Die Geografie Westfernlands

(aus einem Arkheimer Informationsband für Flüchtlinge aus Urland)

Weit östlich von Urland, jenseits des Ozeans der Versuchung liegt der Kontinent Fernland. In den geografischen Breiten des Südmeers ist er Urland am nächsten. Während der tagmokratischen Gründungskriege vor 600 Jahren sind viele Männer und Frauen der gerechten Völker dorthin ausgewandert, aber seine Besiedelung began schon Jahrhunderte früher, obgleich die Tagmokratie dies leugnet, und selbst in Arkheim wenige Zeugnisse aus jener Zeit überdauert haben. Die offizielle Gründung Arkheims wurde rückwirkend auf exakt den Tag der Gründung der Tagmokratie datiert, um die Bedeutung dieses Landes als Gegenentwurf zur tagmokratischen Gesellschaft zu verdeutlichen. Auch in späteren Zeiten stachen jedoch immer wieder Schiffe mit urländischen Flüchtlingen Richtung Fernland in See. Über diesen Kontinent ist in der Tagmokratie nur sehr wenig bekannt, da der Tagmokrat den Ozean der Versuchung zu einer Grenze erklärt hat, welche von den gerechten Völkern nicht überschritten werden darf. Schiffe des Meerbundes geraten häufig in Scharmützel mit fernländischen Kaperern und werden dabei meistens aufgebracht oder versenkt. Besiegte fernländische Schiffe hingegen werden vom Meerbund immer versenkt und alle an Bord befindlichen Personen sofort hingerichtet.

Nach der Stadt Arkheim wurde auch das gesamte Herrschaftsgebiet der fernländischen Siedler benannt – wenn eine Unterscheidung notwendig ist, spricht man von der Stadt Arkheim und dem Land Arkheim, generell wird beides jedoch schlicht mit „Arkheim“ bezeichnet.

Die Beweggründe der Auswanderer waren unterschiedlich: Ein großer Teil waren Grenzenlose (oder als solche Verdächtigte) und ihre Familien, die sich nicht anders der Verfolgung auf Urland zu entziehen wussten. Einige wohlhabende Familien waren lediglich aus politischen Gründen von Rivalen der Grenzenlosigkeit beschuldigt worden und flohen daher ebenfalls, ohne jedoch selbst dem Phänomen der Grenzenlosigkeit mit Sympathie gegenüberzustehen. Andere überquerten das Meer nicht aus Not, sondern in der Hoffnung auf größeren Reichtum und stärkeren politischen Einfluss in einem unbesiedelten Land (abgesehen von Orks natürlich, die jedoch selbstverständlich im Siedlungsgebiet ebenso wie früher auf Urland umgehend ausgerottet wurden). Eine Gruppierung von Elben, welche sich dem Stadtleben widersetzte, jedoch auch kein Interesse an dem nomadischen, primitiven Leben der Wildelben zeigte, siedelte sich in den fernländischen Waldgebieten in Baumdorf-Siedlungen an und nannte sich fortan Grünelben.

Fernland ist bislang nur zu einem kleinen Teil erforscht. Seine Besiedlung durch urländische Exilanten beschränkt sich im Wesentlichen auf den Westen – Westfernland genannt – und konzentriert sich dort auf den gemäßigten Süden, während die weiter nördlich liegenden Nadelwaldgebiete zur Zeit noch den Orks überlassen werden, und der eisige hohe Norden vermutlich größtenteils unbewohnt ist. Westfernland ist insgesamt noch in viel größerem Maß als Urland, welches seit vielen Jahren urbar gemacht wurde, bewaldet. Die Grenze zu Ostfernland bilden im Süden die Himmelberge, und nördlich davon die gedacht nach Norden verlängerte Quellmündung des Bogenflusses.

Die nach Wagenfurt östlichst gelegene Stadt Arkheims ist Goldstadt, eine Zwergenkolonie mit beinahe zehntausend Einwohnern am Westrand der Himmelberge, knapp 300 Kilometer von der Küste entfernt. Hier fördern die Zwerge allerlei kostbare Erze, welche sie sowohl in die Stadt Arkheim, als auch nach Hatachi verkaufen. An der Südküste, ein wenig weiter westlich, findet sich die Siedlung Osthafen, welche durch die gepflasterte Bergstraße mit Goldstadt verbunden ist und den letzten sicheren Hafen Arkheims auf dem Weg nach Osten bietet. Eine Verlängerung der Bergstraße von Osthafen nach Goldstadt bis Wagenfurt ist geplant und wird gewiss zu weiteren Ansiedlungen am Rand der Himmelberge führen. Osthafen hat in den letzten Jahrzehnten ein explosives Wachstum erlebt und ist mit über 120.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Arkheims.

