Aus den unvollständigen Erinnerungen eines Traumpendlers

Mein Name ist Haigar Lebegut, und ich werde euch eine Geschichte erzählen.

Ich war nie gut darin, etwas zu Papier zu bringen, immer schon lieber Zuhörer als Erzähler gewesen, begierig nach Geschichten aus fernen Ländern, und natürlich ganz besonders aus dem Traum. Das erklärt vermutlich, wie aus mir ein Traumpendler geworden ist, bedeutet aber auch, dass ich darum bitten muss, mir eine gewisse sprachliche Unbeholfenheit zu verzeihen. Obwohl ich natürlich an einer Neustädter Schule das Schreiben von Aufsätzen geübt habe, und die Noten, welche meine Halbling-Lehrerin mir gab, nicht allzu schlecht waren, fehlte meinen Werken immer das gewisse Etwas, welches einen wirklich guten Geschichtenerzähler ausmacht – einfach die Begeisterung sich mitzuteilen, denke ich.

Seit ich die Prüfung durch die Kristallseher bestanden hatte, und es mir erlaubt wurde, eigenständig den Traum körperlich zu bereisen, verlor ich auch das Interesse an fremden Erzählungen. Warum sollte ich mir die Erinnerungen anderer zu eigen machen, wenn ich eigene Erlebnisse fand? Ich wurde immer wortkarger, zog Momente der Besinnung Unterhaltung mit anderen vor.

In den Gasthäusern Neustadts, wenn ich sie denn besuchte – was mit den Jahren immer seltener vorkam – wurde das nicht verstanden. Ein Traumpendler, musste der denn nicht hundert spannende Geschichten (wahre oder erfundene, da waren die Zuhörer nicht wählerisch) auf Lager haben, die er zum Besten geben konnte, um seine Zeche nicht alleine zahlen zu müssen? Nun, Geldprobleme hatte ich für gewöhnlich keine, und daher lehnte ich meistens die Angebote ab, als Gegenleistung für einige spendierte Becher Wein von meinen Reisen zu erzählen. Was ich erlebte, behielt ich lieber für mich. Meine Erinnerungen sind ein Teil meines Selbst, sie machen mich aus, formen mich zu dem, der ich bin. Was ist das menschliche Bewusstsein anderes als die Summe seiner Erinnerungen? Diese an andere weiter zu geben, sie mit ihnen zu teilen, das ist für mich ein stückweises Aufgeben meines Ichs. Aus meinen privaten, wahren Erlebnissen werden bloße Geschichten, die von anderen, die kein Anrecht darauf haben, weiter erzählt werden, dabei immer weiter verändert, bis sie zu bloßem Kneipengeschwätz verkommen, zu Angeberei und Lügen.

Einmal geschah es mir, dass ein Erlebnis, welches ich in den Trollkönigreichen gehabt hatte, und das wiederzugeben ich mich in beschwingter Stimmung hatte überreden lassen, Jahre später zu mir zurückkam, erzählt in einer Wirtschaft in einem anderen Teil der Stadt von einem Aufschneider, der gewiss niemals im wachen Zustand auch nur eine Sekunde im Traum verbracht hatte, und dermaßen entstellt, dass ich es erst ganz zum Ende des Geschehens hin als das meine erkannte. Das Gefühl war so, als hätte jemand ein Teil aus meinem Leib heraus gerissen, es besudelt und mir dann vor die Füße geworfen. Seitdem war ich noch verschlossener als zuvor und verbrachte kaum noch Zeit im Sein, außer wenn ich auf der Suche nach einem neuen Auftrag war.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum ich dann diese Zeilen hier schreibe! Der Grund ist: Ich habe etwas zu berichten. Ich denke, es ist wichtig, dieses Ereignis bekannt zu machen, andere zu informieren und vor allem zu warnen. Es ist jedoch nicht nur dieses Gefühl der Verpflichtung, welches mich zu Schreibfeder und Papier getrieben hat. Vielmehr verspüre ich das Bedürfnis, etwas aus mir zu verbannen, was ich nicht als Teil meines Selbst akzeptieren kann. Ich habe gute und schlimme Dinge erlebt, und ich möchte meine Erinnerungen daran nicht missen, denn sie machen mich aus; aber die Geschehnisse, die ich in der Begleitung Sytidons erlebt habe, wünsche ich mir fort. Jedes Erlebnis wandelt einen Menschen, und das ist richtig so, denn es gibt kein Leben ohne Veränderung (das mag der Grund sein, warum die Elben langsam aussterben – für perfekte Wesen gibt es keinen Anreiz mehr, sich zu ändern), aber zum ersten Mal befürchte ich, dass die Person, die ich nun bin, nicht mehr die ist, die ich einmal war; dass diese Veränderung mein tiefstes Wesen betrifft. Ich fühle, als sei ich jemand anders geworden – was könnte stärker davon Zeugnis ablegen als mein plötzlicher Drang, mich mitzuteilen? – und ich will nicht dieser jemand sein. Vielleicht, so hoffe ich im Geheimen, wenn ich von dieser unerwünschten Erinnerung berichte, und andere sie aufnehmen und weitererzählen, hört sie auf, ein Teil von mir zu sein, und ich kann zu meinem alten Ich zurückkehren. Doch so richtig glaube ich nicht daran.

