine zehn Sekunden später ficken sie. Garantiert keine Zeit für ein Kondom. Im Hauseingang schräg gegenüber schläft eine alte Obdachlose zwischen den Plastiktüten, in denen sie ihren Besitz mit sich herumschleppt.

Berlin bei Nacht. Ich versuche, mir die unruhig schlafende, von Albträumen geplagte Stadt als wildes Tier vorzustellen, als Bestie, die menschliches Leben ebenso verschlingt wie Anstand und Moral. Als einen Sumpf, der diejenigen, die sich in ihm aufhalten, unerbittlich hinabzieht. Es gelingt mir nicht. Die Stadt ist nicht das Monster, sie ist nur eine Ansammlung von Gebäuden und Straßen. Die Menschen sind es, Opfer und Täter zugleich. Verbrechen werden von Menschen begangen, das darf ich niemals vergessen.

Mit einem weiten Satz springe ich auf das nächste Dach. Mein Mantel verhält sich so, wie ich es erhofft habe, verschafft mir Auftrieb, ohne mich in meiner Bewegungsfreiheit einzuschränken. Die weichen Sohlen meiner Stiefel dämpfen den Aufprall. Rasch bewege ich mich weiter. Aus einer halboffenen Luke starrt mich eine Katze an. Ich überquere das Dach.

Im Hinterhof finde ich sie. Es sind fünf, Russen, ehemalige Mitglieder der Roten Armee. Sie stehen im Halbkreis vor den Müllcontainern und rauchen. Zwei von ihnen tragen Messerhalfter an ihren Stiefeln. Das sind die ungefährlichen. Die anderen verbergen Schusswaffen an ihrem Körper.

Ich warte ab. Zwei Uhr. Der DJ im Gruftieklub hat jetzt seine halbe Stunde Pause. Gleich wird er hier auftauchen.

Genau elf Minuten später betritt er den Hof. Einige nichtssagende Höflichkeiten auf Russisch werden gewechselt. Dann öffnet der DJ seine Brieftasche und holt ein Bündel Scheine hervor. Einer der Russen zählt sie flink mit behandschuhten Fngern. Dann nickt er seinem Nebenmann zu, der den Container, an dem er lehnt, öffnet und daraus einen Rucksack hervorzieht.

Ich springe. Mein Mantel bläht sich auf und bremst meinen Fall, aber die Wucht, mit der ich auf den Schultern zweier Russen lande, reicht trotzdem aus, um sie sofort kampfunfähig zu machen. Noch im Abrollen schleudere ich einen meiner Schädel nach dem Kinn des dritten. Ein knirschendes Geräusch verrät mir, dass die schwere Holzkugel seinen Kiefer zertrümmert hat.

Als ich aufstehe, halten die beiden anderen bereits ihre Messer in den Händen. Sie sind schnell. Ich grinse sie an und lasse für eine Sekunde den Anblick meines Gesichts auf sie wirken.

„Der Vampir!“ stößt einer von ihnen auf Russisch hervor. Für einen winzigen Augenblick ist seine Konzentration gebrochen. Ich nutze diesen Moment aus, um ihm mit einem Tritt das Handgelenk zu brechen. Sein Messer fliegt scheppernd gegen den Altglasbehälter.

Währenddessen sticht der andere nach meinem Oberkörper. Ich habe keine Zeit auszuweichen, kann nur noch den linken Arm heranziehen und den Stoß mit meinem Mantel abfangen. Bei seiner nächsten Attacke bin ich bereit, halte sein Handgelenk fest und biege es, bis er die Waffe fallen lässt. Gleichzeitig durchbricht die Faust meines rechten Armes seine Deckung, findet sein Kinn. Der erste Schlag betäubt ihn nur leicht, gibt mir aber genügend Zeit, ihn mit dem zweiten zu Boden zu schicken.

Ich wende mich dem letzten noch stehenden Russen zu, der die Flucht zu ergreifen versucht, und schmettere ihm meine verschränkten Fäuste in den Nacken.

