Ich war doch schon einmal weiter?

Vielleicht sollte ich öfter in meinen alten Blogeinträgen lesen; das mag mich ab und zu davor bewahren, die selben Fehler immer und immer wieder zu machen.

Da ertappe ich mich doch zuletzt dabei, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, weil doch so viel Wichtiges in der Welt passiert, das ich nicht kommentiere (außer in kürzester Form via Twitter)… sollte mir das nicht bekannt vorkommen? O ja, das sollte es; und wichtiger: Ich sollte mich an die Schlüsse erinnern, die ich daraus bereits einmal gezogen habe!

Durch Zufall bin ich gerade über einen bald drei Jahre alten Eintrag gestolpert, den ich auf Andis Andersartige Ansichten veröffentlicht hatte. Ich werde ihn am Ende dieses Beitrags hier verlinken. Seht ihn Euch an, und Ihr werdet feststellen, dass ich ihn ebenso gut heute hätte verfassen können – selbst die wenigen aktuellen Bezüge scheinen weitgehend zu den Nachrichten der letzten Tage zu passen! Jedes einzelne Wort spricht mir auch heute noch aus der Seele. Vielleicht sollte ich diesen Text periodisch alle sechs Monate oder so veröffentlichen, denn er sagt letztlich alles Wichtige, was es zu sagen gibt – und so vergesse ich dann auch nicht, dass ich es bereits gesagt habe und nichts weiter zu sagen brauche.

Nun ja, ich denke, es hatte mit der Schließung von Zeromagic zu tun, dass ich plötzlich eine innere Verpflichtung dazu verspürte, mich im Ausgleich wieder engagierter zu politischen und gesellschaftlichen Themen äußern, was letztlich aber  – wie damals auch schon – weniger zu Produktivität als vielmehr zu Paralyse führte. Stattdessen hätte ich besser daran getan, mich gleich wieder meinen viel zu lang viel zu sehr vernachlässigten kreativen Beschäftigungen zuzuwenden (was ich unterdessen systematisch in Angriff genommen habe, wie ein Blick auf das Kapitelverzeichnis zur Anstalt von Arkheim verrät; da erarbeite ich mir gerade einen gewissen Vorlauf, um dann wieder in einen einigermaßen zuverlässigen Veröffentlichungsrhythmus zu gelangen). Nach der Einstellung meiner beiden anderen Blogs, und insbesondere nach der Aufgabe des Versuchs, bruchstückhaft Wahrheiten auf von Windmühlenflügeln verwehte Konfetti zu schreiben, steht nun also nur noch das richtige Leben meiner schöpferischen Tätigkeit im Weg. Das ist leider oft Hindernis genug.

Wenn ihr also einen der klügsten und wichtigsten Blogeinträge, die ich je verfasst habe, lesen wollt, dann klickt einfach diese Link an. (Etwaige Kommentare müsst Ihr allerdings unter diesem Eintrag hier posten.)

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Zurück zu den Wurzeln

Nachdem ich vor längerer Zeit bereits Andis Andersartige Ansichten als eigenständiges Blog aufgegeben habe (es hat jedoch als gleichnamige Artikelkategorie hier auf EIN PLATZ FÜR ANDI einen Rückzugsort gefunden), hat es nun auch mein nach Klickzahlen und Kommentaranzahl erfolgreichstes Blog, ZEROMAGIC, welches sich mit dem Sammelkartenspiel Magic: The Gathering befasste, getroffen. Eine ausführliche Begründung für meine Entscheidung findet Ihr dort, hier nur eine kurze Zusammenfassung: Es wurde mir zu viel und lähmte meine kreative Energie für anderes; das Spiel hat sich in einer Weise weiterentwickelt, die mir immer weniger gefiel; die Gedankenwelt der Spielerschaft hat sich zu weit von meiner Gedankenwelt entfernt.

Gerade habe ich die letzten Modifikationen an jenem Blog vorgenommen, um es als Archiv zu behalten. Das war ein komisches Gefühl – so ähnlich mag es sein, wenn man die Leiche eines einem nahe stehenden Menschen für die Beerdigung herrichtet, bei der sie ein letztes Mal in Augenschein genommen wird, bevor der Sarg geschlossen und im Grab versenkt wird. Nun ja, vielleicht ist es auch eher mit einer Mumifizierung vergleichbar… Je mehr ich über diesen Vergleich nachdenke, desto unheimlicher wird er mir, denn ZEROMAGIC siechte zuletzt zwar dahin, war aber noch nicht ganz tot – in gewisser Weise habe ich dieses Blog also lebendig begraben…

Schluss mit dem morbiden Gefasel! Aus Tod entsteht ja bekanntlich immer neues Leben, und so soll es auch hier sein. Der folgende Gedankengang, bei dem ich mich immer wieder ertappt hatte, besitzt nun keine Berechtigung mehr:

„Ich müsste mal wieder auf EIN PLATZ FÜR ANDI bloggen… und auf ZEROMAGIC auch… dafür habe ich aber nicht die Zeit… verschiebe ich das Ganze also lieber…“

Dem Spiel Magic, so großartig sein Konzept auch ist, gelang es immer wieder, mein Geld, meine Zeit und meine Gedanken überproportional selbst zu meinem durchaus großen Interesse daran in Anspruch zu nehmen. Finanziell habe ich diese Sucht mit der Auflösung meiner Sammlung in den Griff bekommen; um es zeitlich auf das richtige Maß zurechtzustutzen, sollte die Einstellung von ZEROMAGIC der richtige Schritt gewesen sein. Wenn jetzt auch die Zeit, die ich gedanklich damit verbringe, sich spürbar verringert, müssten eigentlich mehr kreative Energien für andere Dinge frei werden – und das wird sich dann, spätestens mittelfristig, auch auf EIN PLATZ FÜR ANDI niederschlagen.

Bis hoffentlich bald öfter also!

Die rechte Phantasie

Ich habe bemerkt, dass ich eigentlich gar kein typischer Fantasyfreund und Rollenspieler bin: Ich besitze nämlich keine konservative Weltsicht.

Das mag sich merkwürdig anhören, aber ich gelange immer mehr zu der Überzeugung, dass Fantasy – und vor allem auch Fantasy-Rollenspiel – eine besonders starke Anziehungskraft auf Menschen mit konservativer Einstellung hat! Ich will Euch sagen, wie ich auf diesen Gedanken gekommen bin: Ich habe doch vor einiger Zeit diesen Eintrag hier verfasst, und obwohl ich selbst bislang keine Schritte unternommen habe, ihn in der Rollenspielszene zu verbreiten, wurde er doch trotzdem von einigen anderen Rollenspielern gefunden.

In der Diskussion mit diesen bzw. beim Verfolgen ihrer auf meinen Eintrag bezogenen Kommentare stellte ich verschiedene Dinge fest: Zunächst einmal plädierten viele von ihnen für „klassisches“ Rollenspiel bzw. teilweise sogar für „Retrogaming“, und ihren Ausführungen konnte man entnehmen, dass sie die Entwicklung, welche das Hobby Rollenspiel in den ca. 40 Jahren seines Bestehens durchlafen hat, nicht als Fortschritte ansehen. Auch wenn ich mich nicht erinnern kann, diesen speziellen besonders belasteten Ausdruck gelesen zu haben, hat mindestens einer recht unmissverständlich deutlich gemacht, dass er Storytelling für entartetes Rollenspiel hält, und auch allgemein – zweifelsohne bewusst –  den Eindruck eines typischen Burschenschaftlers erweckt. Auch Kommentatoren, bei denen ich keinen Grund habe, sie in die wertkonservative bis reaktionäre Ecke einzuordnen, verbreiten häufig zumindest den Eindruck konservativen Bildungsbürgertums. Ebenfalls einen recht fortschrittsfeindlichen Eindruck hinterließ bei mir auch ein Forumsuser in einem Forum für ein Rollenspiel-Kartenzeichenprogramm, der sich vehement gegen die Idee wehrte, Rollenspielkarten mit modernen, computergestützten kartografischen Methoden zu erstellen, und der als Begründung anführte, dass Rollenspieler seit der Zeit von Gygax und Arneson ihre Karten immer in der gleichen, klassischen Art erstellt haben, und dass es deshalb keinen Grund gebe, es jemals zu ändern.

Was ich versuchen will zu sagen, aber in diesem kurzen Absatz vermutlich nicht vermitteln konnte: Es waren nicht nur die vertretenen Standpunkte selbst, die mich nachdenklich gemacht haben, sondern vor allem die Art der Argumentation und der begleitende Eindruck, die auf eine konservative Einstellung hinwiesen, und die sich leicht überspitzt auf immer die selbe Weise beschreiben ließen: Veränderungen können Dinge nur schlechter machen; anzustreben ist stattdessen eine Rückkehr zum ursprünglichen Zustand. Die Welt verkommt, weil sie sich von den urspünglichen, wahren Werten entfernt.

Und das ist doch genau das Leitmotiv typischer Fantasy! (mehr …)

Herzlich willkommen, lieber Leser!

Du hast Andis kreative und kritische Seite gefunden, wo er seine Geschichten, Gedichte und Spiele vorstellt, sowie gelegentliche Rezensionen und gesellschaftskritische Kommentare verfasst. Sieh‘ Dich in Ruhe um, es gibt viel zu entdecken! Andis Vorstellungsseite ist ein guter Startpunkt.

Das aktuelle Kapitel meines Fantasy-Fortsetzungsromans Die Anstalt von Arkheim ist Kapitel 99 – Magische Momente.

Published in: on September 26, 2008 at 5:58 pm  Comments (25)  
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