***

Meine Geschichte beginnt in Borragohr, der Riesenstadt, aber ich will nicht auf unwichtige Details eingehen: Wie ich nach Erledigung eines anderen Auftrages im einzigen dortigen für Besucher von Menschengröße geeigneten Gasthaus Sytidon traf, und wie ich mich verpflichtete, ihn zu befördern. Ich will jedoch ein paar Worte über mein damaliges Verhältnis zu Solitari verlieren: Ich teilte die unbegründete, geradezu abergläubische Furcht, welche ihnen die meisten Menschen entgegen bringen, nicht. Vermutlich lag das an meinen Erlebnissen im Traum: Wer regelmäßig mit Trollen und Riesen verkehrte und bereits zahlreiche Begegnungen mit Traumwesen wie Basilisken, Greifen und Lindwürmern überstanden hatte, ängstigte sich nicht mehr allzu sehr vor einem Wesen seiner eigenen Größe.

Genau genommen war Sytidon sogar kleiner als ich, beinahe einen halben Kopf, obwohl ich nur von leicht überdurchschnittlichem Wuchs bin. Ich muss zugeben, ich war erstaunt, als ich ihn sah, denn mein Bild eines vollkommenen Kämpfers war untrennbar mit dem einer hochgewachsenen Gestalt verbunden. Nichtsdestotrotz wiesen ihn seine Kampfkleidung, sowie das Simul, dass er an seinem Gürtel trug, unzweifelhaft als Solitas aus, und wenn ich noch irgendwelche Zweifel gehabt hätte, so hätten der große Respekt und die ausgesuchte Höflichkeit, mit welcher die über fünfzehn Meter großen Riesen ihn behandelten, diese ausgeräumt.

Im Nachhinein, muss ich gestehen, war es wohl ein wenig Neugierde, vor allem aber Stolz, die mich bewegten ihm meine Dienste anzubieten: Stolz darauf, dass ich vor ihm keinerlei Furcht verspürte, und vielleicht auch der daraus entsprungene Wille ihm zu beweisen, dass die Aufgaben, die er zu erledigen hatte, die Wagnisse, die er einging, mich nicht schreckten. So kam es, dass wir beide uns bald zusammen in meinem kleinen Boot, der Fernweh, dessen elbischer Schwebekristall es in der Luft hält und einen geordneten Übergang zwischen Sein und Traum ermöglicht, auf dem Weg in die nördlichen Grenzländer des Riesenreiches wiederfanden.

Wie üblich flog ich in Bodennähe, um die Kräfte des Schwebekristalls nicht zu rasch zu erschöpfen, und die Landschaft zu unseren Füßen wandelte sich von Feldern, Hügeln und Wäldern zu einer immer höher gelegenen und immer stärker zerklüfteten Gebirgsregion, deren Felshänge karg bewachsen und zunehmend mit Schnee bedeckt waren. Wir sprachen nicht viel. Sytidon erwies sich als ebenso schweigsam wie ich, was mir seine Gegenwart angenehm machte. Wie sehr verabscheute ich doch das aufgeregte Geschnatter, welches die meisten meiner Passagiere, die sich zum ersten Mal körperlich im Traum befanden, unweigerlich von sich gaben, anstatt all die neuen Eindrücke still in sich aufzunehmen und zu verarbeiten! Selbst über das Ziel der Reise hatten wir nur das Allernotwendigste verabredet. Ich hatte verstanden, dass Sytidons Mission gefährlich war, fühlte mich aber in Gegenwart eines Solitas, sowie an Bord meines fliegenden Bootes, welches im Notfall mit Hilfe von Elementarmagie kurzzeitig auf eine Geschwindigkeit von beinahe zehntausend Tageskilometern beschleunigen kann, recht sicher.

Das jedoch sollte sich an dem Abend, bevor wir das Ziel unserer Reise erreichten, ändern. Ich hatte, das weiß ich jetzt, niemals zuvor in meinem Leben wirkliche Angst verspürt: Sicher gab es Situationen, in denen mir bewusst war, dass ich mich in Gefahr befand, und in denen ich daher besonders umsichtig und sorgfältig agierte, und es war auch schon das eine oder andere Mal passiert, dass ich mein Ende für gekommen hielt und mit einem Gefühl des Bedauerns mit meinem Leben abschloss, bevor durch eine unverhoffte Wendung sich doch noch eine Möglichkeit zu entkommen auftat.

Jene Form von Angst aber, die ich aus Erzählungen kannte, dieses nachgerade körperliche Gefühl, welches den Geist vernebelte und die Finger zittern ließ, hatte ich bis zu jenem Abend als Übertreibung abgetan. Heute weiß ich, dass ich niemals wirklich so mutig war, wie ich glaubte, denn Mut äußert sich darin, seine Angst zu überwinden: Wer angesichts großer Gefahr keine echte Angst verspürt, der ist entweder tollkühn, oder wie in meinem Fall ignorant, aber nicht mutig. Diese Ignoranz sollte nun ein Ende finden.

Die meisten Menschen würden bereits angesichts eines einzelnen Riesen weiche Knie bekommen, doch davor war ich natürlich gefeit. Auch ein Dutzend dieses Volkes, wie es uns nun begegnete, hätte mich nicht übermäßig beeindruckt, selbst dann nicht, wenn diese Riesen vollständig gerüstet waren, mit Kettenhemden, Äxten und Schwertern, was ein seltenes Vorkommnis war und darauf hindeutete, dass es sich bei ihnen um Angehörige der königlichen Garde handelte.