Der DJ zeigt jetzt erst eine Reaktion, sinkt zitternd in die Knie. „Bitte… tu mir nichts…“

Ich hebe mit einer Hand den Rucksack an, spüre sein Gewicht von mehreren Kilogramm. Genug Crack, um den Klub wochenlang zu versorgen. Sanft umfasse ich das Kinn des vor mir knieenden Mannes, zwinge ihn, in meine Augen zu blicken.

„Diesmal nehme ich nur die Hälfte deines Blutes. Beim nächsten Mal wird es alles sein.“

Ich beiße ihn in den Hals, und er sinkt ohnmächtig zu Boden.

***

„Thomas! Wie ist es gelaufen, erzähl schon!“

Mein Bruder sitzt vor seinem halben Dutzend Computer an dem langen Schreibtisch. Wie beinahe immer. Er schläft sogar dort.

„Du hörst doch den Polizeifunk mit, Robert. Dann weißt du doch Bescheid.“

„Aber ich will Einzelheiten hören! Wie ist der Kampf verlaufen, was haben sie gesagt?“

Ich seufze. Während ich vorsichtig meine Maske abstreife, Handschuhe, Mantel, Stiefel und die Kevlarpanzerung ablege, berichte ich ihm. Als letztes entferne ich das Vampirgebiss.

„Du hast es ihnen gezeigt!“ Seine Augen funkeln voller Bewunderung und Stolz. „Ich wünschte, ich hätte dabei sein können.“

„Das ist kein Spiel, Robert. Ich riskiere da draußen jede Nacht mein Leben.“

„Ich weiß ja, ich weiß.“ Er ergreift um Verzeihung bittend meine Hand. „Aber es ist das Risiko doch wert, oder?“

Ich schließe kurz die Augen. In meiner Erinnerung steht Robert aufrecht in Uniform vor mir, zu der Zeit, als er Mitglied im SEK war, und ich meine Wochenenden als Live-Rollenspieler mit dem Schwingen von Latexschwertern verbrachte. Dann öffne ich die Augen wieder und sehe meinen älteren Bruder im Rollstuhl sitzen, von der Hüfte abwärts gelähmt durch die Kugel eines Geiselnehmers bei seinem ersten richtigen Einsatz.

„Ja, es ist das Risiko wert“, antworte ich leise. Ich gehe hinüber zu der Werkbank im hinteren Teil des Raumes..“Neue Schädel?“ Ich wiege eine der bemalten Kugeln in meiner Hand.

„Du lässt sie ja immer zurück…“, grummelt er.

„Meine Vistenkarte halt. Genau wie der Biss am Ende. Die Injektion funktioniert übrigens wunderbar, und die Droge wirkt sofort.“

„Auf die Idee, dich als Vampir zu verkleiden, konntest auch nur du kommen!“

„Ich finde, es liegt nahe.“ Ich nehme mir einen Energy Drink aus dem Kühlschrank. „Wenn ich schon dunkel gekleidet, mit einem weiten Mantel nachts unterwegs sein und Schrecken verbreiten soll, dann wenigstens mit Stil. Außerdem sind viele Kriminelle tatsächlich abergläubisch. Jedenfalls finde ich es überzeugender als ein Fledermauskostüm.“

„Und es funktioniert – das ganze Netz ist voll mit Berichten über den geheimnisvollen Vampir, der in Berlin das Verbrechen bekämpft! Wusstest du, dass du einen Fanclub hast? Im Forum sind bereits über 200 Leute angemeldet!“

„Ich habe deine Ausdrucke quergelesen.“ Mit einer Hand wedele ich in Richtung des Schreibtischs, der von Papier überquillt. „Meinst du nicht, du solltest deine Zeit lieber mit Recherchieren verbringen?“

