Über das Leben als Grenzenloser

(aus einem Informationsband für Erstjahresschüler der Anstalt)

Zur allgemeinen Situation Grenzenloser in Arkheim

Jeder Grenzenlose besitzt eine Gabe und einen Wahnsinn. Seine Gabe ermöglicht es ihm, Dinge zu tun, die nach den Naturgesetzen unmöglich sind – also die durch die Natur gesetzten Grenzen zu überschreiten oder schlichtweg zu ignorieren. Die Art der Gabe eines Grenzenlosen lässt sich für gewöhnlich mit einem einzigen Begriff beschreiben. Das ist keine präzise Definition, die jedoch auch unmöglich wäre. Der Grenzenlose kann Dinge tun, welche mit seinem Verständnis seiner Gabe zusammenhängen, sei es durch eine offensichtliche Verbindung oder eine subtile, möglicherweise abstrakte Assoziation. Um seine Gabe einzusetzen, muss er die notwendige Geisteskraft aufbringen (abhängig von der Stärke der angestrebten Wirkung), sowie die Wirkung kontrollieren (um so schwieriger, je stärker die Wirkung und je abstrakter die Assoziation mit seiner Gabe ist). In Stresssituationen und besonders zu Beginn der Pubertät kann es passieren, dass ein Grenzenloser seine Gabe unbewusst und ohne Verständnis ihres Wesens anwendet. Solche Ereignisse enden häufig in Katastrophen.

Der Wahnsinn eines Grenzenlosen steht nur selten in einem direkten, offensichtlichen Zusammenhang mit seiner Gabe und scheint manchmal überhaupt keine Verbindung dazu zu haben. Er äußert sich in einem mehr oder weniger fest umrissenen, irrationalen Verhaltensmuster. Der Grenzenlose muss lernen, seinen Wahnsinn zu kontrollieren, um nicht zu einer Gefahr für sich und andere zu werden. Jedoch muss er ihm auch immer wieder zumindest für kurze Zeit nachgeben, damit er sich nicht intensiviert. Im Fall eines harmlosen Wahnsinns ist es für den Grenzenlosen ratsam, ihm sehr häufig oder sogar andauernd nachzugeben, wenn auch mit gelegentlichen Unterbrechungen, um sicherzustellen, dass der Grenzenlose ihn noch kontrollieren kann.

Die Intensität des Wahnsinns kann niemals abnehmen und stagniert deswegen im besten Fall, nimmt jedoch in der Praxis langsam (in einigen Fällen auch schneller) immer weiter zu. Die Hauptauslöser für eine Intensivierung des Wahnsinns sind extreme Stresssituationen und die Weigerung über längere Zeit, ihm nachzugeben. Sobald die Intensität des Wahnsinns eines Grenzenlosen das Maß, in welchem er seine Gabe beherrscht, übersteigt, wird der Wahnsinn unkontrollierbar und endgültig. Für einen endgültig wahnsinnigen Grenzenlosen ist der Tod eine Erlösung und eine Gnade, die ihm so rasch wie möglich gewährt werden sollte. Um das Eintreten des endgültigen Wahnsinns zu verhindern, werden alle Grenzenlosen nachdrücklichst dazu angehalten, die Beherrschung ihrer Gabe laufend zu verbessern. Außerdem wird über temporäre Ausbrüche des Wahnsinns, soweit dies möglich ist, hinweg gesehen.

Nur der Fürsprecher eines Grenzenlosen besitzt das Recht, diesen ohne zwingende Notwendigkeit nach dessen Wahnsinn zu fragen oder darauf anzusprechen; dies ist ansonsten grob unhöflich und beleidigend, wenn nicht sogar gefährlich, da Gespräche über den Wahnsinn eines Grenzenlosen diesen möglicherweise intensivieren.

Körperkontakt mit Heiligem Stahl kann eine Intensivierung des Wahnsinns verhindern, beeinflusst jedoch gleichzeitig auch die Beherrschung der Gabe negativ.

