Das Gelände der Anstalt

(aus einem Informationsband für Erstjahresschüler der Anstalt)

Die Anstalt wurde bereits wenige Jahre nach der Gründung Arkheims südwestlich der Stadt Arkheim an der Meeresküste, auf einem Felsplateau am oberen Ende einer steil und tief abfallenden Klippe in der Arkheimer Bucht errichtet. Von der Küstenstraße her, welche mit ihrem weitgehend geraden Verlauf von Nord nach Süd die Landzunge mit dem Anstaltsvorgebirge abschneidet, führt die einigermaßen steile, gewundene, gepflasterte Anstaltsstraße zum rasenbewachsenen Vorplatz der Anstalt. Von dieser wiederum geht nach Norden ein schmalerer, stark abschüssiger Pfad ab, welcher den Weg zum unmittelbar neben der Anstalt, aber beinahe 50 Meter tiefer gelegenen Übungsgelände darstellt.

Dort, wo die Anstaltsstraße auf die Küstenstraße trifft, befindet sich eine Haltestelle für die Anstaltskutsche, welche zwischen Tangstrand und dem Großen Marktplatz in Altstadt verkehrt. Verfolgt man von dort die leicht bergab führende Küstenstraße weiter nach Süden, gelangt man rasch zum Anstaltshafen, und kurz darauf zu dem Fischerdorf Tangstrand, das allerdings auf Grund seiner Nähe zur Anstalt eine gewisse Menge an Läden und Gasthäusern aufweist, welche sowohl von Grenzenlosen, als auch von neugierigen Vollbürgern aus der Stadt Arkheim frequentiert werden. Der „Angetrunkene Grenzenlose“ ist das größte und bekannteste dieser Gasthäuser.

Nach Norden hin erreicht man nach knapp zehn Kilometern die Stadtgrenze von Arkheim (genauer: von Schwertstadt). Tagsüber verkehren auf der Küstenstraße im zweistündigen Abstand die Anstaltskutschen, welche die Strecke zwischen Tangstrand und dem Großen Marktplatz Arkheims mit zahlreichen Stopps an Haltestellen in etwa eindreiviertel Stunden zurücklegen.

Vom Anstaltshafen führt ein Fußpfad durch die Klippen des Anstaltsvorgebirges zu einem in den Felsen gehauenen Gang mit zahlreichen Treppen, der in den Katakomben der Anstalt endet. Die Türen an dessen Ende sind jedoch mit einem Zauber verschlossen und können nur in Begleitung eines Fürsprechers passiert werden. Es wird allgemein angenommen, dass zahlreiche weitere, geheime Gänge in den ausgedehnten unterirdischen Geschossen der Anstalt beginnen und an versteckten Stellen ins Freie führen.

Das Hauptgebäude der Anstalt besitzt einen regelmäßigen, achteckigen Grundriss, mit Seitenlängen von knapp 150 Metern. Es ist fünf Stockwerke hoch. An jeder Ecke befindet sich ein Turm von noch einmal zusätzlich der selben Höhe. Diese Türme werden nach ihrer Position als Nordturm, Nordostturm und so weiter bezeichnet. Es gibt zudem zwei reguläre Untergeschosse. Ein offenes Geheimnis ist jedoch, dass die den Fürsprechern zugängigen Räumlichkeiten der Anstalt noch weit tiefer reichen.

Die Rundgänge des Hauptgebäudes (in jedem oberirdischen Stockwerk einer, somit insgesamt fünf) verbinden alle außen liegenden Räume (also – die Turmzimmer und die Bibliothek ausgenommen – alle Räume mit Fenstern). In diesen Räumen befinden sich die Schlafzimmer der Schüler, sowie zahlreiche Lehr-, Aufenthalts- und Arbeitsräume und in allen Stockwerken einige Waschräume. (Die Schlaf- und Wohnstätten der Fürsprecher liegen zumeist in den oberen Turmstockwerken.) Die vom Rundgang nach innen führenden Räume werden zumeist als Lagerräume genutzt. Hier finden sich neben großen Vorräten an alltäglichen Gebrauchsgegenständen umfangreiche Sammlungen der verschiedenartigsten Objekte – Werkzeuge, Waffen, Kunstwerke, Kleidungsstücke, Pflanzen- und Gesteinsproben, mumifizierte Tiere, Amulette, Zaubertränke und -pulver etc. – aus ganz Arkheim, aber auch aus weit entfernten Gebieten einschließlich Ostfernlands, der Tagmokratie und Wildlands. Verbunden werden die Rundgänge in den verschiedenen Stockwerken von Wendeltreppen, welche sich in allen acht Türmen befinden. Die Verlängerung dieser Treppen nach oben führt zu den Turmzimmern, ihre Verlängerung nach unten in die Untergeschosse.