„Ein bisschen Zeit, um die Berühmheit meines Bruders zu genießen, kann ich erübrigen. Fleißig bin ich trotzdem. Hier, sieh dir das an!“

Ich trete an den Bildschirm, auf den er zeigt. „Was ist das?“

„Das ist – war – ein Kandinsky. Jetzt sind es nur noch Fetzen.“

„Jemand ist in die Galerie eingebrochen und hat ein Gemälde zerschnitten, das Zehntausende Euro wert ist?“

„Eher Hunderttausende. Es ist eines seiner frühesten Werke, sein siebtes bekanntes Bild. Der Einbruch hat vorgestern früh morgens stattgefunden. Sonst ist nichts gestohlen oder beschädigt worden. Hier, ich habe im Polizeicomputer eine Aufnahme gefunden und das Ganze reproduziert.“

Robert zieht aus einer Schublade einige bunt bemalte Papierschnipsel. „Vielleicht hat ja die Art, wie das Bild zerschnitten wurde, etwas zu bedeuten. Ich werde daraus allerdings nicht schlau. Von Kunst habe ich nie viel verstanden.“

„Geht mir genau so.“ Gedankenverloren betrachte ich die Papierfetzen. Plötzlich trifft mich die Erkenntnis. „Robert, wann genau hat der Einbruch stattgefunden?“

„Laut Polizeiprotokoll vermutlich um sieben Uhr morgens herum.“

Ich zähle die Schnipsel auf den Tisch. „Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Sechs. Sieben.“

Mein Bruder ist bereits auf dem Weg zu dem Wust an Computerausdrücken. „Natürlich! Unglaublich! …Moment, hier ist es!“

„Lies vor.“ Ich massiere meinen Nasenrücken, um mich besser zu konzentrieren.

„Ihr seid ja alle ganz schön stolz auf euren Superverbrecherjäger, was? Gewöhnliche Kriminelle bekämpfen, das kann auch die Polizei. Wenn euer toller Vampir wirklich etwas drauf hat, dann soll er beweisen, dass er es auch mit einem Superschurken aufnehmen kann!“

„Erinnere ich mich richtig an den Namen des Posters?“, frage ich Robert.

Er nickt. „007.“

„Ich glaub’s einfach nicht!“ Draußen wird es hell, und mich verlangt es nach einer heißen Dusche und meinem Bett. „Wie kann man nur auf eine dermaßen bescheuerte Idee kommen?“

„Naja…“ Robert schielt zu meinem Kostüm hinüber. „Batman hat den Joker. Auf gewisse Weise ist es ein Kompliment! Sieh es als Herausforderung…“

Meine Faust kracht gegen die Wand. „Verdammt noch mal, Robert! Ich habe keine Lust, mich mit diesem Spinner herumzuschlagen! Verbrechensbekämpfung ist eine ernsthafte Tätigkeit! Ich setze mein Leben wenigstens für eine gute Sache aufs Spiel, aber für diesen Idioten IST Verbrechen ein Spiel!“

„Ist ja gut, reg‘ dich ab. Du kannst dich ja um andere Dinge kümmern.“

„Das werde ich auch. Ist das hier die Liste?“

„Ja.“

Ich studiere den meterlangen Ausdruck. Schlägereien, Einbrüche, ein Exhibitionist im Grunewald… „Was ist das hier?“

Robert kommt herangerollt. „Eine Vermisstenanzeige, die gestern abend aufgenommen wurde. Wahrscheinlich nichts Wichtiges, nur eine Siebenjährige, die von zu Hause weggelaufen ist…“

„Eine SIEBENjährige“, betone ich kalt.

„Ach komm, Thomas, jetzt siehst du Gespenster!“

„Verschwunden zwischen 18 Uhr 30 und 20 Uhr 15“, zitiere ich aus dem Bericht.

Jetzt wird er nervös. „Naja, halt zwischen Abendessen und dem Beginn des Spielfilms…“

„Die Familie wohnt in der Kurfürstenstraße 7.“ Ich sehe ihm in die Augen.