Jeder Grenzenlose in Arkheim bedarf eines Fürsprechers, ansonsten ist er vogelfrei. Vogelfreie Grenzenlose haben den Status von wilden Tieren, und alle Bürger und Pfoten besitzen das Recht, sie gefangen zu nehmen oder zu töten, wenn sie sich von ihnen bedroht fühlen. In der Praxis allerdings ist es eher üblich, dass Grenzenlose zu einem Vertreter der Anstalt von Arkheim gebracht werden, um dort einen Fürsprecher zu finden (wofür die Anstalt auch eine stattliche Aufwandsentschädigung zahlt) – jedoch geschieht dies nicht immer. Gerade in kleineren Siedlungen und abgelegeneren Gebieten werden Bürger, deren Grenzenlosigkeit gerade erst entdeckt wurde, auch heute noch gelegentlich gelyncht – selbst dann, wenn sie sich nichts zu Schulden haben kommen lassen. Der Regelfall ist es jedoch, dass vogelfreie Grenzenlose, bei denen dies gefahrlos möglich erscheint, festgesetzt werden und die Anstalt benachrichtigt wird, um sich um sie zu kümmern.

Ein Fürsprecher besitzt die Aufsichtspflicht über die ihm anvertrauten Grenzenlosen, sowie komplette Weisungsbefugnis (im Rahmen der Arkheimer Gesetze) und kann unter Umständen für deren Verhalten verantwortlich gemacht werden. Es gibt ordentliche (oder auch „permanente“) und provisorische („temporäre“) Fürsprechverhältnisse.

Provisorische Fürsprechverhältnisse gehen zumeist reisende Fürsprecher mit Grenzenlosen ein, welche der Anstalt noch nicht als Schüler zugeführt werden können: weil sie sich zu weit davon entfernt befinden; weil der Beginn des nächsten Kursjahrs noch nicht bevorsteht; oder weil die Grenzenlosen noch nicht die notwendigen Voraussetzungen für Anstaltsschüler mitbringen – insbesondere die Beherrschung der Gemeinsamen Sprache in Wort und Schrift stellt eine selbstverständliche, notwendige Bedingung für die Teilnahme am Unterricht der Anstalt als Kursschüler dar. Diese Fürsprechverhältnisse sind von vornherein zeitlich befristet (üblicherweise bis zum Beginn des nächsten oder übernächsten Kursjahrs der Anstalt) und können jederzeit von Fürsprecher oder Schüler einseitig durch eine Willenserklärung aufgekündigt werden. Grenzenlose in provisorischen Fürsprechverhältnissen erhalten provisorische Grenzenlose Zeichen aus Metall, um ihren Status kenntlich zu machen. Sie gelten als Schüler der Anstalt, auch wenn sie dort noch keine Kurse besucht haben.

Ein ordentliches Fürsprechverhältnis hingegen wird nicht nur beurkundet, sondern auch durch die Einprägung eines magischen, permanenten Grenzenlosen Zeichens in die Haut zwischen den Schulterblättern des Grenzenlosen besiegelt. (Das Entfernen dieses Zeichens – falls jemand einen Weg dazu findet – führt automatisch zur Vogelfreiheit des Grenzenlosen und wird schwer bestraft.) Der Beginn eines ordentlichen Fürsprechverhältnisses fällt in der Regel mit dem Beginn des ersten Kursjahr des Schülers zusammen. Es endet mit dem Tod des Schülers oder seines Fürsprechers, mit der Übertragung des Fürspracherechts auf einen anderen Fürsprecher (mit Einwilligung beider Fürsprecher und des Schülers), mit einer öffentlichen Lossagung des Schülers von seinem Fürsprecher (welche natürlich seine sofortige Vogelfreiheit nach sich zieht), mit der Erhebung des Schülers in den Fürsprecherstand, mit dem Entzug der Fürsprechberechtigung seitens des Meisters der Anstalt, oder durch eine Willenserklärung des Fürsprechers nach Absprache und mit Einwilligung des Meisters. Eine einseitige Aufkündigung ohne Zustimmung des Meisters durch den Fürsprecher ist zum Schutz des Schülers also nicht gestattet. Endet das Verhältnis, weil ein Schüler seinen Fürsprecher durch dessen Tod oder den Entzug von dessen Fürsprechberechtigung unerwartet verliert, geht sein Fürsprechverhältnis zunächst direkt auf den Meister über – er wird in diesem Fall also nicht vogelfrei.

