Erklärungen sind nicht gleich Entschuldigungen

Der archetypische Amokläufer ist an seiner Schule ausgegrenzt und gemobbt worden. Deswegen besorgt er sich eine automatische Schusswaffe und richtet damit ein Massaker unter Mitschülern und Lehrern an.

Dies mag eine Erklärung sein, und natürlich ein Ansatz, solche Geschehnisse in Zukunft zu verhindern – aber es ist keine Entschuldigung. Die Gesellschaft mag ihm Unrecht getan haben, aber das entschuldigt seine Taten nicht im geringsten – es ändert nichts daran, dass er sich als Massenmörder schuldig gemacht hat.

Ich zweifle nicht daran, dass diejenigen Menschen, welche rechtspopulistischen (eigentlich bereits neofaschistischen) Parteien und Bewegungen ihre Stimmen und ihre Unterstützung geben, tatsächliche Probleme haben, um deren Lösung sich die etablierten Parteien und unsere freiheitliche Gesellschaft insgesamt nicht ausreichend gekümmert haben. Dies ist eine Erklärung dafür, dass in den USA Trump zum Präsidenten gewählt wurde (und dass die Partei, welche ihn als Kandidaten aufgestellt hat, in allen Regierungsgremien die Mehrheit besitzt); es ist eine Erklärung dafür, dass in Grossbritannien für den Brexit gestimmt wurde; und es ist eine Erklärung für den Erfolg der AfD in Deutschland, der eigentlich nur eine Annäherung an Verhältnisse darstellt, die in unseren Nachbarländern längst Status Quo sind (FPÖ in Österreich, SVP in der Schweiz, FN in Frankreich, PVV in den Niederlanden…)

Es ist keine Entschuldigung. (mehr …)

Advertisements

V wie Vorabendprogramm

Ich habe es wieder einmal getan, ich habe Niedrig und Kuhnt gesehen.

Nun will ich nicht behaupten, dass ich das allzu selten täte. Tatsächlich neige ich dazu, diese ganzen billig produzierten Sat1-Sendungen (Richterin Barbara Salesch, Richter Alexander Hold, Niedrig und Kuhnt, Lenßen und Partner, K11 – Kommissare im Einsatz) im Nachmittags- und Abendprogramm nebenher laufen zu lassen, wann immer ich etwas tue, was nicht allzu viel geistige Aufmerksamkeit erfordert, und mir dabei ein wenig Ablenkung wünsche, insbesondere bei häuslichen Tätigkeiten.

Nun will ich mich hier nicht darüber aufregen, dass diese Sendungen schlecht sind: Klar, sie SIND natürlich schlecht, in fast jeder Hinsicht (auf dieses „fast“ komme ich gleich zu sprechen), aber das weiß ich ja. Ich schaue sie mir aber deswegen gerne an, weil sie mit diesem faszinierenden Prinzip arbeiten, einigermaßen komplexe Plots in zwanzig Minuten zu erzählen! (Die Zeit habe ich jetzt geschätzt, aber bei den ganzen Werbepausen wird das wohl ungefähr hinkommen.)

Vom erzählerischen Standpunkt aus, und insbesondere als Rollenspielleiter, finde ich das äußerst spannend. Die schauspielerischen Leistungen changieren zwar zwischen mäßig und furchtbar, und der Spannungsverlauf leidet unter einer gewissen Vorhersehbarkeit, aber die nackten Plots sind, wenn man in der Lage ist, ihre konkrete Umsetzung auszublenden, teilweise erstaunlich kreativ!

Doch ich schreibe hier ja, wie üblich, um mich über etwas aufzuregen: (mehr …)