Ihre Geschwindigkeit und die Tatsache, dass sie direkt auf uns zurannten, hätte gewiss alle bis auf die allermutigsten Menschen in Panik verfallen lassen. Wir waren natürlich vorgewarnt: Bereits etliche Minuten zuvor waren ihre Schritte wie Donnergrollen an unsere Ohren gedrungen, immer lauter werdend, bis die Felsen um uns herum wie bei einem Erdbeben erzitterten, bevor die Verursacher dieses Lärms auch nur in Sicht waren.

Ihr Anblick traf uns – oder zumindest mich – dann doch unerwartet. Menschenkopfgroße Felsen zerbarsten unter ihren Stiefeln. In der Schneewolke, die sie aufwirbelten, waren entwurzelte Sträucher zu erkennen. Mit ihren wild schwingenden Armen rissen sie beiläufig Bäume aus.

All dies hätte sicherlich dazu geführt, dass ich mir Sorgen um meine Sicherheit machte, und dass ich reagierte, indem ich mein Boot in eine Höhe von achtzig bis hundert Metern steigen ließ um diese Szene, so faszinierend sie war, aus sicherer Entfernung zu verfolgen. Es hätte mich aber nicht in jene Panik versetzt, in der ich, am ganzen Körper zitternd, mich nicht von der Stelle rührte, unfähig auch nur eine Bewegung zu machen, und die mit gewaltigen Schritten näher kommenden Riesen anstarrte, während sich meine Eingeweide schmerzhaft zusammenkrampften, und ich Sytidons Anrufe ignorierte, bis er mich schließlich unsanft beiseite schob, den Steuerhebel in die Hand nahm und das Schiff rasch aufsteigen ließ, just bevor die heranstürmende Horde uns erreichte. Selbst so brachte bereits ihr Luftzug, als sie uns wenige Meter tiefer passierten, die Fernweh heftig ins Trudeln, und wir drehten uns einige Minuten um uns selbst, bis der Luftwiderstand uns abbremste und wir uns wieder stabilisierten.

Nein, was mich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich begreifen ließ, was Furcht bedeutete, war nicht die Größe jener Riesen, nicht ihre Anzahl und auch nicht die unvorstellbare Wucht, mit der sie sich ihren Weg bahnten. Es war die Todesangst, die ich in ihren Augen sah, und die sich ihren Weg direkt in meine Seele brannte. Ihr Ansturm war kein Angriff, er war eine verzweifelte Flucht. Sie stießen sich die Knie an Felsen, denen auszuweichen sie keinen Versuch machten. Einer stolperte und stürzte mit dem Gesicht voran in eine kleine Baumgruppe, die der kalten Witterung trotzte, und als er sich aufrichtete, blutete er aus zahlreichen Wunden. Ein mannsdicker Stamm steckte in seinem Hals, ohne dass er es zu bemerken schien. Bei einem anderen hatte sich die Axt halb aus seinem Gürtel gelöst und schleifte nun auf dem Erdoden, so dass er ein Gestrüpp aus Sträuchern hinter sich herzog.

Die Riesen rannten unter uns hindurch, ohne unsere Anwesenheit zur Kenntnis zu nehmen und setzten ihre Flucht fort, bis sie aus unserem Sichtfeld verschwanden, was bei unserer nunmehr größeren Höhe Stunden dauerte.

Bis dahin hatte ich mich wieder in der Gewalt und die Steuerung des Bootes wieder übernommen. Ich wandte mich Sytidon zu, der schweigend in die Richtung sah, aus der die Riesen gekommen waren und stellte ihm die Frage, deren Antwort ich nun, da ich gelernt hatte, was Angst ist, fürchtete.

„Dorthin?“

Er nickte, und ich nahm all meinen neugefundenen Mut zusammen und lenkte mein Boot den selbst bei der unterdessen untergegangenen Sonne nicht zu verfehlenden Pfad der Verwüstung entlang.

***

Eine weitere Stunde sprachen wir nicht, dann aber hielt ich es nicht mehr aus und begann, ihm die Fragen zu stellen, die in meinem Geist kreisten.

„Sytidon, was genau ist ein Schrecken? Und wie ist er in den Traum gelangt – ich dachte, sie reisen durch den Äther zu uns?“

Minuten vergingen, bis er mir antwortete. Im Schein der in die Reling eingelassen Lichtkristalle beobachtete ich, wie er im Sitzen die Spitzen seiner beiden Zeigefinger unendlich langsam aufeinander zu bewegte, so dass mit bloßem Auge kaum zu erkennen war, dass sich der Abstand zwischen ihnen verringerte; eine Solitas-Übung der Körperbeherrschung und Konzentration. Ich konnte nicht das kleinste Zittern seiner Hände wahrnehmen.

Endlich, als die beiden Fingerkuppen sich berührten, erwiderte er:

„Du weißt, dass Heimat nur eine von sieben Welten ist, die in unserem Sonnenfeld kreisen, und dass es einst acht waren?“

Ich nickte. Hölle, Dame, Heimat, Mann, Tod (die zersplitterte Welt), Auge, Ohr und Wahnsinn, so hatte ich es in der Schule gelernt.

„Die Schrecken stammen von Auge. Diese riesige Welt ist nach dem gewaltigen leuchtenden Fleck auf ihrer Oberfläche benannt, in deren Mitte sich ein dunkler Punkt von der Größe Neulands befindet. Wir nennen den Fleck die Iris und den Punkt die Pupille.“

Ich nickte wieder; so weit stand es in den Schulbüchern.