Niemand (außer gegebenenfalls dem Meister der Anstalt) kann gezwungen werden, Fürsprecher für einen anderen Grenzenlosen zu werden. Auch der Schüler kann sich weigern, in ein Fürsprechverhältnis einzutreten, und es jederzeit beenden, riskiert jedoch, dadurch vogelfrei zu werden, wenn er nicht unverzüglich einen neuen Fürsprecher findet, weswegen solche Weigerungen äußerst selten sind.

Nur vom Meister der Anstalt dazu berufene Grenzenlose können als Fürsprecher fungieren (sie werden auch dann Fürsprecher genannt, wenn sie sich in keinem Fürsprechverhältnis befinden). Der Meister selbst geht mit allen Fürsprechern ein Fürsprechverhältnis ein, in welchem er die Verantwortung trägt. Er wiederum befindet sich in einer rechtlich einem Fürsprechverhältnis vergleichbaren Beziehung mit dem Magistrat von Arkheim, dem er allerdings selbst angehört.

Grenzenlose besitzen gegenüber Vollbürgern eingeschränkte Bügerrechte. Insbesondere geht ihnen sowohl das passive, als auch das aktive Wahlrecht ab, sie können kein staatliches Amt bekleiden (die einzige Ausnahme ist der Sitz des Meisters der Anstalt von Arkheim im Magistrat), und sie dürfen nicht im Pfotenkrieg Partei ergreifen und keine Freistätten auf in ihrem Besitz befindlichen Grundstücken bereitstellen. Weitere Einschränkungen und Verpflichtungen ergeben sich aus ihren Fürsprechverhältnissen und den Regelungen der Anstalt. Jedoch werden Grenzenlose ab dem Schüleralter in allen anderen Dingen als Erwachsene behandelt. Insbesondere sind sie voll geschäftsfähig und berechtigt, Dienstleistungen oder auch Arbeitsangebote für Erwachsene anzunehmen.

Die Anstalt von Arkheim ist eine Freistatt für Grenzenlose – genau genommen die einzige. Zwar dürfen sich Grenzenlose auch an anderen Orten aufhalten, doch unterstehen sie letztlich immer der Autorität des Meisters der Anstalt. Der jetzige Meister der Anstalt ist Jelana Wandelbar. Ihre Gabe ist der Gestaltwandel. Ihr Alter ist unbekannt, und streng genommen gilt dies auch für das Volk und das Geschlecht, dem sie angehört, doch nach eigener Aussage ist sie eine Menschenfrau, und zumeist tritt sie auch in solcher Gestalt auf, wenn sie auch zweifelsohne weit älter ist als der etwa fünfzigjährige Körper, den sie dabei zeigt.

Alle nicht vogelfreien Grenzenlosen außer dem Meister gelten als Schüler oder Fürsprecher der Anstalt. Ein Grenzenloser bleibt so lange Schüler, bis er zum Fürsprecher ernannt wird, vogelfrei wird oder stirbt. Die Ernennung zum Fürsprecher der Anstalt hängt nur bedingt von der Beherrschung der Gabe und den schulischen Leistungen eines Grenzenlosen ab, obgleich diese sich natürlich positiv auswirken, sondern hauptsächlich davon, ob dieser geeignet ist und benötigt wird, eine mit einem Fürsprecher zu besetzende Funktion zu erfüllen. Einige wenige Grenzenlose bleiben bis ins hohe Alter Schüler. Die meisten jedoch überleben die ersten fünf Jahre ihrer Schulzeit nicht.

In der Anstalt selbst leben zur Zeit etwas mehr als 1000 Grenzenlose (sowie etwa 500 Vollbürger). Von den insgesamt etwas über 200 Fürsprechern befindet sich nur ein gutes Viertel als Anstaltsfürsprecher in der Anstalt selbst, wo diese als Kursfürsprecher einer Lehrtätigkeit nachgehen oder andere Funktionen ausüben. Weiterhin gibt es reisende Fürsprecher, zu deren Aufgaben es gehört, Grenzenlose ausfindig zu machen und der Anstalt zuzuführen, die aber auch Aufträge im Namen der Anstalt durchführen oder koordinieren; sowie Verbindungsfürsprecher, welche die Beziehungen der Anstalt zu wichtigen Institutionen und einflußreichen Personen pflegen.