„Oh, SCHEISSE…“

„Wo finde ich dieses Forum?“ Ich setze mich an den Computer.

„Ich habe ein Lesezeichen gesetzt.“

In der Mitgliederliste steht 007 ganz vorne. Alphanumerische Sortierung. Ich klicke auf „Neuesten Beitrag anzeigen“.

„Vielleicht interessieren Vampire sich ja nicht für Kunst? Mein Fehler. Irgendwie bin ich aber überzeugt, dass er eine Schwäche für unschuldige kleine Mädchen hat… Ich gebe eurem Helden sieben Tage Zeit, sie zu finden!“

Der Thread ist von der Forenadministration geschlossen worden. Ich drucke den Beitrag aus und drücke ihn meinem Bruder in die Hand.

„Er verlangt kein Lösegeld? Was hat er vor, wenn du sie nicht in einer Woche findest?“

Er versteht immer noch nicht. Ich nehme die Papierschnipsel und lasse sie nacheinander in seinen Schoß fallen. Beim siebten wird sein Gesicht bleich. Jetzt hat er es begriffen.

„Um Himmels Willen… Das ist doch… das ist…“

„Finde etwas über diesen 007 heraus, Robert. Irgendetwas.“ Ich drehe mich um und verlasse sein Zimmer.

Nein, mein Bruder, das ist kein Spiel.

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Veröffentlicht on Juni 6, 2007 at 4:56 am  Comments (5)  
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5 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. „Auf der Straße unter mir zieht eine Gruppe Jugendlicher vorbei, Goths, in schwarzer Kleidung, mit Bierflaschen in den Händen.“

    Würde „in schwarzer Kleidung“ vor „Goths“ aufzählen, denn erstens ist es logischer (Man registriert erst die Farbe der Kleidung und zieht dann seine Schlüsse daraus) und außerdem stellt die momentane Reihenfolge für alle die „Goths“ kennen eine nutzlose Erläuterung dar, denn man weiß natürlich, dass Goths schwarze Kleidung anhaben.

    Das beschreiben von Kampfsituation gelingt dir, wie auch schon in anderen Geschichte, wieder sehr gut. Ich habe es noch nicht ausprobiert aber ich glaube sie so zu schreiben, dass man die Action spürt, ist echt schwer.

    Beim lesen der Geschichte fällt mir auch mal wieder auf, wie gut mir doch Batman Begins gefällt, die Geschichte erscheint mir dadurch wirklicher, weil ich sie so ähnlich schon „gesehen“ habe.

    Ich finde die Geschichte hat nicht genug Tiefe. (oder erkenne ich sie nur mal wieder nicht?)
    Es geht um folgendes: „Kandinsky siebtes bekannte Werk“ (wo um Gottes Willen gibt es bitte eine solche Information?) Auf jeden Fall nicht frei für jeden zugänglich, so dass sich der Bösewicht darauf verlassen kann, dass der Held bei der Recherche über Kandinsky auf die „7“ stößt. Der Bekanntheitsgrad ist außerdem ein sehr relativer Wert.

    Und warum wird das Motiv des Bildes und der Titel nicht genannt? Auch etwas seltsam, dass sich der „Vampir“ Gedanken über die Art und Weise wie das Werk zerschnitten ist macht aber das Motiv völlig außer Acht lässt. Hier würde es doch Sinn machen ein tatsächlich existierendes Bild zu wählen und dies auch explizit zu nennen. ZB: „Mädchen mit Schleier“ von Christian Seybold (der ist übrigens 1703 gebohren) Ein gewitzter Täter würde doch schon mit dem Motiv des Bildes ein Hinweis auf die eigentliche Tat geben. (Was sich auch anbietet ist „Little Girl Carrying Flowers“ von Renoir, das ist 1888 entstanden und würde wie die Faust aufs Auge passen, wenn man schon etwas um eine Zahl herum dichtet (aber es muss ja die 7 sein)