„Die Iris leuchtet, weil dies die Stelle ist, an der einer der größten Splitter Tods auf Auge eingeschlagen ist, und weil die Strahlung, welche von diesem Splitter ausgeht, sie erwärmt.“

Das hatte ich noch nicht gehört, doch es ergab Sinn: Es war allgemein bekannt, dass die Splitter strahlten, und dass die Zwerge, welche in ihnen das kostbare Splittermetall schürften, gegen diese Strahlung besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen mussten.

„In der Iris, die auf Grund jener Strahlung inmitten der eiskalten Welt Auge auf heimatliche Temperaturen erwärmt ist, hat sich Leben in fremdartigen Formen entwickelt. Zunächst winzige Klumpen organischen Materials haben sich gegenseitig absorbiert, bis schließlich nur ein einziges Lebewesen übrig blieb – jenes, das wir Pupille nennen.“

Ich öffnete meinen Mund, sagte aber nichts.

Sytidon lächelte. „Ja, Haigar – die Pupille ist das größte lebende Wesen in unserem Sonnenfeld.“

„So groß wie Neuland“, wiederholte ich, Bestätigung oder vielleicht eher Widerspruch suchend.

„Wahrscheinlich sogar größer – niemand hat sie bislang vermessen. Nun, die Pupille lebt nicht nur, sie träumt auch. So wie Menschen und Neumenschen… und auch Drachen. Und wie du als Traumpendler natürlich weißt, kann man durch den Traum überallhin gelangen, und irgendwann ist die Pupille in ihren Träumen auf unsere Welt, Heimat, gestoßen, und auf die Lebensformen, die hier existieren. Deswegen sendet sie Teile ihres Selbst aus, um dieses Leben zu absorbieren.“

„Sie will uns also fressen“, flüsterte ich.

„Nicht fressen – absorbieren, in sich aufnehmen. Obwohl es für ein absorbiertes Wesen vermutlich keinen Unterschied macht, geht es der Pupille nicht um Nahrung. Sie ernährt sich vermutlich ausschließlich von Splitterstrahlung. Nein, es geht ihr um Informationen, um Bausteine des Lebens, die anders sind als ihre eigenen, und die sie in sich integrieren kann. So ist sie entstanden, als Vereinigung aller Lebensformen, die sich in der Iris gebildet hatten. Auf Auge befindet sich nun kein anderes Leben mehr, und daher sucht sie auf anderen Welten danach.“

Ich stand stumm an der Reling und versuchte, Sytidons Aussagen zu verarbeiten.

„Diese Teile ihres Selbst, die wir als Schrecken bezeichnen, reisen sowohl im Sein durch den Äther, als auch durch den Traum zu uns. Allgemein bekannt sind nur die Ätherschrecken, welche von den Halblingpiloten in ihren Ätherjägern bekämpft werden. Diese Schlachten im Nichts sind natürlich hervorragend geeignet, um bei einer Kristallschau die Zuschauer zu faszinieren, und außerdem erzählen die Halblinge auch gerne Geschichten darüber und feiern ihre Piloten. Die Traumschrecken sind aber viel gefährlicher.“

Ich richtete meinen Blick weiterhin auf den Nachthimmel. Das Gefühl von Angst war mir immer noch neu, und ich wollte es Sytidon nicht zeigen, aber natürlich bemerkte er es trotzdem.

„Ja, Haigar – mit den Ätherjägern lassen sich Schrecken bekämpfen, ohne dass man ihnen zu nahe kommen muss, und ohne sie allzu genau zu Gesicht zu bekommen, aber hier im Traum geht das nicht.“

„Wieso ist ihr Anblick so schrecklich?“, fragte ich, mit einer Stimme, die nicht annähernd so fest war, wie ich es mir gewünscht hätte.

„Weil er uns unsere schlimmsten Ängste zeigt. Verstehst du: Das tatsächliche Aussehen der Pupille und ihrer Schrecken ist so fremdartig, dass unser Geist nicht dazu in der Lage ist, es wahrzunehmen – unsere Augen sehen es, aber unser Gehirn ist nicht fähig, aus diesen Eindrücken ein Bild zu formen. Und nichts ist so schreckenerregend für Menschen wie das Fremdartige, Unbegreifliche. Deswegen sprechen Menschen, die Schrecken begegnet sind, von formlosen, schleimigen, tentakeligen Klumpen mit zu vielen Augen, oder was auch immer… es ist das Fremdartigste, das ihr Geist fassen kann, und deswegen sind dies die Bilder, die sie in ihren Erinnerungen finden.“

„Aber es ist nicht ihr wahres Aussehen.“ Ich hatte den Versuch, meine Furcht zu verbergen, aufgegeben und drehte mich zu Sytidon um.

Zu meiner Überraschung zuckte er mit den Schultern.