Im obersten Stockwerk öffnen sich die nach innen vom Rundgang abgehenden Türen in die Bibliothek, genauer: in deren Lern- und Leseraum. Dieser erhält durch zahlreiche große Oberlichter Tageslicht, ist aber auch großzügig mit Lampen ausgestattet, die ihn während der Nachtstunden erhellen, da er rund um die Uhr zur Benutzung offensteht. In ihm befinden sich neben Lese- und Schreibpulten das Zentralarchiv (in einem abgeschlossenen Büro, zu dem nur Fürsprecher Zutritt haben), Schließfächer, in denen Schüler kostbaren Besitz verwahren können, und Regale mit Druckbüchern (hauptsächlich Lehrbücher der Anstalt, aber auch Unterhaltungsliteratur) und Schreibmaterialien. Druckbücher dürfen entliehen werden. Mehrere Treppen gehen nach unten zu den tieferen Stockwerken der Bibliothek ab, in denen die Unikate (handgeschriebene Texte) aufbewahrt werden – Bücher, Manuskripte, Schriftrollen und Pergamente aus allen Zeiten und Ländern. Hier haben Schüler nur mit expliziter Genehmigung ihres Fürsprechers, und zumeist auch nur in deren Begleitung Zutritt. Auf diesen Bibliotheksräumen liegt ein Labyrinthzauber, der dafür sorgt, dass unbefugte Eindringlinge sich in ihnen verirren und keinen Ausgang finden. Wie tief die Räumlichkeiten der Bibliothek nach unten reichen, ist nicht allgemein bekannt. Allerdings gibt es zumindest in den inneren Lagerräumen der übrigen überirdischen vier Stockwerke gelegentlich Türen, von denen aus die Bibliothek betreten werden kann (jedoch nur durch Fürsprecher). Gerüchteweise zieht sich die Bibliothek den gesamten Fels hindurch bis unterhalb des Meeresspiegels.

Ein Stockwerk unter der Bibliothek befindet sich die Verwaltung der Anstalt, sowie ihr Rektorat und ihr Sekretariat. Vor dem Sekretariat lassen sich über Aushänge an den Wänden und Karteikästen im Flur die Wohnräume und Zeitpläne der Fürsprecher und Schüler einsehen.

Das erste unterirdische Geschoss des Hauptgebäudes enthält neben Wohnräumen für in der Anstalt arbeitende Vollbürger die Wäscherei, die Heizungsräume und die Wasserpumpen, von denen aus die Zimmer mit fließendem kalten und warmen Wasser versorgt und via Zentralheizung im Winter warm gehalten werden, sowie die Entsalzungsanlage und den großen Kohlekeller. An der Südwand des Gebäudes befindet sich eine Kohlenrutsche, über welche die per Ochsenkarren angelieferte Kohle direkt in den Keller geschafft wird. Der abziehende Rauch der Öfen wird durch Metallröhren zu einem nördlich weit außerhalb des Gebäudes befindlichen Schornstein geleitet. Diese Röhren sind breit genug, dass junge und schlanke Schüler hindurchkriechen können, und die Reinigung dieser Röhren von Ascheklumpen ist eine übliche Disziplinarstrafe für Erstjahresschüler. (Glücklicherweise bestehen sie jedoch aus einem alchemisch behandelten Metall, welches sich besonders leicht reinigen lässt – aber die Reinigung einer 80 Meter langen Röhre ist trotzdem eine tüchtige Arbeit!)