    Davon aber mal ganz abgesehen ist ein „Bösewicht“, der im Zeichen einer Zahl Verbrechen begeht recht abgedroschen und langweilig… ganz besonders, wenn es die Sieben ist. (Den Satz “Wie kann man nur auf eine dermaßen bescheuerte Idee kommen?” kann man zwar als Selbstironie oder Rechtfertigung des Autors deuten aber das Reicht nicht um die Idee interessant zu machen. Oder war es dein Ziel so eine Art Trashfilm als Kurzgeschichte zu schreiben?) Und der behinderte Bruder im Rollstuhl, der Recherchen durchführt… *gähn*

    Wie schon „Guter Rat am Steuer“ nur Mittelmaß für mich. Ich weiß, dass sich die wirklich guten Ideen schlecht in Wettbewerbe quetschen lassen (oder anders herum) aber ist es dann nicht trotzdem besser es zu lassen bis einem etwas gutes einfällt oder empfindest du die beiden Geschichte nicht als so „mittelmäßig“ wie ich?

  2. Also, zunächste einmal danke für Deinen ausführlichen Kommentar, Nick!

    Die von Dir angesprochene Formulierung gefällt mir so besser – weniger, weil Goths tatsächlich zumindest gelegentlich auch andere Farben tragen (insbesondere dunkelrot oder lackweiß), sondern weil es eher meiner Denkweise entspricht, einen Gegenstand zuerst zu benennen und dann zu beschreiben, wenn ich nicht gerade ausdrücklich einen Denkprozess des Erzählers darstellen will. Mal ein Beispiel:

    „In der Vase auf dem Tisch befand sich eine Rose, dunkelrot und duftend.“

    Oder: „In der Vase auf dem Tisch befand sich, dunkelrot und duftend, eine Rose.“

    Empfindest Du es nicht auch so, dass die umgekehrte Formulierung gerade ZU VIEL Betonung auf die eigentlich doch anzunehmenden Eigenschaften lenkt? Naja, in jedem Fall ist das eine absolute Feinheit, die wohl nur rein subjektiv entschieden werden kann.

    Auf jeden Fall freut es mich, dass Du meine Actionbeschreibungen als gelungen empfindest! Die finde ich nämlich auch immer schwierig zu schildern, und da fehlt mir einfach der Blick von außen, um beurteilen zu können, ob es mir nun gelungen ist oder nicht (da ich ja weiß, was ich beschreiben will, fülle ich vielleicht gedanklich zu viele textliche Lücken).

    Die Batman-Hommage ist natürlich absolut beabsichtigt, bis hin zu Dingen wie dem Bruder als Oracle-Verschnitt. (Ich habe übrigens zufällig gerade heute mit Anna noch einmal Batman Begins gesehen – ja, der Film ist wirklich klasse!)

    Zum Bild: Hm, den Titel hätte ich vielleicht nennen sollen, einfach, weil er im Gespräch vermutlich gefallen wäre. Andererseits wollte ich aber auch kein existierendes Bild identifizieren, das fände ich blöd (besonders, da dann garantiert irgendein Leser darauf hinweist, dass dieses Bild im Guggenheim-Museum in New York oder sonstwo hängt und nicht in Berlin). Genau deswegen ist es auch ganz praktisch, wenn niemand außer absoluten Profiexperten weiß, welches Bild das denn nun genau wäre. Vielleicht wäre es aber klüger gewesen, einfach einen Maler zu erfinden. Ja, im Nachhinein wäre es das wohl!

    Das Motiv hingegen – äh, habe ich Kandinsky da falsch in Erinnerung? Sind das nicht typischerweise einfach Farben und Formen? (Googlepause) Doch, sind es. Da gibt es nicht viel zu beschreiben. Das Motiv ist auch nur insofern wichtig, als es sich um abstrakte Kunst handelt, also um eine Darstellung, die der Betrachter erst mit Bedeutung füllen muss. Das ist dann auch bereits die Überleitung zur Tiefe:

    Ich nehme es mal als Kompliment, dass Du von jedem meiner Texte „Tiefe“ erwartest, aber ich selbst verpflichte mich nicht dazu!