„Das ist eine philosophische Frage, Haigar… Wenn wir Aussehen als das definieren, was wir wahrnehmen, und wenn wir nicht in der Lage dazu sind, ihr wahres Aussehen wahrzunehmen – wird dann nicht das, was wir zu sehen glauben, zu ihrem wahren Aussehen?“

Für einen kurzen Moment lenkte mich dieser verzwickte Gedankengang von meiner Angst ab. Dann aber brachte ich unsere Unterhaltung auf ihr eigentliches Thema zurück:

„Wenn nun aber die Schrecken, die durch den Traum reisen, so viel gefährlicher sind als die Ätherschrecken – warum gelangen sie dann nicht nach Heimat? Sind denn die Solitari dazu in der Lage, sie alle rechtzeitig zu vernichten?“

Sytidon antwortete nicht sofort, sondern sah mich einige Sekunden an. Dann richtete er eine Gegenfrage an mich:

„Fragst du, weil du eine Zusicherung hören willst, dass ich den Schrecken, zu dem unser Weg uns führt, besiegen kann? Oder willst du eine ehrliche Antwort haben, auch wenn sie dich nicht beruhigt?“

Mit einer Heiserkeit in der Stimme, für die nicht die kalte nächtliche Gebirgsluft verantwortlich war, und einem erzwungenen Lächeln entgegnete ich: „Wie wäre es mit beidem?“

Sytidon lächelte zurück. „Nun – ich habe schon einmal einen Schrecken besiegt….“

Ich atmete erleichtert auf.

„…aber ich hatte Hilfe von zwei weiteren Solitari, und er war nur ungefähr halb so groß, wie ich diesen hier einschätze.“

Ungläubig starrte ich ihn an.

„Ich fürchte, die Wahrheit ist nicht immer angenehm, Haigar.“

Für einen Moment schloss ich die Augen, ballte die Fäuste, um das aufwellende Gefühl der Panik in den Griff zu bekommen. Zum ersten Mal in meinem Leben lernte ich, mit Angst umzugehen.

Dann blickte ich ihn wieder an. „Ich weiß deine Ehrlichkeit zu schätzen, Sytidon. Und ich habe Vertrauen in deine Fähigkeiten. Außerdem ist es euch Solitari bislang schließlich immer gelungen, die Schrecken von Heimat fern zu halten…“

Es war eine kaum merkliche Veränderung in seiner Mimik, die mich unterbrach.

„Mehr unangenehme Wahrheiten?“, stieß ich fragend hervor.

Sytidon sah mich ernst an. „Ich fürchte, dass jährlich mehrere Dutzend Schrecken durch den Traum unbemerkt Heimat erreichen.“

„Aber wie kann das sein? Müsste ihre Ankunft nicht jedes Mal eine Massenpanik auslösen?“

„Du kennst Alben, Haigar?“

Die plötzliche Wendung des Gesprächs verwirrte mich. „Natürlich. Dasjenige Neumenschenvolk, welches uns den Reinigenden Krieg nicht verziehen hat und Neustadt meidet. Wie kommst du jetzt darauf?“

„Alben besitzen die Fähigkeit ihre Gestalt zu verändern. Sie können jedes menschliche oder neumenschliche Wesen imitieren.“

„Das weiß ich.“ Worauf wollte Sytidon hinaus?

„Schrecken können die Gestalt jedes lebenden Wesens annehmen, das sie absorbiert haben, und sie verfügen dann darüberhinaus über dessen Erinnerungen. Sie übernehmen daher oft die Persönlichkeit eines Menschen oder Neumenschen und führen dessen Leben fort – zumindest eine Zeit lang. Sie sammeln in der Gestalt des absorbierten Wesens Erfahrungen und Erinnerungen, bis ihr Bedürfnis, zu Auge zurückzukehren und sich wieder mit der Pupille zu vereinigen, zu groß wird. Dann reisen sie heim, und erst dann wird das Verschwinden der absorbierten Person bemerkt.“

„Oh.“ Was sonst hätte ich sagen können?

„Ein gewaltiger Schrecken so wie derjenige, hinter dem wir jetzt her sind, würde sich im Verlauf seiner Reise in zahllose kleinere aufspalten, jede von ihnen eine Kopie eines Wesens, welches er absorbiert hat. Deswegen ist es wichtig, sie so früh wie möglich aufzuhalten, bevor sie mit der Absorption beginnen.“

Ich stellte mir vor, wie viele Wesen meiner Größe ein Schrecken, der so gigantisch war, dass die königliche Garde der Riesen vor ihm floh, absorbieren könnte. Dann beschloss ich, nicht weiter darüber nachzudenken und vor allem keine weiteren Fragen mehr zu stellen, sondern mich allein darauf zu beschränken, die Fernweh auf Kurs zu halten. Ich hatte für einen Abend genug unangenehme Wahrheiten gehört.

***

Wir folgten den Spuren der geflohenen Riesen, bis wir im Morgengrauen einen schmalen Gebirgspass erreichten, der von einer Gerölllawine blockiert war. Natürlich hätte ich die Fernweh darüber lenken können, aber Sytidon bedeutete mir anzuhalten, und ich entsprach seinem Wunsch nicht ohne Erleichterung.

„Warte hier auf mich. Wenn ich bis Mittag nicht zurück bin, wechsle zurück ins Sein, nach Neustadt, und gib dem Rat der Rassen Bescheid.“ Mit diesen Worten kletterte er über die Reling und sprang in den Schnee hinunter.

„Woher weißt du, dass er in der Nähe ist?“

„Ich spüre seine Gegenwart. Solitari verfügen über einen Sinn, der ihnen die Nähe anderer Lebewesen verrät, und dieses ist besonders groß. Seine Kennung ist ungewohnt für mich, deswegen bin ich mir nicht ganz sicher, aber ich vermute, der Schrecken befindet sich hinter diesem Sturz.“

Er begann, den über dreißig Meter hohen Felsenhaufen zu erklimmen, und ich war froh, dass ich die Fernweh nicht so hoch flog, dass ich über diesen hinweg sehen konnte.