Das zweite Untergeschoss des Hauptgebäudes enthält Lagerräume für Objekte und Substanzen, die für zu gefährlich erachtet werden, um in den oberen Stockwerken gelagert zu werden (darunter sämtliche Gerätschaften aus Heiligem Stahl), sowie die Kerkerzellen der Anstalt. Hier werden besonders drastische Disziplinarstrafen an Schülern durchgeführt, die von bloßer Einkerkerung für einige Tage bis hin zu Auspeitschungen reichen können. Auch anstaltsfremde Gefangene können hier verwahrt werden, insbesondere einige lebende Orks für den Orkkunde-Unterricht. Das gesamte Geschoss darf nur mit expliziter Genehmigung des Meisters der Anstalt betreten werden. Nicht nur die dorthin führenden Türen sind schwer gepanzert und mit Zaubern verschlossen, auch die einzelnen Zellen und Räume besitzen zusätzliche Sicherungen und sind teilweise sogar mit gefährlichen Fallen versehen.

Auf dem höchsten Punkt des Anstaltsvorgebirges, ganz im Westen, befindet sich der Horst der Anstalt für deren Greife, sowie etwas südlich davon der Wasserturm der Anstalt. Das Trink- und Brauchwasser der Anstalt gelangt vom Wasserturm zunächst in die im Keller des Hauptgebäudes befindliche Entsalzungs- und Reinigungsanlage und wird von dort in die Trinkwasserleitungen gepumpt. Das Reservoir im Wasserturm wird wiederum außer mit Regenwasser durch Förderkörbe gespeist, welche das Meerwasser über beinahe zweihundert Meter aus der Arkheimer Bucht in das Reservoir des Turms heben. Diese Wasserkunst wird durch das Gezeitenrad der Anstalt angetrieben. Das verbrauchte Wasser wird durch eine sehr abschüssige Röhre nordwestlich der Anstalt ins Meer geleitet. An der Spitze des Wasserturms befindet sich die Morgenglocke, welche jeden Tag um 6 Uhr 30 zum Wecken läutet.

Das Gezeitenrad macht sich die sehr kräftigen Gezeiten an der fernländischen Westküste zunutze. Es ist in einen künstlich geschaffenen Damm eingelassen, welcher eine weitläufige Grotte unter dem Anstaltsvorgebirge von der See abtrennt. Bei Flut wird dieser Damm überspült, und die Grotte füllt sich mit Wasser. Bei Ebbe wird dann ein Durchlass im Damm geöffnet, durch welches dieses Wasser wieder abfließen kann. Durch dessen Wasserdruck werden die Förderkörbe angetrieben.

Um den sehr ausgedehnten Vorplatz östlich des Hauptgebäudes herum gruppieren sich weitere Gebäude: Da ist einmal im Norden die zweistöckige Mensa. In deren unterem Geschoss befindet sich der große Speisesaal für die Schüler, in dem drei Mal täglich Gratismahlzeiten ausgeteilt werden; im zweiten die Küchen sowie das Restaurant, in welchem den ganzen Tag über und auch die Nacht hindurch kostenpflichtige Mahlzeiten und Getränke erhältlich sind. Die Mensa ist mit Vorratskammern unterkellert und an die Wasserversorgung vom Hauptgebäude her angeschlossen. Sie besitzt eigene Öfen und einen eigenen Kohlekeller mit einer eigenen Kohlerutsche, sowie einen Schornstein im Gebäude selbst. Direkt neben der Mensa (und an deren Heizungs- und Wasserversorgungssystem angeschlossen) befinden sich das Badehaus und das Hospital. (Die Krankenzimmer liegen ebenerdig, während die Bade- und Massageräume im Obergeschoss durch einen separaten Eingang zu betreten sind.) Auch dieses Gebäude ist mit Vorratslagern unterkellert.

Südlich vom Vorplatz stehen zahlreiche Werkstätten, einschließlich einer Schmiede, einer Schreinerei, einer Glaserei, einer Töpferei und einer Weberei. Die größte davon ist jedoch die Druckerei der Anstalt. Sie produziert sowohl Bücher für die Bibliothek der Anstalt, als auch für den Verkauf in das gesamte Land Arkheim.