An der Südwestspitze Fernlands liegt Kaperstadt, der Hauptflottenhafen Arkheims, von dem aus seine Kaperschiffe die Schiffe des Meerbundes angreifen. Ziel ist dabei nicht nur die Erbeutung von Waren (und die gelegentliche Befreiung von Sklaven), sondern vor allem auch eine Schwächung des Meerbundes – der Magistrat fürchtet, dass ein durch die Ausbeutung der Kolonien immer reicher und mächtiger werdender Meerbund den Tagmokraten eines Tages überzeugen könnte, seinen Einfluss über den Äquator hinaus oder sogar auf Fernland auszudehnen. Kaperstadt hat gut 50.000 Einwohner, von denen über ein Viertel der Marine angehört oder mit Marineangehörigen eng verwandt oder verheiratet ist.

Nicht ganz 1000 Kilometer nördlich von Kaperstadt, in der Arkheimer Bucht, liegt die Stadt Arkheim mit insgesamt beinahe einer halben Million Einwohnern am Delta des Bogenflusses. Dieser heißt so, weil er zunächst am Rand der Himmelberge in einer von ihm selbst gegrabenen Talrinne nach Norden fließt, dort immer stärker nach Westen abdriftet und schließlich, als ihm die Waldberge den Weg versperren, wieder gen Süden fließt, bis er – keine 200 Kilometer weiter nördlich als seine Quelle – bei Arkheim ins Meer mündet. Mehr als ein Zehntel der Einwohner des Landes Arkheim leben in Groß-Arkheim und dessen näherer Umgebung.

Auf einem von den Ausläufern der Waldberge gebildeten Kap, nahe der Treibeisgrenze, liegt Nordhafen, die nördlichste Siedlung Arkheims. Abgesehen von einigen Tausend Fischern und Walfängern, die dort leben, ist dieser Ort hauptsächlich als nördlicher Flottenstützpunkt von Bedeutung, von dem aus der nördlichste Teil des Ozeans der Versuchung patrouilliert wird, falls von dort ein unerwarteter Vorstoß der Tagmokratie geführt wird.

Zentral im Süden Westfernlands befindet sich ein Hügelland, welches als Quellmark bezeichnet wird, weil in ihm die beiden wichtigsten Nebenflüsse des Bogenflusses entspringen (sowie zahlreiche weniger bedeutende): Der Blutfluss, so benannt, weil an seinen Ufern vor 400 Jahren eine gewaltige Schlacht gegen die Orks stattgefunden hat, welcher die Quellmark nach Norden verlässt und ein wenig südwestlich von dessen nördlichstem Punkt in den Bogenfluss mündet; und der Schlangenfluss, der sich in zahlreichen Windungen seinen Weg nach Westnordwest bahnt und knapp 100 Kilometer vor Arkheim den Bogenfluss erreicht. An dieser Mündung liegt Grenzbrück, wo die gewaltige Bogenbrücke, welche den Bogenfluss überspannt, von Osten kommend die letzte Möglichkeit vor Arkheim ist, diesen trockenen Fußes zu überqueren. Hier ist der Hauptteil des Heers stationiert, dessen Aufgabe es ist, die Gebiete westlich des Bogenflusses und südlich von Nordhafen orkfrei zu halten. Grenzbrück hat 60.000 Einwohner, davon ein gutes Fünftel Zwerge.

Am nördlichsten Punkt des Bogenflusses steht Trutzburg, eine militärische Festung, welche den Schiffahrtsverkehr auf dem Bogenfluss nach Norden hin gegen die Orks absichert. Von hier aus patroullieren regelmäßig Schiffe den Fluß nach Grenzbrück im Westen, sowie nach Wagenfurt im Osten. Trutzburg hat etwa 10.000 Einwohner.

Dort, wo der Bogenfluss gerade die letzten Ausläufer der Himmelberge verlassen hat, befindet sich Wagenfurt, so benannt, weil der Fluss sich hier wenige Kilometer vorher so verbreitert, dass er flach genug ist, um mit Pferden und Ochsenkarren durchquert zu werden. Der Ort selbst ist mit kaum 10.000 Einwohnern nicht allzu groß, doch seine militärische Bedeutung ist enorm. Am Ostufer hat Arkheim den über 50 Meter hohen Feuerturm errichtet, auf dem sich gewaltige Kanonen und Schleudern für Brandgeschosse befinden, welche das Gebiet der Furt weiträumig gegen Angriffe absichern. Von hier aus führt der Hufweg in Richtung der Zentaurengebiete, doch er wird nur selten benutzt.