Nach einigen Metern hielt er regungslos inne.

„Er muss tatsächlich direkt dahinter sein“, murmelte er. In diesem Augenblick begannen die Felsen zu erzittern.

„…oder direkt darunter!“, rief ich, aber Sytidon hatte bereits reagiert, sich mit einem Bein kräftig nach hinten abgestoßen und einen unglaublich weiten doppelten Überschlag rückwärts gemacht, an dessen Ende er nahe der Fernweh sicher auf beiden Füßen landete.

Die Felsen bebten stärker, und die obersten begannen herabzukullern. Dann plötzlich stieben sie auseinander wie Wassertropfen vom Nacken eines sich schüttelnden Hundes. Die meisten verfehlten uns weit, entweder zur Seite, oder weil sie viel höher flogen, aber zwei oder drei mannsgroße Steine sausten auf mein Boot zu. Sytidon hob reaktionsschnell einen Arm und… tat etwas. Ich habe bis heute nicht genau verstanden, wie die Kampfmagie der Solitari wirkt, aber offenbar sind sie in der Lage, Objekte aus der Entfernung zu bewegen, so ähnlich wie die Geistlenker, nur dass sie im Gegensatz zu diesen dazu ihre Körperkräfte nutzen. Die auf uns zufliegenden Steine änderten nur ganz leicht ihre Flugbahn, so dass sie die Fernweh um wenige Meter verfehlten, aber selbst dieser minimale Richtungswechsel musste Sytidon enorme Kraft gekostet haben, und er sank in die Knie. Mein Blick jedoch näherte sich, beinahe gegen meinen Willen, jener Stelle, die eben noch verschüttet gewesen war, und fiel auf den Schrecken.

Unzählige Male habe ich seither versucht mich zu erinnern, was ich damals sah, und immer bin ich daran gescheitert. Meine Erinnerung weigert sich einfach, diesen Augenblick wiederzugeben und springt stattdessen zu jenem Punkt nur Sekundenbruchteile später voran, an dem mir die Sinne schwanden und ich ohnmächtig wurde. Es ist, als ob aus einer Kette ein Glied entfernt wurde, oder aus einem Faden ein Stück herausgeschnitten und die Enden neu verknotet. Ich entsinne mich nur, wie mir schwarz vor Augen wurde, wie ich auf dem Deck der Fernweh zusammensank, und wie Sytidon mit erschöpfter, aber ruhiger, völlig gefasster Stimme sagte: „Er ist größer, als ich erwartet hatte.“

Seitdem fürchte ich Solitari, so wie alle Menschen es tun.

***

Die Sonne hing hoch am Himmel, als ich das Bewusstsein wieder erlangte. Sytidon stand am Steuer der Fernweh und führte uns aus dem Gebirge heraus. Sobald er jedoch bemerkte, dass ich zu mir gekommen war, landete er und wandte sich mir zu. Ich stand mühsam auf, vermied es aber, ihm in die Augen zu sehen.

„Hast du ihn besiegt?“

Sytidon schüttelte den Kopf. „Ich konnte diesen Kampf nicht gewinnen.“

„Sind wir also geflohen?“

Er schien einen Augenblick nachzudenken, dann schüttelte er seinen Kopf erneut. „Wir haben verhandelt.“

„WAS?“

„Die Pupille ist nicht böse, und auch die Schrecken sind es nicht, Haigar. Dieser hier hatte bereits einen Riesen absorbiert, und so konnte ich mich ihm verständlich machen – mit Einschränkungen. Wir sind der Pupille genau so fremd wie sie uns, und unsere Vorstellungen von Leben und Tod unterscheiden sich erheblich.“

„Ich verstehe nicht“, stieß ich hervor, ohne mir sicher zu sein, dass ich verstehen wollte.

„Ich habe ein Versprechen gegeben, und im Gegenzug hat der Schrecken den Heimweg angetreten. Der Riese wusste, dass man einem Solitas vertrauen kann, und daher wusste es auch der Schrecken. Und nein, ich kann dir nicht sagen, welches Versprechen ich gegeben habe. Auch das ist Teil der Abmachung“, ergänzte er.

Verwirrt bemerkte ich, dass er begonnen hatte, seine Kampfkleidung abzulegen. „Was tust du da?“

Er ignorierte meine Frage. „Haigar, reise nach Neustadt zurück. Berichte dem Rat der Rassen, was geschehen ist.“

„Wieso tust du es nicht?“

Wieder antwortete er nicht. Nunmehr nackt nahm er sein Simul und trug es zu einem aus dem Schnee ragenden Felsen. Dann ergriff er einen faustgroßen Stein und zerschmetterte seine Waffe mit einem gewaltigen Schlag. „Berichte.“

„Du willst dich doch nicht etwa umbringen?“, rief ich entsetzt.

Noch einmal schüttelte er den Kopf. „Auch das wäre gegen die Abmachung.“

Er drehte sich zu mir um, und ich wich zurück. Er kam nicht näher. Ohne ein weiteres Wort stieg ich wieder in mein Boot und legte ab. Ich sah mich nicht nach ihm um.

Ich weiß nicht, welches Versprechen Sytidon dem Schrecken gegeben hat, und ich glaube nicht, dass ich es wissen möchte. Auf jeden Fall aber bin ich mir sicher, dass ich nicht zugegen sein will, wenn er es einlöst.