Über das Leben in der Anstalt

Der Lehrplan der Anstalt sieht sowohl die Aneignung theoretischen Wissens, als auch eine Vielzahl praktischer Übungen und Prüfungen vor. Letztere können auch Unternehmungen sein, deren Erfüllung im Interesse der Anstalt oder des Magistrats von Arkheim liegt. Viele Anstaltsaufträge sind äußerst gefährlich, und das Versagen auf einem solchen Auftrag stellt die Haupttodesursache unter Grenzenlosen dar. (Die zweithäufigste Todesursache ist das Eintreten des endgültigen Wahnsinns.) Kursschüler sind jedoch auf Grund ihrer Unerfahrenheit, aber auch der Schwierigkeit mit ihrem Leben als Grenzenlose umzugehen, kaum weniger gefährdet als Auftragsschüler. Nur knapp die Hälfte der Schüler übersteht die ersten fünf Kursjahre. Die übrigen sterben, verfallen endgültig ihrem Wahnsinn oder werden vogelfrei.

Von den etwas über 2000 Schülern der Anstalt besuchen nur knapp die Hälfte Kurse. Die übrigen absolvieren so genannte Auftragsjahre. In diesen führen sie Aufträge im Namen der Anstalt aus. Dabei können sie jahrelang der Anstalt fernbleiben (manche Aufträge führen auf andere Kontinente), oder in der Anstalt leben und Aufträge in derer näheren Umgebung ausführen (sogenannte „Nahaufträge“).

Üblicherweise sind die ersten fünf Schuljahre Kursjahre, und alle späteren Auftragsjahre, aber es kommt sowohl vor, dass ein besonders talentierter Schüler bereits früher zum Auftragsschüler wird, als auch, dass ein Auftragsschüler für ein oder zwei Jahre wieder Kurse besucht – zur Fortbildung oder Wissensauffrischung, oder um den lehrenden Kursfürsprecher zu unterstützen. Die ersten drei Jahre jedoch ist nahezu ausnahmslos jeder Schüler Kursschüler. Allerdings werden auch Kursschüler gelegentlich zu Aufträgen herangezogen, wobei der Unterrichtsausfall aber nach Möglichkeit minimiert wird – es handelt sich also zumeist um Nahaufträge oder „Wochenendaufträge“, die an den Übungstagen (Neun- und Zehntag) zu absolvieren sind.

In den ersten beiden Kursjahren besuchen alle Schüler die acht Grundkurse Gesellschaftskunde, Gesundheit, Konzentration, Mathematik, Metaphysik, Naturkunde, Ritualisierung und Symbolismus, welche jeweils als Stufe 1 und 2 angeboten werden (das Bestehen des ersten Kurses ist Bedingung für den Besuch des entsprechenden Kurses der Stufe 2). Es wird allen Schülern nachdrücklichst empfohlen, diese Kurse in der dafür vorgesehenen Zeit von zwei Jahren zu bestehen. Es kommt zwar durchaus vor, dass Schüler einzelne Kurse wiederholen müssen, doch wird dies nicht gern gesehen und zieht häufig Disziplinarmaßnahmen nach sich. Spätestens am Ende seines dritten Kursjahrs sollte ein Schüler jedoch alle Grundkurse bestanden haben, ansonsten läuft er Gefahr, dass sein Fürsprechverhältnis aufgelöst wird.

Insgesamt besucht ein gutes Drittel der Kursschüler Grundkurse, und in den einzelnen Grundkursen befinden sich zwischen 30 und 50 Schülern. Der Besuch von Wahl- und Förderkursen variiert hingegen stark. Dabei haben insbesondere Förderkurse häufig deutlich weniger Teilnehmer. Eine einstellige Schülerzahl ist hier nichts Ungewöhnliches, und in manchen Jahren fand ein Förderkurs auch bereits mit nur drei Teilnehmern statt.