Am östlichen Ende des Vorplatzes, dort wo die Anstaltsstraße ihn erreicht, findet man an deren Südseite die Kutschhäuser und Stallungen der Anstalt. Dort sind Zugtiere (Pferde und Ochsen) untergebracht, aber auch Nutz- und Schlachtvieh (Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Hühner). In einigen gesicherten Zwingern werden zu Unterrichtszwecken wilde Tiere (mit Rücksicht auf Pfoten jedoch keine nahe mit Hunden oder Katzen verwandten) gehalten, und es gibt ein Vogelhaus. Ebenfalls östlich des Vorplatzes, auf der nördlichen Seite, links des Pfades der zum Übungsgelände führt, stehen die Gewächshäuser der Anstalt. Von einigen Ausnahmen abgesehen (insbesondere Gift- und Heilpflanzen) dienen die hierin befindlichen Pflanzen hauptsächlich der Anschauung. Es gibt ein Bienenhaus, und an einigen Komposthaufen wurden große Ameisenvölker angesiedelt.

An der nördlichsten Spitze des Anstaltsvorgebirges ragt der Meisterturm empor, dessen Spitze sich ungefähr auf einer Höhe mit den Türmen des Hauptgebäudes befindet (der Meisterturm ist jedoch auf deutlich höherem Grund errichtet und daher ein niedrigereres Gebäude). Hier befinden sich die Wohn- und Arbeitsstätten der Meisterin. Ausschließlich Fürsprecher haben hier Zutritt (und auch nur nach Voranmeldung), und Schüler dürfen sich nicht in der Nähe des Turms aufhalten. Zuwiderhandlungen werden hart bestraft. (Dass zu neugierige Schüler gelegenlich spurlos verschwänden, ist jedoch lediglich ein unbestätigtes Gerücht.) Die jetzige Meisterin, Jelana Wandelbar, pflegt ihren Turm für gewöhnlich in Greifengestalt über dessen obere Plattform zu betreten und zu verlassen, wenn sie außerhalb der Anstalt zu tun hat. Ein weiteres sich hartnäckig haltendes Gerücht besagt, dass es einen unterirdischen Gang zwischen dem Meisterturm und einem unbekannten Ort in der Stadt Arkheim gebe.

Das Übungsgebiet befindet sich nördlich des Anstaltsvorgebirges, auf der selben Landzunge, jedoch erheblich tiefer gelegen, sogar tiefer als die Küstenstraße. Es ist mit Hilfe zahlreicher hoher, bunter Masten in verschiedene Sektoren eingeteilt. Es dient dazu, Schülern die Möglichkeit zu geben, ihre Gabe zu üben, ohne andere Schüler und die Anstalt selbst zu gefährden. Ein hochgelegenes Büro am Nordrand des Geländes ist Tag und Nacht von einem Übungsleiter besetzt (einem Fürsprecher, welcher das Gelände überwacht), bei dem Schüler ihre Übungen anmelden müssen, und der darauf achtet, dass sie in den ihnen zugewiesenen Sektoren bleiben und niemand anderen gefährden, und der bei schwerwiegenden Unfällen das Hospital benachrichtigt.

Am Anstaltshafen stehen hauptsächlich einige Bootshäuser und Lagerschuppen. An seiner Mole können die Boote der Anstalt (ein halbes Dutzend), sowie ihr Schulschiff vertäut werden. Eine lange Felsenzunge, welche den südlichsten Ausläufer des Anstaltsvorgebirges darstellt und einen großen Teil des Hafengebiets abschirmt, bietet einen gewissen Schutz vor Stürmen und Flutwellen. Im Gegensatz zum Rest der Anstalt sind der Hafen und der sich südlich daran anschließende Strand bis zur Grenze von Tangstrand Hundeland.

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Veröffentlicht on Januar 14, 2017 at 9:12 pm  Kommentare deaktiviert für Das Gelände der Anstalt