Über das Leben in der Tagmokratie

(aus einem Arkheimer Schulbuch)

In der Tagmokratie berufen Gemeinden Wahlbürger, welche in der fünfjährlich stattfindenden tagmokratischen Versammlung das Konzil wählen, dessen Aufgabe es ist, den Tagmokraten zu beraten und ihm die alltägliche politische Arbeit abzunehmen, sowie bei seinem Ableben einen neuen Tagmokraten zu bestimmen. Das Wahlrecht der Bürger ist gewichtet nach ihrer Kodextreue und Bedeutung für die Gemeinschaft. Das Konzil wiederum bestimmt Quästoren, welche die Gemeinden in seinem Auftrag verwalten, indem sie Junker und Beamte bestimmen (Junker verwalten den Gemeinden untergeordnete Gebiete, während Beamte sich mit funktional gegliederten Verwaltungsaufgaben befassen – Stadtplanung, Landwirtschaft, Militär, Lehre etc…)

Von allen Bürgern der Tagmokratie wird erwartet, dass sie den tagmokratischen Kodex befolgen – eine Gesetzessammlung von vielen zehntausend Seiten, in denen Aufgaben und Pflichten aller Bürger detailliert dargelegt sind. Verstöße werden je nach Schwere mit Geld- oder Arbeitsstrafen; einer Verminderung des Wahlrechts (einhergehend mit einer Verringerung des Einkommens); der Verbannung in eine unterentwickelte, ländliche Region; oder (im Fall von Grenzenlosigkeit) mit Tod bzw. Entsendung in die Kolonien als Sklaven geahndet.

Staatsreligion ist der Gerechte Glaube, dessen Fundament das Vertrauen in und die aktive Aufrechterhaltung der Ordnung in allen Bereichen der Existenz ist. Neben den Quästoren bestimmt das Konzil auch die Bischöfe der Gemeinden, deren Aufgabe es ist, die Einhaltung des Kodex zu überwachen und die Wahrhaftigkeit der Lehre sicherzustellen. Außerdem gibt es in vielen Gebieten der Tagmokratie Klöster, welche Gemeinderechte besitzen, und denen Äbte vorstehen, die üblicherweise vom Kloster selbst vorgeschlagen werden, jedoch einer Anerkennung durch das Konzil bedürfen.

Die vier gerechten Völker leben innerhalb einer Gemeinde in getrennten Gebieten (Vierteln), dürfen jedoch gemeinsam arbeiten, beten und lernen, sowie untereinander Handel treiben. Für das Verlassen der heimatlichen Gemeinde bedarf ein Bürger der schriftlichen Erlaubnis seines Quästors; für das Betreten der oder das Ansiedeln in einer fremden Gemeinde entsprechend der Erlaubnis des dortigen Quästors.

Alle bisherigen Tagmokraten waren Elben, und auch der Großteil des Konzils wird von Angehörigen dieses Volkes gebildet.

Die letzten größeren kriegerischen Handlungen in Urland selbst fanden vor knapp achtzig Jahren in Schattenland statt, als ein Aufstand einiger abtrünniger Gemeinden niedergeschlagen wurde und dessen Rädelsführer nach Fernland flohen oder beim Versuch der Flucht umkamen. Um einer Wiederholung solcher Vorfälle vorzubeugen, wurde die schattenländische Inquisition eingerichtet, welche direkt dem Tagmokraten untersteht und im Verborgenen arbeitet. Im Fall von auftretender Grenzenlosigkeit ist ein Inquisitor jedem Bürger gegenüber, der nicht dem Konzil angehört, weisungsbefugt und kann Recht sprechen und Urteile sofort vollziehen.

Die Wildelben im Südwesten der Tagmokratie werden, von gelegentlichen Strafaktionen der Gerechten Armee abgesehen, weitgehend ignoriert. Militärische Konflikte finden im Wesentlichen auf Wildland (bei der Errichtung, Verteidigung und Vergrößerung der Kolonien) sowie auf dem Ozean der Versuchung mit fernländischen Kaperern statt. Zur Zwergenkolonie auf den Weißen Inseln herrscht ein angespanntes Verhältnis, es wird aber auch Handel getrieben, da die Zwerge dort wichtige Erze fördern. Die unwirtlichen Gebiete, in denen die Oger leben, sind für die Tagmokratie nicht von Interesse, auch wenn sie formell Anspruch auf die Oberhoheit darüber erhebt.

Übliche Transportmittel sind das Pferd, Pferdekutschen und Ochsenkarren, sowie Boote (im hohen Norden auch Hundeschlitten). Wanderungen zu Fuß sind höchst unüblich – Vagabundismus ist nach dem Kodex strikt untersagt.

Das Bewaffnungsrecht eines Bürgers hängt mit seinem Wahlrecht zusammen. Dolch und Knüppel sind jedem Bürger zur Selbstverteidigung gestattet. Die Schwerterlaubnis hingegen ist ein Privileg. Fernwaffen (Bögen, Armbrüste, Arkebusen) dürfen nur mit besonderer Genehmigung (für Militär oder Wildhüter zum Beispiel) geführt werden. Der Besitz und die Benutzung von Schleudern wird bei Kindern toleriert, bei Erwachsenen jedoch streng bestraft. Knallpulver ist grundsätzlich staatliches Eigentum.

Kirchenbesuche finden in den Morgen- und Abendstunden statt. Religiöse Symbole des Gerechten Glauben sind die fünf geordneten Körper, die jeweils einer Altersgruppe zugeordnet sind: Tetraeder für Junge, Hexaeder für Kinder, Oktaeder für Schüler, Dodekaeder für Erwachsene und Ikosaeder für Alte.

Sowohl von Frauen, als auch von Männern wird erwartet, dass sie für ihren und den Lebensunterhalt ihrer Familie arbeiten. Dabei sollen Frauen Tätigkeiten ausüben, welche mit ihrer Rolle als Mutter vereinbar sind (was in keinem Fall militärischen Dienst bedeutet). Eine Frau kann das Mannrecht erwerben, falls sie nachweist, dass sie für männliche Tätigkeiten besser geeignet ist (das Mutterrecht wird ihr dann entzogen). Viele Frauen machen davon Gebrauch, sobald sie zu alt für das Gebären von Kindern geworden sind. Manche Gemeinden, die ihr Bevölkerungswachstum zu regulieren wünschen, setzen hierfür auch finanzielle Anreize. Ein Mann kann jedoch niemals Mutterrecht erwerben.

Die Gemeinden und Straßen der Tagmokratie sind vergleichsweise (verglichen mit der Zeit vor der Gründung) sicher. Verbrechen gibt es zwar, doch von gerecht lebenden Bürgern wird erwartet, ihm durch Umsicht und Vernunft aus dem Weg zu gehen. Wer fahrlässig Opfer eines Verbrechens wird, muss damit rechnen, ebenso wie der Täter bestraft zu werden, da er diesen in Versuchung geführt hat.

Der erste und letzte Satz des tagmokratischen Kodex lautet: LEBE ALLZEIT GERECHT UND WIDERSTEHE DER VERSUCHUNG DES GRENZENLOSEN!

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Veröffentlicht on Januar 11, 2017 at 9:15 pm  Kommentare deaktiviert für Über das Leben in der Tagmokratie