Aber was, wenn ich ein Teil davon sein sollte?

Wie Sytidon es mir aufgetragen hatte, kehrte ich zurück ins Sein und informierte den Rat der Rassen. Seitdem habe ich Neustadt nicht mehr verlassen. Nicht etwa, weil meine Sehnsucht nach fernen Ländern geringer geworden wäre, nein, im Gegenteil: Mein Bedürfnis nach neuen Eindrücken ist stärker als je zuvor. Und genau das macht mir Angst, und genau deswegen wage ich mich micht mehr in den Traum.

Was sind wir anderes als die Summe unserer Erinnerungen? Während ich dies hier schreibe, schweift mein Geist in die entlegensten Gegenden des Traums, die ich bereist habe, und darüber hinaus, zu den formlosen Strudeln, welche seine Reiche verbinden, zu einem Ort, den ich niemals gesehen habe, der ewig dunkel ist und fremd, und ich fürchte, die Sehnsucht, die mich eines Tages dazu treiben könnte, ihn aufzusuchen, wäre nicht Fernweh – sondern Heimweh.

Mein Name ist Haigar Lebegut, doch wenn ich auch weiß, wie ich heiße, bin ich mir nicht mehr sicher, wer ich bin, und dies ist meine Geschichte.

Zurück zum Überblick „Menschheitsdämmerung“
Advertisements
Veröffentlicht on Oktober 26, 2007 at 10:14 am  Comments (6)  
Tags:

6 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich finde es sehr gut, dass du mal wieder etwas geschrieben. Die Geschichte hat mir persönlich sehr gefallen, den Schluss finde ich allerdings am besten. Sehr schöne Wendung der Geschichte.
    Hoffe, dass ich auf die nächsten Teile nicht so lange warten muss.

  2. Gefällt mir nicht so gut, wie die beiden davor. Besonders die Stelle, an der du beschreibst, warum Haigar zum ersten mal Angst hast, finde ich doch etwas theatralisch.

  3. Irgendwie erinnert mich das immer mehr an Hohlbein .. Zufall? Auf jedenfall sehr interessant.

  4. Habe schon einige deiner (teilweise sehr guten) Kurzgeschichten gelesen, deine Menschheitsdämmerung allerdings noch nicht – deshalb kann ich nicht ausschließen, dass ich irgendwelche wichtigen Verknüpfungen übersehen habe (insb. bei Punkt 3 unten). Vielleicht liegt mir nun auch gerade dieses Thema/dieser Stil nicht, aber ich finde, dass du schon WEITAUS bessere Dinge geschrieben hast. Da du ja aber anscheinend deine Texte hier veröffentlichst, damit wir alle unseren Senf dazu geben können, will ich das also mal tun.

    [Bei meinem kurzen Überfliegen meines Kommentars habe ich gemerkt, dass das teilweise ganz schön kritisch klingt, deshalb dieser Disclaimer:
    Versteh mich bitte in meinem ganzen Gemecker nicht falsch: ich bin sicher, dass _ich_ nicht in der Lage wäre, etwas derartiges zu produzieren, geschweige denn es der Welt derart ‚zum Fraß‘ vorzuwerfen. Ich habe großen Respekt vor deiner Leistung und deinem Schreibstil. Was ich hier schreibe, ist also nicht wie ein „das war schlecht“, sondern wie ein „das ginge noch besser“ zu verstehen!

    Hier nun also mein Gemecker:]

    1. Worum gehts in der Geschichte überhaupt?
    Meiner Meinung nach ist die Kurz(?!?)-Geschichte für ihre Aussage entschieden zu lang. Jemand trifft jemand anderen, bringt ihn an einen nicht näher spezifizierten Ort, bekommt dann plötzlich Angst, dann passiert etwas nicht näher spezifiziertes und er fährt wieder nach Hause? Okay, Haigar sagt selbst, dass es ihm in seinen Geschichten nicht gelingt, die ‚Begeisterung‘ mitzuteilen (hat er recht…), aber eine Kurzgeschichte sollte meiner Meinung durch Form (poetischer Schreibstil, lebendige Erzählweise, sprachliche Gewandheit, …) oder Inhalt (tiefgründige Beobachtungen, schöne/ detailierte/ romantische/ spannende/ … Geschichte, moralische Aussagen…) (beide sind gleichberechtigt) oder bestenfalls beides glänzen. Form schließt Haigar schon selbst von vornherein aus (—> 2.), aber gerade am Inhalt mangelt es meiner Meinung nach.

    2. Das Gespräch der beiden zum Schluss ist meiner Meinung nach sehr glaubhaft gelungen. Ein Problem habe ich aber mit dem Anfang. Kann natürlich sein, dass das Haigar-typisch ist, aber ich bilde mir ein, dass auch schon anderswo bemerkt zu haben:
    es sind ZU VIELE KOMMAS!
    Damit meine ich nicht die Rechtschreibung, sondern den teils brutalen Satzbau:
    „Einmal geschah es mir, dass ein Erlebnis, welches ich in den Trollkönigreichen gehabt hatte, und das wiederzugeben ich mich in beschwingter Stimmung hatte überreden lassen, Jahre später zu mir zurückkam, erzählt in einer Wirtschaft in einem anderen Teil der Stadt von einem Aufschneider, der gewiss niemals im wachen Zustand auch nur eine Sekunde im Traum verbracht hatte, und dermaßen entstellt, dass ich es erst ganz zum Ende des Geschehens hin als das meine erkannte.“

    Sehr garstig finde ich auch

    „Meine Geschichte beginnt in Borragohr, der Riesenstadt, aber ich will nicht auf die unwichtigen Details, wie ich dort nach Erledigung eines anderen Auftrages im einzigen dortigen für Besucher von Menschengröße geeigneten Gasthaus Sytidon traf und mich verpflichtete ihn zu befördern, eingehen.“

    Klar kann man das im Deutschen machen, aber das muss doch nicht sein!