Weitere, weniger bedeutende Arkheimer Siedlungen befinden sich an der Küste (hauptsächlich in der Umgebung Arkheims, und nur sehr wenige an der Südküste) und entlang der drei großen Flüsse, bis hinauf zu dem Punkt, an dem sie schiffbar sind (der Bogenfluss bis Wagenfurt; der Blutfluss bis Traubenstadt, einer von Halblingen dominierten Siedlung, die für ihre Weinproduktion berühmt ist; und der Schlangenfluss bis Grünhausen, dem Tor zu den Wäldern der Grünelben), sowie entlang der Großen Heerstraße, welche von Arkheim über Grenzbrück und Kreuzbrück (am Blutfluss, ungefähr auf halbem Weg zwischen Trutzburg und Traubenstadt) nach Wagenfurt führt. In den Waldbergen befinden sich einige Bergbaustädte, in deren zumeist von Zwergen betriebenen Minen hauptsächlich Kohle und mindere Metalle gefördert werden, sowie ein Dutzend kleinere Grenzfesten mit jeweils 500 bis 1000 Mann Besatzung. Insgesamt ist Fernland ein sehr dünn besiedeltes Land, und jenseits der Großen Heerstraße und der Wasserwege, an denen sich zumindest in regelmäßigen Abständen Gasthäuser und Straßen- bzw. Wasserwachen befinden, kann ein verirrter Reisender wochenlang unterwegs sein, ohne auf einen anderen Bürger zu stoßen.

Das von Arkheim zur Zeit beanspruchte Gebiet reicht von Nordhafen entlang den Grenzfesten Richtung Südosten bis ungefähr 70 Kilometer nördlich von Grenzbrück. Von dort an dient der Bogenfluss als Staatsgrenze, und schließlich die Himmelberge. Diese Grenze wird besonders westlich von Trutzburg sehr aggressiv verteidigt: Häufige militärische Expeditionen ins Orkgebiet sorgen dafür, dass Orks einen Aufenthalt innerhalb eines Tagesmarsches von der Arkheimer Grenze mit dem Leben bezahlen. Allerdings ist selbst das Landesinnere noch nicht völlig orkfrei: In den Gebieten südlich der Großen Heerstraße, insbesondere in der Quellmark und den von den gerechten Völkern nahezu unbesiedelten Regionen südlich und östlich davon leben noch versprengte Stämme. Gelegentlich organisieren die Bürgerwehren der nächstgelegenen Arkheimer Siedlungen Orkjagden, doch fehlt es dort noch an der notwendigen militärischen Präsenz, um in diesen unübersichtlichen Gebieten einen systematischen Vernichtungsfeldzug zu führen.

Eine weitere Gefahr für Reisende sind wilde Tiere. Die auf Urland beinahe ausgerotteten Wölfe streifen hier in großen Rudeln durch die nördlichen Wälder, und die fernländischen Felsenbären sind doppelt menschenhoch und aggressiv. In den südlichen Wäldern leben große Baumlöwen, sowie Würgeschlangen, die eine Länge von einem Dutzend Metern erreichen können. Auf den Gipfeln der Waldberge nisten wilde Greife, welche die Greife der Arkheimer Luftbrigade häufig angreifen und verstören, und ihre Pegasi gelegentlich sogar reißen, aber auch Raubzüge bis in das Umland von Arkheim hinein durchführen, um Schafe und Rinder (manchmal sogar unvorsichtige Bürger, besonders Kinder) zu erbeuten. Aus den Orkgebieten im Norden dringen außerdem immer wieder gigantische Spinnen und Skorpione nach Arkheim vor, die nach vorherrschender Auffassung von grenzenlosen Orkschamanen herbeigerufen werden. In den Himmelbergen schließlich wurden wiederholt Laufdrachen gesichtet: zweibeinige Reptilien in Ogergröße mit messerscharfen Schnäbeln und Klauen, welche die Sprungkraft von Fröschen besitzen, und die angeblich immer in Paaren jagen und laut unbestätigten Gerüchten über bürgerliche Intelligenz verfügen sollen.

Eine Tabelle mit den geschätzten bürgerlichen Einwohnerzahlen aller Arkheimer Siedlungen mit Stadtrecht:

(Groß-Arkheim 480.000)
Osthafen 120.000
Altstadt 100.000
Einwärtshafen 100.000
Auswärtshafen 90.000
Dammdorf 80.000
Schwertstadt 70.000
Grenzbrück 60.000
Kaperstadt 50.000
Kreuzbrück 40.000
Palaststadt 30.000
Grünhausen 20.000
Traubenstadt 20.000
Goldstadt 10.000
Nordhafen 10.000
Trutzburg 10.000
Wagenfurt 10.000
Waldstadt 10.000

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Veröffentlicht on Januar 12, 2017 at 11:52 pm  Kommentare deaktiviert für Die Geografie Westfernlands