Erklärungen sind nicht gleich Entschuldigungen

Der archetypische Amokläufer ist an seiner Schule ausgegrenzt und gemobbt worden. Deswegen besorgt er sich eine automatische Schusswaffe und richtet damit ein Massaker unter Mitschülern und Lehrern an.

Dies mag eine Erklärung sein, und natürlich ein Ansatz, solche Geschehnisse in Zukunft zu verhindern – aber es ist keine Entschuldigung. Die Gesellschaft mag ihm Unrecht getan haben, aber das entschuldigt seine Taten nicht im geringsten – es ändert nichts daran, dass er sich als Massenmörder schuldig gemacht hat.

Ich zweifle nicht daran, dass diejenigen Menschen, welche rechtspopulistischen (eigentlich bereits neofaschistischen) Parteien und Bewegungen ihre Stimmen und ihre Unterstützung geben, tatsächliche Probleme haben, um deren Lösung sich die etablierten Parteien und unsere freiheitliche Gesellschaft insgesamt nicht ausreichend gekümmert haben. Dies ist eine Erklärung dafür, dass in den USA Trump zum Präsidenten gewählt wurde (und dass die Partei, welche ihn als Kandidaten aufgestellt hat, in allen Regierungsgremien die Mehrheit besitzt); es ist eine Erklärung dafür, dass in Grossbritannien für den Brexit gestimmt wurde; und es ist eine Erklärung für den Erfolg der AfD in Deutschland, der eigentlich nur eine Annäherung an Verhältnisse darstellt, die in unseren Nachbarländern längst Status Quo sind (FPÖ in Österreich, SVP in der Schweiz, FN in Frankreich, PVV in den Niederlanden…)

Es ist keine Entschuldigung. (mehr …)

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Demokratie ist eine Lösung – nicht DIE Lösung

Man sollte es ja besser nicht tun, aber da ich jedes Mal wieder, wenn ich meine Email abrufe, Schlagzeilen von Welt Online angezeigt bekomme, klicke ich diese auch immer mal wieder an und lese deren üblicherweise von rechtskonservativer Propaganda durchsetzte Artikel, und dann gelegentlich sogar die für gewöhnlich tiefbraun gefärbten Kommentare dazu.

Diesmal hat es aber bei mir Klick gemacht, als einer dieser Kommentatoren wieder einmal gegen die Grünen wetterte und geiferte und diese als „despotische“ Partei bezeichnete, die versuche, die Bevölkerung „umzuerziehen“, weil sie sich ein besseres Volk wünsche, und dass diese Grünen die Demokratie nicht verstanden hätten, weil sie Politik gegen den Willen des Volkes machen würden:

Der Mann (oder halt auch eine Frau, s’ist eben das Internet) hat ja so was von Recht! (mehr …)

Wahl-Los

Für den Europawahlkampf hat die SPD ja eine neue Strategie entdeckt: Sie präsentiert nicht etwa ein eigenes Image, nein – stattdessen karikiert sie ihre Konkurrenten: Die CDU als Lohn-Dumper, die FDP als Finanzhaie und die Linke als Produzenten heißer Luft. So weit, so richtig: Damit sind diese Parteien durchaus treffend beschrieben, und somit vermitteln die Sozialdemokraten dem Wähler stichhaltige Gründe, diese nicht zu wählen. (Man beachte übrigens, dass die Grünen als einzige übrige nennenswerte Partei in Ruhe gelassen werden – ob das daran liegt, dass um den einstigen Koalitionspartner wieder gebuhlt werden soll, oder ob es halt nicht ganz so einfach ist, die Grünen treffend mit einem einzigen Vergleich abzuqualifizieren, sei dahingestellt.) So weit, so gut. Aber was genau wäre denn nun ein Grund, SPD zu wählen? Das Ausschlußverfahren alleine wäre ja noch nicht eindeutig, denn die Grünen werden ja nicht angegriffen… Diese Kampagne ist ja nun schon mehrfach veräppelt worden. Einen richtig treffenden Vergleich habe ich für die SPD noch nicht gelesen. Meiner Ansicht nach wäre ein überfließendes Glas Wasser der geeignete SPD-Kopf: Ob man damit nun darauf hinweist, dass die SPD ungefähr genau so viel Profil besitzt wie ein Schluck Wasser, oder darauf dass sie sich in den letzten Jahren in der Parteienlandschaft immer überflüssiger gemacht hat, das kann man sich dann aussuchen. Ist die Strategie „Na ja, über uns gibt es auch nichts Gutes zu sagen, aber zumindest nicht so viel Schlechtes wie über die anderen“ also nicht ein wenig dünne? (mehr …)