    Allerdings besitzt dieser Text hier meiner Ansicht nach durchaus ein wenig Tiefe. Der Titel mit seinem Anklang an das berühmte Nietzsche-Zitat sollte ein Hinweis sein: Thomas taucht (so wie sein Vorbild Batman) in den Abgrund ein, um das Verbrechen mit dessen eigenen Mitteln zu bekämpfen. Mit seiner Theatralik entfaltet er dabei eine besondere Wirkung.

    Das Verbrechen reagiert aber (der Abgrund „blickt zurück“), und ein von ihm inspirierter Täter beginnt, in vergleichbar theatralischer Weise Verbrechen zu begehen. Somit ist Thomas gezwungen, anstatt netto etwas Gutes zu bewirken, einen Schurken zu bekämpfen, der nur seinetwegen überhaupt aktiv geworden ist!

    Diese Idee, dass ein maskierter Vigilant für die Existenz der psychopathischen Verbrecher, die er bekämpft, selbst veramtwortlich ist, klingt bei Batman gelegentlich (insbesondere auch am Schluss von Batman Begins!) an, und ich finde sie sehr faszinierend, und sehe darüberhinaus darin eine interessante Allegorie auf jegliche Form von populistischen, radikalen Problemlösungen, die letztlich mindestens so viele Probleme schaffen, wie sie lösen sollen.

    Deswegen – und, naja, weil ich Batman einfach mag! – gefällt mir diese Geschichte ziemlich gut. Bei „Guter Rat am Steuer“ stimme ich Dir aber zu, die ist für mich wirklich – bestenfalls – Mittelmaß.

  3. Also Kandinskys Bilder nur als Farben und Formen zu bezeichnen…
    Außerdem waren, wie bei vielen Künstlern, seine früheren Werke Gegenständlich. Es wäre wirklich besser einen fiktiven Künstler zu nehmen und sein Bild, wenn du es denn so wünscht, als abstrakt bzw. ungegenständlich zu beschreiben. Du hättest dann auch die Möglichkeit den Titel des Bildes passend zu wählen. („Sieben Ecken in einem Kreis“ oder so ;-)

    Mir erscheint die Geschichte nicht besonders Tief, weil sie leichter zu durchschauen ist als andere Geschichten von dir, denn die von dir genannten Aspekte kennt man (ich) schon aus dem Kino. Dadurch wirkt sie für mich mehr wie eine Kopie und weniger wie eine gelungene Hommage.
    Als Jury-Mitglied würde ich es auch begrüßen, wenn die Sieben eine tatsächliche Bedeutung in der Geschichte einnimmt und nicht mit einer anderen Zahl beliebig ausgetauscht werden kann. (Das würde mich als Jury-Mitglied beeindrucken, auch wenn es nicht verlangt wurde)

  4. Mit dem fiktiven Künstler gebe ich Dir Recht – da habe ich einfach nicht daran gedacht!

    Ansonsten denken wir eben ein wenig unterschiedlich: Mir ging es weniger darum, warum diese Zahl eine bestimmte Bedeutung hat und mehr darum, was es bedeutet, dass sie eine Bedeutung hat…

    Naja, und ich persönlich mag halt eine Juxtaposition, in der der „Vampir“ der Held und „007“ der Schurke ist!

    Übrigens war mein erster Gedanke, eine Art Kurzkrimi zu schreiben, in dem der Detektiv am Ende den Täter mit den Worten. „Sie, Ben!“ identifiziert. Das war mir dann doch zu gekünstelt, aber jemand anders hat so etwas Ähnliches tatsächlich benutzt.

  5. Also für Wortspiele habe ich ja was übrig :-)


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