Der grundlegende Zeitplan für die Schüler der Anstalt ist folgender: Von sieben bis acht Uhr morgens wird in der Mensa Frühstück serviert. Die Vormittagskurse finden in der Zeit von acht bis zwölf statt. Zwischen zwölf und dreizehn Uhr gibt es in der Mensa Mittagessen. Die Nachmittagskurse dauern von dreizehn bis siebzehn Uhr. Abendessen wird in der Mensa zwischen siebzehn und achtzehn Uhr eingenommen. Eine Anwesenheitspflicht besteht für die Schüler allerdings nur in ihren Kursen, falls ihr Fürsprecher ihnen nichts anderes sagt, und sie dürfen sich ansonsten sogar auch außerhalb der Anstalt aufhalten – selbst nachts.

In den ersten drei Jahren ihrer Schulzeit schlafen die Schüler in Doppelzimmern im ersten Obergeschoss (Erdgeschoss). Sie können bezüglich ihrer Zimmergenossen Wünsche anmelden, denen ihre Fürsprecher für gewöhnlich nachkommen. Schüler werden hierbei weder nach Geschlechtern noch nach Völkern getrennt. Nach den ersten drei Schuljahren erhalten Schüler Einzelzimmer in den höheren Geschossen der Anstalt.

Jeder Fürsprecher darf jederzeit jedes Schülerzimmer betreten und die persönliche Habe der Schüler (auch in den Schließfächern der Bibliothek) durchsuchen und konfiszieren. Normalerweise passiert dies jedoch nur bei begründetem Verdacht auf einen Regelverstoß. Weiterhin darf jeder Fürsprecher jeden Schüler jederzeit mit einer Disziplinarstrafe belegen. Dies geschieht üblicherweise durch einen Kursfürsprecher bei einem Fehlverhalten des Schülers während des Unterrichts. Ansonsten wird meistens stattdessen der Fürsprecher des Schülers unterrichtet, welcher dann über die Verhängung einer Strafe entscheidet.

Schüler erhalten von der Anstalt ein Taschengeld von zehn Kreuzern pro Tag, ausgezahlt zum Wochenende. (Taschengeldentzug ist eine der häufigsten Disziplinarstrafen.) Es ist streng verboten, zu Beginn der Schülerzeit Vermögen in die Anstalt mitzubringen, welches der Grenzenlose sich nicht selbst verdient oder von anderen Grenzenlosen erhalten hat. (Ausnahmen für kostbare persönliche Gegenstände wie insbesondere Waffen, Musikinstrumente oder Werkzeuge sind jedoch möglich.) Auch finanzielle Unterstützung seitens der Familie oder durch vollbürgerliche Freunde ist nicht gestattet. Grenzenlose können sich jedoch mit Einwilligung ihres Fürsprechers auch in ihrer Schülerzeit Geld hinzu verdienen, und Grenzenlose dürfen untereinander frei Vermögenswerte austauschen. Auch in der Anstalt selbst gibt es Zuverdienstmöglichkeiten. Findige Schüler werden jedoch außerhalb der Anstalt weit mehr verdienen. Besonders Prostitution stellt hierzu eine einfache Möglichkeit dar, da viele Bürger die Vorstellung erregend finden, Sex mit Grenzenlosen zu haben.

Die Grundausstattung der Schülerschlafzimmer (Bett, Schrank, Nachttisch, Stuhl, Arbeitsfläche, Lampen und Vorhänge), regelmäßige Mahlzeiten, sowie sonstiger grundlegender Bedarf (einfache Kleidung, Gegenstände persönlicher Hygiene, Lampenöl, Schreibzeug, Lernmaterialien) werden von der Anstalt gestellt, ebenso wie medizinische Versorgung. Weibliche Schüler erhalten auf Wunsch auch die Frauenwurzel, um Schwangerschaften vorzubeugen. (Mutterschaft ist Schülern nur mit besonderer Genehmigung ihres Fürsprechers erlaubt, die äußerst selten erteilt wird. Unerlaubte Schwangerschaften werden umgehend im Hospital beendet.) Sonstigen persönlichen Besitz muss der Schüler mit Hilfe seines Taschengelds und selbst verdienten Gelds erwerben. Neben dem kostenlosen allgemeinen Schüleressen in der Mensa sind im Restaurant auch vielfältigere und schmackhaftere Mahlzeiten zu üblichen Gaststättenpreisen erhältlich. Günstiger als entsprechende Dienstleistungen in der Stadt Arkheim sind diejenigen im Badehaus: So kostet ein heißes Schaumbad zwei Kreuzer, und eine Ganzkörpermassage siebzehn Kreuzer.