    Etwas merkwürdig finde ich auch die Stelle mit den Riesen, mein Gedankengang war ungefähr
    „er hat also riesige Angst.. spannend – wovor?“
    „da sind Riesen..aber er hat keine Angst vor Riesen..also was schlimmeres…spannend“
    „okay, es sind sehr viele Riesen, aber auch das scheint kein Problem zu sein, also was denn nun?“
    „ja, es sind schnelle, laute Riesen, aber sie waren ja vorgewarnt, also wovor hat er denn nun Angst?“

    Und dann dauert es noch eine ganze Weile, bis man erfährt, dass er vor dem Angst hat, vor dem die Riesen anscheinend wegrennen. Was ich ehrlich gesagt etwas ungewöhnlich finde, denn der durchschnittliche Klische-Standard-Held, der keine Angst vor Riesen/ Drachen/ Monstern jeglicher Art hat, ist von der Angst in den Augen von anderen eigentlich bestenfalls beunruhigt?!?

    3. Das große Fragezeichen zum Schluss
    Was wollte uns Haigar eigentlich sagen? Wo genau liegt sein Problem? Er hat seinen Job gemacht und dabei einmal groß Angst gehabt und deshab bleibt er jetzt zu Hause auf dem Sofa. Oookay … so what? Ich habe irgendwie das Gefühl, dass diese Frage mit dieser Pupillen-Wesen-Geschichte zu tun hat, aber da man mit den „Schrecken“ ja offenbar auch irgendwie reden kann und das Problem erstmal gelöst wurde, verstehe ich die Aufregung ehrlich gesagt nicht.

    Ganz offenbar hat er ein Problem mit seiner Traumwelt, aber das Konzept mit den Schrecken/ dem Planeten-Krams ging irgendwie im Rest unter, so dass ich jetzt nicht wirklich weiß, ob es daran lag oder nicht.

    So, das soll erstmal reichen … trotz allem: bitte weiterschreiben!!!

  5. Momo, Deinen Kommentar habe ich gerade aus dem Spamfilter gerettet – ich weiß wirklich nicht, wieso er dort gelandet ist!

    Ausführlich nehme ich nächste Woche dazu Stellung, wenn ich wieder zu Hause bin, okay?

    Auf jeden Fall vielen Dank für die ausführliche Kritik!

  6. Okay, das hat jetzt doch deutlich länger als eine Woche gedauert – sorry!

    Zum Stil: Ich denke, hier kann ich nicht leugnen, dass ich mich ein wenig an Lovecraft angelehnt habe, der natürlich nicht jedermanns Sache ist, aber ich habe es nicht in der bewussten Absicht getan, ihn zu plagiieren, sondern es ergab sich einfach aus der Thematik.

    Apropos Thema: Ja, Dir scheint ein wenig entgangen zu sein, worum es eigentlich geht. Das merke ich auch an Deinem Punkt 3: Du siehst das Problem irgendiwie nicht bzw. gehst davon aus, dass es gelöst wird… Ehrlich, ich bin mir micht sicher, ob ich jetzt einfach „auflösen“ sollte oder Dich nicht stattdessen besser bitten sollte, die Geschichte einfach noch einmal in Ruhe zu lesen – es ist immer schade, wenn man jemandem ein „Aha-Erlebnis“ mit zu viel Erklärung wegspoilert! Nur so viel: Das Problem ist nicht jener Schrecken und nicht die Traumwelt – das Problem ist er selbst…

    Ich gebe mich übrigens der Hoffnung hin, dass Dir meine Geschichte gleich ein Stück besser gefällt, wenn Du begreifst, worum es eigentlich geht!

    Zum Stil: Prinzipiell ist die Langatmigkeit beabsichtigt – das ist dieser „antiquierte“ Stil, in dem Erzähler um die letzte Jahrhundertwende gerne geschrieben haben, und der meiner Vorstellung nach zu Haigar passt. Dein zweites Beispiel allerdings, da gebe ich Dir Recht, das IST garstig – da bin ich auch mehrfach beim Drüberlesen hängen geblieben, mir fehlten jedoch die Konsequenz und Inspiration, diese Stelle zu überarbeiten. Das und ein zwei andere Dinge, die mir aufgefallen sind, bessere ich bald nach.

    Zur Angst: Die Idee ist, dass er erst lernt, was Angst ist, als er sie bei anderen sieht, und zwar bei denjenigen, von denen er sich nicht vorstellen konnte, dass sie Angst haben könnten. So begreift er überhaupt erst, dass es Dinge gibt, vor denen man Angst haben muss, weil sie schlimmer als der Tod sind. (Hier kommt wieder das eigentliche Thema der Geschichte ins Spiel, das Dir beim Ersten Lesen entgangen zu sein scheint).

    Auf jeden Fall, wie gesagt, vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar!


Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s