Einfache Arbeiten in der Anstalt werden in der Regel von Vollbürgern durchgeführt, so zum Beispiel Putzen, Kochen und Waschen, sowie Hilfsarbeiten, simple Instandhaltungsarbeiten und handwerkliche Tätigkeiten, aber auch die Bedienung in Restaurant und Badehaus. Schüler werden zu solchen Arbeiten nur zu Ausbildungs- oder Disziplinarzwecken herangezogen. Der größte Teil dieser Vollbürger wohnt im ersten Untergeschoss der Anstalt, doch einige besitzen stattdessen auch Räumlichkeiten in den Nebengebäuden, in welchen sie ihren Dienst verrichten.

Vollbürger dürfen das Anstaltsgelände nur betreten, wenn sie dort arbeiten, etwas anliefern oder abholen oder in offiziellem Auftrag handeln. Fürsprecher können jedoch Ausnahmegenehmigungen erteilen. Zu den in der Anstalt arbeitenden Vollbürgern ist von seiten der Schüler jeglicher Kontakt auf das absolut Notwendige zu beschränken. Ansonsten dürfen Grenzenlose aber außerhalb der Anstalt normale Beziehungen zu Vollbürgern unterhalten. Jegliche Einbindung von Vollbürgern in Anwendungen der Gabe eines Grenzenlosen ohne zwingenden Grund zieht allerdings drakonische Strafen nach sich. Überhaupt ist jeder potenziell gefährliche Einsatz der Gabe ausschließlich unter Aufsicht eines Fürsprechers, nach Anmeldung auf dem Übungsgelände, oder im Rahmen der Erfüllung eines Auftrags der Anstalt erlaubt.

In der Anstalt arbeitende Vollbürger sind jederzeit an ihrer einheitlich grauen Anstaltskleidung zu erkennen. Schülern ist es auf dem Anstaltsgelände nicht gestattet, sich in ähnlicher Weise anzuziehen. Die von der Anstalt zur Verfügung gestellte Schülerkleidung ist, um Verwechslungen auszuschließen, von einem dunklen, erdigen Braun, und deutlich anders geschnitten.

Die so genannten Anstaltskutschen fahren jeden Tag um 5 Uhr 30, 7 Uhr 30, 9 Uhr 30, 11 Uhr 30, 13 Uhr 30, 15 Uhr 30, 17 Uhr 30, 19 Uhr 30, 21 Uhr 30 und 23 Uhr 30 an einer Haltestelle zwischen Tangstrand und dem Anstaltshafen, sowie zeitgleich vom Großen Marktplatz in Altstadt ab. Wenige Minuten nach ihrer Abfahrt erreicht die von Tangstrand kommende Kutsche die Haltestelle an der Anstaltsstraße. Nach jeweils knapp eindreiviertel Stunden gelangen die Kutschen an ihr Ziel. Diese Strecke wird vom Magistrat subventioniert: Eine Fahrt bis maximal zur Arena (aus beiden Richtungen) kostet für Anstaltsschüler 5 Kreuzer, für andere Bürger 10 Kreuzer. Längere Fahrten kosten 7 beziehungsweise 14 Kreuzer. Pfoten dürfen, sofern Platz vorhanden ist, gratis mitfahren (Hunde im Fußraum, Katzen auf dem Dach).

Die Anstalt nimmt im Pfotenkrieg offiziell eine neutrale Position ein, und keinem ihrer Angehörigen ist es erlaubt, Pfoten eine dauerhafte Freistatt zu bieten, oder sich öffentlich für eine Kriegspartei auszusprechen. (Privater freundlicher Umgang mit Pfoten ist jedoch uneingeschränkt gestattet.) Das Anstaltsgelände mit Ausnahme des Hafengebietes ist Katzenland, der Hafen ist Hundeland.

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Veröffentlicht on Januar 16, 2017 at 1:44 am  Kommentare deaktiviert für Über das Leben als Grenzenloser